Ein Blick in die Zukunft

ChristineW:

Mit dem Start des neuen Schuljahres gilt im Kanton Luzern der Lehrplan 21. Hören Sie in diesem Radiobeitrag von SRF vom 18. August 2017 wie dies Lehrpersonen aus der Praxis beurteilen.

Zur Beachtung:
Bei uns im Kanton Zürich hat mit dem Start des aktuellen Schuljahres das Vorbereitungsjahr zur Einführung des Lehrplans 21 begonnen. Dies bedeutet, dass sich Schulen und Lehrpersonen mit dem neuen Lehrplan auseinandersetzen und sich weiterbilden. Im Schuljahr 2018/19 tritt der Lehrplan 21 für den Kindergarten bis in die fünfte Klasse in Kraft. Für die sechste Klasse und die Sekundarstufe 1 gilt er für verbindlich ab dem Schuljahr 2019/20.

Senf für Chefs: Weiterbildung der Schulleitungen

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Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Das Volksschulamt hat der PH Zürich den Auftrag gegeben, im nächsten Jahr eine 1.5-tägige Weiterbildungsveranstaltung für Schulleitungen in Bezug auf den Lehrplan 21 anzubieten. Wir freuen uns darauf. Gleichzeitig haben wir Respekt vor dieser Aufgabe. Welche Inhalte sind für die Schulleitenden (eben nicht für die Lehrerinnen und Lehrer) essenziell? Geht es um inhaltliche Fragen des Lehrplans? Oder um die Frage der Führung und Entwicklung? Ein Lehrplan ist einerseits ein Zeitdokument, in welchem die Gesellschaft eine Aussage darüber macht, wie sie die ‹gute Schule› dieses Zeitabschnittes definiert. Andererseits ist der Lehrplan ein Steuerungsinstrument des Kantons. Die Schulleitenden sind hier in einer ‹Sandwichposition› und müssen Vorgaben des Kantons an der eigenen Schule umsetzen lassen. Dabei ist das ‹lassen› entscheidend, da die Lehrerinnen und Lehrer letztlich den Lehrplan umsetzen. In einer ähnlichen Position befinden auch wir uns als Hochschule. Der Kanton beschliesst den Lehrplan und die Rahmenbedingungen zur Einführung und gibt uns den Auftrag, diese den Schulleitungen näher zu bringen.

Eine weitere Frage, welche uns beschäftigt, ist die hohe Diversität unter den Schulleitenden. Das ‹Wissen, Können und Wollen› unter ihnen ist sehr unterschiedlich. Wir haben den Anspruch, dass möglichst alle Teilnehmenden viel profitieren und mit einem ‹guten Rucksack› in die Umsetzung des neuen Lehrplans einsteigen können. Stephan Ball und zwei Kolleginnen (2012) schreiben, dass bei einer Einführung eines Lehrplans die Schulleitenden und Lehrpersonen zugleich Objekte als auch Subjekte sind: Objekte des Kantons im Sinne von ‹ihr müsst diesen umsetzen› als auch Subjekte die an der eigenen Schule auf ihre individuelle Art und Weise den Lehrplan umsetzen¹. Dasselbe gilt auch für die Weiterbildung. Die PH Zürich konzipiert eine Weiterbildung für die Schulleitenden. Die Schulleitenden selbst tragen dann aber während der Weiterbildungstage die Verantwortung für ihr Lernen selber.

Auch wenn noch Fragen offen sind und noch einiges zu tun ist: Wir freuen uns sehr auf diese Veranstaltungen und die vielen Begegnungsmöglichkeiten mit den Schulleitenden in unserem Haus. Und zum Glück ist eine solche Weiterbildung eine Herausforderung: Sie zeigt, dass viele Schulleitungen auf einem hohen Niveau agieren und nicht einfach mit einem ‹Kürsli› zufrieden wären.

PS: An Ideen, Hinweisen und Wünschen von Schulleitenden zu dieser Weiterbildung sind wir sehr interessiert. Diese können über einen Kommentar dieses Blogs oder per Mail an weiterbildung.sl@phzh.ch eingebracht werden.

PPS: Die Untersuchung von Stephan Ball et al. wird im Modul 5 des CAS Pädagogische Schulführung vorgestellt. Leider ist das Modul in diesem Jahr bereits ausgebucht. Der neue CAS Pädagogische Schulführung ist ausgeschrieben und es hat noch einige wenige Plätze frei.

¹Ball, Stephen J., Meg Maguire, and Annette Braun. 2012. How Schools do Policy. Policy enactments in Secondary Schools. New York: Routledge.

Im Gespräch mit Christian Amsler (D-EDK Präsident)

Gastbloggerin Catherine Lieger, Dozentin PH Zürich:

Im Rahmen einer dreitägigen Weiterbildung zur Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Glarus hatte ich den Auftrag, ein Impulsreferat zu kompetenzorientierten Aufgabenstellungen für den Zyklus 1 zu halten.
Schnell war mir klar, dass im Referat weitere Akteure und Betroffene zu Wort kommen sollten. Nebst Schülerinnen und Schülern und Lehrpersonen des Zyklus’ 1 sowie Schulleitungen konnte ich Christian Amsler für ein Interview gewinnen, das ich an dieser Stelle gerne mit Ihnen teilen will.

Teilinterview «Spiel»

Teilinterview «Aufgaben»

Teilinterview «Tipps und Tricks»

Senf für Chefs: Wer steuert? Und wohin?

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Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Ausgerechnet im Moment, in dem die 21 deutschsprachigen Kantone ihre Lehrpläne in einen ‘nationalen’ Lehrplan vereinen, sollen die Schulleiterinnen und Schulleiter im Kanton Zürich aus Spargründen kommunalisiert werden? Macht das Sinn? Ich habe mich auf eine gedankliche Spurensuche gemacht.

Mein erster Gedanke war: Typisch Politik! Der Kanton überwälzt die Kosten an die Gemeinden und ‘spart’. Die Kosten der Gemeinden steigen und der Spareffekt ist gleich Null. Ich habe den Gedanken gleich wieder verworfen. So kurzfristig denken unsere Politikerinnen und Politiker nicht.

Der zweite Gedanke war: Wenn wirklich gespart werden soll, müssen die Gemeinden die Pensen der Schulleiterinnen und Schulleiter kürzen. Denn nur dann wird wirklich gespart. Auch diesen Gedanken habe ich schnell wieder verworfen. Die Belastung der Schulleiterinnen und Schulleiter ist sehr hoch und wird mit der Einführung des Lehrplans 21 und dem neuen Berufsauftrag weiter steigen. Aus diesem Grund wurde ja auch unlängst ihr Pensum erhöht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Politikerin oder ein Politiker ernsthaft für die Kürzung von Schulleitungspensen eintritt. Wäre dies das Ziel, hätte der Kanton wohl die Kürzung direkt vorgenommen und so die Kosten der Gesetzesänderung vermieden und effektiv mehr Geld gespart. Ich halte unsere Bildungsdirektorin für mutig genug, diese Kürzung durchzusetzen, hielte sie sie für richtig. Sie tat es nicht.

Der dritte Gedanke war: Der Kanton Zürich gibt die Steuerung der Schulen an die Gemeinden ab. Mit der Einführung der Schulleitungen hat man genau dieses Paradigma verfolgt: Die Verantwortung für die Einzelschule soll lokal sein, da dort individuelle und damit bessere Lösungen gefunden werden können. Die Kommunalisierung der Schulleitung könnte eine konsequente Weiterführung dieser Strategie sein. Der Kanton setzt mittels Gesetze, Verordnungen und Lehrplan Richtlinien und Rahmenbedingungen. Die Gemeinden sind für die Umsetzung verantwortlich. Würde diese Strategie verfolgt, müssten konsequenterweise auch die Lehrpersonen kommunalisiert werden (obwohl Lehrpersonen mit Kleinstpensen erst gerade kantonalisiert wurden). Viele Aufgaben, welche das Volksschulamt heute wahrnimmt, übernähmen neu die Gemeinden. Einsparungen gäbe es nur, wenn die kommunalen Lösungen günstiger als die kantonalen wären. Ob dadurch die angestrebten 15 Millionen erreicht werden können?

Die Kommunalisierung der Steuerung hätte Auswirkung auf die Einführung des Lehrplans 21. Für die Einführung wäre nicht mehr der Kanton, sondern die Gemeinden zuständig. Der Kanton würde den Lehrplan 21 beschliessen und die Gemeinden diesen auf die für sie richtige Art und Weise einführen.

Will der Kanton diese Steuerungsfunktion wirklich abgeben? Ich kann es mir fast nicht vorstellen.

Was meinen Sie?

«Was passiert, wenn der Lehrplan 21 doch nicht in Kraft tritt?»

ChristineW:
Seit letzte Woche bekannt wurde, dass die Initiative «Lehrplan vors Volk» auch im Kanton Zürich zustande gekommen ist, gewinnt die Frage, was passiert wenn der Lehrplan 21 nun doch nicht in Kraft tritt, erneut an Bedeutung.
Der verlinkte Zeitungsartikel aus der NZZ vom 23. Februar 2016 zeigt aus meiner Sicht gut auf, dass der Lehrplan 21 nicht isoliert betrachtet werden kann. Auch wenn der Lehrplan 21 nicht in die Umsetzung käme, hätte er durch Lehrmittelentwicklungen bereits viele Spuren hinterlassen. «Die Initianten empfinden dies als Affront» ist im Artikel zu lesen. Doch dass kompetenzorientierte Lehrmittel entwickelt werden, hängt wohl weniger mit dem Lehrplan 21 zusammen, als mit den Erkenntnissen über gute und wirksame Unterrichtsgestaltung.
Hier geht es zum Artikel.

Frei erfunden?

Seit Ende November der Bildungsrat die Eckdaten über die Einführung des LP21 kommuniziert hat, beteiligt sich auch die Presse erneut am Thema.
Nicht immer gut recherchiert, wie sich dies im Artikel der Sonntagszeitung vom 29. November 2015 «Diese Rechnung geht nicht auf» und der darauffolgenden Stellungnahme zeigt.
Etwas weniger trocken als die Stellungnahme, dafür umso pragmatischer rückt der Artikel der Zeit «Als wäre die Schule eine Maschine» die Diskussionen ins rechte Licht.

Lehrplan Kanton Baselland 1887

Lehrplan Baselland 1887

MarlenF:
Mein Schulleiter machte mich vor einiger Zeit auf den Lehrplan des Kantons Baselland von 1887 aufmerksam. Damit nahm er mich auf eine Reise in die Vergangenheit mit. Zum Fach Lesen und Schreiben der dritten Klasse steht:

  • Lesen prosaischer und poetischer Lesestücke des dritten Geschichtsbüchleins zur Erziehung eines fliessenden, laut- und tonrichtigen Lesens. Erklärung und Wiedergabe ihres Inhalts, nach Fragen und im Zusammenhange, mundartig und schriftdeutsch. Vortrag auswendiggelernter und kleiner Gedichte und Erzählungen.
  • Schriftliche Satzbildung durch das Beantworten von Fragen, das vervollständigen angefangener Sätze, das Aufschreiben selbstgefundener Sätze aus dem Anschauungs- und Erfahrungsreife des Kindes.

Wie sich die Zeiten und die Lehrpläne ändern zeigt sich deutlich ab Seite 11 des Dokuments. Dort sind die damalige Stundentafel und die obligatorischen Lehrmittel aufgeführt. Ein Blick in den Lehrplan lohnt sich! Beim Durchstöbern des Dokuments ging mir die Frage durch den Kopf: «In welchem Zusammenhang wird wohl der Lehrplan21 in über 120 Jahren zitiert werden?»

Lehrplan Baselland 1887 (Aus dem Archiv der Sekundarschule Rotacker, Liestal)

Druckfrisch aus dem Kanton Basel-Stadt: Broschüre «Kompetenzorientiert fördern und beurteilen»

MarlenF:
Über die Beurteilung ist im Lehrplan 21 wenig geschrieben. Diese zu regeln, wurde jedem Kanton überlassen. Der Kanton Basel-Stadt ist der erste Kanton, der bereits mit dem Lehrplan 21 arbeitet. Auch die Beurteilung der Schülerinnen und Schüler sollte demnach kompetenzorientiert ausfallen. Kein Wunder, dass das Erziehungsdepartement vor kurzem eine Broschüre dazu herausgab.
Mal schauen, ob es die Broschüre vermag, in der Stadt am Rhein so viel Staub wie das «Sexköfferli» aufzuwirbeln…! 🙂

Broschüre Kompetenzorientiert fördern und beurteilen 2015

Zu finden auf der Webseite des Erziehungsdepartements des Kantons Basel-Stadt

Der Lehrplan 21 zeigt seine Kritikfähigkeitskompetenz

MarlenF:
Der Lehrplan 21 hat es nicht leicht! Fast täglich outen sich neue Kritiker und greifen ihn bis ins Innerste an. Wir haben uns gefragt, wie er wohl mit all diesen Kritiken umgeht und sind auf folgenden Link gestossen: http://lehrplan.ch/kritikpunkte

Wie finden Sie die Kritikfähigkeitskompetenz des Lehrplans 21?