Lehrplan Kanton Baselland 1887

Lehrplan Baselland 1887

MarlenF:
Mein Schulleiter machte mich vor einiger Zeit auf den Lehrplan des Kantons Baselland von 1887 aufmerksam. Damit nahm er mich auf eine Reise in die Vergangenheit mit. Zum Fach Lesen und Schreiben der dritten Klasse steht:

  • Lesen prosaischer und poetischer Lesestücke des dritten Geschichtsbüchleins zur Erziehung eines fliessenden, laut- und tonrichtigen Lesens. Erklärung und Wiedergabe ihres Inhalts, nach Fragen und im Zusammenhange, mundartig und schriftdeutsch. Vortrag auswendiggelernter und kleiner Gedichte und Erzählungen.
  • Schriftliche Satzbildung durch das Beantworten von Fragen, das vervollständigen angefangener Sätze, das Aufschreiben selbstgefundener Sätze aus dem Anschauungs- und Erfahrungsreife des Kindes.

Wie sich die Zeiten und die Lehrpläne ändern zeigt sich deutlich ab Seite 11 des Dokuments. Dort sind die damalige Stundentafel und die obligatorischen Lehrmittel aufgeführt. Ein Blick in den Lehrplan lohnt sich! Beim Durchstöbern des Dokuments ging mir die Frage durch den Kopf: «In welchem Zusammenhang wird wohl der Lehrplan21 in über 120 Jahren zitiert werden?»

Lehrplan Baselland 1887 (Aus dem Archiv der Sekundarschule Rotacker, Liestal)

Druckfrisch aus dem Kanton Basel-Stadt: Broschüre «Kompetenzorientiert fördern und beurteilen»

MarlenF:
Über die Beurteilung ist im Lehrplan 21 wenig geschrieben. Diese zu regeln, wurde jedem Kanton überlassen. Der Kanton Basel-Stadt ist der erste Kanton, der bereits mit dem Lehrplan 21 arbeitet. Auch die Beurteilung der Schülerinnen und Schüler sollte demnach kompetenzorientiert ausfallen. Kein Wunder, dass das Erziehungsdepartement vor kurzem eine Broschüre dazu herausgab.
Mal schauen, ob es die Broschüre vermag, in der Stadt am Rhein so viel Staub wie das «Sexköfferli» aufzuwirbeln…! 🙂

Broschüre Kompetenzorientiert fördern und beurteilen 2015

Zu finden auf der Webseite des Erziehungsdepartements des Kantons Basel-Stadt

Der Lehrplan 21 zeigt seine Kritikfähigkeitskompetenz

MarlenF:
Der Lehrplan 21 hat es nicht leicht! Fast täglich outen sich neue Kritiker und greifen ihn bis ins Innerste an. Wir haben uns gefragt, wie er wohl mit all diesen Kritiken umgeht und sind auf folgenden Link gestossen: http://lehrplan.ch/kritikpunkte

Wie finden Sie die Kritikfähigkeitskompetenz des Lehrplans 21?

Ein neuer Wind mit Monica Gschwind

MarlenF:
In letzter Zeit bin ich nicht sonderlich stolz eine «Baselländlerin» zu sein. In der Bildungslandschaft meines Heimatkantons tobt ein Sturm, welchen die Medien zu einem Orkan werden liessen. Der ehemalige Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP) steht seit Monaten im öffentlichen Kreuzfeuer der Kritik. Persönliche Angriffe und Anschuldigungen sind keine Seltenheit. Vor allem das Komitee «Starke Schule Baselland» lässt kein gutes Haar an ihm. Scharf angegriffen wird sein Reformdrang. Gar eine Initiative zum Austritt aus dem HarmoS Konkordat wurde lanciert.

Leider bläst mir der Wind so heftig um die Ohren, dass ich die Absichten von gewissen Politikern und Medienschaffenden nicht mehr erkennen kann. Geht es um pädagogische Fragen oder um die persönliche Profilierung? Hetzerische Metaphern deuten eher auf das zweite hin. So wurde beispielsweise in einer Medienmitteilung des Komitees «Starke Schule Baselland» vom 05. Mai 2014 die Idee der pädagogischen Kooperation als

  • Verpflichtung zur uniformen Lehrtätigkeit à la DDR-Arbeitsbrigaden und als
  • totalitäres System, das eine Meinungsdiktatur mit integriertem Überwachungssystem fördere

bezeichnet. Ich schätze grundsätzlich kritische Stimmen und finde es bereichernd, verschiedene Perspektiven zu sehen. Solch plumpe und plakative Aussagen haben für mich in einer fachlichen Debatte jedoch nichts zu suchen.

Nun steht ein Regierungswechsel vor der Tür. Monica Gschwind (FDP) wird ab 1. Juli 2015 das Departement Bildung und Kultur übernehmen. In ihrem Wahlkampf sprach sie von einem «Marschhalt» bei den Bildungsreformen. Das sie unterstützende Komitee «Starke Schule Baselland» gar von einem Richtungswechsel.
Ich hoffe, dass es Frau Gschwind gelingen wird, die Sache ins Zentrum zu stellen, die Lehrpersonen ins Boot zu holen und Verunsicherungen abzubauen. Zudem rate ich ihr, sich eine winddichte Jacke von Transa zu besorgen!

Das Warten hat ein Ende

Der Lehrplan 21 wurde am 31.10.2014 an die Kantone übergeben. Diese sind nun für die weiteren Schritte und Änderungen sowie für die Einführung verantwortlich. Es bleibt spannend und zu hoffen, dass vor lauter kantonaler Anpassungen das Ziel der Harmonisierung nicht ganz aus dem Blickfeld gerät…

Gerne machen wir in diesem Zusammenhang auf folgende Links aufmerksam:

Kanton Zürich Bildungsdirektion Volksschulamt: Wocheninformation

10 vor 10 Freitag, 31.10.2014: Lehrplan 21: Auch die neuste Fassung erntet Kritik

Lehrplan 21: Rahmeninformationen