Samsung Junior Software Academy

jjSüdkorea hat im Bereich Informatik und Medien interessanterweise ein ähnliches Problem wie die Schweiz, Informatikunterricht auf der Primarstufe und der Sekundarstufe I gibt es kaum. Unter anderem, um dem abzuhelfen, hat Samsung vor zwei Jahren die Junior Software Academy gegründet (-> Einführungsartikel).

Samsung bildet in Zusammenarbeit mit dem Erziehungsministerium jedes Jahr 500 Lehrpersonen aus 250 Schulen aus, um mit Schülerinnen und Schülern im extracurricularen Bereich nach 14:00 Uhr Angebote  mit dem Titel „Junior Software Academy“ zu machen. Die Weiterbildungskurse für die Lehrpersonen dauern 4 Tage in den Ferien. So werden jedes Jahr 10’000 Schülerinnen und Schüler erreicht.

Heute Nachmittag erhalten wir in einer Primarschule in Seoul eine Einführung in das Konzept der Junior Software Academy und können den Unterricht in einer Klasse (bzw. einer extracurricularen Aktivität) verfolgen.

Das Konzept sieht folgendermassen aus:
Schülerinnen und Schüler werden zuerst mit eigens geschaffenen Lehrmitteln mit altersgerechten Figuren in die Programmierumgebung Scratch (vgl. z.B. hier) eingeführt. Danach planen die Kinder Scratch-Projekte, kleine Computerspiele, bei denen man durch Labyrinthe wandern,  auf Abfallsäcke eindreschen, einen Tagesablauf erleben kann usw.scratch4

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Die Beispiele, die uns nachher Schülerinnen und Schüler zeigen, sind amüsant, das Programmieren hat ihnen sichtlich Spass gemacht, die Befehle sind recht komplex.
scratch2Im nächsten Semester geht es dann darum, mit „Invention Kits“ etwas herzustellen.  Dafür werden eigene Produkte geplant, Produkte, die die „loved ones“, also Eltern, Grosseltern, Freunde freuen werden. In Gruppen sucht man eine Idee, designt dann den Algorithmus, programmiert und setzt die Idee um. Der Abschluss bildet eine „Sharing Session“, wie in Korea nicht anders zu erwarten ist auch ein Wettbewerb damit verbunden.

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Gebraucht werden alle gängigen Produkte wie Arduino, MakeyMakey (Projektideen von Beat Döbeli als PDF hier) usw. Es entstehen daraus Produkte wie z.B. ein selbstschluckender Papierkorb (die Idee entstand, weil im Ausländerquartier Itaewon nach Haloween so viel Dreck herumlag), ein leuchtender Pullover für die Grossmutter usw.

Die beiden Power-Frauen von Samsung, Jiin Hong und Jaeran Song stellen uns das Ganze kompetent und mit viel Freude vor und auch der Lehrer, der uns die Lektion zeigt, ist sichtlich stolz auf das Erreichte. 2018 soll Informatik durch das Erziehungsministerium dann in den Lehrplan aufgenommen werden, also nicht mehr nur im extracurricularen Bereich angeboten werden. In der Schweiz steht ja die gleiche Herausforderung bevor. Heute Nachmittag haben wir ein Beispiel gesehen, dass sie gemeistert werden kann.samsung05swaca02

Zusammenfassung (PDF) zum Download