POSCO-Schule in Gwangyang

essen02Dieses Essen (hier ist nur die Vorspeise abgebildet…) , das die südkoreanischen Kolleginnen und Kollegen in einem nahe gelegenen Restaurant bestellt haben, ist der Grund, warum unser Fahrer die etwa zweieinhalbstündige Fahrt entlang von Reisfeldern und bewaldeten, mit Teeterrassen durchsetzten Hügeln nach Gwangyang zu spät unter die Räder nehmen kannlandschaftund wir in der dortigen Elementary School mit Kindergarten zu spät ankommen.einrichtung02

Das ist für die Kinder, die ein Lied geübt haben, um uns willkommen zu heissen, besonders enttäuschend und auch wir bedauern, keinen Unterricht mehr beobachten zu können. Der Principal und sein Team haben das Begrüssungslied auf Video aufgenommen und zeigen es uns nun.poscoschule Danach erklärt uns der Principal kurz seine Schule (-> Website, koreanisch). POSCO ist einer der weltweit grössten Stahlhersteller mit Hauptsitz in Pohang (POSCO = Pohang Steel Company) und einem grossen Werk hier in Gwangyang. (Das Unternehmen wurde 1973 von Park Chung-hee im Rahmen seines „Big Push“ unweit seiner Heimatstadt gegründet und war auch wegen des Vietnamkriegs sehr schnell sehr erfolgreich. ) Die Firmenstiftung POSEF (Posco Education Foundation) führt Kindergärten und Schulen für die Kinder ihrer Angestellten. Stolz ist man auch hier auf die „debating classes“, Stunden, in denen ein Thema kontrovers diskutiert wird. Herausgestellt werden auch die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern, die fünf zu lesenden Bücher pro Monat, die Zertikate, die man für die Mitarbeit bei ausserschulischen Aktivitäten bekommt und die dann bei Bewerbungen für eine Universität wichtig sein können.

Die Schule ist sehr gut eingerichtet, für die meisten Fächer stehen eigene Fachräume zur Verfügung, die eine anregungsreiche, auf das Fach abgestimmte Lernumgebung ermöglichen. In Mathematik z.B. sind sogar die Sonnenstoren mit Euklid oder Pythagoras illustriert. einrichtung04Runde Tische gegen eckiges Denken einrichtung06Die Ziele der Schuleeinrichtung05Hier geht es – wie häufig – darum, wer wohl den nächsten Nobelpreis bekommt – es soll eine Schülerin oder ein Schüler dieser Schule sein. einrichtung07Treppeeinrichtung einrichtung03Der Principal Herr Ho mit zwei Arten von Gruppenarbeitstischen

Im Kindergarten ist aber – im Gegensatz zur Schule – noch viel Betrieb. Der Kindergarten übernimmt hier auch Krippenfunktion, d.h. er ist von 07:00 Uhr bis 20:00 Uhr geöffnet, die Präsenzzeit der Kindergärtnerinnen dauert bis 17:00, einmal in der Woche  hat aber jede Dienst bis 20:15 Uhr.

Viele Kinder sind beim beaufsichtigten freien Spielen, sie begrüssen den Principal ziemlich stürmisch:principalkg02kg01Zur Verfügung stehen auch Lesenischen:lesenischenund verschiedene „After-school-Angebote“, hier Frühenglisch: (Clip im .mov-Format)kg03krippenfunktionWeil viele Kinder bereits abgeholt wurden, werden nicht mehr alle Kindergärtnerinnen für Förderung und Aufsicht benötigt, sie bereiten sich derweil auf den nächsten Tag vor:kg05Die Schule hat uns einen guten, lebendigen Eindruck gemacht – natürlich würden wir Frühenglisch im Kindergarten wohl etwas anders anpacken, aber wir haben motivierte, fröhliche Schülerinnen und Schüler und ebensolche Lehrpersonen angetroffen.

Sehr bald müssen wir aber wieder losfahren. Heute Abend werde ich an der Gwangju National University of Education (GNUE) noch ein Referat über Gesellschaft und Schule in der Schweiz halten (-> Einladung, koreanisch). Mit etwa zwei Minuten Verspätung treffen wir vor der Uni ein, der Saal ist ziemlich voll – einerseits Studierende, andererseits amtierende Lehrpersonen und Leute aus Bildungspolitik und -verwaltung. Die Superintendentin (d.h. so etwa die Schulpräsidentin von Gwangju-Ost mit 750’000 Einwohnern) hat eingeladen und ist mit ihrem Beamt/innenstab selbst auch anwesend. Einige Fragen wurden wohl in einem Seminar vorbesprochen. Vor allem interessiert sind die Studierenden an der Tatsache, dass alle Studierenden, die die Bedingungen erfüllen, auch an eine PH aufgenommen werden und der Staat nicht eine Quote festsetzt. Ebenfalls interessieren sie die Entscheidungsfindung in der föderalen Schweiz, die Erfahrungen mit Teilpensen von Lehrpersonen (was es bis jetzt hier nicht gibt) und der Grad der Autonomie der Lehrpersonen bei der Unterrichtsgestaltung (der hier deutlich kleiner ist.)

Danach noch ein langes Nachtessen (lang vielleicht auch, weil wir uns immer noch nicht an das Sitzen im Schneidersitz oder auf den Knien gewöhnt haben) mit Professorinnen und Professoren der GNUE und der interessierten Superintendentin mit ihrem Stab. Als sie dann aufsteht, ist das Essen sehr schnell zu Ende und wir werden zurück ins Hotel gefahren.