Gwangju National University of Education

GNUEHeute, am letzten Tag der Studienreise, besuchen wir die Gwangju National University of Education. (Bild GNUE). Namgi Park, der uns bei der Vorbereitung der Reise sehr geholfen hat, war hier früher für eine vierjährige Amtsdauer Präsident. Ich habe ihn vor ein paar Jahren an einem Asian Roundtable kennengelernt  und er hat uns sein Netzwerk  grosszügig zur Verfügung gestellt.

Die GNUE ist zahlenmässig etwas kleiner als die PH Zürich (1400 undergraduate, 900 graduate students, 80 Professorinnen und Professoren, 100 weitere Teilzeitdozierende und 100 Mitarbeitende). Ein Drittel der Studierenden lebt in Dormitories auf dem Campus. Auch die in der Stadt lebenden Studierenden haben ihren Lebensmittelpunkt auf dem Campus, Gemeinschaftsräume und Bibliothek sind 24 Stunden geöffnet und werden auch entsprechend genutzt.

Streik

presstudPresident with students (Bild GNUE)
Heute sei allerdings alles anders, erklärt uns Lee Jeon-song, der Präsident. Er musste uns etwas warten lassen, weil er schon aufgeregte Anrufe aus Seoul bekommen hat: Die Studierenden streiken heute und organisieren eine Demonstration gegen die Schulpolitik. Hauptgrund ist, dass sie die grosse Tradition der koreanischen Lehrpersonen in Gefahr sehen. Wie wir gestern gehört haben, wird die Einführung von Teilpensen an Schulen erwogen. Die Studierenden sind überzeugt, dass dies zu einer Deprofessionalisierung führen werde – nur wer 100% (d.h. einiges mehr) Lehrerin oder Lehrer ist, kann sich ihres Erachtens so einsetzen, wie es für eine Lehrperson nötig ist. Teilzeitlehrpersonen übernehmen zu wenig Verantwortung, sie sind lediglich für die Instruktion da, können aber für die moralische Erziehung zu wenig Vorbildfunktion übernehmen, z.B. nicht immer beim sehr wichtigen gemeinsamen Mittagessen dabei sein. („They destroy our profession, they cannot teach about life“). Der zweite Grund kommt uns bekannter vor: die Einsparungen im Bildungsbereich. Die Zentralregierung entscheidet immer sehr spät, wie viele Studierende in einen Studiengang aufgenommen werden und setzt diese Quote dann sehr knapp an, so dass es (trotz des grossen Interesses) tendenziell zu wenig Primarlehrpersonen hat, die Klassen also relativ gross werden. Interessant ist die Opposition gegen Teilpensen auch, weil ein Grund für die Teilpensenüberlegungen wohl auch die stark rückgängigen Schüler/innenzahlen sind, ständig Klassen geschlossen werden müssen und man so Härtefälle etwas abfedern könnte.studgnue

Ausbildungsstruktur
Nach der Begrüssung durch den Unipräsidenten übernimmt uns der Präsident der Professor/innenvereinigung für ein Seminar mit Vorstandsmitgliedern. Wie tauschen über unsere Ausbildungen aus: Die Ausbildung von Primarlehrerinnen und -lehrern auf Undergraduate-Ebene ist hier beschrieben. Primarlehrerinnen und Primarlehrer unterrichten alle Fächer, sie belegen aber an der GNUE lediglich einen „Major“ und ein bis zwei „Minors“, was ein vertieftes Angebot natürlich einfacher macht. Die Graduate School bietet 20 attraktive Masterprogramme, eine Lehrperson mit einem Master verdient allerdings genau gleich viel, wie eine Lehrperson, die die Graduate School nicht besucht hat.

Punkte sammeln für Beförderungen – Rotation
Dies führt natürlich zur Frage, warum denn so viele Masterangebote gemacht werden: Die hierarchische Struktur auch beim Lehrpersonal führt dazu, dass es für eine Beförderung oder um dann gar Vice-Principal und Principal zu werden, sehr wichtig ist, „Punkte zu sammeln“. Ein Master ist für eine Beförderung natürlich hilfreich – wie auch ein zweijähriger Einsatz auf einer abgelegenen Insel. Koreanische Lehrpersonen werden  nach einer bestimmten Zeit in eine andere Schule versetzt. In der Stadt dauert eine Rotationsperiode 8 Jahre, auf dem Land 4 Jahre und auf einer Insel 2 Jahre. Man kann sich dabei für bestimmte Schulen bewerben. Eine zweijährige Rotation auf einer abgelegenen Insel (man kommt dann höchstens an Wochenenden nach Hause und das auch nicht immer) ist aber begehrt, weil sie zu Punkten für eine Beförderung führt.

Fragen der Professorinnen und Professoren
Die Fragen der Professorinnen und Professoren drehen sich um die Wahl des Universitätspräsidenten bzw. der -präsidentin. Sie befürchten, hier an Einfluss zu verlieren. Die Regierung nimmt einen Fall, in dem es ein endloses Tauziehen zwischen verschiedenen Fraktionen der Professorenschaft gab zum Anlass, ihnen weniger Recht bei der Nomination ihres Chefs (kaum einmal ihrer Chefin) einzuräumen. Auch die Frage des Gehaltes beschäftigt unsere Kolleginnen und Kollegen. Im Vergleich zu einigen privaten Universitäten (80% aller Studierenden besuchen eine private Universität) sinkt das Gehalt an den National Universities, was sie beunruhigt, weil sie befürchten, so nicht mehr die besten Akademikerinnen und Akademiker anzuziehen.

Wir müssen die Austauschrunde abbrechen, einige Professoren wollen nach Seoul, um dort ebenfalls an einer Demonstration teilzunehmen. (Demonstrationen verlaufen hier momentan in sehr geordnetem Rahmen, wir haben einige beobachtet. Man sitzt in einem abgetrennten Bereich auf dem Trottoir oder der Strasse, rundherum sehr viel Polizei und Polizeibusse, und singt oder ruft Parolen. Die Forderung wird ebenfalls auf Stirnbänder geschrieben. (Das Bild stammt nicht von einer Lehrpersonendemo). Der Prorektor Planung und ein Geschichtsprofessor, die viel Sympathien für die Forderungen von Studierenden und Professorenschaft haben, schmunzeln und übernehmen uns für das weitere Programm.demo