Lehrplan 21: Was bewegt die Eltern?

HarryK:

Ab Schuljahr 2018/2019 ist der Lehrplan 21 für alle Schülerinnen und Schüler vom Kindergarten bis zur 5. Klasse verbindlich. Schulen beginnen die Eltern darüber zu informieren, was sich mit dem Lehrplan 21 im Schulalltag und insbesondere im Unterricht ändert. Nach einem Informationsanlass haben wir Eltern drei Fragen gestellt. Hören Sie selber, was die Eltern darauf geantwortet haben:

Was hat Sie bewegt an diesem Elternabend zum Lehrplan 21 teilzunehmen?

Was hat sich für Sie nach dem heutigen Abend geklärt?

Was beschäftigt Sie auch weiterhin? Welche Ihrer Fragen sind noch offen, welche Themen werden Sie verfolgen?

«Das hät Spass gmacht!» – «Ja, gäll!»

Gastbloggerin Ursula Frank, Lehrperson Kindergarten Schule Egg:

Ich bin Kindergärtnerin und nehme den Austausch im Titel dieses Beitrags mit Freude auf, denn die zwei Kindergarten-Kinder äussern sich zu einem neuen Lerninhalt.

Da ich den Standpunkt vertrete, dass auch ich immer wieder von den Kindern lernen kann, frage ich mich nun, ob ich selber in der Auseinandersetzung mit Neuem – und hier nun konkret gedacht auch mit dem neuen Lehrplan 21 – ebenso eine vergleichbare Entdeckerfreude zeigen kann.

Ich versuche bei meiner persönlichen Einarbeitung in den Lehrplan unterschiedliche Zugänge zu nutzen; es werden zurzeit ja auch viele Informationen und Begleitungen angeboten. Und ich habe bemerkt, dass es mir am meisten «Spass» macht, wenn ich mich auch selber kompetenzorientiert mit dem Lehrplan 21 auseinandersetze. Was wende ich bereits in meinem Berufsalltag an und wie sieht dabei die Verbindung zum Neuen aus?

So habe ich eine eigene aktuelle M&U Lernsequenz unter die Lupe genommen und festgestellt, dass es viele wesentliche Verbindungen zum NMU Unterricht nach dem LP 21 gibt. Das macht Freude und motiviert zu Anpassungen und Weiterentwicklungen.

Mit einem Käferklick – nein doch – Mausklick kommt man hier (Seite 13–15) zu diesem naturkundlichen Praxisbericht auf der Kindergartenstufe. Viel Spass!

Gemeinsam online lernen

MartineO:

Der Lehrplan 21 soll bis Sommer 2021 umgesetzt sein. Damit die Lehrpersonen auf die Einführung des neuen Lehrplans vorbereitet sind, bietet die PHZH unter anderem Online-Lernangeboten an.

Mit diesem neuen Angebot müssen sich die Lehrpersonen natürlich erst einmal vertraut machen. Zusätzlich lernen Erwachsene langsamer und anders als beispielsweise Kinder, da sie neue oder ähnliche Inhalte mit mehr bestehendem Wissen verknüpfen müssen. Wie lässt sich der Einstieg in das Online-Lernen also optimal gestalten?

Team-Weiterbildung in der Sekundarschule Wald

Monique Honegger und Harry Koch, Autoren des Artikels «Wenn Lehrpersonen online lernen», raten den Beteiligten, die Herausforderung im Team anzugehen. Lernen geschieht zwar im Kopf jedes einzelnen, doch das heisst nicht, dass es nur alleine geschehen muss. Die Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem die Kultur des Miteinander lernen erfolgsversprechend ist. Indem sich die Lehrpersonen mit Kolleginnen und Kollegen über den Inhalt der Online-Lerneinheiten austauschen, erkennen sie, was dieser für den Schulalltag bedeutet.

In der November-Ausgabe des ZLV Magazin (Seite 20 – 21) lesen Sie, wie Lehrpersonen sich mit dem Online-Lernen und der Frage «Wie lerne ich als Lehrperson?» auseinandergesetzt haben.

Sollten Sie Feedback zu den Online-Lerneinheiten haben, können Sie es hier einreichen.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Alltagssprache und Bildungssprache?

Gastbloggerin Claudia Neugebauer, Dozentin PH Zürich:

Wer die folgenden beiden Sätze vergleicht, erkennt sofort den Unterschied:

  • Die Löcher in den Buchenblättern sind vom Buchenspringrüssler.
  • Die Löcher in den Buchenblättern stammen vom Buchenspringrüssler.

Beide Sätze stammen von Kindern aus einer dritten Klasse, die einen Tag in der Waldschule verbracht haben. Das «etwas stammt von etwas» im zweiten Satz geht klar über die Alltagssprache eines Unterstufenkindes hinaus. Man kann es als eine Formulierung aus der Bildungssprache bezeichnen.

Wenn in der Schule Bildungssprache aufgebaut wird, geht es um mehr als um das Lernen von Fachwörtern wie «Buchenblätter» oder «Buchenspringrüssler». Zur Bildungssprache gehören eben auch Formulierungen wie «etwas stammt von etwas» im zweiten Beispiel. Solche Formulierungen sind wichtig beim Verstehen von Texten und – je älter die Kinder werden – auch für das Formulieren eigener Texte.

DaZ-Lehrpersonen begleiten diejenigen Schülerinnen und Schüler, die beim Formulieren von passenden sprachlichen Mitteln Unterstützung brauchen

Viele Lehrerinnen und Lehrer sagen: «Es ist gut, wenn ein Kind überhaupt einen Satz wie im ersten Bespiel formulieren kann». Das stimmt – gut ist es aber nicht, wenn wir uns damit zufriedengeben. Die Arbeit an präzisen Formulierungen, die über die Alltagssprache hinausgehen, ist enorm wichtig. Wie dies in der Praxis aussehen kann zeigen wir im Film «Kompetenzorientiert unterrichten im Fachbereich Deutsch/DaZ».

Weitere Informationen zu kompetenzorientiertem Deutsch- und DaZ-Unterricht finden Sie hier.

Veränderungen mit Respekt begegnen

MartineO:

Mitte August fiel im Kanton Glarus der Startschuss für die vierjährige Einführungsphase des Lehrplans 21. Im Vorfeld wurde viel über den neuen Lehrplan und dessen Einführung diskutiert und berichtet. Die Tageszeitung Südostschweiz hat die Gelegenheit genutzt und vier an der Einführung des Lehrplans 21 direkt Beteiligte befragt, wie der Start der Einführungsphase verlaufen ist und wie sich der Alltag in den Unterrichtsstunden verändert hat. Drei Lehrpersonen, eine Schülerin und ein Schulleiter ziehen ein erstes Fazit zum neuen Glarner Lehrplan.

In einem Thema sind sich alle Befragten einig: Auf den ersten Blick ändert sich nicht viel in der Unterrichtsstunde, die meisten Lernenden werden den Lehrplanwechsel nicht einmal bemerken. Erst im Detail zeigen sich einige kleine aber grundlegende Veränderungen, so die Befragten. Lesen Sie hier die Stellungnahmen im Artikel der Südostschweiz.

«Guter Unterricht ist primär nicht nur vom Lehrplan abhängig – er wird erst durch gut ausgebildete und motivierte Lehrpersonen ermöglicht.»

Förderung mathematischer Kompetenzen über zwei Zyklen hinweg

Gastbloggerin Erica Meyer-Rieser, Wissenschaftliche Mitarbeiterin PH Zürich

«Mathematik im Kindergarten – wozu denn das?»
«Warum soll über mathematische Aufgaben gesprochen werden?»
«Geht das überhaupt in multikulturellen Klassen?»

Zu solch kritischen Fragen bietet der Film «Kompetenzorientiert unterrichten im Fachbereich Mathematik» Antworten an. Er entstand in intensiver Zusammenarbeit zwischen Mathematikdidaktikerinnen der Primar- und Eingangsstufe, dem Projektleiter KoLeP21 und einem Film-Team des Digital Learning Centers der PHZH. Eine Kindergarten- und eine Mittelstufen-Lehrperson der Stadt Zürich liessen sich mit ihren Klassen während ihres Mathematikunterrichts filmen.

Lehrplan 21, Mathematik: Kompetenzbereiche und Handlungsaspekte im Überblick

Die mathematischen Tätigkeiten werden im neuen Lehrplan «operieren und benennen», «erforschen und argumentieren», «mathematisieren und darstellen» genannt. Im Zusammenspiel mit Inhalten sollen sie auf allen Schulstufen bei den Schülerinnen und Schülern mathematische Kompetenzen fördern. In den didaktischen Hinweisen für den Mathematikunterricht fordert der Lehrplan 21 unter anderem handlungsorientiertes und prozessorientiertes Arbeiten und produktives Üben mit reichhaltigen Aufgaben, all dies unter Berücksichtigung der Leistungsheterogenität von Schulklassen. Manche Lehrpersonen setzen solche Ansprüche – angeregt durch die Lehrmittel «Kinder begegnen Mathematik» und «Mathematik 1 bis 6» – bereits jetzt um. Auf diese Weise werden bei den Kindern gleichzeitig verschiedene Kompetenzen gefördert, wie der Film deutlich zeigt.

 

Arbeiten von Schülerinnen und Schülern einer 5. Klasse zum Thema «Terme bilden mit gegebenen Zahlen»

Mit welcher Freude und Intensität Kindergartenkinder, Primarschülerinnen und -schüler in dieser Weise Mathematik betreiben und sich über ihre Resultate austauschen, kann im Film beobachtet werden.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Lehrplan 21 für den Kanton Zürich.

Beurteilen: Freiräume schaffen

HarryK, ChristineW:

Vertretungen der Pädagogischen Hochschulen der deutsch- und zweisprachigen Schweiz treffen sich regelmässig, um sich über die Einführung des Lehrplans 21 auszutauschen. Der letzte Austausch fand zum Thema «Beurteilung» statt. Folgende vier Fragen sollten von den vier Referenten aus den Kantonen Schwyz, Thurgau, Bern und Zürich aufgegriffen werden:

Rege diskutiert werden in allen Kantonen die Gestaltung und Häufigkeit der traditionellen Zeugnisse. Der Kanton Bern setzt neu vermehrt auf Standortgespräche an Stelle von Zeugnissen. Die Vertretungen der Pädagogischen Hochschulen konstatierten, dass die Zeugnispraxis von Kanton zu Kanton trotz Harmonisierung sehr unterschiedlich ist. In folgenden Punkten waren sie sich einig:

  • Lehrpersonen haben bei der Beurteilung mehr Handlungsspielräume als sie in der Regel nutzen. Die Pädagogischen Hochschulen müssen die Schulen dabei unterstützen, diese Spielräume auszuloten.
  • Die Selektionsfunktion ist eine unbestrittene Aufgabe der Schule. Eine gegenüber der heute gängigen Praxis erweiterte Beurteilungs- und Prüfungskultur könnte eine grössere Chancengerechtigkeit für die Schülerinnen und Schüler bedeuten.
  • Die von der Pädagogischen Hochschule Zürich im Auftrag des Volksschulamtes erstellte Broschüre «Kompetenzorientiert beurteilen» weist auf einen dritten Punkt hin, der von allen einstimmig gutgeheissen wird:

    «Mit dem Lehrplan 21 gewinnt die formative (förderorientierte) Beurteilung an Bedeutung, indem sie den Aufbau und die Erweiterung von Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zielorientiert begleitet und unterstützt.»

Ein Blick in die Zukunft

ChristineW:

Mit dem Start des neuen Schuljahres gilt im Kanton Luzern der Lehrplan 21. Hören Sie in diesem Radiobeitrag von SRF vom 18. August 2017 wie dies Lehrpersonen aus der Praxis beurteilen.

Zur Beachtung:
Bei uns im Kanton Zürich hat mit dem Start des aktuellen Schuljahres das Vorbereitungsjahr zur Einführung des Lehrplans 21 begonnen. Dies bedeutet, dass sich Schulen und Lehrpersonen mit dem neuen Lehrplan auseinandersetzen und sich weiterbilden. Im Schuljahr 2018/19 tritt der Lehrplan 21 für den Kindergarten bis in die fünfte Klasse in Kraft. Für die sechste Klasse und die Sekundarstufe 1 gilt er für verbindlich ab dem Schuljahr 2019/20.

Senf für Chefs: Weiterbildung der Schulleitungen

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Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Das Volksschulamt hat der PH Zürich den Auftrag gegeben, im nächsten Jahr eine 1.5-tägige Weiterbildungsveranstaltung für Schulleitungen in Bezug auf den Lehrplan 21 anzubieten. Wir freuen uns darauf. Gleichzeitig haben wir Respekt vor dieser Aufgabe. Welche Inhalte sind für die Schulleitenden (eben nicht für die Lehrerinnen und Lehrer) essenziell? Geht es um inhaltliche Fragen des Lehrplans? Oder um die Frage der Führung und Entwicklung? Ein Lehrplan ist einerseits ein Zeitdokument, in welchem die Gesellschaft eine Aussage darüber macht, wie sie die ‹gute Schule› dieses Zeitabschnittes definiert. Andererseits ist der Lehrplan ein Steuerungsinstrument des Kantons. Die Schulleitenden sind hier in einer ‹Sandwichposition› und müssen Vorgaben des Kantons an der eigenen Schule umsetzen lassen. Dabei ist das ‹lassen› entscheidend, da die Lehrerinnen und Lehrer letztlich den Lehrplan umsetzen. In einer ähnlichen Position befinden auch wir uns als Hochschule. Der Kanton beschliesst den Lehrplan und die Rahmenbedingungen zur Einführung und gibt uns den Auftrag, diese den Schulleitungen näher zu bringen.

Eine weitere Frage, welche uns beschäftigt, ist die hohe Diversität unter den Schulleitenden. Das ‹Wissen, Können und Wollen› unter ihnen ist sehr unterschiedlich. Wir haben den Anspruch, dass möglichst alle Teilnehmenden viel profitieren und mit einem ‹guten Rucksack› in die Umsetzung des neuen Lehrplans einsteigen können. Stephan Ball und zwei Kolleginnen (2012) schreiben, dass bei einer Einführung eines Lehrplans die Schulleitenden und Lehrpersonen zugleich Objekte als auch Subjekte sind: Objekte des Kantons im Sinne von ‹ihr müsst diesen umsetzen› als auch Subjekte die an der eigenen Schule auf ihre individuelle Art und Weise den Lehrplan umsetzen¹. Dasselbe gilt auch für die Weiterbildung. Die PH Zürich konzipiert eine Weiterbildung für die Schulleitenden. Die Schulleitenden selbst tragen dann aber während der Weiterbildungstage die Verantwortung für ihr Lernen selber.

Auch wenn noch Fragen offen sind und noch einiges zu tun ist: Wir freuen uns sehr auf diese Veranstaltungen und die vielen Begegnungsmöglichkeiten mit den Schulleitenden in unserem Haus. Und zum Glück ist eine solche Weiterbildung eine Herausforderung: Sie zeigt, dass viele Schulleitungen auf einem hohen Niveau agieren und nicht einfach mit einem ‹Kürsli› zufrieden wären.

PS: An Ideen, Hinweisen und Wünschen von Schulleitenden zu dieser Weiterbildung sind wir sehr interessiert. Diese können über einen Kommentar dieses Blogs oder per Mail an weiterbildung.sl@phzh.ch eingebracht werden.

PPS: Die Untersuchung von Stephan Ball et al. wird im Modul 5 des CAS Pädagogische Schulführung vorgestellt. Leider ist das Modul in diesem Jahr bereits ausgebucht. Der neue CAS Pädagogische Schulführung ist ausgeschrieben und es hat noch einige wenige Plätze frei.

¹Ball, Stephen J., Meg Maguire, and Annette Braun. 2012. How Schools do Policy. Policy enactments in Secondary Schools. New York: Routledge.

Im Gespräch mit Christian Amsler (D-EDK Präsident)

Gastbloggerin Catherine Lieger, Dozentin PH Zürich:

Im Rahmen einer dreitägigen Weiterbildung zur Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Glarus hatte ich den Auftrag, ein Impulsreferat zu kompetenzorientierten Aufgabenstellungen für den Zyklus 1 zu halten.
Schnell war mir klar, dass im Referat weitere Akteure und Betroffene zu Wort kommen sollten. Nebst Schülerinnen und Schülern und Lehrpersonen des Zyklus’ 1 sowie Schulleitungen konnte ich Christian Amsler für ein Interview gewinnen, das ich an dieser Stelle gerne mit Ihnen teilen will.

Teilinterview «Spiel»

Teilinterview «Aufgaben»

Teilinterview «Tipps und Tricks»