Das Gespenst der Kompetenzorientierung

Gastblogger Daniel Fleischmann, Fachjournalist für Berufsbildung:

Quelle: Schweiz. Konferenz der Weiterbildungsverantwortlichen der Sek II (KWV-SII)

Mit dem Lehrplan 21 ist die Kompetenzförderung zu einem zentralen Paradigma der Unterrichtsentwicklung geworden. In den kommenden Jahren werden Jugendliche in die Sekundarstufe II übertreten, die noch mehr als bisher erweiterte Lehr- und Lernformen kennengelernt haben und gute Informatikkenntnisse besitzen. Sie fordert Gymnasien und Berufsfachschulen methodisch-didaktisch, aber auch von den Lerninhalten heraus. An der Kadertagung «Lehrplan 21 und Sekundarstufe II» ging man diesen Herausforderungen nach. Eine zentrale These: Der Begriff der Kompetenzorientierung markiert keinen Entwicklungsbruch, sondern bildet Ausdruck und Katalysator für die Weiterentwicklung von Schule.

Lesen Sie hier den kompletten Bericht über die Kadertagung.

Das Transkript des Referates von Kurt Reusser, welches im Zentrum der Tagung stand, können Sie hier herunterladen.

Fit für die Praxis – Weiterbildung zum LP 21

Gastblogger Manuel Frischknecht, Projektleiter Weiterbildung und Beratung, PHZH:

Eine Schule in Henggart, einer kleinen Gemeinde im Zürcher Weinland mit 2000 Einwohnern. 35 Lehrpersonen unterrichten die rund 200 Schülerinnen und Schüler. Für einen Montag anfangs Februar hat der Schulleiter, Herr Marius Strebel für sein Lehrerteam einen sogenannten SchiLW+ Tag organisiert, eine eintägige, hausinterne Weiterbildung der PHZH zur Vertiefung der bereits abgeschlossenen Onlinelerneinheit «Grundlagen». Mit dieser hatten sich die Lehrerinnen und Lehrer bereits im November in den Aufbau des Lehrplans 21 und die Grundzüge eines kompetenzorientierten Unterrichts eingearbeitet.

Am Vertiefungstag geht es am Morgen darum offene Fragen zu Struktur und Aufbau des neuen Lehrplans zu klären, gemeinsam das Erarbeitete auszutauschen, bevor am Nachmittag, in kleinen Teams, dieses Wissen eine Umsetzung einfliesst. Ziel ist es bis am Ende des Nachmittags pro Team eine praxisnahe Lektion, wenn nicht gar einen Lektionen-Zyklus zu haben.

Diesem Teil der Weiterbildung wird in Henggart mehr Zeit als üblich eingeräumt. Der Schulleiter hat beschlossen zeitnah zu einem Elternabend zum Lehrplan 21 einzuladen, an dem die Eltern Gelegenheit bekommen sollen zu sehen und zu hören was auf sie zukommt und was den Schulalltag ihrer Kinder (mit-)bestimmen wird. Eine Mitarbeiterin der PHZH wird anwesend sein, informieren und moderieren, aber ein ebenso wichtiger Bestandteil werden die Lehrpersonen sein, die den Eltern ihrer Schülerinnen und Schülern direkt Einblick in ihre Umsetzung geben werden. Eine interessante Idee, die weiter Schule machen könnte.

Dieses mehrstufige Vorgehen ist ein gutes Beispiel für eine bis jetzt gelungene Herangehensweise ans Thema Lehrplan 21. Sie macht es an diesem Tag auch der Workshopleiterin Yvette Heimgartner leicht durch die Veranstaltung zu führen: Das Interesse ist vorhanden, Fragen, auch kritische, stehen ebenfalls im Raum. Der Schulleiter hat gemeinsam mit seinem Team dem Thema genug Raum gelassen und eine klare Strategie für die Übergangsphase erarbeitet. Weitere Themen werden folgen, für den Herbst 2018 ist es das Thema Beurteilung bevor die fachdidaktischen Aspekte zum Zug kommen.

Eltern und Schule ziehen am selben Strick: Kindergärten in Sri Lanka

Gastbloggerin Catherine Lieger, Dozentin, Beraterin und Mentorin PHZH:

Durch aktive Elternmitwirkung zur Kompetenzförderung von Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren

  • Wie arbeiten Lehrpersonen in den Kindergärten «Rahula» (Sri Lanka) mit den Eltern zusammen?

Innerhalb des Projekts Spielen Plus des Zentrums für Internationale Bildungsprojekte (IPE) der PH Zürich erforschte ich im Herbst 2017, wie Kinder von 3 bis 6 Jahren spielen. Ziel dieser Forschung ist die Entwicklung eines Lehrmittels zum Thema Spiel für Lehrpersonen und die Elternbildung. Auch für Kinder mit Migrationshintergrund soll sich dieses Lehrmittel eignen.

Aus diesem Grund habe ich Kindergärten in Sri Lanka besucht. Während meines vierwöchigen Volunteerprojektes sprach ich täglich mit verschiedenen Eltern der 130 Kindergartenkinder. In Sri Lanka nimmt Elternmitwirkung in den Kindergärten eine zentrale Bedeutung ein: Eltern und Lehrpersonen verantworten gemeinsam, dass Kinder etwas lernen. Dies spüren letztlich alle Beteiligten.

Morgens ab 8 Uhr begleiten die Eltern ihre Kinder in den Kindergarten. Eltern und Lehrpersonen tauschen sich vor Ort rege aus, bis sich die Eltern dann um 8.30 Uhr verabschieden. Nach dem Unterricht, um 11.30 Uhr, treffen die Eltern wieder in den Kindergärten ein. Während die Kinder auf dem Spielplatz spielen, informiert die Lehrperson die Eltern über den Verlauf des Vormittags und die Lernfortschritte der Kinder. Auch organisatorische und inhaltliche Schwerpunkte der Kindergartenarbeit werden thematisiert. Ebenso platzieren die Eltern ihre Anliegen in diesen Zeitgefässen.

Durch diese aktive Form der Elternmitwirkung gelingt es in diesen Kindergärten auf beeindruckende Weise gemeinsam Verantwortung für die Kompetenzförderung der Kinder zu übernehmen. Eltern und Schule ziehen wirkungsvoll am selben Strick!

Senf für Chefs: Diskussionen über Pädagogik führen

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Die Herausgeberinnen und Herausgeber des KoLeP21-Blogs mahnen mich immer wieder nicht zu viel zu schreiben. Heute will ich mich daran halten und das Wort Gert Biesta übergeben. Wie im letzten «Senf für Chefs»-Blogbeitrag geschrieben, haben wir Gert Biesta im Rahmen des CAS Pädagogische Schulführung an die PHZH eingeladen. Seinen Vortrag haben wir filmisch festgehalten und möchten Ihnen diesen nicht vorenthalten.

Bevor es zum Film geht, noch eine kurze Vorbemerkung: In meinem Verständnis ist ein Lehrplan ein Zeitdokument, in welchem die Gesellschaft definiert, was für sie eine gute Schule ist und welche Inhalte vermittelt werden sollen. Ein Lehrplan ist gewissermassen der Auftrag der Gesellschaft an die Schule. In seinem Referat zeigt Biesta für mich sehr überzeugend auf, dass die Gesellschaft der Schule einen dreifachen Auftrag gibt. Genau das macht das Führen einer Schule und das Unterrichten von Schülerinnen und Schülern so anspruchsvoll. Es geht um Spannungsfelder welche gestaltet werden müssen und in denen man nie weiss, ob man auch erfolgreich sein wird. Es ist «the beautiful risk of education». Das Gestalten von Spannungsfeldern braucht neben Wissen und reflektierter Erfahrung auch den Austausch, die Diskussion. Zu allen drei Dingen soll der Vortrag anregen.

Aber nun zum Film. Viel Vergnügen!

PS: Der Link zum Film bzw. zu diesem Blog darf gerne weitergegeben werden.

PPS: Der Film kann auch an einer pädagogischen Konferenz oder bei einem gemütlichen Abend mit Kolleginnen und Kollegen angeschaut und diskutiert werden. Wir hoffen mit dem Film pädagogische Diskussionen anzuregen und Schulleitungen und Lehrpersonen damit ein Instrument für pädagogische Entwicklungen zur Verfügung zu stellen.

PPPS: Und wer Lust auf Lesen hat: Die Bücher von Gert Biesta gibt es (leider nur in Englisch) in unserer Bibliothek.

Die online-unterstützte Weiterbildung Lehrplan 21 geht auf Tournee

Gastbloggerin Carola Brunnbauer, Dozentin Medienbildung PH Zürich:

Gleich zwei Veranstaltungen im In- und Ausland boten in den vergangenen Wochen die Möglichkeit, die online-unterstützte Weiterbildung mit unterschiedlichen Foki einem breiten Publikum vorstellen.

An der 16. International ILIAS Konferenz in Freiburg hielten Carola Brunnbauer und Jürg Fraefel vom Digital Learning Center einen Vortrag mit dem Titel «Online first! Wie sich 12’000 Lehrpersonen im Kanton Zürich digital weiterbilden.»

Im Track «Training und Personalentwicklung» erläuterten Sie die Konzeption der Weiterbildung als Inverted Classroom und thematisierten sowohl die Herausforderungen als auch erste Erkenntnisse und Feedbacks aus der Praxis. Im Detail ging es um die Gestaltung der Lernoberfläche auf ILIAS sowie die Produktion und den Einsatz interaktiver Videos.

Eine Woche zuvor präsentierten Carola Brunnbauer und Susanne Leibundgut Heimgartner unter dem Titel «Online-Lerneinheiten und Flipped Classroom als Teil des Weiterbildungskonzepts zur Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Zürich» ihre Erfahrungen in der Konzeption an der Tagung «Kompetenzorientierung und Lehrplan 21» in Bern und gewährten den Teilnehmenden anderer Pädagogischer Hochschulen und Weiterbildungsinstitutionen einen Einblick in das Produkt. Da die Entwicklung von Online-Angeboten an vielen Hochschulen diskutiert wird, war das Interesse – auch an einer Nutzung der im Auftrag des Volksschulamts Zürich entwickelten Online-Lerneinheiten – sehr gross.

Am 30. Oktober wird an der PH Zürich eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema stattfinden (Flyer).

«Wänn sie i dine Arme ischlaft, weisch, dass sie dir vertraut.» – Sexualkundlicher Unterricht

«11 Jahre anpacken, umpacken, weiterpacken»

 

Gastblogger Lukas Geiser, Wissenschaftlicher Mitarbeiter PH Zürich:

zum Film (Webseite «Sexualkundlicher Unterricht»)

«Wenn sie i dine Arme ischlaft, weisch, dass sie dir vertraut.» Diese Aussage eines Jungen im Film – Die Sache mit der Liebe… – verdeutlicht, wie sich die Jugendlichen der Vertrauensbildung in einer Beziehung nähern. Sie formulieren Aspekte, die für sie in einer Beziehung wichtig sind. Die Kompetenz – Die Schülerinnen und Schüler können Beziehungen, Liebe und Sexualität reflektieren und ihre Verantwortung einschätzen. – dient als Ausgangslage, ein wichtiges Lebensthema aufzugreifen. Die Themen in dieser Kompetenz sind sehr vielfältig. Es geht um Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeit, um Wissen über andere Vorstellungen, Rechte und auch um das Nachdenken über sich selber. Das Erarbeiten dieses Wissens und dieser Fähigkeiten beginnt nicht erst in der dritten Sekundarschule, sondern vom Lebensstart jedes Menschen an.

Die Qualität der Schule besteht darin, dass sich die Schüler und Schülerinnen unter gleichalterigen austauschen können, von einander Erwartungen und Haltungen erfahren und diese mit ihren eigenen Vorstellungen abgleichen und reflektieren können.

Die Aussagen im Film, dass es scheinbar bei Jungen mehr um Sex geht, die Mädchen häufiger «klammern», führen oft (bei Abwesenheit einer Kamerafrau und eines Tontechnikers) zu heftigen Diskussionen und die Lehrperson kann sich mit der Klasse mit normativen Geschlechterrollen auseinandersetzen.

Dann steht da die Frage im Raum, was Verantwortung und Vertrauen in einer Beziehung überhaupt heisst. Im Film versuchen die Jugendlichen Antworten zu geben. Das ist nicht immer einfach, doch durch diese konkrete Beschreibung in der oben erwähnten Kompetenz kann genau dies geübt und reflektiert werden.  Wenn dieses Arbeiten an Kompetenzen dazu führt, dass Jugendliche ihre Beziehungen respektvoll, gewaltfrei und gleichberechtigt gestalten, dann ist schon Vieles erreicht.

Was sich liebt, neckt sich – Lernen und Reflexion

ChristineW:

«Ich stürze mich von der Metaebene, wenn ich noch einmal reflektieren muss!» So lautet offenbar eine geliebte Aussage von Studentinnen und Studenten der PHSG. Aus der PH Zürich kenne ich das Rätsel: «Warum ist es an er PH Zürich so hell? Weil die Studis am Reflektieren sind». Reflexion und Reflektieren gilt als ein unbestrittener Bestandteil des Lernens. Trotzdem oder vielleicht auch genau deshalb witzeln wir gerne darüber. Was hat es damit auf sich? Beim Stöbern bin ich gleich auf zwei PHZH Seiten gestossen, die das Thema aufnehmen. Die erste ist eine Bildaussage zum Wort des Tages im Blog des Schreibzentrums der PHZH (Das SchreibBLOGzentrum):

Quelle: Wort des Tages im Blog Das SchreibBLOGzentrum der PHZH, 23. Februar 2017

Die zweite Seite behandelt das Thema umfassender, im Blog des Zentrums für Hochschuldidaktik der PHZH. Ein Text von Monique Honegger mit dem Titel «Reflektieren: Denkchance oder Lernbremse».

Lesen Sie selbst und reflektieren Sie über Ihr eigenes Reflexionsverhalten!

Themenreihe Kompeten(zorientier)t beurteilen – 1. Abend

Am 15. März 2017 hat die Themenreihe Kompeten(zorientier)t beurteilen gestartet.

Noten. Noten? Noten! So der Titel des ausgeschriebenen Abends. Thomas Birri hat den Spannungsbogen entsprechend aufgebaut. Im ersten Teil seines Referates ging er darauf ein, was allgemein über Noten bekannt und erforscht ist. Das führte unweigerlich zur Frage, welches die Herausforderungen in der Notengebung sind. Im letzten Teil des Referates schloss Thomas Birri den Bogen und ging auf Formen professioneller Beurteilung ein.

Vor allem der erste Teil zeigte die Brisanz der vermeintlich so genauen Noten auf. Sind Sie sich beispielsweise bewusst, dass

  • die Klassenleistung
  • die Leistungserwartungen der Lehrpersonen an die Schülerin / den Schüler
  • das familiäre Umfeld der Schülerin / des Schülers
  • der Sozialstatus der Schülerin / des Schülers in der Schulklasse

die Notengebung systematisch beeinflussen?

Falls Sie am Themenabend nicht dabei sein konnten, aber dennoch mehr über das komplexe Thema erfahren möchten, kann ich folgende Lektüre empfehlen:

Senf für Chefs: Welche Kompetenzen benötigen schulische Führungspersonen?

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Die Auseinandersetzung mit dem Kompetenzbegriff beschäftigt uns im Bereich ‹Management und Leadership› nicht nur bei der Umsetzung des Lehrplans 21, sondern auch in unserer täglichen Arbeit. Die Frage, welche Kompetenzen eine schulische Führungsperson benötigt, ist für unsere Arbeit essenziell. Man kann diese jedoch auch konservativer stellen und nach der ‹guten› schulischen Führungsperson fragen.

Selbstverständlich kennen wir für uns die Antwort, oder vielleicht eher die Antworten. Gleichzeitig gehört es zur Professionalität, das Eigene immer wieder in Frage zu stellen, den Blick nach aussen zu wagen und sein eigenes Denken und Handeln regelmässig zu überprüfen. Genau dies haben wir uns für 2017 vorgenommen. In einem Fachbereichsprojekt der PH Zürich suchen wir im deutsch- und englischsprachigen Raum nach Kompetenzbeschreibungen und -profilen von schulischen Führungspersonen. Dabei interessiert uns sowohl die Frage welche ‹Inhalte› in diesen beschrieben werden, als auch die ‹Form›, in der sie dargestellt sind.

Die Anführungszeichen bei den Begriffen ‹Inhalt› und ‹Form› weisen darauf hin, dass wir uns gar nicht sicher sind, was wir antreffen werden. Welche Inhalte haben solche Beschreibungen? Sind es Kompetenzen? Oder eher Anforderungsprofile? Aufgabenbeschriebe? Geht es um Ansprüche oder um Idealvorstellungen? Wozu dienen diese überhaupt und wie gelingt es, sie in einer geeigneten Form darzustellen? Kann man sie überhaupt darstellen oder ist der Kontext von schulischen Führungspersonen dermassen komplex, dass dies gar nicht möglich ist? Unser Projekt ist bewusst ergebnisoffen, da wir uns gar nicht sicher sind, ob es überhaupt eine geeignete Form geben kann.

Dies bringt uns wieder zum Lehrplan 21. Die Auseinandersetzung innerhalb des Projektes lässt uns mit der Metaebene und der grundsätzlichen Konstruktion des ‹Kompetenzbegriffes› und dessen Darstellung und Anwendung auseinandersetzen. So sind wir Lehrende und Lernende gleichzeitig. Und das ist wahrscheinlich eine wichtige Kompetenz, welche irgendwo irgendwie dargestellt werden sollte.

PS: Weiterführende Informationen zum Projekt findet man hier. Wir freuen uns auf Reaktionen und Hinweise.

PPS: Am Fachbereichsprojekt beteiligen sich Vera Anders, Eliane Bernet, Johannes Breitschaft, Reta Spiess, Nina-Cathrin Strauss, Enikö Zala, Franziska Zellweger und ich.

Artikel im ZLV-Magazin: Spielend lernen im Kindergarten

Ein weiterer Artikel unserer Reihe zu «Kompetenzorientierung» ist im ZLV Magazin erschienen (Heft 1/17). Die Autorin Catherine Lieger stellt darin die Wichtigkeit des Spielens im Kindergarten ins Zentrum. Können eigentlich alle Kinder spielen? Wollen alle Kinder spielen?
Lesen Sie den Artikel hier.