Silvia Steiner auf Schulbesuch – ein Beitrag von TeleZüri

ChristineW:

Im Hinblick auf die Einführung des Lehrplan 21 an den Sekundarschulen besuchte Frau Steiner die Sekundarschule Dietlikon. Nehmen Sie daran teil, wie Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrerinnen ihren Unterricht beschreiben, was ihnen daran gefällt und was sie für gelingendes Lernen wichtig finden. Im Beitrag wird deutlich, dass es eine Vielfalt an Unterrichtsformen und -methoden für die Umsetzung des Lehrplan 21 braucht und jede Schule bezogen auf ihren Kontext ihren Freiraum nutzen kann und soll.

zum Beitrag von TeleZüri in den ZüriNews vom 25. Februar 2019: «Lehrplan 21: Silvia Steiner auf Schulbesuch»

Lernprozesse begutachten statt Leistungen beurteilen

Gastbloggerin Judith Hollenweger, Professorin ZFH, PH Zürich:

Der Begriff «formative Beurteilung» war mir schon immer etwas suspekt. «Fördern» und «Urteilen» als eine Einheit verstanden, das ist wie Nichtstun oder beredt Schweigen: ein Oxymoron. Beurteilung bleibt Beurteilung; auch wenn man sich dabei an Lernprozessen statt an Leistungen versucht und vor allem wenn es dabei um das Lernen der Anderen geht. Denn der Wille, Lernen zu fördern, liegt auch bei der «formativen Beurteilung» vorerst nur bei der Lehrperson; ebenso der Glaube, dass Beurteilen dabei die richtige Herangehensweise ist. Also doch besser Nichtstun und einfach die stummen Schreie der Schülerinnen und Schüler ob all den Leistungsmessungen ignorieren? Nein, darüber sprechen und sich austauschen ist angesagt. Mit diesem Ziel kamen vor einigen Wochen Expertinnen und Experten in Bern für einen Austausch zusammen.

Was ich von diesem Gespräch mitgenommen habe? Dass man Lernprozesse nur gemeinsam mit den Lernenden begutachten kann. Das setzt voraus, dass Schülerinnen und Schüler sich selbst als Lernende und das was sie tun als «Lernen» verstehen. Selbstverständlich? Nein. Viele Kinder denken, dass man Dinge wissen kann und in einigen Dingen besser ist, in anderen schlechter. Lernen ist für sie so etwas wie Informationsaufnahme und Aktivieren vorhandener Anlagen. «Selbstbeurteilung» macht in solchen Situationen alles nur noch schlimmer. Präkonzepte zum Lernen müssen sichtbar gemacht und die Kinder dort abgeholt werden. Ursula Tschannen fragt beim Einstieg in ein neues Thema ihre Schülerinnen und Schüler: «Was könnt ihr hier lernen?»; Sara Krobisch nimmt die wohl häufigste Schüler-Frage vorweg: «Wozu machen wir das?» Und beide sind sich einig: das alles funktioniert nur in einem Unterricht, in dem die Kinder selber aktiv sind.

Im Englischen spricht man von «Assessment as Learning» – das trifft die Sache gut. Wie Hermann Flükiger feststellt, müssen gemeinsam Lernspuren gelegt werden. Scheitern wird als Quelle des Lernens anerkannt und perfekt ausgefüllten Arbeitsblättern vorgezogen. Das erfordert einen Perspektivenwechsel; Lehrpersonen müssen «Lernen» durch die Augen der Schülerinnen und Schüler betrachten können. Ziel der gemeinsamen Bemühungen ist die Transformation des Lernens; dabei ist das Vermitteln von Lernstrategien zentral. Alles bekannt? Trotzdem, vielleicht lohnt sich die Lektüre unseres Gesprächs? Dass im Dialog mehr gelernt wird als durch Belehrung ist ja auch ein offenes Geheimnis.

zum Artikel «Lernprozesse begutachten» im Magazin Profil 2018.02: Unterwegs sein

«Mein Sportjournal»: Beurteilung im Sportunterricht in der 4.–6. Klasse

KayH:

Anhand des Beurteilungsinstruments «Mein Sportjournal» werden Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler im Sportunterricht sichtbar. Lesen Sie im Artikel von Urs Müller und Jürg Baumberger (PHZH) wie das Sportjournal Lehrpersonen unterstützt, die Kompetenzerwartungen des Lehrplan 21 anzustreben, wie das Sportjournal funktioniert und was darin festgehalten wird.

Link zum Artikel «Beurteilungsinstrument im Sportunterricht» von Urs Müller und Jürg Baumberger im Magazin Einblick des Lehrmittelverlags Zürich, Nummer 22

«Gesellschaften im Wandel» – Ein Lehrmittel entfacht Streit

KayH:

Das Lehrmittel «Gesellschaften im Wandel», herausgegeben vom Lehrmittelverlag Zürich, steht in der Kritik, Propaganda zu verbreiten (siehe auch Artikel «Die Unia kämpft für uns – wie in neuen Lehrmitteln politische Werbung verbreitet wird», NZZ, 31. August 2018). Bürgerliche Parteien bemängeln, dass der in der Verfassung festgeschriebene Grundsatz der politisch neutralen Ausrichtung der staatlichen Schulen nicht eingehalten werde. Der Herausgeber und die Projektleiterin des Lehrmittels verstehen diesen Vorwurf jedoch nicht. Lesen Sie mehr dazu im Artikel «Propaganda an Schulen? Lehrmittel sorgt für Streit», 20 Minuten, 18. September 2018.

Kompetenzberg – Kompetenzwald

KayH:

Wie unsere Gastbloggerin Simone Büchi letzte Woche beschrieben hat, stehen Lernende vor einem Kompetenzberg, den es zu bewältigen gilt. In diesen vielen Kompetenzen kann man sich aber auch ganz schön verirren und vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Verloren im Kompetenzwald!

Dazu gibt es jetzt aber eine kleine Hilfe: Den Lehrplan 21 gibt es nun in Papierform. Hier kann man ihn bestellen. Vielleicht gelingt es damit, den Überblick zu bewahren.

Artikelreihe im ZLV Magazin – ein Rückblick

KayH:

Der Letzte der Serie! In der diesjährigen Juni-Ausgabe des ZLV Magazins ist der letzte Artikel der Serie zum Thema «Kompetenzorientiertes Lernen» erschienen. Lukas Geiser und Monique Honegger setzen sich darin mit dem Thema «Sexualkundlicher Unterricht» auseinander.

Im Zeitraum zwischen Dezember 2014 und Juni 2018 veröffentlichte das Projekt KoLeP21 (Kompetenzorientiertes Lernen – Lehrplan 21) fünf Beiträge. Entstanden ist eine bunte Reihe rund um kompetenzorientiertes Lernen und den Lehrplan 21.

Alle Artikel auf einen Blick

«Hier lernt man das Können und das Wissen» von Kay Janina Hefti, Kommunikationsverantwortliche des Projekts KoLeP21 der PH Zürich, ZLV Magazin 6-14, Dezember 2014

«Tunnelbau, Mathematik und kompetenzorientierter Unterricht» von Christine Weilenmann, PH Zürich, ZLV Magazin 4-15, Oktober 2015

«Marisa schätzt oder Frau Weber beurteilt mathematische Kompetenz» von Brigitte Bollmann-Zuberbühler und Daniela Nussbaumer, Dozentinnen PH Zürich, ZLV Magazin 2-16, April 2016

«Spielend lernen im Kindergarten» von Catherine Lieger, Dozentin PH Zürich, ZLV Magazin 1-17, Februar 2017

«Willkommen in der Pubertät» von Lukas Geiser und Monique Honegger, PH Zürich, ZLV Magazin 3-18, Juni 2018

Gömer Zoo? – Kompetenzorientierte Aufgaben

KayH:

«Laut dem Lehrplan 21 müssen die Aufträge so formuliert sein, dass sie jede Schülerin und jeden Schüler einzeln abholen. Kompetenzorientierte Binnenorientierung nennt sich das. Eine Riesenherausforderung für uns Lehrpersonen!» Sam National in seinem Videoclip «Gömer Zoo?»

In der Schule Schlieren herrscht Aufregung: Sams Klasse darf als Belohnung in den Zoo! Ist das überhaupt eine Belohnung, fragen sich manche Schülerinnen und Schüler. Denn es gibt natürlich auch Aufgaben zu erledigen. Keine einfache Sache, die Aufgaben so zu formulieren, dass jede und jeder in der Klasse sie versteht und mit Begeisterung anpackt! Aber Sam hat so seine Tricks. Sehen Sie selbst im Video.

Beurteilen im Kindergarten und in der Unterstufe

Gastbloggerin Regula von Felten, Dozentin PH Zürich:

Kennen Sie das folgende Zitat aus dem Lehrplan 21?

«Nicht alle im Lehrplan 21 aufgeführten Kompetenzen und Kompetenzstufen müssen beurteilt werden. Wie bisher obliegt es der Professionalität der Lehrpersonen einzuschätzen, wann und mit welchen Mitteln sie Leistungen der Schülerinnen und Schüler einschätzen und beurteilen.» (Lehrplan 21: Überblick)

Doch was sollen Lehrpersonen beim Beurteilen beachten? Welche Formen der Beurteilung sind im 1. Zyklus zentral? Und welche Funktionen sollen Leistungseinschätzungen erfüllen?

Lesen Sie dazu in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift 4 bis 8 (Juni Nr. 4/2018)!

Back to the roots: Der Schulgarten als Nährboden für Bildung für Nachhaltige Entwicklung

Gastbloggerin Simone Nägeli, Leiterin Geschäftsstelle GemüseAckerdemie Schweiz:

«Bildung soll den Menschen helfen, den eigenen Platz in der Welt zu reflektieren und darüber nachzudenken, was eine Nachhaltige Entwicklung für die eigene Lebensgestaltung und das Leben in der Gesellschaft bedeutet.» (Lehrplan21 zur Leitidee Nachhaltige Entwicklung)

Die Lebensmittelproduktion ist für eine Nachhaltige Entwicklung zentral. Denn unsere Ernährung verursacht rund einen Drittel der Umweltbelastungen unseres Gesamtkonsums. Das liegt u.a. am Wasser- und Flächenbedarf, dem hohen Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sowie den CO2-Emissionen während Produktion und Transport. Das Thema Lebensmittelproduktion bzw. nachhaltiger Konsum bildet also einen wichtigen Bestandteil der Bildung für Nachhaltige Entwicklung.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Nun ist nachhaltiger Konsum heute zwar nicht unmöglich – aber wahnsinnig komplex und abstrakt. Denn vieles, was wir konsumieren, wird anderswo produziert. Und selbst die Landwirtschaft in der Schweiz ist aus unserem Blickfeld verschwunden, da die Mehrheit der Menschen in Städten lebt. Dadurch fehlt der praktische Bezug zu unserem Alltag, was auch die Vermittlung dieser Themen erschwert.

Nichts ist prägender als die eigene Erfahrung

Quelle: GemüseAckerdemie

Die GemüseAckerdemie Schweiz bietet seit Anfang Jahr ein Bildungsprogramm für Ernährung und Konsum an, das in Deutschland bereits in allen Bundesländern umgesetzt wird. Das Herzstück des Programmes ist der eigene Schulgarten bzw. GemüseAcker. Der Grundsatz dahinter ist einfach: Nichts ist prägender als die eigene Erfahrung. Wenn Kinder im Schulgarten während des Unterrichts selber Gemüse anbauen, bauen sie einen eigenen Erfahrungsschatz und praktische Kompetenzen auf, an den sie später im Schulzimmer mit theoretischen Inhalten anknüpfen können.

Quelle: GemüseAckerdemie

Als Beispiel: Die Kinder bauen selber Tomaten an und können im Juli vom Strauch naschen. Dass Tomaten im Winter unmöglich Saison haben können, ist dann selbstverständlich, und die Sensibilisierung beispielsweise für die Problematik von Tomaten aus Marokko vorhanden.

Fühlen, riechen, schmecken

Quelle: GemüseAckerdemie

Schliesslich wirkt sich auch die Bewegung und das Erleben mit allen Sinnen positiv auf den Lernerfolg aus: Die Kinder wühlen mit den Fingern in der Erde, riechen den herben Duft einer Tomate und erfahren, wie ein Rüebli frisch aus der Erde schmeckt. So bauen sie einen persönlichen Bezug zur Natur auf und sind in der Lage, eigene Entscheidungen im Hinblick auf einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt und ihren Ressourcen zu treffen.

Förderung überfachlicher Kompetenzen

ChristineW:

Regelmässig tauchen Fragen nach der Förderung der überfachlichen Kompetenzen, wie sie im Kapitel «Grundlagen» im Lehrplan 21 beschrieben werden, auf. Kürzlich sind wir auf ein inspirierendes Beispiel zur Förderung von Sozialkompetenzen im Bereich Umgang mit Vielfalt gestossen. Lesen Sie hier den Artikel «Normal anders sein» über die Projekttage an der Schule Wetzikon. Gerne verlinken wir damit auch auf den neuen Blog «Schulführung» der PHZH.