Web 2.0 und Social Media gegen LMS?

Am 23. und 24. März lud SWITCH die E-Learning-Verantwortlichen der Schweizer Hochschulen an die jährliche eduhub-Tagung nach Lugano ein. Die Keynotes widmeten sich dem schon seit geraumer Zeit aktuellen Thema Web 2.0 und Social Media. Die Tagung bot eine eigentliche Werkschau der E-Learning-Fachstellen an Schweizer Universitäten und Hochschulen. In der Keynote zum Auftakt gingen Florian Gnägi (frentix) und Andrea Back (UNISG) der Frage nach, ob Learning Management Systeme im Zeitalter von Web 2.0 und Social Media noch zukunftsfähig sind. Florian Gnägi (Pro LMS): Ein LMS ist in der Regel stabil, organisierbar und zuverlässig, es ist ein «rechtlich abgesicherter Raum». Web 2.0-Dienste dagegen diktieren ihre Nutzungsbedingungen, verkaufen Personendaten usw. Andrea Back (Pro Web 2.0): Ein LMS ist umständlich, man muss es mühsam einrichten, komplizierte Rechtevergabe etc. Dagegen sind die Web 2.0-Tools umgehend da, sie sind kostenlos, mit umfangreicher Funktionalität.

Die Präsentationen (Slideshare):

Florian Gnägi (Pro LMS): Do LMS have a Future?

Andrea Back (Pro Web 2.0): In the age of Web 2.0, do we really need an LMS?

Das Lager der Zuhörenden scheint geteilt. Auch für Google Docs sei ein Login notwendig, meint ein Zuhörer, man müsse dort genauso die Nutzerrechte regeln. Der Vergleich des kostenlosen Web 2.0-Tools hinke, und schliesslich sei ein OpenSource LMS auch kostenlos. Studierende mit niedrigen Kenntnissen wünschten EINE überschaubare Lernumgebung, keine Ansammlung von unterschiedlichsten Tools. Andere geben zu bedenken, Studierende wollen doch «als Person» lernen, nicht «als LMS». Und mit Netvibes, lasse sich eine mindestens so übersichtliche Startplattform wie im LMS organisieren. Das eine tun und das andere nicht lassen, dies das Fazit Publikumsdiskussion. Florian Gnägi räumt ein, dass Web 2.0-Tools schliesslich auch mit IMS LTI ins LMS integriert werden können. Entsprechende Beispiele waren an der Tagung dann zu sehen, etwa GoogleDocs, integriert in Moodle.

Die Integration von Web 2.0-Tools in eine geschlossene Lernumgebung war denn auch Thema von mehreren vorgestellten Projekten, beispielsweise das vorgestellte Projekt ELBA2: Tools wie Forum, Wiki oder Umfrage werden auf die absolut notwendigsten Funktionen reduziert und können auch von ungeübten Benutzern problemlos eingesetzt werden. Auch SWITCH bietet mit der SWITCHtoolbox einfach einsetzbare E-Learning-Instrumente an. Der Trend nach einfachen, überschaubaren Tools ist unübersehbar. Web 2.0 beeinflusst die Weiterentwicklung der LMS. Beide werden sich in den nächsten Jahren wohl weiter annähern.

Einen guten Überblick zu Web 2.0 und Social Media in der Lehre gibt der lesenswerte Blogbeitrag von Andreas König. Studierende hätten nicht unbedingt auf die Einführung von Social Media in der Lehre gewartet, der Einsatz sei nicht immer so problemlos, wie dies die glühenden Verfechter von Web 2.0 behaupten mögen. Schliesslich sind Facebook, Twitter & Co. typische Freizeitmedien und nicht Jede/r mag Dozierenden Zugang dazu gewähren.

 

Einen glühenden Verfechter von Social Media lernten die Besucherinnen und Besucher mit dem Schlussreferenten, Teemu Arina, kennen. Er zündete ein leuchtendes Feuerwerk zu «Learning Environments in the Cloud Era» (Slideshare). Dutzende von Web 2.0-Tools, viele bunte Grafiken. Ob sich angesichts dieser Regenbogen-Didaktik mancher insgeheim nach dem etwas trockenen LMS zurücksehnt? …

 

2 Gedanken zu „Web 2.0 und Social Media gegen LMS?“

  1. Besten Dank für diesen interessanten Beitrag.

    Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen.
    Ein in sich abgeschlossener, «sicherer» Raum eines LMS macht für mich immer noch Sinn. Dort drin spielt sich alles ab, was mit Schule und Studium zu tun hat. Blöd nur, dass die dort gesammelten, erarbeiteten Sachen nach dem Weggang aus der (Hoch-)Schule nicht mitgenommen werden können.
    Die Werkzeuge von Web-2.0-Angeboten sind gegenüber den starren LMS oft viel fortschrittlicher und einfacher in der Handhabung. Gerade für die Zusammenarbeit verzichtet man ungern auf diesen Komfort.

    Ich merke, dass die Trennung zwischen Arbeit/Schule und Privatem für mich bedeutungsvoll ist. Oft lerne ich Tools privat kennen und nutzen und genau diese sollen dann auch für die Arbeit/Schule verwendet werden. Ich will aber vielleicht gar nicht, dass mein Lehrer/Dozent/Chef immer sieht, wann ich online bin. Vielleicht stört es mich, dass meine privaten Links oder Dokumente durchstöbert werden können. Sollen auch Arbeitskollegen meine Statusmeldungen in Social Communities lesen können? Nicht unbedingt.
    Es ist also wichtig, dass man bis zu einem gewissen Grad Berufliches und Privates innerhalb der Web-2.0-Dienste trennen bzw. organisieren kann. Dann lassen sie sich auch für mich problemlos nutzen.

    Web-2.0-Dienste beeinflussen die Weiterentwicklung der LMS. Das ist gut so.

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