Lehrplan 21 im Magazin «Schifertafle» der Schule Männedorf

KayH:
Die Schule Männedorf beschäftigt sich mit dem Lehrplan 21 und der Kompetenzorientierung. In der Februar-Ausgabe des Schul-Magazins «Schifertafle» wird die Thematik aufgegriffen, u.A. in einem Interview mit dem Projektleiter des Projekts KoLeP21, HarryK.
Lesen Sie die Artikel und das Interview hier:
Schifertafle Nr. 51, Seiten 21 bis 26

Thema Vielfalt – Ein Curriculum für Lernende statt ein Lehrplan für Lehrende

JudithH:
Gestern und vorgestern war ich für ein Projekttreffen der «European Agency for Special Needs and Inclusive Education» in Glasgow. Drei «Learning Communities» aus Schottland, Italien und Polen bilden das Herz des Projekts «Raising Achievement for All Learners – Quality in Inclusive Education». Die Schulnetzwerke wurden ausgewählt, weil sie bereits heute sehr erfolgreich den Kompetenzerwerb ihrer heterogenen Schülerschaft sichern und sich bereit erklärt haben, mittels partizipativer Aktionsforschung ein Jahr auf ihrem Weg begleitet zu werden. Zum Beispiel die Calderglen Learning Community, die 12 Primar- und Sekundarschulen sowie eine Sonderschule zu einer Lerngemeinschaft zusammenbringt.

Zurück in Zürich beschäftigen mich zwei Dinge, wenn ich mir eine durchschnittliche Schweizer Lehrperson vorstelle und an die Umsetzung des Lehrplans 21 denke: Erstens, die Selbstverständlichkeit, mit der diese Learning Communities Diversität als Chance wahrnehmen und nutzen und zweitens, die Vision des schottischen «Curriculum for Excellence», das wegen seines «Commitments to Social Inclusiveness» von der OECD gelobt wurde.

Das schottische Curriculum baut auf der Prämisse auf, dass Kinder befähigt werden müssen, erfolgreiche Lernende, selbstsichere Individuen, verantwortungsvolle Bürger und wirksame Beitragende zu werden. Dabei steht die Gesamtheit der Erfahrungen im Zentrum, die gemacht werden, um die dazu erforderlichen Fähigkeiten und Eigenschaften zu entwickeln. Das Curriculum orientiert sich an: (1) Bildungsinhalte und Fächer, (2) Interdisziplinäres Lernen, (3) Ethos und Leben in der Schule, (4) Gelegenheiten für persönlichen Erfolg. Gegenwärtig wird diskutiert, die «Curriculum Areas and Subjects» von acht auf fünf zu reduzieren. Bei uns gäbe das einen Aufstand (nicht nur unter den Fachdidaktikern!), in Schottland erhofft man sich einen Innovationsschub in den Schulen.

Im Zentrum steht die Frage: «Was spricht die Kinder und Jugendlichen an, wo sind sie engagiert?» Die Aufgabe der Lehrpersonen ist es, genau dort anzusetzen und Lerngelegenheiten im Sinne des «Curriculum for Excellence» zu gestalten. Denn nur so können alle Schülerinnen und Schüler erreicht werden. Doch dazu braucht es ein flexibles Curriculum, das den Schulen den notwendigen Gestaltungsraum gibt und es braucht Schulen, welche diesen zu nutzen wissen. Ein Beispiel: Wer käme bei uns auf die Idee, einen Sportanlass wie «Weltklasse Zürich» zum Lernanlass zu machen? Education Scotland ermöglicht dies mit dem Programm «Game on Scotland»; die Calderglen High School nutzte die Chance zur Entwicklung ihrer «School Values».

Weshalb nur haben wir diese Fixierung auf Schulfächer im Lehrplan 21, wo doch im Leben das Wissen ganz anders verknüpft sein muss – ausser man strebt eine traditionelle, akademische Karriere an?

In Basel unterwegs mit dem «Kompetenzköfferli»

MarlenF:
Der Lehrplan 21 wird im Kanton Basel-Stadt ab Sommer 2015 in den Schulen eingeführt. Darauf müssen die Lehrpersonen vorbereitet sein. Dafür wurden wir von der PH Zürich nach Basel eingeladen und am Samstag 24. Januar 15 reisten fünf Dozierende mit ihrem «Kompetenzköfferli» in die Stadt am Dreiländereck.

Erwartet wurden wir im Pädagogischen Zentrum von Basel, welches für die Weiterbildungen der Lehrpersonen verantwortlich ist. Das Gebäude befindet sich im tiefsten Kleinbasel. Kulturen aus der ganzen Welt leben dort neben- und miteinander. So heterogen wie die Bevölkerung in Kleinbasel waren auch die rund 60 Teilnehmenden. Wir trafen auf Fachexpertinnen und Experten der unterschiedlichsten Fächer und Stufen. Vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe 1 und von Französisch bis Sport war alles vertreten. Personen aus der Verwaltung, pädagogische Expertinnen und Experten, Schulleitungen, Heilpädagoginnen und -pädagogen rundeten das durchwegs vielfältige Publikum ab. Die Fachexpertinnen und Experten sind für die Einführung des Lehrplans 21 in den Fächern zuständig. Gleichzeitig sind sie auch in der Rolle der Lehrperson und müssen das Prinzip der Kompetenzorientierung im eigenen Unterricht umsetzen. Personen aus der Verwaltung sind wiederum für die Schulung und Begleitung der Fachexpertinnen und Experten zuständig. Wir stiessen auf einen äusserst bunten Haufen!

MarliesK und ich waren für die Gestaltung des Morgens verantwortlich. Dabei mussten wir feststellen, dass unsere Referate den Ansprüchen des heterogenen Publikums nur teilweise gerecht wurden. Zu unterschiedlich waren die Voraussetzungen, Erwartungen und Bedürfnisse der Teilnehmenden.

Im zweiten Teil des Morgens stand der Austausch über Merkmale von Kompetenzorientierung im Mittelpunkt. Damit konnten wir die Baslerinnen und Basler abholen und angeregte Diskussionen über pädagogische Fragen kamen in Gange. Es würde uns nicht wundern, wenn ab Sommer 2015 in den Basler Schulen das Instrument der Selbsteinschätzung regen Einsatz findet. Wir hoffen, dass wir einen Beitrag zur Unterrichtsentwicklung leisten konnten!

Die Kompetenzen der Lehrpersonen im Fokus

HarryK:
Am Freitag, 23. Januar 2015, trafen sich Vertretungen von Schulverbänden, der Bildungsverwaltung, der Pädagogischen Hochschule Zürich sowie der Hochschule für Heilpädagogik zu ihrer jährlichen Vernetzungstagung. Standen letztes Jahr der Lehrplan 21 und die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Zentrum, waren es dieses Jahr die Kompetenzen der Lehrpersonen. Referentinnen und Referenten gaben aus unterschiedlichen Perspektiven Einsicht in das Lernen der Lehrpersonen, das mit dem Ende der Ausbildung nicht abgeschlossen ist.
Die Ausbildung der PH Zürich orientiert sich an einem Kompetenzstrukturmodell, das 12 Lehr- und Lernfelder beschreibt. Besonders wertvoll sind die Lernanlässe in der Schulpraxis. Während rund einem Viertel des Studiums können die Studierenden Praxiserfahrungen in den Kooperationsschulen sammeln und zusammen mit der Praxislehrperson sowie der Mentorin/dem Mentor ihre Erfahrungen besprechen.
Das methodisch-didaktische Können ist nicht das Problem beim Berufseinstieg der Junglehrerin Ilona Spörri. Die Verantwortung, die mit der Führung einer Klasse verbunden ist, so Ilona Spörri in ihrem Referat, fordert sie speziell heraus. Selbstreflexion und gezielt eingeholtes Feedback von aussen unterstützen sie, den Anforderungen gerecht zu werden:
DSCF8745
Folie Frau Spörri

Bereits Barbara Fäh, Prorektorin Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich, hat im ersten Referat des Morgens darauf hingewiesen, dass die Reflexion des eigenen Handelns ein wichtiges Element des beruflichen Kompetenzaufbaus sei und diese auch immer wieder in der Ausbildung gepflegt werde.
DSCF8747
Folie Frau Spörri

Der Berufseinstieg wird, das zeigen diverse Untersuchungen, stark von der Schule geprägt, in der die ersten beruflichen Erfahrungen gemacht werden. Damit eine Junglehrerin eigene Ideen verwirklichen und in das Schulteam einbringen kann, schafft Ueli Trindler, Schulleiter in Hedingen, die notwendigen Rahmenbedingungen. Ressourcen erkennen und Fördern ist ein Leitsatz in seiner Personalarbeit. In seinem Referat zeigte er auf, wie er zusammen mit seinem Team auf dieser Basis Schul- und Unterrichtsentwicklung betreibt.
Eine weitere Gelingensbedingung für Entwicklungen, da ist er sich mit der Referentin Barbara Weber, Schulische Heilpädagogin aus Stadel einig, ist eine gute Zusammenarbeitskultur. An einem Beispiel der Zusammenarbeit von Lehrperson und Schulischer Heilpädagogin gab sie Einblick, wie gemeinsames kritisches Hinterfragen von Verhaltensmustern zu neuen Handlungsweisen im Unterricht geführt hat. Einzelne Schülerinnen und Schüler, die in einer Klasse immer mehr der Schulischen Heilpädagogin überantwortet wurden, kamen durch die neue Herangehensweise wieder in das Blickfeld der Regelklassenlehrperson.

DSCF8741
Auftrittskompetenz: Die Junglehrerin steht ihren erfahrenen Referentinnen und Referenten in nichts nach.

DSCF8748
Die Kompetenz zu Wissen, wie etwas funktioniert: Einrichten des Beamers, immer wieder Thema und Ärgernis, nicht an der Tagung.

Checkliste – 15 Tipps für die Leistungsbeurteilung

Marlen F:
Ein Vorsatz fürs 2015!?
Gute Vorsätze gehören zum neuen Jahr. Wieso nicht mal in Bezug auf die eigene Beurteilungspraxis 🙂  ? Viel Spass und Inspiration beim Durchstöbern der Tipps!
Hier gehts zum Artikel, erschienen im Akzente Magazin der PH Zürich, Ausgabe Dezember 2014.

Artikel im ZLV Magazin

Serie zu kompetenzorientiertem Unterricht im ZLV Magazin

Während der letzten drei Jahre trafen sich Vertretungen von Verbänden des Schulfeldes, Bildungsverwaltung und der beiden Hochschulen PH Zürich und HfH an einer jährlichen Tagung zum Thema Kompetenzorientierung. Während dieses Austausches entstand die Idee, dass das Projekt KoLeP21 eine Artikelserie in loser Folge im ZLV Magazin veröffentlicht.

Gerne präsentieren wir unseren ersten Artikel: «Hier lernt man das Können und das Wissen»

Neulich an einer Redaktionssitzung des Projektteams KoLeP21: Führt die Kompetenzorientierung zu einem Wissensabbau der Schülerinnen und Schüler?

KayH: Gestern habe ich zwei Studentinnen gehört, wie sie diskutiert haben darüber, ob die Kompetenzorientierung zu einem Wissensabbau der Schülerinnen und Schüler führt. Was denkt ihr eigentlich darüber?

JudithH: Diese Studierenden verstehen Wissen als erworbene Inhalte oder gelernte Fakten, als «Wissen, dass…» und denken wohl: Wenn man so viele Kompetenzen lernen muss, bleibt keine Zeit mehr fürs Wissen. Dieses Verständnis von Wissen ist schon lange überholt in unserer heutigen Wissensgesellschaft! Und: Etwas auswendig aufsagen können heisst noch nicht, dass man irgendetwas kapiert hat. Was gelernt und verstanden wurde, zeigt sich erst in der Anwendung; Kompetenz ist angewendetes Wissen –  das «Wissen, dass…» wird zusammengedacht mit «Wissen, wie» und «Wissen, wozu»!
Aber natürlich kann man sich fragen, was besser ist: die Schlachten von Grandson, Murten und Nancy mit Jahreszahlen als grosse Befreiungskriege der Eidgenossenschaft nennen zu können oder Kenntnis über die damaligen Söldnergeschäfte mit Frankreich und Lothringen zu haben. Wissen stiftet immer auch Identität, denn wir lernen dabei auch, welches Wissen weshalb für uns wichtig ist. Jede Gemeinschaft braucht gemeinsames Wissen. Was dieses Wissen sein soll, ist eine gute Frage, aber bitte diskutieren wir sie nicht im Sinne von Faktenwissen! Und last but not least: Wie wir ja alle wissen: Wissen ist Macht. Der Anspruch wissen zu wollen, was andere wissen sollen, ist also nicht ganz so harmlos.

MarlenF: Im Grundsatz ist für mich klar, dass Kompetenzen nicht ohne Inhalte gedacht werden können. Kompetenz setzt Wissen voraus. Ein Blick in das Konzept hinter dem Prinzip der Kompetenzorientierung zeigt jedoch ein anderes Bild. So werden im DeSeCo- Projekt der OECD von 2005 Schlüsselkompetenzen festgelegt, die hauptsächlich auf Lebensbewältigung ausgerichtet sind. Kompetenzen wie «Hilfsmittel, Medien oder Werkzeuge wirksam einsetzen; mit Menschen aus verschiedenen Kulturen umgehen oder Verantwortung für die eigene Lebensgrundlage übernehmen», lassen sich an beliebigen Inhalten trainieren und zielen auf «Flexibilität, Unternehmergeist und Eigenverantwortung» der zukünftigen Bürgerinnen und Bürger ab.
Eine Schule, die vorwiegend auf Nützlichkeit und Anwendbarkeit ausgerichtet ist, stelle ich mir technisch und eintönig vor. Wo bleibt da die Musse, das Verweilen und das sich Vertiefen? Zudem frage ich mich wie eine vermehrt funktionale Schule auf den Leistungsdruck gewisser Eltern und Wirtschaftsverbände reagieren wird? Züchten wir mit dem Prinzip der Kompetenzorientierung eine neue Vermessungs- und Testkultur?
Der Lehrplan 21 steuert diesen Fragen entgegen, indem er die kulturelle Dimension von Wissen und die fachliche Bildung als zentral gewichtet. Trotzdem beschäftigen mich die oben gestellten Fragen, da sie im Prinzip der Kompetenzorientierung mitschwingen.

ChristineW: Ich glaube nicht, dass das Wissen verloren geht. Wie kann man kompetent agieren, ohne über Wissen zu verfügen? Die Frage ist, welche Inhalte als wichtig erachtet werden. Dem Vorwurf, dass Kompetenzen an x-beliebigen Inhalten erworben werden können, stehe ich kritisch gegenüber. Wer den LP21 nicht nur aus der Presse, sondern aus eigenem Studium kennt, dem wird nicht entgangen sein, dass er durchaus auf sinnvolle Inhalte verweist. Vielleicht lernen die Schülerinnen nicht mehr dasselbe wie wir – ist das so tragisch? Die Welt verändert sich, anderes Wissen nimmt an Bedeutung zu – wo neues dazukommt, muss altes wegfallen.
Zum Vorwurf, der Lehrplan orientiere sich zu stark an wirtschaftlichen Interessen: Aus meiner mehrjährigen Erfahrung im Erwerbslosenbereich – zum Teil mit Fokus Schulabgängerinnen und -abgänger – kann ich den Anspruch verstehen, dass Schule darauf vorbereiten soll, in der Arbeitswelt zu bestehen und sein Leben bewältigen zu können. Für erwerbslose Personen ist es kein schönes Gefühl, von der Arbeitswelt nicht gefragt zu sein. Bildung hin oder her.

HarryK: Lehrmittel werden für Lehrpersonen weiterhin eine zentrale Rolle bei der Unterrichtsplanung und -gestaltung spielen. Ich kenne kein aktuelles oder sich in Entwicklung befindendes handlungs- bzw. kompetenzorientiertes Lehrmittel, das das Aneignen von Wissen nicht gewichten würde. Und falls es eine Lehrperson geben sollte, die sich bei ihrer Unterrichtsvorbereitung und beim Unterrichten vorwiegend vom Lehrplan leiten lässt, hat die Überarbeitung des Lehrplans 21 dafür gesorgt, dass die Kompetenzdimension des Wissensaufbaus ersichtlicher und mit zusätzlichen Inhalten ergänzt wurde.

MarliesK: Der Aufbau von Kompetenzen geht für mich einher mit dem Ziel, auch neues Wissen aufzubauen. Bei der Erarbeitung der Kompetenzbeschreibungen im Lehrplan 21 war mir immer bewusst, dass ich Situationen beschreibe, in denen die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen anwenden. In meinem Fach, den Fremdsprachen, z.B. die auswendiggelernten Wörtli oder bestimmte Satzstrukturen zu brauchen, um eine Geschichte zu schreiben. Zugegeben, wenn ich Kompetenzbeschreibungen aus einem anderen Fach lese, bin ich auch auf Inhalte, Ideen und Aufgaben angewiesen, die mir den Weg weisen, damit meine Schülerinnen und Schüler etwas lernen, ihr Wissen erweitern können. Dabei spielen für mich Lehrmittel eine zentrale Rolle. Darin möchte ich je nach Bedarf Inhalte holen können, über die Wissen erworben werden kann. Der Umgang mit dem neuen Lehrplan heisst für mich als Lehrperson, den Mittelweg zu finden zwischen Selbstbestimmung und Abhängigkeit. Also selber Inhalte und Stoff bestimmen oder abhängig sein von bestimmten Lehrmitteln, die für mich die Auswahl an Inhalten treffen, immer mit dem Ziel, dass Schülerinnen und Schüler Wissen in einem für sie stimmigen Kontext anwenden können.

Artikel im Akzente: «Kompetenzen zeigen beim Jäten im Schulgarten»

Kay H:
Im Akzente, dem Magazin der Pädagogischen Hochschule Zürich, ist gerade ein Artikel über ein Beispiel von kompetenzorientiertem Unterricht erschienen. Er ist entstanden aus einem Gespräch zwischen mir, der Heilpädagogin Monika Fitze und der Lehrerin Ruth Beck, die mir von einem Beispiel erzählt haben, das sie zusammen konzipiert haben. Im Vordergrund stand die Frage, wie man die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern sichtbar machen kann.
Hier geht es zum Artikel:

«Kompetenzen zeigen beim Jäten im Schulgarten»

Bildung und Kompetenz – aus alt wird neu?

MarlenF:
Im letzten Blogbeitrag von HarryK wurde für die Kompetenzorientierung die Metapher der Baustelle verwendet. Seit geraumer Zeit frage ich mich, wieso das Bildungswesen eine Dauerbaustelle ist und ständig neu geteert, gepflastert und aufgerissen wird? Haben die alten Strassen ausgedient und müssen durch bessere und schnellere ersetzt werden?
Ähnlich verhält es sich auf den ersten Blick mit dem Begriffspaar Bildung und Kompetenz: Tremolastrasse versus Gotthardtunnel? Da wir uns von der Projektgruppe nicht gerne mit Schwarz-Weiss- Malereien zufrieden geben, betraten wir altes wie neues Pflaster. Nach Kurven, Pannen und Aussichtspunkten erreichten wir ein Terrain, welches zahlreiche Facetten des Bildungs- und Kompetenzbegriffs aufzeigt…
Hier zum Text:
Bildung und Kompetenz

«Müssen die Kinder in Zukunft das Matterhorn nicht mehr kennen?»

Gastbloggerin diese Woche: AdinaB, Primarlehrerin und Dozentin

Diese Frage stellte eine Teilnehmerin des Wahlmodules «Kompetenzorientiert unterrichten», das diesen Herbst an der PH Zürich das dritte Mal durchgeführt wurde. Sie konkretisiert einmal mehr das Verhältnis zwischen Wissen und kompetentem Handeln, das bereits im Blogeintrag von Gery Meyer thematisiert wurde.
Doch so eindeutig die Frage ist, so vielschichtig gestaltet sich ihre Beantwortung. Was heisst «kennen» genau? Ist damit gemeint, dass Schülerinnen und Schüler wissen, dass das Matterhorn 4478m hoch ist? Oder eher, dass Schülerinnen und Schüler lernen, dass das Matterhorn zu den höchsten Bergen der Alpen gehört und aufgrund seiner markanten Gestalt und seiner Besteigungsgeschichte weltweit bekannt ist? Oder heisst «kennen», dass Lernende diesen Berg auf einer Schweizer Landkarte lokalisieren und dessen exakte Höhe nachschlagen können? Oder eine Kombination dieser Fähigkeiten?
Im Wahlmodul wurde die Meinung zum Ausdruck gebracht, dass das Matterhorn zweifellos ein Inhalt darstelle, der mit Schülerinnen und Schülern im Fachbereich Natur Mensch Gesellschaft (NMG) thematisiert werden sollte. Die Dimension des Könnens sei mit dem Wiedergeben der exakten Höhe des Matterhorns oder dem Nachzeichnen seiner charakteristischen Form aber nicht erreicht. Für kompetentes Handeln seien vielmehr Fähigkeiten gefordert, die nicht das exakte Abrufen von Zahlen und Fakten, sondern einen handlungsorientierten Umgang mit der Schweizer Landkarte und das Lokalisieren und Vergleichen von Schweizer Gebirgen fokussierten.
Dieses Unterrichtsverständnis zeigt meiner Meinung nach exemplarisch auf, was kompetenzorientierten Unterricht ausmacht. Wie sehen das andere Blogleserinnen und -leser?