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Zum Glück gibt es einige englischsprachige Zeitungen in Südkorea, die alle auch Websiten oder Blogs unterhalten. Vor der Abreise deshalb ein Blick in die momentan diskutierten Themen:

Politik

parkbreitPräsidentin Park CC NC pt.wikipedia.org

Präsidentin Park Geun-hye hat die Gelegenheit genutzt und an der Militärparade zum 70. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges in Peking teilgenommen, was ihr in Südkorea viel Zustimmung eingebracht hat. Zu Gute kommt ihr auch, dass sie die chinesische Kultur (mit der die koreanische immer eng verknüpft war) gut kennt, chinesisch spricht und so zum Beispiel die richtige Kleidung wählt. Ihr goldenes Kleid, das China Glück wünscht, war auf alle Fälle in allen Medien präsent. -> Korea Times

Park verfolgt mit der Annäherung an China neben handfesten wirtschaftlichen Interesssen auch das Ziel der Isolierung Nordkoreas. Sie hofft, dass mit dem Einverständnis Chinas Korea der Wiedervereinigung einen Schritt weiterkommt -> Korea Herald

Für eine Wiedervereinigung wäre sicher auch das mindestens implizite Einverständnis Russlands nötig. So traf es sich dann gut, dass auch Putin an der Militärparade war.  -> Korea Times

Die Korea Times berichtet auch, dass China die Kosten übernommen habe, um das Gebäude in Shanghai, in dem 1926 – 1932 die koreanische Exilregierung untergebracht war, wieder herzurichten. In Anspielung an die «Befreiung» nach dem zweiten Weltkrieg und die damit zusammenhängende Teilung des Landes meinte Park in Shanghai auch: «I will complete true liberation by achieving a peaceful unification». -> Korea Times

Dass das Verhältnis China – USA nicht mehr das Beste ist, betrachtet man hier unterdessen eher mit Sorge, auf alle Fälle soll an der besonderen Beziehung zu den USA nicht gerüttelt werden. http://m.koreatimes.co.kr/phone/news/view.jsp?req_newsidx=186220

abebreitJapans Premier Abe CC NC flickr

Der ostasiatische Abwesende in Peking war Japans Premier Abe. Japan ist auch 70 Jahre nach Kriegsende weit davon entfernt, seine Vergangenheit als kriegverschuldende und kolonialisierende Macht aufzuarbeiten. Häufig vergleicht man hier Japan mit Deutschland, das es doch geschafft habe, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, zu überwinden und jetzt wieder gute Beziehungen zu den Nachbarn habe. Angela Merkel könne sogar ohne weiteres an den Jahrestag der Invasion in der Normandie fahren. Die Korea Times fragt denn auch «Why Angela and not Abe?» -> Korea Times

kimjongunquerKim Jong-un CC BY flickr

Der zweite Abwesende war Kim Jong-un, der nordkoreanische Präsident, der gleichentags eine Waffenfabrik besucht haben soll, (Korea Times), dem man aber zutraut zum 70. Jahrestag der Gründung seine Volksrepublik wieder einen Atomversuch zu starten. -> Korea Times

In Seoul wird aufmerksam und wohlwollend konstatiert, dass China das nordkoreanische Säbelrasseln mit Atomwaffen- und Raketenversuchen auch nicht gutheisst. -> Korea Herald

Von einer stabilen Region profitieren die drei wirtschaftlich stärksten Länder China, Japan und Südkorea aber alle, wohl auch deshalb will man die Dreier-Gipfeltreffen, die wegen Spannungen um Geschichte (Japans) und territoriale Ansprüche (Chinas) vor ein paar Jahren ausgesetzt wurden, wieder aufnehmen. -> Korea Herald

Und auch auf der koreanischen Halbinsel ist man erleichtert, dass die Zuspitzung der Lage zwischen Nord- und Südkorea nicht anhält. Nach dem Ende der Beschallung durch Lautsprecher verhandelt man erstmals seit Langem sogar wieder um Treffen von Familienangehörigen, die durch den Koreakrieg getrennt wurden in Panmunjon. Die mittlerweile hochbetagten Getrennten möchten sich vor ihrem Tod nach mehr als 60 Jahren noch einmal sehen. -> Korea Herald

Wirtschaft

LGOledOled-Technologie von LG Bild von 2012 CC NC Flickr

Im Wirtschaftsteil der Zeitungen war viel von der IFA in Berlin die Rede, wo die Elektronikkonzerne jeweils Neuigkeiten vorstellen. LG hat seine (allerdings ja nicht völlig neuen) OLED-Displays ins internationale Schaufenster gestellt -> Korea Herald, Samsung das Internet of Things -> Korea Herald, Korea Times

Auch der Schwerindustrie geht es schlecht, der Schiffsbau fährt im Moment hohe Verluste ein und – hier schlimmer – China und Japan konnten beide mehr Bruttoregistertonnen verkaufen. -> Korea Herald

animequer

Kreativindustrie CC NC deviantart

Korea versucht, im Bereich der Kreativindustrie noch stärker zu werden, die Animationsstudios befinden sich in einem harten Wettbewerb mit japanischen Studios und Firmen wie Pixar. -> Korea Herald  Um den Nachwuchs kümmert sich derweil die Korea Animation High School -> Korea Herald

Die Aussichten sind aber gesamthaft nicht rosig. Die Agentur Moody’s hat die Wachstumsprognose 2016 für Südkorea zurückgestutzt -> Korea Herald

Was für die südkoreanische Regierung bedeutet, mehr auszugeben, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Sie hat eine («very modest») dreiprozentige Ausgabenerhöhung beantragt. -> Korea Herald

Chaebols, die grossen Konglomerate wie Samsung und Hyundai haben viel zum Aufstieg Südkoreas zu einer der 20. Grössten Wirtschaftsmächte beigetragen. Der Staat ermöglichte den Chaebols Wachstum durch günstige Kredite, Bereitstellung von Rahmenbedingungen und eine eine enge Verbandelung zwischen Politik und Wirtschaft z.B. durch Heirat. Die Chaebols sind mittlerweile zwar viel stärker dem Markt ausgesetzt als früher, in den Besitzerfamilien und dort v.a. in der zweiten und dritte Generation hat sich aber eine Arroganz, ein Gefühl, über dem Recht zu stehen und eine mangelnde Bodenhaftung breit gemacht, die von der Gesellschaft immer weniger goutiert wird. Um die Jahreswende war viel vom Nuss-Skandal zu lesen, als eine Chaebol-Erbin in New York eine Korean Air-Maschine zurück zum Gate beorderte, weil ihr die Nüsse zum Champagner falsch serviert worden waren. In den Kinos wurde der Film «Veteran», der leicht fiktionalisiert von einem Skandal um Sohn eines Chaebol-Eigners handelt, der einen Mitarbeiter mit dem Baseball-Schläger traktiert hatte, bereits von 10 Millionen Leuten gesehen. Die Korean Times meint, wenn die Söhne und Töchter der Chaebol-Besitzer die Schulen in Korea besuchen würden, würde die Bodenhaftung automatisch wieder grösser. -> Korea Times

Gesellschaft

Arbeitslosigkeit und die lange Ausbildungsdauer führen dazu, dass viele Erwachsene bei ihren Eltern wohnen bleiben, man spricht hier von Känguru-Familien. Die Baby-Boomer-Eltern unterstützen also bis ins hohe Alter ihre Kinder, gesellschaftlich ungelöst ist die Frage, wer die stets grössere Zahl der alten Menschen unterstützen wird. Die konfuzianische Kindspietät ist zwar immer noch wichtig, sie erodiert aber. -> KoreaBang

gangnamGedrückte Stimmung trotz Gangnam Style CC NC Flickr

Gemäss einer Studie (n = 1000) schätzen viele Koreanerinnen und Koreaner ihre Stimmung bei unter null einschätzen. -> Korea Times

In Südkorea wird sehr viel am weiblichen Körper herumgeschnipselt. Eine Schönheitsoperation soll angeblich die meisten Probleme lösen. Frauengruppen fordern nun, dass eine Fernsehserie, die kaum versteckte Reklame für Problemlösungen dank Schönheitsoperationen macht, abgesetzt werden soll. -> Korea Times

Bildung

gesandtschaft

Wer soll in diesem Land, in dem Geschichte allgegenwärtig ist, Geschichtsbücher für die Schule schreiben? CC NC Wikicommons koreanische Gesandtschaft für Japan, British Museum

Die Debatte um staatlich herausgegebene Geschichtsbücher ist auch in Südkorea wieder ausgebrochen. Momentan publizieren acht Verlage zugelassene Geschichtsbücher für die Sekundarstufe I und II, jetzt will die regierende Saenuri-Partei zurück zu einem staatlichen Geschichtsbuch, was hier auch als Angst, dann könnte z.B. die Zeit der Militärdiktatur beschönigt werden, von den Historikerinnen und Historikern abgelehnt wird. -> Korea Times

Weil die Alterskohorten, die bald in die Universität kommen, immer kleiner werden, muss Südkorea die Anzahl der Unis reduzieren. 66 Colleges haben bei der Evaluation so schlecht abgeschnitten, dass die Regierung jetzt die Subventionen einstellt oder drastisch reduziert. -> Korea Herald

Diese Woche nimmt die Samsung Gruppe Bewerbungen entgegen. Erstmals wird nicht mehr ein Mindest-GPA (Grade Point Average) verlangt. Die Selektion ist aber immer noch sehr hart: «Under the new process, Samsung hopefuls will need to pass five tests — a job qualification test, the GSAT, an interview with working-level Samsung officers, an interview for creative thinking and an interview with executives.» Korea Times

Dieser Tage ist ein Bericht über sexuellen Missbrauch an Schulen erschienen. In den Jahren 2013 und 2014 sollen 1,182 Fälle von «sexual molestation», 716 Fälle von «sexual harassment» and 459 Vergewaltigungssfälle gemeldet. -> Korea Herald

Die Zahl der «native speakers» für Englisch nimmt an den Schulen aus finanziellen Gründen stetig ab. In diesem Schuljahr verfügen nur noch knapp 60% der Schulen über «native speakers.» -> Korea Times

Für mehr Innovation im Englischunterricht sollen jetzt z.B. flipped classrooms sorgen. -> Korea Times

Vor einem Jahr wurden die mächtigen Bildungsverantwortlichen der Distrikte und der grossen Städte kurz nach der Sewol-Katastrophe gewählt. Dies hatte zur Folge, dass als Demonstration der Unzufriedenheit mit der Regierung Park meist Superintendents gewählt wurden, die nicht der regierenden konservativen Saenuri-Partei angehören. In Seoul waren drei Kandidaten im Rennen, wobei der bestens vernetzte und erfolgreiche Rechtsanwalt Koh Seung-duk von der Saenuri-Partei die besten Chancen hatte, bis ihm sein Gegner vorwarf, eine green card der USA zu besitzen und seine Kinder in den USA erziehen zu lassen, so dass er sicher nicht für diesen Posten qualifiziert sei. Seine (mit der Mutter in den USA lebende) Tochter warf ihm dann auf Facebook auch noch vor, er sei kein guter Vater gewesen, worauf er nicht gewählt wurde. Das erste Gericht verurteilte den jetzigen liberalen Amtsinhaber, mit der «green card»-Geschichte falsche Gerüchte gestreut zu haben, die zweite Instanz reduzierte jetzt aber das Strafmass auf Bewährung, so dass Superintendent Cho Hee-yeon seinen Posten behalten kann. Seit 2008 mussten bereits zwei Superintendents ihr Amt abgeben, weil sie rechtskräftig verurteilt worden waren. -> Korea Times

Schultheks gibt’s auch für 700‘000 Won, also um die 700 Franken – und sie werden eifrig gekauft -> KoreaBang.