Nationalfriedhof und Gedenkstätte zum Gwangju-Aufstand, Ende der Reise

20140613-204626-74786067.jpgDer May 18th National Cemetery ist für die Bewohnerinnen und Bewohner Gwangjus sehr wichtig. Viele haben den Gwangju-Aufstand 1980 miterlebt oder  kennen Personen, die damals in der Stadt waren. Unser Führer war 1980 Student und erzählt uns, er habe heute noch Schuldgefühle,  dass er die Stadt einen Tag vor Aufstand und Massaker verlassen habe, um in sein Heimatdorf zu gehen. Mit einer eindrücklichen Zeremonie zu Beginn des Besuches gedenken wir der Toten, unsere Begleiter haben Tränen in den Augen.518-01Als 1979 Präsident Park, der das Land diktatorisch regiert hatte, ermordet wurde, hoffte man auf einen Übergang zur Demokratie. Stattdessen wurde die Militärdiktatur noch repressiver. Im ganzen Land gab es, meist von den Universitäten ausgehende, Demonstrationen.
518-02Alle historischen Bilder: 518.org
Das Militär verhängte am 17. Mai 1980 den Ausnahmezustand und schloss die Universitäten.
Am 18. Mai („518“) kam es in Gwangju zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und Studierenden.
518-03Unser Führer erzählt bei Grabsteinen die Geschichte einiger Getöteter. Wir stehen z.B. am Grabstein einer Frau, die im Hochzeitskleid auf ihren Mann wartete und von willkürlich auf die Bevölkerung schiessenden Soldaten ermordet wurde.  Solche Gewalt führte dazu, dass sich praktisch die ganze Stadt mit den Studierenden solidarisierte und das Militär sich aus der Stadt zurückziehen musste. Szenen der „befreiten Stadt“ sind auf dem Friedhof als Skulpturen zu sehen.518-06jeepAm  27. Mai übernahm die Armee (US- und koreanische Truppen unterstanden einem gemeinsamen Oberkommando) mit einer Truppenstärke von 20’000 Mann in einem blutigen Einsatz die Kontrolle über die Stadt wieder. Es sollte noch sieben Jahre bis zu den ersten freien Wahlen dauern.
Eindrücklich, dass dieser Teil der jüngeren Geschichte aufgearbeitet werden konnte und dass es möglich war, den „National Cemetery“ als Erinnerungsort zu schaffen. Die  sterblichen Überreste der damals Umgebrachten, die identifiziert werden konnten, wurden hierher übeführt. Die damals Verletzten haben ebenfalls ein Anrecht auf einen Platz auf dem Friedhof.
518-09Bild: Museum (Gedenkhalle mit Bildern der Getöteten)
Prorektor und Geschichtsprofessor verabschieden sich hier und in der Stadt treffen wir nochmals Namgi Park, der uns eine Führung im ganz neuen und riesigen Asian Culture Center organisiert hat. accAllerdings sind wir so voll mit Eindrücken, dass wir nicht mehr viel aufnehmen können und froh sind, die Woche mit einem vegetarisches Nachtessen bei einem buddhistischen Tempel und, nachdem wir uns von Namgi verabschiedet haben, bei einem Bier in der Nähe unseres Hotels abzuschliessen.tempelEin abschliessendes Debriefing mit Erkenntnissen aus dieser Woche werden wir in Zürich durchführen. Ich werde hier davon berichten.

Vorläufig bleibt mir, allen ganz herzlich zu danken, die uns bei der Planung und der Durchführung dieser Studienreise unterstützt haben: Namgi Park, Christian Schneider, Sunwoo Lee, Jihyun Lim, Leah Lee, Peter Gautschi, Michael Zutavern, Martin Kathriner, Jiin Hong, Jaeron Song und all den vielen Personen, die uns in Organisationen, Universitäten, Schulen mit sehr grosser Gastfreundschaft empfangen haben und uns offen und interessiert Einblick gewährt haben. Wir wollten uns in einen Kulturraum vertiefen, ein ostasiatisches Bildungssystem besser kennen lernen. Ich denke, es ist uns – soweit das in so kurzer Zeit möglich ist – gelungen. Ganz sicher aber haben wir Menschen kennengelernt, die engagiert, motiviert, freundlich und sehr fokussiert an einer guten Zukunft für ihre Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeiten.