Förderung überfachlicher Kompetenzen

ChristineW:

Regelmässig tauchen Fragen nach der Förderung der überfachlichen Kompetenzen, wie sie im Kapitel «Grundlagen» im Lehrplan 21 beschrieben werden, auf. Kürzlich sind wir auf ein inspirierendes Beispiel zur Förderung von Sozialkompetenzen im Bereich Umgang mit Vielfalt gestossen. Lesen Sie hier den Artikel «Normal anders sein» über die Projekttage an der Schule Wetzikon. Gerne verlinken wir damit auch auf den neuen Blog «Schulführung» der PHZH.

Der Countdown läuft

MartineO:

Quelle: Screenshot aus SRF mySchool-Video

In wenigen Monaten ist es soweit: dann werden in den Zürcher Schulen die ersten Klassen nach dem Lehrplan 21 unterrichtet. Im Vorfeld wurde viel über den neuen Lehrplan diskutiert. Neben Befürwortern wurden auch einige kritische Stimmen laut. Doch was bedeutet der neue Lehrplan eigentlich konkret? Welches sind die wichtigsten Neuerungen?

In diesem Artikel hat die NZZ alle Veränderungen für den Kanton Zürich zusammengefasst und kurz und knapp erklärt.

Für Jugendliche und Eltern hat übrigens die Sendung SRF mySchool eine informative Website mit unterschiedlichem Material zum Lehrplan 21 zusammengestellt.

Aktueller Unterricht nach Lehrplan 21

ChristineW:

Mitte Januar bin ich auf einen Beitrag gestossen, bei dem mir spontan zwei Gedanken durch den Kopf gingen. Mein erster Gedanke: «Das hätte mir auch gefallen». Mein zweiter Gedanke: «Das ist Lehrplan 21 kompatibel».

Zum Artikel «Im Stockdunkeln eine Lektion gelernt».

Ich sehe an der Teilnahme am Projekt «Jede Zelle zählt» bzw. in dieser Unterrichtssequenz den Bezug zu den Leitideen des neuen Moduls «Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)». Darin sollen Themen wie Politik, Demokratie und Menschenrechte; Natürliche Umwelt und Ressourcen; Geschlechter und Gleichstellung; Gesundheit; Globale Entwicklung und Frieden; Kulturelle Identitäten und interkulturelle Verständigung; Wirtschaft und Konsum bearbeitet werden. Diese Themen sind eingearbeitet in die Fachbereichslehrpläne. In diesem Fall beispielsweise in den Fachbereichen «Wirtschaft Arbeit Haushalt» und «Natur und Technik».

Sicher ist, dass die Schule mit der Teilnahme am Projekt «Jede Zelle zählt» den Schülerinnen und Schülern zahlreiche Gelegenheiten bietet auch in anderen Fachbereichen und im überfachlichen Bereich Kompetenzen aufzubauen. Diese an dieser Stelle alle aufzuführen, würde nun aber zu weit führen.

Gemeinsam online lernen

MartineO:

Der Lehrplan 21 soll bis Sommer 2021 umgesetzt sein. Damit die Lehrpersonen auf die Einführung des neuen Lehrplans vorbereitet sind, bietet die PHZH unter anderem Online-Lernangeboten an.

Mit diesem neuen Angebot müssen sich die Lehrpersonen natürlich erst einmal vertraut machen. Zusätzlich lernen Erwachsene langsamer und anders als beispielsweise Kinder, da sie neue oder ähnliche Inhalte mit mehr bestehendem Wissen verknüpfen müssen. Wie lässt sich der Einstieg in das Online-Lernen also optimal gestalten?

Team-Weiterbildung in der Sekundarschule Wald

Monique Honegger und Harry Koch, Autoren des Artikels «Wenn Lehrpersonen online lernen», raten den Beteiligten, die Herausforderung im Team anzugehen. Lernen geschieht zwar im Kopf jedes einzelnen, doch das heisst nicht, dass es nur alleine geschehen muss. Die Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem die Kultur des Miteinander lernen erfolgsversprechend ist. Indem sich die Lehrpersonen mit Kolleginnen und Kollegen über den Inhalt der Online-Lerneinheiten austauschen, erkennen sie, was dieser für den Schulalltag bedeutet.

In der November-Ausgabe des ZLV Magazin (Seite 20 – 21) lesen Sie, wie Lehrpersonen sich mit dem Online-Lernen und der Frage «Wie lerne ich als Lehrperson?» auseinandergesetzt haben.

Sollten Sie Feedback zu den Online-Lerneinheiten haben, können Sie es hier einreichen.

Kinder übernehmen das Ruder im Klassenzimmer

MartineO:

Am 9. November fand in der ganzen Schweiz der «Nationale Zukunftstag» statt. Ziel dieses Tages ist die Förderung der geschlechterunabhängigen Berufs- und Lebensplanung von Schülerinnen und Schülern. Mädchen und Jungen der 5. bis 7. Klassen tauschen für einen Tag das Klassenzimmer gegen den Arbeitsplatz ihrer Bezugspersonen, oder nehmen an einem Spezialprojekt ihrer Wahl teil.

Am Spezialprojekt der PHZH leiteten Schülerinnen und Schüler den Unterricht

Auch die PHZH hat sich am nationalen Zukunftstag beteiligt. Rund 80 Kinder haben bei diesem Spezialprojekt teilgenommen. ZüriInfo hat eine Reihe von 5. und 6. Klässler, die mit Unterstützung der PHZH die Rolle der Lehrperson übernommen haben, mit der Kamera begleitet. Bevor die Schülerinnen und Schüler am Nachmittag selbst den Unterricht geleitet haben, wurde ihnen am Morgen von einer angehenden Lehrerin der PHZH die Grundlagen vermittelt. Den spannenden Beitrag von ZüriInfo können Sie sich hier anschauen.

Weitere Informationen zum nationalen Zukunftstag an der PHZH finden Sie hier.

Veränderungen mit Respekt begegnen

MartineO:

Mitte August fiel im Kanton Glarus der Startschuss für die vierjährige Einführungsphase des Lehrplans 21. Im Vorfeld wurde viel über den neuen Lehrplan und dessen Einführung diskutiert und berichtet. Die Tageszeitung Südostschweiz hat die Gelegenheit genutzt und vier an der Einführung des Lehrplans 21 direkt Beteiligte befragt, wie der Start der Einführungsphase verlaufen ist und wie sich der Alltag in den Unterrichtsstunden verändert hat. Drei Lehrpersonen, eine Schülerin und ein Schulleiter ziehen ein erstes Fazit zum neuen Glarner Lehrplan.

In einem Thema sind sich alle Befragten einig: Auf den ersten Blick ändert sich nicht viel in der Unterrichtsstunde, die meisten Lernenden werden den Lehrplanwechsel nicht einmal bemerken. Erst im Detail zeigen sich einige kleine aber grundlegende Veränderungen, so die Befragten. Lesen Sie hier die Stellungnahmen im Artikel der Südostschweiz.

«Guter Unterricht ist primär nicht nur vom Lehrplan abhängig – er wird erst durch gut ausgebildete und motivierte Lehrpersonen ermöglicht.»

«Dis donc!» ist en route

Gastbloggerin Marlies Keller, Mitautorin «dis Donc!» und Dozentin PH Zürich:

Das neue Französischlehrmittel «dis donc!» ist in der Praxis angekommen. Es ist eine der ersten Lehrmittelreihen, deren Entwicklung auf der Basis des Lehrplan 21 erfolgt. Seit dem Schuljahr 2017/18 arbeiten alle 5. Klassen in den Kantonen Zürich, St. Gallen, Appenzell Ausserhoden und Glarus obligatorisch mit «dis donc!». Alleine im Kanton Zürich haben zwischen April und August 2017 etwa 700 Lehrpersonen an den freiwilligen Einführungskursen teilgenommen. Mehr über das Design der Einführungskurse und Reaktionen von Lehrpersonen gibt ein Artikel in der Zeitschrift «Bildung Schweiz».

Senf für Chefs: Die Wiederentdeckung des Unterrichtens

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Vor einigen Tagen habe ich das neue Buch von Gert Biesta gelesen. Hätte ich nicht schon andere Bücher von Gert Biesta gelesen, der Titel «The Rediscovering of Teaching» hätte mich vom Lesen abgehalten. Ich hätte hinter den Buchdeckeln eine aufgewärmte Didaktikfibel oder das Werk eines konservativen und wahrscheinlich bereits seit längerem pensionierten Lehrers vermutet. Zum Glück kannte ich Biesta und las das Buch.

Biesta führt für mich sehr überzeugend und anschaulich aus, weshalb wir an unseren Schulen Unterricht brauchen und wie wichtig die Funktion der Lehrerinnen und Lehrer ist. Dabei macht er weder den Trugschluss, dass Lehren automatisch zu Lernen führt (und man nur die richtigen didaktischen Rezepte braucht), noch stimmt er in den Kanon derjenigen ein, welche die Verantwortung für das Lernen gänzlich den Schülerinnen und Schülern überlassen. Er entkoppelt Lehren von Lernen, da Lehrpersonen eine viel wichtigere Aufgabe als das Herstellen von (messbaren) Lernleistungen haben. Lehrpersonen «ask the impossible», denn Unterrichten geschieht immer in Widersprüchen und Gegensätzen. Eine eigentlich unmögliche Aufgabe, welche den Lehrerinnen und Lehrern jeden Tag trotzdem gelingt.

Für mich als Schulleitungsforschenden besonders spannend war das Kapitel «Don’t be Fooled by Ignorant Schoolmasters». Wie recht er hat. Gleichzeitig ist der Titel ein Hinweis darauf, wie wichtig es ist, dass Schulleitungen sich mit dem Thema auseinandersetzen. Pädagogische Schulführung heisst auch, sich als Schulleitung in pädagogischen Themen verordnen zu können um mit den Lehrpersonen ins Gespräch zu kommen. So entstehen gemeinsame Werte der Schule.

Wer mehr wissen möchte: das Buch lesen! Es ist in unserer Bibliothek sogar als E-Book erhältlich. Und wer es lieber bequem hat: Gert Biesta kommt am 28. September 2017 nach Zürich an die PHZH und wird einen Vortrag zum Thema halten. Wir werden seinen Vortrag auf Deutsch übersetzen.

Wenn man die Umsetzung des Lehrplan 21 als pädagogisches Projekt mit dem Ziel der «guten Schule» versteht, dann nimmt man am besten gleich alle Lehrerinnen und Lehrer, Schulpflegende, Eltern, etc. mit und diskutiert beim anschliessenden Apéro gemeinsam über das Gehörte.

PS: Die Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung zum Referat findet man hier.

PSS: Und hier findet man alle Angaben zum Buch.