Blog «Kompetent orientiert?» 5.11.2014–25.6.2019

HarryK:

Liebe Blogleserinnen und -leser 

Seit dem 5. November 2014 veröffentlichen wir wöchentlich einen Beitrag, der sich mit dem Thema Kompetenzorientierung auseinandersetzt. Mit diesem Beitrag schliessen wir heute diesen Blog. Der Lehrplan 21, der die Kompetenzorientierung ins Zentrum stellt, wird nach den Sommerferien im ganzen Kanton Zürich eingeführt sein. Damit gerät die Kompetenzorientierung aus dem Fokus und wird eines von vielen Themen, die im Schulfeld verankert werden.  

Das Kernteam Christine Weilenmann, Kay Hefti und ich bedanken uns bei Ihnen für Ihr Interesse und den Gastbloggerinnen und -bloggern für ihre Beiträge. Allen voran unseren wiederkehrenden Gastbloggern Niels Anderegg, der viel «Senf für Chefs» weitergegeben hat und Catherine Lieger, die uns mehrmals wertvolle Einblicke in den Zyklus 1 gewährt hat. Ein besonderer Dank geht an unsere kreative Illustratorin Claudia de Weck. Ihre Illustrationen haben viele Beiträge humorvoll und mit einem Augenzwinkern auf den Punkt gebracht. 

Alle Beiträge werden selbstverständlich weiter unter blog.phzh.ch/kompetenzorientierung zu finden und Ihnen hoffentlich eine Fundgrube für Ihre Fragen sein. 

Harry Koch 

Warum Zeit für Evaluationen einsetzen, wenn es doch eigentlich zu viel zu tun gibt?

Gastbloggerin Regula Spirig Esseiva, Wissenschaftliche Mitarbeiterin PH Zürich:

Angesichts der vielen Vorhaben auf den Schulprogrammen könnte man die Zeit, welche Schulen für Auswertungen der geleisteten Entwicklungsarbeit einsetzen, als Luxus bezeichnen, den sich Schulteams eigentlich nur schwer leisten können. Doch Evaluationen bilden einen Fixpunkt in Qualitätsprozessen. Dass solche durchaus einen Nutzen haben zeigt folgendes Beispiel:

Eine Schule hatte sich entschieden, die kompetenzorientierte Beurteilung im Team anzugehen, Haltungsfragen gemeinsam zu klären und einige verbindliche Eckpunkte in einem Konzept festzuhalten. Nach einem Jahr wurde die geleistete Arbeit reflektiert und ausgewertet.

Fazit 1: Die Lehrpersonen fühlen sich kompetent in der kompetenzorientierten Beurteilung und bezeichnen ihre Beurteilungspraxis als gelungen vielfältig. Was für ein Ergebnis nach dieser relativ kurzen Zeit!

Fazit 2: Einige heisse Fragen bleiben noch offen, so beispielsweise: Wie machen wir das mit der vielfältigen Beurteilungspraxis, der Gewichtung der Förderorientierung und der Selektion?

Die Prozessevaluation dieses Schulteams brachte folgende Hinweise betreffend Schulentwicklung zu Tage:

  • Es ist etwas passiert durch die geleistete Entwicklungsarbeit.
  • Das Erreichte muss gesichert werden, damit es zukünftig zum Schulstandard gehört.
  • Es gibt noch mehr zu tun.

Eine Evaluation ist ein Zwischenstopp. Schulteams führen sich vor Augen, was sie erreicht haben und klopfen sich auf die Schultern. Ansatzpunkte für die Weiterarbeit drängen sich förmlich auf und können gemeinsam sortiert und geplant werden. Jetzt vor der Sommerpause finden vielerorts solche Evaluations- und Planungstage statt. Hoffentlich erfüllen sie beide Aspekte: Anerkennung der geleisteten Arbeit sowie Aufzeigen der anzugehenden Schwerpunkte. So schliessen die Schulteams gestärkt das «alte» Schuljahr ab und starten motiviert ins «neue».

Wie entsteht Ihre Zeugnisnote?

HarryK:

Aus beruflichem Interesse habe ich in den letzten Wochen Eltern, Lehrpersonen, Behördenmitgliedern, Berufskolleginnen und -kollegen und Studierenden folgende Frage gestellt: «Wie entsteht eine Zeugnisnote?» 

Eine Auswahl an Antworten habe ich unten sinngemäss aufgeführt. Welche Antwort würden Sie geben? 

  1. Die Grundlage der Zeugnisnoten sind Prüfungen. Da die Zeugnisnoten jedoch die Gesamtleistung der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen müssen, fliessen z.B. die Heftführung und das Mitmachen im Unterricht in die Notengebung ein. 
  2. Die Note setze ich aufgrund unterschiedlicher Beurteilungssituationen. Das sind beispielsweise Lernprozessbeobachtungen, Produkte, welche die Schülerinnen und Schüler hergestellt haben oder Lerndialoge, die ich mit ihnen führe. Alles immer auf der Grundlage von vorher festgelegten Kriterien. Noten gebe ich nur im Zeugnis.
  3. Ich berechne den Schnitt aller Leistungstests. Das ergibt dann den Notenschnitt, der ins Zeugnis kommt. 
  4. Die Noten lasse ich vom Lehreroffice berechnen. Natürlich lege ich vorher noch fest, wie ich die Noten der Leistungstests gewichte. 
  5. Die Noten basieren auf einem Beurteilungsmosaik. Die Produkte, Lernbeobachtungen, Leistungstests etc. benote ich und/oder ich mache mir Notizen dazu. Die Beurteilung erfolgt immer auf der Grundlage von Kriterienrastern, die sich an den Lernzielen des Unterrichtes orientieren. Oft sind diese eingeteilt in ungenügend, genügend, gut, sehr gut.

Falls Sie Ihre Antwort oben nicht finden, können Sie diese gerne als Kommentar anfügen.  

Wieso die Antworten 2.) und 5.) einer kompetenzorientierten Beurteilungspraxis entsprechen, können Sie in folgenden Broschüren nachlesen:

«Kompetenzorientiert beurteilen», Bildungsdirektion des Kantons Zürich, Volksschulamt, s. 3–6

«Beurteilung und Schullaufbahnentscheide», Bildungsdirektion des Kantons Zürich, Volksschulamt, S. 5–8

Vom Wiegen wird die Sau nicht fett

Gastbloggerin Claudia Neugebauer, Dozentin PH Zürich:

Eine Unterstufenlehrerin, die auch zehn Jahre als Kindergärtnerin gearbeitet hat, fragte mich neulich: «Meinst du, ich hätte schlechter oder besser unterrichtet im Kindergarten, weil wir dort keine Noten geben mussten? Die Qualität des Unterrichts hängt doch nicht davon ab.»

Die Frau hat recht, finde ich.

In der Themenreihe «Brennpunkt Schule» fand am 13. November unter dem Titel «Der Kult des Messens und das Lob des Mittelmasses» eine Veranstaltung statt, die meine Zweifel im Zusammenhang mit Noten nicht verringert haben. Dafür ist mir an dem anregenden Abend die Redensart «Vom Wiegen wird die Sau nicht fett» durch den Kopf gegangen. Aufwändige Verfahren und raffinierte Instrumente zur Beurteilung machen den Unterricht nicht besser und die Kinder nicht klüger. Und – so zeigten uns die Referentinnen – der Aufwand und die Raffinesse täuschen Glaubwürdigkeit vor, die bei genauem Hinschauen schnell einmal ins Wanken gerät.