Einführung des Fachs Medien und Informatik

MartineO:

Mit dem Lehrplan 21 werden die Schülerinnen und Schüler neu auch das Fach Medien und Informatik (GMI) besuchen. Das GMI-Team an der PH Zürich hat bis jetzt rund 400 Lehrpersonen ausgebildet, bis Ende dieses Schuljahrs werden es sogar rund 550 Personen sein.

Pünktlich vor der Einführung des Lehrplan 21 im Herbst wird im Sommer noch der erste Band des neuen Lehrmittels «connected» des Lehrmittelverlags Zürich veröffentlicht. Der zweite Band folgt im Sommer 2019, Band 3 und 4 werden später veröffentlicht.

Im Gespräch mit Nicole Wespi, Projektleiterin des Grundlagenkurs Medien und Informatik an der PHZH, haben wir das neue Fach etwas genauer unter die Lupe genommen:

Welche Fragen und Themen beschäftigen die Kursteilnehmenden?

Konntet ihr da weiterhelfen? Gibt es Fragen, die noch geklärt werden müssen?

Gibt es etwas das du in diesem Rahmen unseren Lesern gerne mitteilen möchtest?

Weiterführende und nützliche Infos:

Bei allen weiteren Fragen steht Ihnen das Team des Zentrum Medienbildung und Informatik natürlich gerne zur Verfügung.

Senf für Chefs: Schwimmunterricht in Tallinn

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Ich hatte das Glück und Vergnügen im Rahmen des CAS Pädagogische Schulführung mit Schulleitenden nach Tallinn zu fahren und dort unter anderem auch Schulen zu besuchen. Ein Erlebnis bleibt mir dabei in besonderer Erinnerung…

Am ersten Tag besuchten wir einen Kindergarten, der von gut 300 Kindern besucht wird und eine Mischung von Kindergarten, Krippe und Schule ist. Das Alter der Kinder reicht von 1 ½ bis maximal 6 Jahren. Nach ihrer Zeit im Kindergarten können sie lesen, schreiben, rechnen, … und schwimmen.

Ab 4 Jahren besucht jedes Kind jede Woche während einer halben Stunde den Schwimmunterricht. Dazu hat der Kindergarten ein eigenes Schwimmbad, wobei dieses aus einem kleinen Pool – böse Zungen sprechen von einer grösseren Badewanne – besteht. Immer sechs Kinder besuchen den Unterricht und werden von einer Schwimmlehrerin betreut. Nach dem Schwimmunterricht geht es in die Sauna – selbstverständlich nackt und Knaben und Mädchen gemischt. Und dann wieder zurück in die Kindergartenklasse, während bereits die nächste Gruppe am Schwimmen ist.

Estland ist ein armes Land und als ich die Schulleiterin auf die Kosten des Schwimmunterrichts angesprochen habe, reagierte sie verwundert. «Sauna und Schwimmen ist wichtig – das ist unsere Kultur!», meinte sie und fügte hinzu, «wenn wir da sparen müssen, dann sind wir wirklich arm».

Ich hatte während meiner Schulzeit in einer grösseren Züricher Gemeinde nie Schwimmunterricht und habe mir das Schwimmen irgendwie selber beigebracht. Auf Schwimmkompetenzen legt diese Gemeinde auch heute noch keinen Wert – trotz Lehrplan 21. Manchmal habe ich den Eindruck, wir sind ein armes Land.

Weihnachtskompetenzen

Gastbloggerin Yvette Heimgartner, Dozentin PH Zürich:

Kompetenzen zeigen sich oft erst in Problemsituationen. Weihnachten kann zweifelsohne als Problemsituation bezeichnet werden. Über welche Kompetenzen muss jemand verfügen, um die Problemsituation Weihnachten erfolgreich bewältigen zu können?

Zur Beantwortung dieser Frage bedarf es einer Problemanalyse. Das Problem Weihnachten zeichnet sich mitunter durch folgende zwei Aspekte aus:

  1. Maximale Essenszufuhr bei minimaler Bewegung
  2. Zwang zum materiellen, kognitiven und emotionalen Austausch innerhalb einer höchst heterogenen Gruppe

Beim ersten Aspekt ist Üben gefragt. Die tägliche Essensration muss langsam über die Adventszeit erhöht werden unter gleichzeitiger sukzessiver Bewegungseinschränkung. Häufige Besuche von Weihnachtsmärkten sowie eine stärkere Dosierung Ihrer Sedativa können bei der Vorbereitung unterstützend wirken.

Auch beim zweiten Aspekt ist eine optimale Vorbereitung gefragt. Den materiellen Austausch sollten Sie bereits bei der Frühjahrsentrümpelung Ihrer Wohnung im Hinterkopf haben. Bei mir kam hierbei eine bemerkenswerte Menge lustiger Souvenirtassen, Ratgeberlektüre und praktischer Küchenhilfen zusammen.

Für den kognitiven Austausch empfiehlt sich, vorgängig eine Liste unverfänglicher Gesprächsthemen zu erstellen. Wählen Sie hierfür Ihre Gesprächsthemen so aus, dass alle Gruppenmitglieder, trotz Heterogenität, über ein gewisses Halbwissen sowie eine minimale Emotionalität verfügen. Dies ermöglicht eine einigermassen erträgliche Gesprächsführung, auch wenn die Wirkung Ihrer Sedativa langsam nachlässt. Ich werde es dieses Jahr mit dem Thema Bitcoins versuchen.

Der emotionale Austausch stellt die wohl grösste Herausforderung dar. Zielkompetenz ist hier die im Lehrplan 21 beschriebene: Sie können eigene Gefühle wahrnehmen und situationsangemessen ausdrücken. Leider finden sich zum Aufbau dieser Kompetenz im Lehrplan keinerlei Angaben, so dass ich Ihnen nur das Prinzip try and error empfehlen kann, ganz im Wissen: Das nächste Problem – die nächsten Weihnachten kommen bestimmt!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Weihnachten!

Lehrplan 21: Was bewegt die Eltern?

HarryK:

Ab Schuljahr 2018/2019 ist der Lehrplan 21 für alle Schülerinnen und Schüler vom Kindergarten bis zur 5. Klasse verbindlich. Schulen beginnen die Eltern darüber zu informieren, was sich mit dem Lehrplan 21 im Schulalltag und insbesondere im Unterricht ändert. Nach einem Informationsanlass haben wir Eltern drei Fragen gestellt. Hören Sie selber, was die Eltern darauf geantwortet haben:

Was hat Sie bewegt an diesem Elternabend zum Lehrplan 21 teilzunehmen?

Was hat sich für Sie nach dem heutigen Abend geklärt?

Was beschäftigt Sie auch weiterhin? Welche Ihrer Fragen sind noch offen, welche Themen werden Sie verfolgen?

Eine gelungene LP21-Weiterbildung – Rezeptfrei?

Gastbloggerin Yvette Heimgartner, Dozentin PH Zürich:

Immer wieder wird bei uns in der Pädagogik nach Rezepten gefragt, in letzter Zeit natürlich besonders nach solchen für den richtigen Umgang mit dem Lehrplan 21. Leider taugen in der Pädagogik Rezepte selten, denn die Pädagogik ist zu sehr situationsabhängig. Den Lehrplan 21 gibt es folglich ganz rezeptfrei, Sie brauchen keinen Arzt zu konsultieren.

Um die Gemüter jedoch etwas zu beruhigen, liefere ich Ihnen ein paar Zutaten für eine erfolgreiche Weiterbildung zum Lehrplan 21:

Genug Schlaf

Kommen Sie ausgeschlafen zur Weiterbildung, denn so sieht die Welt gleich viel besser aus, trotz des neuen Lehrplans.

Never work before breakfast

Der Lehrplan 21 lässt sich auf schlecht auf nüchternen Magen verdauen. Beginnen Sie die Weiterbildung mit Gipfeli und Kaffee.

Funktionierende Technik

Ja, der neue Lehrplan wird hauptsächlich elektronisch verwendet. Nichts ist folglich unangenehmer, als wenn am Weiterbildungstag die Technik streikt. Brillieren Sie schon jetzt mit Ihrer Medienkompetenz.

 Schoggi-Pause

In den sauren Apfel beissen müssen Sie sowieso, aber Sie können sich den Lehrplan 21 auch versüssen…

Bequeme Sitzgelegenheiten

Ja, im Lehrplan 21 ist auch der Kindergarten integriert, aber müssen wir deswegen den ganzen Weiterbildungstag auf Zwergstühlen verbringen?

Offenheit

Offenheit ist die wohl wichtigste Zutat für eine erfolgreiche Weiterbildung und diese wird bereits im alten Lehrplan GROSSGESCHRIEBEN!

Welche Zutaten braucht es noch?

«Wänn sie i dine Arme ischlaft, weisch, dass sie dir vertraut.» – Sexualkundlicher Unterricht

«11 Jahre anpacken, umpacken, weiterpacken»

 

Gastblogger Lukas Geiser, Wissenschaftlicher Mitarbeiter PH Zürich:

zum Film (Webseite «Sexualkundlicher Unterricht»)

«Wenn sie i dine Arme ischlaft, weisch, dass sie dir vertraut.» Diese Aussage eines Jungen im Film – Die Sache mit der Liebe… – verdeutlicht, wie sich die Jugendlichen der Vertrauensbildung in einer Beziehung nähern. Sie formulieren Aspekte, die für sie in einer Beziehung wichtig sind. Die Kompetenz – Die Schülerinnen und Schüler können Beziehungen, Liebe und Sexualität reflektieren und ihre Verantwortung einschätzen. – dient als Ausgangslage, ein wichtiges Lebensthema aufzugreifen. Die Themen in dieser Kompetenz sind sehr vielfältig. Es geht um Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeit, um Wissen über andere Vorstellungen, Rechte und auch um das Nachdenken über sich selber. Das Erarbeiten dieses Wissens und dieser Fähigkeiten beginnt nicht erst in der dritten Sekundarschule, sondern vom Lebensstart jedes Menschen an.

Die Qualität der Schule besteht darin, dass sich die Schüler und Schülerinnen unter gleichalterigen austauschen können, von einander Erwartungen und Haltungen erfahren und diese mit ihren eigenen Vorstellungen abgleichen und reflektieren können.

Die Aussagen im Film, dass es scheinbar bei Jungen mehr um Sex geht, die Mädchen häufiger «klammern», führen oft (bei Abwesenheit einer Kamerafrau und eines Tontechnikers) zu heftigen Diskussionen und die Lehrperson kann sich mit der Klasse mit normativen Geschlechterrollen auseinandersetzen.

Dann steht da die Frage im Raum, was Verantwortung und Vertrauen in einer Beziehung überhaupt heisst. Im Film versuchen die Jugendlichen Antworten zu geben. Das ist nicht immer einfach, doch durch diese konkrete Beschreibung in der oben erwähnten Kompetenz kann genau dies geübt und reflektiert werden.  Wenn dieses Arbeiten an Kompetenzen dazu führt, dass Jugendliche ihre Beziehungen respektvoll, gewaltfrei und gleichberechtigt gestalten, dann ist schon Vieles erreicht.

Was sich liebt, neckt sich – Lernen und Reflexion

ChristineW:

«Ich stürze mich von der Metaebene, wenn ich noch einmal reflektieren muss!» So lautet offenbar eine geliebte Aussage von Studentinnen und Studenten der PHSG. Aus der PH Zürich kenne ich das Rätsel: «Warum ist es an er PH Zürich so hell? Weil die Studis am Reflektieren sind». Reflexion und Reflektieren gilt als ein unbestrittener Bestandteil des Lernens. Trotzdem oder vielleicht auch genau deshalb witzeln wir gerne darüber. Was hat es damit auf sich? Beim Stöbern bin ich gleich auf zwei PHZH Seiten gestossen, die das Thema aufnehmen. Die erste ist eine Bildaussage zum Wort des Tages im Blog des Schreibzentrums der PHZH (Das SchreibBLOGzentrum):

Quelle: Wort des Tages im Blog Das SchreibBLOGzentrum der PHZH, 23. Februar 2017

Die zweite Seite behandelt das Thema umfassender, im Blog des Zentrums für Hochschuldidaktik der PHZH. Ein Text von Monique Honegger mit dem Titel «Reflektieren: Denkchance oder Lernbremse».

Lesen Sie selbst und reflektieren Sie über Ihr eigenes Reflexionsverhalten!

Themenreihe Kompeten(zorientier)t beurteilen – 1. Abend

Am 15. März 2017 hat die Themenreihe Kompeten(zorientier)t beurteilen gestartet.

Noten. Noten? Noten! So der Titel des ausgeschriebenen Abends. Thomas Birri hat den Spannungsbogen entsprechend aufgebaut. Im ersten Teil seines Referates ging er darauf ein, was allgemein über Noten bekannt und erforscht ist. Das führte unweigerlich zur Frage, welches die Herausforderungen in der Notengebung sind. Im letzten Teil des Referates schloss Thomas Birri den Bogen und ging auf Formen professioneller Beurteilung ein.

Vor allem der erste Teil zeigte die Brisanz der vermeintlich so genauen Noten auf. Sind Sie sich beispielsweise bewusst, dass

  • die Klassenleistung
  • die Leistungserwartungen der Lehrpersonen an die Schülerin / den Schüler
  • das familiäre Umfeld der Schülerin / des Schülers
  • der Sozialstatus der Schülerin / des Schülers in der Schulklasse

die Notengebung systematisch beeinflussen?

Falls Sie am Themenabend nicht dabei sein konnten, aber dennoch mehr über das komplexe Thema erfahren möchten, kann ich folgende Lektüre empfehlen: