Seoul National University

snucoe01Schön gelegen: Seoul National University
Nach einer langen Taxifahrt treffen wir zum Mittagessen unsere Kolleginnen und Kollegen vom College of Education an der Seoul National University (SNU).

Am College of Education der SNU werden u.a. Sekundarlehrpersonen (Sekundarstufe I und II, d.h. Middle School und High School) ausgebildet. Die beiden Stufen werden in Ausbildung und Diplom nicht unterschieden, Sekundarlehrpersonen erteilen ein Fach. Für sie gibt es

  • den Weg über z.B. die  SNU, also über eine Lehrerausbildungsfakultät an einer Uni, dies kann auch eine private Uni sein
  • den Weg über die einzige  University of Education, die auch Sekundarlehrpersonen ausbildet, die Korea National University of Education. Sie ist vergleichbar mit einer PH mit Promotionsrecht und Studiengängen auch für verwandte Felder wie Bildungspolitik​
  • den Weg über ein Begleitstudium zum Lehrberuf (bei entsprechend guten Noten neben einem Fachstudium)
  • oder u.U. den Weg nach einem Fachstudium überdie berufsbegleitende Graduate School wie an der Sogang University. Die Graduate Schools of Education dienen auch der Weiterbildung bereits amtierender Lehrpersonen.

Danach eine Stelle zu finden, ist alles andere als selbstverständlich, die Konkurrenz spielt hier stark. Wenn man die verschiedenen Prüfungen besteht, weist einem der Distrikt die Stufe zu. Von der SNU, als „höchstgeratete“ Universität Koreas sind das – nachgefragt haben wir im Fach Chemie – etwa 20% der Studierenden.snucoe02

College of Education, im Hintergrund die Bibliothek.
Das Mittagessen verläuft sehr lustig, Dean und Vice-Deans sind ein gutes Team, vom hierarchiegemässen Verhalten, die wir am Tag zuvor gespürt haben, merkt man hier wenig. Wir fragen uns, ob das auch mit der Rotation zu tun hat – die Amtsdauer des Dekans beträgt nur 2 Jahre und soll nun auf vier Jahre verlängert haben, Dekan und Prodekane identifizieren sich auch mit ihren Fächern (Sport, Geographie, Deutsch usw.) und publizieren dort weiterhin.

Anschliessend treffen wir uns offizieller, wir stellen unsere Hochschule vor, die SNU zeigt Interesse an einer Kooperation. Vor der Reise wurden wir gefragt, welche Fragen uns interessieren würden und entsprechend sind jetzt Professorinnen und Professoren anwesend, die uns darüber orientieren.

Die eine Thematik ist die moralische Erziehung, der wirklich ein grosses Gewicht beigemessen wird, das geht von der Wiedervereinigung bis zur neo-konfuziansichen Ethik. saebomBis heute das Leitbild: Lehrpersonen sollen Saebom sein

Eine andere Frage, die wir gestellt haben, betrifft den Zusammenhang von Lehrveranstaltungen an der Universität und der (zeitlich recht geringen) Praxis in den „affiliated schools“. Der verantwortliche Praxisleiter meint, das PCK (pedagogical content knowledge) müsse zuerst an der Uni gelernt werden. Bei der Umsetzung sei es dann wichtig, dass die Lehrpersonen in der Schule und die Dozierenden an der Uni je ihren eigenen Standpunkt einnähmen und dass nicht die Lehrpersonen versuchten, die besseren Dozis zu sein und umgekehrt. Man bearbeite dann z.B. gemeinsam, was guter Naturwissenschatsunterricht sei und nähere sich manchmal in den Standpunkten an oder könne sich von einer Perspektive überzeugen.

Schliesslich haben wir – in der Annahme, Südkorea sei hier weiter – nach der Verwendung von ICT gefragt. Es zeigt sich aber, dass man hier auch mit Wasser gekocht. Die LMS ist moodle, flipped classroom wird von der Leitung zwar „gepusht“, bis jetzt sind aber erst etwa 5% der Lehrveranstaltungen so organisiert. Wie wir später sehen werden, wird auch in der Bibliothek vor allem aus Büchern gelernt. Es gibt zwar einen online-Saal, die grossen Säle sind aber alle nicht für Laptopeinsatz ausgerüstet.

Anschliessend besuchen wir eine Lehrveranstaltung in Chemie. Der Dozent unterrichtet gleichzeitig eine Gruppe undergraduates und coacht, falls nötig einige graduate students. snu01 snu02undergraduate (oben) und graduate (unten) students bei der Arbeit
Er hat sehr viel Elan und auch die Studierenden sind voll bei der Sache. 21 Studierende werden für das Fach Chemie (Sek I und II) pro Jahr aufgenommen, Von ihnen studieren wahrscheinlich etwa 7 weiter (Master, Doktorat, ev. Uni-Karriere), 7 wechseln die Fachrichtung und weden z.B. Ärzte und sieben bewerben sich für eine Stelle als Lehrerin oder Lehrer, wobei dann 4 – 5 tatsächlich eine Stelle erhalten. Ob Sekundarstufe I oder II können sie nicht wählen.

Auch hier hätten wir noch gerne mehr Zeit verbracht, die Bibliothekerin erwartet uns aber schon zur Führung durch die sehr eindrückliche, von Alumni gestiftete  Bibliohtek (-> Architektur) library03library01library02– und danach müssen wir weiter in die Afterschool (Hagwon).