Projektstart Spielen Plus – Was motiviert Lehrerinnen und Schulleiterinnen, am Projekt teilzunehmen? Was versprechen sie sich von diesem Projekt?

ChristineW:

Spiel als Unterrichtsform erlebt mit dem Lehrplan 21 ein Revival. Im Spiel lernen Kinder beiläufig und ihrem Entwicklungsstand entsprechend. Dieses Lernen entspricht der Altersgruppe von 4-8 Jahren in hohem Masse. Doch auch spielen will gelernt sein und die Lehrer/-innen des ersten Zyklus können durch eine gute Spielbegleitung das Lernen der Kinder massgeblich unterstützen.

Das Kooperationsprojekt Spielen Plus verfolgt diesen Ansatz auf mehreren Ebenen. In der nun gestarteten Entwicklungsphase entsteht ein Leitfaden für Lehrpersonen und Fachpersonen in der Tagesbetreuung zum Thema Spielen. In den teilnehmenden Kindergärten, Unterstufenklassen und Tagesbetreuungen werden parallel dazu Spielsituationen gefilmt und für die weitere Verwendung multimedial aufbereitet.

An der Kickoff-Veranstaltung des Projektes hatte ich die Gelegenheit, mit zwei Kindergartenlehrpersonen und ihren Schulleiterinnen ins Gespräch zu kommen.

Was motiviert Sie, an diesem Projekt teilzunehmen?

Kathrin Scherer, Kindergärtnerin in Männedorf
Ursina Kuster, Schulleiterin in Männedorf
Pia Zingg, Kindergärtnerin in Opfikon
Bea Abegg, Schulleiterin in Opfikon

Und was erwarten Sie von diesem Projekt?

Kathrin Scherer, Kindergärtnerin in Männedorf
Ursina Kuster, Schulleiterin in Männedorf
Pia Zingg, Kindergärtnerin in Opfikon

Wie entsteht Ihre Zeugnisnote?

HarryK:

Aus beruflichem Interesse habe ich in den letzten Wochen Eltern, Lehrpersonen, Behördenmitgliedern, Berufskolleginnen und -kollegen und Studierenden folgende Frage gestellt: «Wie entsteht eine Zeugnisnote?» 

Eine Auswahl an Antworten habe ich unten sinngemäss aufgeführt. Welche Antwort würden Sie geben? 

  1. Die Grundlage der Zeugnisnoten sind Prüfungen. Da die Zeugnisnoten jedoch die Gesamtleistung der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen müssen, fliessen z.B. die Heftführung und das Mitmachen im Unterricht in die Notengebung ein. 
  2. Die Note setze ich aufgrund unterschiedlicher Beurteilungssituationen. Das sind beispielsweise Lernprozessbeobachtungen, Produkte, welche die Schülerinnen und Schüler hergestellt haben oder Lerndialoge, die ich mit ihnen führe. Alles immer auf der Grundlage von vorher festgelegten Kriterien. Noten gebe ich nur im Zeugnis.
  3. Ich berechne den Schnitt aller Leistungstests. Das ergibt dann den Notenschnitt, der ins Zeugnis kommt. 
  4. Die Noten lasse ich vom Lehreroffice berechnen. Natürlich lege ich vorher noch fest, wie ich die Noten der Leistungstests gewichte. 
  5. Die Noten basieren auf einem Beurteilungsmosaik. Die Produkte, Lernbeobachtungen, Leistungstests etc. benote ich und/oder ich mache mir Notizen dazu. Die Beurteilung erfolgt immer auf der Grundlage von Kriterienrastern, die sich an den Lernzielen des Unterrichtes orientieren. Oft sind diese eingeteilt in ungenügend, genügend, gut, sehr gut.

Falls Sie Ihre Antwort oben nicht finden, können Sie diese gerne als Kommentar anfügen.  

Wieso die Antworten 2.) und 5.) einer kompetenzorientierten Beurteilungspraxis entsprechen, können Sie in folgenden Broschüren nachlesen:

«Kompetenzorientiert beurteilen», Bildungsdirektion des Kantons Zürich, Volksschulamt, s. 3–6

«Beurteilung und Schullaufbahnentscheide», Bildungsdirektion des Kantons Zürich, Volksschulamt, S. 5–8

Senf für Chefs: Wie entsteht Wissen in einer Schule

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Ich hatte das Vergnügen, letzte Woche an der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung in Aachen teilnehmen zu können und habe dort einen interessanten Vortrag von Christian Stegbauer gehört. Thema des Vortrages war die Frage, wie Wissen in ein Netzwerk kommt.

Christian Stegbauer unterschied zwischen Informationen und Wissen. Informationen hat man, Wissen muss man sich erarbeiten. Damit aus Informationen Wissen wird, muss dieses rekontextualisiert werden. Als Beispiel nannte er eine Untersuchung mit dem Titel «Watching Dallas». Die Fernsehserie «Dallas» ist zuerst einmal einfach eine Information. Wenn Menschen jedoch die Serie anschauen, kann sie zu Wissen werden. Dies zeigt sich daran, dass der Inhalt der Serie von verschiedenen Kulturen sehr unterschiedlich verstanden wird.

Würde man dies auf den Lehrplan 21 anwenden – was Christian Stegbauer nicht gemacht hat – könnte dies bedeuten, dass «kompetenzorientierter Unterricht» so lange eine Information bleibt, bis eine Lehrperson sich mit diesem praktisch auseinandergesetzt, Erfahrungen damit gemacht und somit Wissen gewonnen hat. Sie verbindet die neue Information mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und macht dadurch die Information zu ihrem eigenen Wissen. Wendet man dies auf ein Netzwerk oder eine Organisation wie eine Schule an, so kann Wissen nur über eine Dekonstruktion von Wissen in Informationen und eine Rekontextualisierung dieser Information in neues Wissen geschehen. Dies bedeutet, dass ein ständiger, welchselseitiger Prozess der Transformation von Wissen und Informationen über De- und Rekontextualisierung stattfindet. Oder vereinfacht ausgedrückt: Es braucht eine fortwährende, mit der Praxis verknüpfte Auseinandersetzung mit dem Thema. Es genügt also nicht, einmal eine Online-Lerneinheit gemacht oder eine Weiterbildung besucht zu haben. Erst durch die tägliche Auseinandersetzung mit dem Thema entsteht Wissen.

Iris Clemens zeigte in einem anderen Vortrag, dass Wissen nicht einfach nur bei Personen, sondern in sozialen Prozessen liegt. Wissen ist relational. Das hört sich eigenartig an, da wir in unserer europäischen Kultur davon ausgehen, dass Menschen etwas wissen. Ich selber habe jedoch viele Erfahrungen, wo das Wissen im «Dazwischen» liegt. Ich erlebe häufig, dass in einer gemeinsamen Diskussion plötzlich neues Wissen entsteht. Ich denke gewissermassen beim Reden. Ein anderes Beispiel ist, dass ich in verschiedenen Settings Unterschiedliches weiss. Ich war nach sehr langer Zeit das erste Mal wieder in dem Schulzimmer, in welchem ich als Junglehrer meine erste Klasse unterrichtete. Als ich in diesem Zimmer war, erinnerte ich mich an ganz viele Dinge, an die ich ausserhalb dieses Zimmers schon lange nicht mehr gedacht habe.

Die beiden Vorträge haben mich darin bestärkt, dass der gemeinsame, professionelle Dialog in Schulen wesentlich ist. «Gute Schulen», dass wissen wir aus verschiedenen Untersuchungen, sprechen immer wieder über das eigene Tun und das Lernen der Schülerinnen und Schüler.

PS: Wer diesen Austausch mit Gleichgesinnten machen und damit Wissen erlangen möchte: Die Informationen zum CAS Pädagogische Schulführung, der im September 2019 zum fünften Mal startet, finden Sie hier.

Das Spiel als Instrument für die BNE

Der Bedeutung des Freispiels im Kindergarten bzw. im Zyklus 1 wurden in diesem Blog bereits zwei Beiträge gewidmet. Doch nicht nur Kinder im ersten Zyklus lernen spielend. Verschiedene Beiträge in der Praxiszeitschrift für eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung BNE «ventuno» stellen die Eignung unterschiedlicher Spielformen im Modul BNE vor. Erfahren Sie, warum sich das Spiel als Instrument im Bereich BNE eignet, welche Voraussetzungen «gute» Spiele erfüllen und was bei der Organisation im Unterricht beachtet werden soll.

Lehren will gelernt sein – Wie Studentinnen und Studenten ihre Lehrkompetenzen aufbauen

ChristineW:

Nach vier Monaten Studium und sieben Tagen Praxiserfahrung in der Kooperationsschule begeben sich die Studentinnen und Studenten bereits in ihr erstes dreiwöchiges Praktikum. Als Tandem hospitieren sie dort in einer Klasse, erteilen einzelne Lektionen und müssen sich damit der ganzen Komplexität des Unterrichtens stellen. Zur Vorbereitung dient ihnen ein Planungsraster, dessen Handhabung sie an der PH Zürich lernen. Die Kompetenzen im Umgang mit diesem Raster erlangen sie jedoch erst in der konkreten Handhabung dieses Instrumentes. 

Wir haben bei drei Studentinnen nachgefragt, welche Erfahrungen sie mit diesem Raster und dessen Umsetzung in der Planung gemacht haben. 

Ihre Antworten auf die Frage, welcher Nutzen sie im Raster bzw. in der ausführlichen Planung sehen, verdeutlichen, wie anspruchsvoll die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung eines Unterrichts ist und wie viele Fragen und Aspekte geklärt werden müssen. 

Die richtige Auswahl für die Lerninhalte der Lektion / Zusammenhang Kompetenzen und Lernziele:

Zeitliche Struktur der Lektion / Verhältnis zwischen Input und aktiver Lernzeit der Schülerinnen und Schüler:

Organisatorische Details / Fachwissen:

Überladene Lernziele / Flexibilität bei der Umsetzung der Planung:

Highlights im Unterricht in Bezug auf die Arbeit an Kompetenzen:

Silvia Steiner auf Schulbesuch – ein Beitrag von TeleZüri

ChristineW:

Im Hinblick auf die Einführung des Lehrplan 21 an den Sekundarschulen besuchte Frau Steiner die Sekundarschule Dietlikon. Nehmen Sie daran teil, wie Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrerinnen ihren Unterricht beschreiben, was ihnen daran gefällt und was sie für gelingendes Lernen wichtig finden. Im Beitrag wird deutlich, dass es eine Vielfalt an Unterrichtsformen und -methoden für die Umsetzung des Lehrplan 21 braucht und jede Schule bezogen auf ihren Kontext ihren Freiraum nutzen kann und soll.

zum Beitrag von TeleZüri in den ZüriNews vom 25. Februar 2019: «Lehrplan 21: Silvia Steiner auf Schulbesuch»

Kompetenzorientierung – schon im Kindergarten?

Gastbloggerin Judith Egloff, Dozentin PH Zürich und Mitautorin des Lehrmittels «Kinder begegnen Natur und Technik im Kindergarten»:

Die armen Kleinen, sollen die jetzt auch schon Kompetenzen aufbauen müssen und auf Leistung getrimmt werden? Lasst sie doch einfach spielen… 

Tja, spielen und lernen ist kein Widerspruch, das geht wunderbar zusammen. Im neuen Lehrmittel «Kinder begegnen Natur und Technik» werden konkrete Unterrichtsbeispiele für die Kindergartenstufe vorgestellt, die sinnliche und spielerische Zugänge zu Natur und Technik ermöglichen.  

Im Kindergartenalter sind die Neugier und die Freude am Entdecken der Umgebung meist sehr ausgeprägt. Die Kinder interessieren sich für die unterschiedlichsten Phänomene, stellen Fragen und wollen Dingen auf den Grund gehen. 

Die Lehrperson kann die Kinder dabei unterstützen, ihre Welt zu entdecken. Bei dieser anspruchsvollen Aufgabe wird sie vom Lehrmittel «Kinder begegnen Natur und Technik» unterstützt. Die Unterrichtsvorschläge zeigen, wie sich Kinder spielerisch und doch gezielt mit Natur und Technik befassen können. Dabei bauen sie ihre Kompetenzen in diesen Bereichen aus: sie beobachten, untersuchen Gegenstände, führen einfache Experimente durch und dokumentieren ihre Gedanken und Erfahrungen. Dabei lernen die Kinder Objekte, Phänomene und Lebewesen aus ihrer alltäglichen Umgebung genauer kennen. Sie erleben und verstehen (in Ansätzen) auch Zusammenhänge und Wechselwirkungen. 

Die Fotos der Kinder in Aktion zeigen, dass Lernen und Spielen gut zusammengehen… 

(Foto: Franziska Detken / Simone Nussberger)

(Foto: Franziska Detken / Simone Nussberger)

Kompetent vermessen – das AdL-Netzwerk auf dem Weg zur geeigneten Beurteilungspraxis

Gastblogger Jörg Berger, Leiter AdL-Netzwerk, Schulleiter Schule Knonau, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum Management & Leadership PH Zürich:

Das Netzwerk Altersdurchmischter Schulen im Kanton Zürich setzt sich in diesem Schuljahr zum Ziel, dem Dauerbrenner «Beurteilung» konstruktiv auf den Zahn zu fühlen. Wir gehen mit vereinten Geisteskräften und unserem vielfältigen Erfahrungsschatz der Frage nach, wie wir formative und summative Beurteilungsinstrumente im kompetenzorientierten Unterricht sinnvoll einsetzen. Für unser Januar-Netzwerktreffen konnten wir mit Harry Koch einen kompetenten Partner gewinnen. Mit ihm tauchten wir ein in die spannenden Abgründe des «Vermessens von Kompetenzen».

Im Brennpunkt unseres gemeinsamen Interesses standen diese Fragestellungen:

  • Wie unterstützen wir die Schülerinnen und Schüler durch formative Beurteilungsformen?
  • In wie weit sollen Beurteilungsinstrumente einheitlich gehandhabt werden?
  • Wie gewinnen wir das nötige Vertrauen der Schülerinnen und Schüler und deren Eltern in unsere Beurteilungspraxis?

«Kompetenzen eines Kindes zu messen, ist viel herausfordernder und komplexer als Wissen abzufragen», eröffnete Harry Koch seine Präsentation. «Wir werden und sollten nie das Ziel verfolgen, ein Kind zu vermessen. Vielmehr müssen wir lernen, die Unsicherheit bei der Beurteilung zu akzeptieren», führt er weiter aus und meint damit Lehrerinnen und Lehrer und auch Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern.

Entscheidend sei es, dass Lehrpersonen sich mit ihren Schülerinnen und Schülern ganzheitlich auseinandersetzen und sich für ihr Lernen interessieren. Lehrerinnen und Lehrer sind auf eine gemeinsam getragene Beurteilungspraxis angewiesen. Der Aufbau einer solchen Beurteilungspraxis muss im Kontext jeder einzelnen Schule erfolgen.

Erfahrung zeigt, dass sich die vertiefte Auseinandersetzung lohnt

Ein wichtiger Erfolgsfaktor sei, dass sich die Schule auf einen Entwicklungsprozess von zwei bis fünf Jahren einlässt. «Dies mag nach sehr viel Zeit klingen», räumt Harry Koch ein. Doch das Thema Beurteilung sei so zentral, dass in der Auseinandersetzung auch der Unterricht an sich mitentwickelt wird. Die längere Zeitspanne begünstige auch, dass die Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern angemessen miteinbezogen werden.

Um Lernergebnisse zu sichern, sind folgende drei Handlungsfelder zentral:

  • Beobachten
  • Gespräche führen
  • Nächste Schritte planen

Für die gemeinsame Beurteilungspraxis stellen sich folgende Fragen:

  • Wozu wird beurteilt?
  • Was wird beurteilt?
  • Wer beurteilt?
  • Im Vergleich womit wird beurteilt?
  • Wie erfolgt die Beurteilung?

Die Ergebnisse des konstruktiven Austausches präsentierten sich am Ende unseres 2-stündigen Netzwerktreffen wie folgt:


Am nächsten AdL-Netzwerktreffen vom Mittwoch, 3. April 2019 von 17 bis 19 Uhr an der PH Zürich, Raum LAA-K020 diskutieren wir mit Dieter Rüttimann von der Gesamtschule Unterstrass über:

  • Welche Beurteilungsinstrumente eignen sich für überfachliche Kompetenzen?
  • In wie weit sollen / können wir Beurteilungsinstrumente für die eigene Unterrichtsreflexion nutzen?
  • Wie integriere ich die Fördergespräche im Unterricht?
  • Welche Dokumentationsformen eignen sich um den Lernfortschritt über die gesamte Schulzeit aufzuzeigen?

Bei Interesse kann man sich über diesen Link anmelden und unverbindlich in unserer Netzwerk-Community schnuppern. Schreiben Sie eine Mail an: joerg.berger@schule-knonau.ch