Besuche in einer Sekundar- und einer Mittelschule

Heute morgen stehen der Besuch einer Sekundarschule (hier Middle School genannt) und einer Mittelschule (High School) auf unserem Programm. Beides sind Kooperationsschulen (attached schools) des Colleges of Education, also der Lehrerinnen- und Lehrerbildung der Seoul National University.

Auf dem Weg dorthin überqueren wir noch den Campus der Korea University, einer Universität mit viel Prestige, was sie auch in ihren Bauten ausdrückt, sie wurde 1906 gegründet.koreauniDie Schulen und Hochschulen haben kaum Berührungsängste zur Wirtschaft, sie bilden ja für sie aus und sind auf das Sponsoring durch grosse Firmen und Spenden der Alumni angewiesen.koreana2An der „SNU attached High School“ werden wir von der Schulleitung und einigen Lehrpersonen wie überall äusserst freundlich empfangen. (-> Website, koreanisch). welcome02Nicht selbstverständlich ist auch, dass uns die Lehrpersonen ihre Klassenzimmertüren öffnen (bzw. offen sind die Türen ohnehin, aber wir dürfen gerne zuschauen.) Der Unterricht entspricht überhaupt nicht dem, was man sich vom südkoreanischen Unterricht so erzählt, wir sehen keinen Drill, sondern im Gegenteil viel Gruppenarbeiten und Problemlösungsaufgaben. Die Lehrpersonen sind motiviert und auf die Schülerinnen oder Schüler bezogen. Nicht auf beide, denn in den Klassen hat es entweder junge Frauen oder junge Männer. Die Eltern wollten das so, wird uns erklärt, man solle durch das andere Geschlecht nicht vom Lernen abgelenkt werden.middle01 middle02
Die Deutschlehrerin spricht sehr gut Deutsch und hat den Unterricht so vorbereitet, dass sich die Schüler auf viele Alltagssituationen vorbereiten können. deutsch01deutsch02 Der Schulhaustrakt, in dem sich auch die Informatikarbeitsplätze befinden, wurde ganz von den Alumni finanziert. Das Setting ist hier so, dass die Schüler ungestört für sich an Rechercheaufgaben arbeiten können.middle05

Auf dem gleichen Gelände befindet sich die Middle School for Boys (-> Website, koreanisch). Die Stimmung ist ausgezeichnet, die Lehrerinnen und Lehrer haben sich auf unseren Besuche gefreut und sich entsprechend vorbereiten. Die meisten haben ihre Präparation auf koreanisch und englisch vorbereitet. Der Unterricht ist hoch strukturiert, zu Beginn der Lektionen wird an den vorherigen Lektionen angeknüpft, die „time on task“ scheint uns sehr hoch zu sein. Die Schüler kommen alle aus dem Quartier und werden dann auch ohne Selektion aufgenommen, deshalb ist die Klassengrösse mit 30 für koreanische Verhältnisse unüblich hoch. Unseres Erachtens ist die Schülerschaft relativ homogen, die Muttersprache vermutlich aller Schüler ist koreanisch.  middle06 middlletablet Hier beobachten wir eine Klasse im Unterricht in „moral education“. Thema ist die Wiedervereinigung Koreas, die hier grosses Gewicht einnimmt. Uns wird später erklärt, dass der Unterricht einerseits „teaching about unification“, andererseits „teaching for unification“ beinhaltet. Im Falle einer Wiedervereinigung werden grosse Probleme wirtschaftlicher und psychologischer Art auf Südkorea zukommen und man ist bestrebt, die Schüler darauf vorzubereiten, dass der Süden mit seiner Lebensqualität usw. zurückstecken muss, dass man sich zunächst kaum verstehen wird, weil man so verschiedene Leben geführt hat usw. Der Unterricht findet – was wir auch schon an der High School gesehen haben – mit Tablets statt, die der Schule gehören und die die Schülerinnen und Schüler auch nicht nach Hause nehmen können. Zeichnungen über ein Thema der Wiedervereinigung werden in Gruppen fotografiert und animierte Sequenzen erstellt, die dann auf einen geschützten YouTube-Kanal geladen und von anderen Schülergruppen angesehen werden können.tablet02Individualisiert ist der Unterricht, soweit wir das beurteilen können nicht, man geht mit den Tablets auch nicht ins Internet. Motivation und Engagement der Schüler und der Lehrpersonen sind hoch.

Bei den anschliessenden Präsentationen und Diskussionen im Lehrer/innenzimmer ist uns wohl, wir bedauern es bald weiter zu müssen, wir hätten noch lange nachfragen und diskutieren können. Das Leitbild sieht eine eine ausgewogene Bildung (Kognition, Moral, Kreativität) vor.  Uns wird erklärt, dass die Schule nach Unterrichtsschluss 25 extracurriculare Aktivitäten anbietet, das geht vom Trommeln über Sport bis zum Mathe-Klub. Das Angebote wird nicht von allen Schülern genutzt, ein rechter Teil besucht nach der Schule einen privaten Hagwon, eine „After-school“. In den Ferien besuchen wahrscheinlich die meisten Schüler privaten Nachhilfe oder Vorbereitungsunterricht – „vacation time is learning time“. Die dritte Möglichkeit für die Zeit nach dem Unterricht nach Stundenplan besteht darin, in der hauseigenen Bibliothek zu lernen. Diese ist bis 22:00 Uhr geöffnet und wird von Eltern beaufsichtigt.

 

One thought on “Besuche in einer Sekundar- und einer Mittelschule

  1. Bei eurem Besuch wird offensichtlich, wie im Text zu lesen und auf den Bildern zu sehen ist, mit Tablets und mit Computern gearbeitet. Das suggeriert natürlich dass Korea im Bereich des Lehren und Lernens mit digitalen Medien sehr weit ist. Dies vielleicht im Gegensatz zur Schweiz.
    In der ICILS-Studie schneidet die Schweiz was die Häufigkeit der Nutzung digitaler Medien sehr schlecht ab. Noch schlechter ist … Korea.
    Möglicherweise könnt ihr euren Blick vor Ort auch noch vermehrt auf Themen rund um digitale Medien werfen.

    Wünsche euch weiterhin viele bereichernde Erkenntnisse.

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