KFTA – Korean Federation of Teacher’s Associations

KFTAbreitDer Hauptsitz der KFTA, des grössten Lehrerinnen- und Lehrerverbandes ist schön gelegen, in diesem Hochhaus am Rande eines Parkes. An der Zufahrtsstrasse befinden sich Transparente, auf denen jedes Departement seine Zielsetzungen, einem Motto ähnlich formuliert hat. Für die «International Cooperation Division» lautet es «KFTA will strengthen its influence on global education». Das Gebäude ist gleichermassen beeindruckend wie gemessen an unseren Verhältnissen sehr grosse und einflussreiche Verband.
kfta2 kfta3
Begleitet werden wir heute und morgen auch von Christian Schneider, dem Leiter des Science & Technology-Offices an der Schweizer Botschaft in Seoul. Namgi Park, Leiter der Forschungsabteilung der KFTA und Professor an der Gwangju National University of Education (GNUE) begrüsst uns zusammen mit Leah Lee vom International Office. Namgi Park war früher Präsident der GNUE, er ist ein sehr gute Kenner der koreanischen Lehrerinnen- und Lehrerbildung und wird uns eine Einführung geben. Zuvor wird die Delegation aber von der Leitung der KFTA begrüsst. Der Präsident, der Generalsekretär und die Verantwortlichen für International Relations und für Kooperationen zeigen sich sehr interessiert an unserem  Bildungssystem, wir haben den Eindruck, dass das „gegenseitig voneinander lernen“ hier mehr als eine Formel ist, dass das Interesse am jeweils anderen Bildungssystem gross ist.
kfta05Interessiert sind unsere Gesprächspartner vor allem an den Sekundarstufen I und II, es befriedigt sie selbst nicht, dass so viele Schülerinnen und Schüler nach der Sek I in eine Mittelschule und dann in eine Universität wechseln, dass aber berufliche Bildung zu kurz kommt. Durchaus selbstkritisch suchen sie auch nach Lösungen, um Kreativität und problemlösendes Lernen stärker zu fördern.

Einführung in das Bildungssystem und die Lehrerinnen- und Lehrerbildung
Danach gibt uns Namgi Park einen Überblick über das Bildungssystem. Er verweist auch auf verschiedene vertiefende Links:

Allgemeine Informationen, auch in  Videos dargestellt:
http://eng.kedi.re.kr/khome/eng/education/genernalInfo.do
Überblick über das koreanische Bildungssystem:
http://english.moe.go.kr/web/1691/site/contents/en/en_0203.jsp
Überblick Bildungsstatistik:
http://english.moe.go.kr/web/1691/site/contents/en/en_0219.jsp
Kontaktandressen der International Offices, der Universitäten und Lehrer/innenbildungsuniversitäten:
http://eng.kedi.re.kr/khome/eng/education/condb/condbList.do

Zusammengefasst, ist die Struktur des koreanischen Bildungssystems mit dem schweizerischen vergleichbar:

schoolsystemAus Kim, Jin Sook (Ed.) 2013.
Interessant ist, wie das (nationale) Curriculum regelmässig an die Bedürfnisse des Staates (was hier v.a. auch die ökonomischen Bedürnisse meint), angepasst wird.economiceducation Aus: Ministry of Education 2013.
Für ausführlichere Darstellungen vgl. unter Literatur.

Was uns schon im Umgang mit dem Präsidenten (alle stehen auf, wenn er in den Raum kommt), im sich stets höflich verbeugen usw. bewusst geworden ist, dass die Gesellschaft hier auch sehr hierarchisch ist, bildet sich auch im Lehrberuf ab:
hierarchie
Das entsprechende Zertifikat, das für eine Beförderung nötig ist, wird vom Erziehungsministerium nach genau festgelegten Kriterien (Erfahrung, Ausbildung, Weiterbildung, Bedarf) vergeben.

Lehrerin oder Lehrer zu sein, ist ein begehrter Beruf, der über einen hohen Status verfügt, man kann zwar bei den grossen Firmen etwas mehr Geld verdienen, hat aber nirgends eine so grosse Sicherheit. Hat man einmal die Aufnahme in eine National University of Education geschafft, so ist es sehr schwierig, noch entlassen zu werden und nach der Pensionierung mit 62 verfügt man über eine gute Rente. Nur die obersten 5% der Studienabschlüsse der High Schools haben eine Chance an eine National University of Education (Ausbildung für Primarlehrpersonen) aufgenommen zu werden. (Die Zahl relativiert sich insofern, als in Südkorea etwa 70% einer Alterskohorte eine Universität abschliessen, das Segment ist aber trotzdem ein ganz anderes als in der Schweiz). Namgi Park berichtet über die ebenfalls sehr strenge Ausbildung, er findet die Selektion vor dem Eintritt aber unabdingbar. «Der Rohdiamant muss schon von hervorragender Qualität sein, dann kann man in der Ausbildung daraus einen sehr schönen Diamanten schleifen. Stimmt die Qualität des Rohdiamanten nicht, kann man ein noch so guter Diamantenschleifer sein, es wird nichts Rechtes daraus».

Die National Universities haben von den Distrikten genau vorgegebene Zahlen, wie viele Studierende sie aufnehmen können – diese Zahl deckt sich im wesentlichen mit der Anzahl Lehrpersonen, die dann an den Schulen gebraucht werden.

Das alles trifft für  die Sekundarstufen I und II (und den nicht-obligatorischen Kindergarten) nicht zu. Die Ausbildungsinstitutionen (im wesentlichen alle Universitäten) können so viele Studierende aufnehmen wie sie wollen – es kann dazu führen, dass von einem Studiengang mit 100 Studierenden nur jemand eine Stelle findet. Allerdings ist es einfacher für sie als für Primarlehrerinnen- und Primarlehrer, dann in der Privatwirtschaft eine Stelle zu finden. Sie studieren ein einziges Fach und in diesem gibt es in der Regel auch andere Beschäftigungsmöglichkeiten.

Namgi Park meint auf die Lehrerinnen- und Lehrerbildung bezogen, dass die grosse Stellensicherheit dort auch ihre Tücken habe. Es gebe zwar eine Minderheit, aber doch zu viele Professorinnen und Professoren, die nur noch wenig innovativ seien, die bei Reformen nicht mitzögen und sich z.B. gegen Interdisziplinarität sperrten. Forschung ist auch in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung wichtig, das Salär hängt auch davon ab, wieviel Forschungsresultate man publiziert.

Jetzt könnten wir noch lange nachfragen und diskutieren – aber es warten bereits mehr als 50 KFTA-Angestellte auf meinen Vortrag über die schweizerischen Gesellschaft, das Bildungssystem und die Lehrerinnen und Lehrerbildung.hkeqaSämtliche Folien wurden auf Koreanisch übersetzt und alle Zuhörerinnen und Zuhörer haben den ganzen Text (den ich einen Monat zuvor auf Englisch einreichen musste) in ihrer Landessprache übersetzt erhalten. Der Saal ist sehr interessiert und anschliessend werden in der Q&A-Session viele Fragen gestellt.

Zum Abschluss dieses Besuches wird uns ein koreanisches Mittagessen (Huhn in einer Ginseng-Suppe mit vielen Beilagen) serviert – mit diesem Essen käme man sehr rasch zu neuen Kräften. Die KFTA hat auch einen eigenen Bus, den uns der Generalsekretär freundlicherweise für die Weiterfahrt nach Suwon an die Hi-Tech Meister School zur Verfügung stellt.

kfta07

2 thoughts on “KFTA – Korean Federation of Teacher’s Associations

    1. – Erstaunt ist man hier, dass unser Schulsystem föderalistisch aufgebaut ist, d.h. dass die Landesregierung nicht einfach einen nationalen Lehrplan erlassen kann. Es gab dann auch Fragen, wie wie vorgehen, wenn sich Kanton und Bund nicht einig sind
      – Unser Berufsbildungssystem interessiert sehr, aber man merkt, dass es noch tief verwurzelt ist, dass der Besuch einer Mittelschule und dann universitäre Bildung viel erstrebenswerter ist als der Besuch eines duales Berufsbildungssystem.
      – Die Grenzen der Autonomie der Lehrpersonen interessierte sie ebenfalls, d.h. sie wollten wissen, ob es denn ganz im Ermessen der Lehrerin liege, wie mit einem „schwierigen“ Schüler umzugehen sei
      – Dann gab es Fragen, wie die „Superintendents“ gewählt würden. Das sind hier die Vorsteher der Schulen der Distrikte (vergleichbar mit den Kantonen), die vom Volk gewählt werden, aber nicht Mitglied der Regierung sind. Unser System, dass das Regierungsrät/innen sind, leuchtete ihnen ein.
      – Und dass viele Kinder über Mittag nach Hause gehen, ist hier auch sehr schwierig nachvollziehbar.

Comments are closed.