Planungsinstrument LP21 Bildnerisches Gestalten

MartineO:  

Auf der Website der PHZH wird der Fachbereich Bildnerisches Gestalten nach Lehrplan 21 folgendermassen definiert:

Im Bildnerischen Gestalten erleben Schülerinnen und Schüler, wie in eigenen Bildentwicklungsprozessen sinnliche Wahrnehmung, Reflexion und Kommunikation ineinander greifen. Schülerinnen und Schüler erkennen Bilder und Objekte als Resultat von komplexen Vorgängen.

Um Schülerinnen und Schüler diese komplexen Vorgänge näherbringen zu können, müssen die Lehrpersonen ebenfalls einen guten Überblick über das Fach haben. Damit sie die diversen Inhalte, Vorgaben, Inspirationen und Verpflichtungen im Blick haben, und um den LP21 optimal in die Unterrichtsplanung einbinden zu können, wurde nun ein neues Planungsinstrument für Lehrpersonen entworfen.

Gastbloggerin Monica Bazzigher-Weder, Bereichsleiterin Kunst & Design Primarstufe PHZH, stellt Ihnen hier das Planungsinstrument im Detail vor.

Einführung des Fachs Medien und Informatik

MartineO:

Mit dem Lehrplan 21 werden die Schülerinnen und Schüler neu auch das Fach Medien und Informatik (GMI) besuchen. Das GMI-Team an der PH Zürich hat bis jetzt rund 400 Lehrpersonen ausgebildet, bis Ende dieses Schuljahrs werden es sogar rund 550 Personen sein.

Pünktlich vor der Einführung des Lehrplan 21 im Herbst wird im Sommer noch der erste Band des neuen Lehrmittels «connected» des Lehrmittelverlags Zürich veröffentlicht. Der zweite Band folgt im Sommer 2019, Band 3 und 4 werden später veröffentlicht.

Im Gespräch mit Nicole Wespi, Projektleiterin des Grundlagenkurs Medien und Informatik an der PHZH, haben wir das neue Fach etwas genauer unter die Lupe genommen:

Welche Fragen und Themen beschäftigen die Kursteilnehmenden?

Konntet ihr da weiterhelfen? Gibt es Fragen, die noch geklärt werden müssen?

Gibt es etwas das du in diesem Rahmen unseren Lesern gerne mitteilen möchtest?

Weiterführende und nützliche Infos:

Bei allen weiteren Fragen steht Ihnen das Team des Zentrum Medienbildung und Informatik natürlich gerne zur Verfügung.

Senf für Chefs: Schwimmunterricht in Tallinn

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Ich hatte das Glück und Vergnügen im Rahmen des CAS Pädagogische Schulführung mit Schulleitenden nach Tallinn zu fahren und dort unter anderem auch Schulen zu besuchen. Ein Erlebnis bleibt mir dabei in besonderer Erinnerung…

Am ersten Tag besuchten wir einen Kindergarten, der von gut 300 Kindern besucht wird und eine Mischung von Kindergarten, Krippe und Schule ist. Das Alter der Kinder reicht von 1 ½ bis maximal 6 Jahren. Nach ihrer Zeit im Kindergarten können sie lesen, schreiben, rechnen, … und schwimmen.

Ab 4 Jahren besucht jedes Kind jede Woche während einer halben Stunde den Schwimmunterricht. Dazu hat der Kindergarten ein eigenes Schwimmbad, wobei dieses aus einem kleinen Pool – böse Zungen sprechen von einer grösseren Badewanne – besteht. Immer sechs Kinder besuchen den Unterricht und werden von einer Schwimmlehrerin betreut. Nach dem Schwimmunterricht geht es in die Sauna – selbstverständlich nackt und Knaben und Mädchen gemischt. Und dann wieder zurück in die Kindergartenklasse, während bereits die nächste Gruppe am Schwimmen ist.

Estland ist ein armes Land und als ich die Schulleiterin auf die Kosten des Schwimmunterrichts angesprochen habe, reagierte sie verwundert. «Sauna und Schwimmen ist wichtig – das ist unsere Kultur!», meinte sie und fügte hinzu, «wenn wir da sparen müssen, dann sind wir wirklich arm».

Ich hatte während meiner Schulzeit in einer grösseren Züricher Gemeinde nie Schwimmunterricht und habe mir das Schwimmen irgendwie selber beigebracht. Auf Schwimmkompetenzen legt diese Gemeinde auch heute noch keinen Wert – trotz Lehrplan 21. Manchmal habe ich den Eindruck, wir sind ein armes Land.

Sportbroschüren für die Primarstufe

Gastblogger Jürg Baumberger, Bereichsleiter Bewegung und Sport Primarstufe:

Die Pädagogische Hochschule Zürich entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Lehrmittelverlag Zürich nach Lehrplan 21 «Unterrichtsvorhaben» für den Bewegungs- und Sportunterricht auf der Primarstufe.

Zehn Unterrichtsvorhaben pro Schuljahr

Der Lehrplan 21 sieht vor, dass die Schülerinnen und Schüler im Fachbereich Bewegung und Sport im Verlauf der obligatorischen Schulzeit 15 Kompetenzen aufbauen und vertiefen. Die A4-Broschüren für die Primarstufe enthalten attraktive, einfach umsetzbare Vorschläge für einen kompetenzorientierten Sportunterricht.

Projektleiter Urs Müller, Dozent im Bereich Bewegung und Sport Primarstufe der PH Zürich, beschreibt die Unterrichtshaben folgendermassen:

Ein Unterrichtsvorhaben ist eine Reihe von sechs bis acht Lektionen. Die Lehrperson bereitet damit eine Anwendungssituation vor, bei der die Schülerinnen und Schüler zeigen, dass sie bestimmte, im Lehrplan 21 aufgeführte Kompetenzstufen erarbeitet haben.

Ob die Verbesserung der Wurftechnik, das Steigern der Ausdauerleistung oder das Zusammensetzen von Turnelementen zu einer Bewegungsabfolge im Vordergrund stehen: Die Broschüren «Clownerie», «Gleiten, Rollen, Fahren», «Rhythmisch Springen», «Brennball spielen», «Spielend laufen» und «Bewegte Akrobatik» enthalten attraktive, einfach umsetzbare Vorschläge für den kompetenzorientierten Sportunterricht.

Übungsbeispiel aus «Rhythmisch Springen»

Auf dem Lehrplan 21 basierende Zyklen- und Jahresplanungen, Unterlagen zu den Unterrichtsvorhaben und Videosequenzen von einzelnen Bewegungsabläufen sind hier zu finden.

Folgende sechs Broschüren sind über den Lehrmittelverlag erhältlich:

Förderung überfachlicher Kompetenzen

ChristineW:

Regelmässig tauchen Fragen nach der Förderung der überfachlichen Kompetenzen, wie sie im Kapitel «Grundlagen» im Lehrplan 21 beschrieben werden, auf. Kürzlich sind wir auf ein inspirierendes Beispiel zur Förderung von Sozialkompetenzen im Bereich Umgang mit Vielfalt gestossen. Lesen Sie hier den Artikel «Normal anders sein» über die Projekttage an der Schule Wetzikon. Gerne verlinken wir damit auch auf den neuen Blog «Schulführung» der PHZH.

Senf für Chefs: Lernen!?

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Etwas was mich immer wieder stört (und manchmal sogar schockiert), ist der sorglose Umgang mit dem Wort «Lernen». So wird zum Beispiel in der neusten Ausgabe des Kundenmagazins des Klett Verlag Lutz Jäncke mit der sinngemässen Aussage «Alles Lernen findet im Gehirn statt» zitiert. Als Pädagoginnen und Pädagogen wissen wir, dass dieser Satz zu kurz greift. Lernen braucht häufig auch die leibliche Erfahrung um etwas zu begreifen oder zu verstehen. Oder sie braucht die Auseinandersetzung mit einem Gegenüber. Oder es braucht, wie Käte Meyer-Drawe argumentiert, ein Staunen, welches nicht geplant werden kann, sondern einem widerfährt (Meyer-Drawe, 2013, S. 93).

Dass Lutz Jäncke als Hirnforscher Lernen vom Hirn her erforscht, liegt in der Natur der Sache und ist keine Kritik an ihm und seiner Arbeit. Wir Pädagoginnen und Pädagogen sind jedoch keine Hirnforschende und brauchen deshalb einen eigenen, einen pädagogischen Blick auf das Phänomen Lernen. Ein Blick, der die Erkenntnisse aus der Hirnforschung durchaus miteinbezieht. Es ist jedoch ein Einbeziehen und nicht ein blindes Übernehmen. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass wir uns nicht nur fragen müssen wie jemand lernt, sondern auch was er oder sie lernt.

In vielen Ländern der Welt wurde in Bezug auf die Steuerung von Schule in den letzten 20 Jahren Lernen häufig auf das Erbringen von Leistungen reduziert. In öffentlichen Ranglisten kann man dann zum Beispiel nachschauen, welches die beste Schule oder sogar die beste Lehrperson ist. Kein Wunder, verstehen die Schulleitenden und Lehrpersonen in einem solchen System ihre Aufgabe einzig darin, zu schauen, dass die Schülerinnen und Schüler gut in den Tests abschliessen. Gelernt wird nur noch was getestet werden kann. Ganz automatisch passiert eine Verkümmerung des Lernbegriffes.

Mir scheint es wesentlich, dass wir Pädagoginnen und Pädagogen uns intensiv mit der Frage, was Lernen für uns ist, sowohl in der Praxis als auch in der Wissenschaft auseinandersetzen. Nur so gelingt es uns den Bildungsbegriff, wie er im Lehrplan 21 abgebildet ist, auch tatsächlich umzusetzen. Alles andere ist ein blindes Folgen und der Profession von Lehrpersonen und Schulleitungen nicht würdig.

PS: Aus verschiedenen Untersuchungen wissen wir, dass die Werte der Schulleitung für die Entwicklung einer Schule wesentlich sind. Dazu gehört auch das Verständnis von Lernen. Aus diesem Grund ist es äusserst wichtig, dass sich gerade auch Schulleitende mit der Frage des Lernverständnisses auseinandersetzen.

PPS: Wer sich mit der Frage vertiefend auseinandersetzen will, dem sei der CAS Pädagogische Schulführung oder das Modul «Lernen und Unterricht» empfohlen. Der Lehrgang startet im Herbst zum vierten Mal.

Literatur: Meyer-Drawe, K. (2013). Lernen braucht Lehren. In P. Fauser, W. Beutel & J. John (Hrsg.), Pädagogische Reform. Anspruch – Geschichte – Aktualität. (S. 89-97). Seelze: Kallmeyer in Verbindung mit Klett.

Die Gesprächskommode: Einsatzmöglichkeiten

Gastbloggerinnen Susanne Bernet und Martina Weber, Entwicklerinnen der Gesprächskommode: 

Um das Standort- oder Beurteilungsgespräch unter Einbezug des jungen Kindes (4-8) noch aktiver und wirksamer zu gestalten, dient die Gesprächskommode als unterstützendes und attraktives Instrument.

Der Fokus in der Gesprächsführung liegt auf der Anerkennung, welche als Basis für das gesamte Gespräch von zentraler Bedeutung ist. Der Einsatz der Gesprächskommode soll auf die Selbstwirksamkeit und das Fähigkeitsselbstkonzept des jungen Kindes fokussieren.

Die Gesprächskommode besteht aus 18 Schubladen, die mit verschiedenen Gegenständen gefüllt sind. Sie nimmt zehn Bereiche in Anlehnung an den ICF-Bogen auf: Allgemeines Lernen, Mathematisches Lernen, Spracherwerb und Begriffsbildung, Lesen und Schreiben, Umgang mit Anforderungen, Kommunikation, Bewegung und Motorik, Für sich selber sorgen, Umgang mit Menschen, Freizeit, Erholung und Gemeinschaft. Diese Bereiche wurden mit acht zusätzlichen Gesprächsanlässen ergänzt: Willkommen, Feenwunsch, Projekt-/Vertragsarbeit, Musik, Lernschritte, Medien, Was kommt noch?

Zur Gesprächskommode gehören folgende Instrumente und Formulare:

  • Übersicht Gesprächskommode
  • Standortgespräch
  • Auswahl der Schubladen (Kind)
  • Vorbereitung Standortgespräch (Lehrperson)
  • Lernschritte und Vereinbarungen
  • Rückblick Standortgespräch (Kind)

Vor dem ersten Gespräch werden die Kinder mit den Inhalten vertraut gemacht und lernen die Gegenstände kennen, die in den Schubladen versorgt sind. Die Lehrpersonen bereiten sich auf das Gespräch mit den einzelnen Kindern vor.

Grundsätzlich entscheiden die Kinder, welche Schublade sie öffnen wollen. Die Lehrperson hört zu, fragt nach, bestätigt, ergänzt und achtet darauf, auch die Eltern ins Gespräch einzubeziehen, wenn dies nicht per se der Fall ist. Im Anschluss an das Gespräch soll Raum für den weiteren Austausch zwischen den Erziehungsberechtigten und dem Kind zur Verfügung stehen. Die Erziehungsberechtigten werden vom Kind eingeladen, in den schulischen Räumen zu verweilen, um Einblicke in die Arbeiten des Kindes zu erhalten.

Weitere Informationen finden Sie unter www.gespraechskommode.ch

Die Gesprächskommode – Ein Tool für Lerndialoge

Gastbloggerinnen Susanne Bernet und Martina Weber, Entwicklerinnen der Gesprächskommode: 

Die Gesprächskommode ist ein Instrument, das ein Standort- oder Beurteilungsgespräch unter Einbezug des jungen Kindes (4-8) ermöglicht. Das Kind nimmt an seinem persönlichen Gespräch teil und hat darin eine aktive Rolle. Die Eltern erhalten dadurch einen umfassenden und direkten Einblick in den schulischen Alltag ihres Kindes. Diese Kommode befähigt Kinder, über ihr eigenes Lernen zu erzählen, und fördert einen echten Dialog mit allen Beteiligten. Die Einsatzmöglichkeiten für die Gesprächskommode sind breit: Coachinggespräche mit Kindern, Standortgespräche mit Erziehungsberechtigten und Kindern, spontane Lerndialoge im Klassenzimmer.

18 Schubladen bieten 18 Anlässe, um über schulische Inhalte in echte Dialoge über das Lernen zu kommen. Die Gegenstände in den Schubladen laden zum Reden ein und öffnen das Gespräch in die unterschiedlichsten Richtungen. Dieser Aspekt lässt die Kinder buchstäblich Mut fassen, Aussagen zu ihrem Schul- oder Kindergartenalltag zu machen. Die Gesprächskommode kann dabei helfen, nächste Lernschritte des Kindes mit allen Beteiligten auszuloten und zu vereinbaren.

Die Gesprächskommode basiert auf theoretischen Überlegungen, ist ICF-kompatibel, lehrplankonform und wurde von Susanne Bernet und Martina Weber im Rahmen eines Masterstudiums am Institut Unterstrass entwickelt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.gespraechskommode.ch

Das Gespenst der Kompetenzorientierung

Gastblogger Daniel Fleischmann, Fachjournalist für Berufsbildung:

Quelle: Schweiz. Konferenz der Weiterbildungsverantwortlichen der Sek II (KWV-SII)

Mit dem Lehrplan 21 ist die Kompetenzförderung zu einem zentralen Paradigma der Unterrichtsentwicklung geworden. In den kommenden Jahren werden Jugendliche in die Sekundarstufe II übertreten, die noch mehr als bisher erweiterte Lehr- und Lernformen kennengelernt haben und gute Informatikkenntnisse besitzen. Sie fordert Gymnasien und Berufsfachschulen methodisch-didaktisch, aber auch von den Lerninhalten heraus. An der Kadertagung «Lehrplan 21 und Sekundarstufe II» ging man diesen Herausforderungen nach. Eine zentrale These: Der Begriff der Kompetenzorientierung markiert keinen Entwicklungsbruch, sondern bildet Ausdruck und Katalysator für die Weiterentwicklung von Schule.

Lesen Sie hier den kompletten Bericht über die Kadertagung.

Das Transkript des Referates von Kurt Reusser, welches im Zentrum der Tagung stand, können Sie hier herunterladen.