Lehren will gelernt sein – Wie Studentinnen und Studenten ihre Lehrkompetenzen aufbauen

ChristineW:

Nach vier Monaten Studium und sieben Tagen Praxiserfahrung in der Kooperationsschule begeben sich die Studentinnen und Studenten bereits in ihr erstes dreiwöchiges Praktikum. Als Tandem hospitieren sie dort in einer Klasse, erteilen einzelne Lektionen und müssen sich damit der ganzen Komplexität des Unterrichtens stellen. Zur Vorbereitung dient ihnen ein Planungsraster, dessen Handhabung sie an der PH Zürich lernen. Die Kompetenzen im Umgang mit diesem Raster erlangen sie jedoch erst in der konkreten Handhabung dieses Instrumentes. 

Wir haben bei drei Studentinnen nachgefragt, welche Erfahrungen sie mit diesem Raster und dessen Umsetzung in der Planung gemacht haben. 

Ihre Antworten auf die Frage, welcher Nutzen sie im Raster bzw. in der ausführlichen Planung sehen, verdeutlichen, wie anspruchsvoll die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung eines Unterrichts ist und wie viele Fragen und Aspekte geklärt werden müssen. 

Die richtige Auswahl für die Lerninhalte der Lektion / Zusammenhang Kompetenzen und Lernziele:

Zeitliche Struktur der Lektion / Verhältnis zwischen Input und aktiver Lernzeit der Schülerinnen und Schüler:

Organisatorische Details / Fachwissen:

Überladene Lernziele / Flexibilität bei der Umsetzung der Planung:

Highlights im Unterricht in Bezug auf die Arbeit an Kompetenzen:

Formative Lehrmittelevaluation als Teil der Lehrmittelentwicklungen an der PH Zürich

Gastbloggerin Alexandra Totter, Dozentin PH Zürich:

Die PH Zürich hat eine lange Tradition in der Entwicklung von Lehrmitteln für die Volksschule des Kantons Zürich. Und seit fast 10 Jahren werden diese Lehrmittelentwicklungen durch wissenschaftlich fundierte formative Lehrmittelevaluationen begleitet.

Lehrmittelevaluation: Was versteckt sich hinter diesem etwas langen und umständlichen Begriff? 

Grundsätzlich versteht sich Evaluation als eine angewandte Wissenschaft, die sich der Methoden der empirischen Sozialforschung bedient. Mittels systematischer Datensammlung, Auswertung und Interpretation hat die Evaluation das Ziel, Impulse für die Verbesserung einer Massnahme oder eines Systems zu liefern. Die formative Lehrmittelevaluation wird als Teil der Lehrmittelentwicklung verstanden und so durchgeführt, dass bereits während des Entwicklungsprozesses des Lehrmittels fortlaufend Daten gesammelt werden, um die Planung, (Weiter)-Entwicklung und Einführung des Lehrmittels zu unterstützen.

Wesentliche Merkmale der formativen Lehrmittelevaluation sind ihr partizipatives Grundverständnis und das breite Spektrum an Datenerhebung- und Auswertungsmethoden. Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler werden einbezogen und ihre Erfahrungen im Umgang mit einer Erprobungsversion des Lehrmittels werden auf verschiedene Art und Weise erhoben und ausgewertet.

Wie geschieht das in der Praxis? 

Im Herbst 2017 wurde «dis donc!», das neue Französischlehrmittel für die 5. bis 9. Schulstufe in der Schule zum ersten Mal in der 5. Klasse des Kantons Zürich eingesetzt. Im Herbst 2018 erfolgte der Einsatz in der 6. Klasse. Im kommenden Herbst gibt es «dis donc!» in der Sekundarstufe.

Die Entwicklung von «dis donc!» war bzw. ist eine Kooperation der Lehrmittelverlage Zürich und St. Gallen in Koordination mit der Interkantonalen Lehrmittelzentrale (ilz). Das Entwicklungsteam besteht aus Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktikern der Pädagogischen Hochschulen Zürich, St.Gallen und Luzern sowie Lehrpersonen.

Das Evaluationsteam des Zentrums für Schulentwicklung der Pädagogischen Hochschule Zürich bekam den Auftrag für die formative Lehrmittelevaluation. Wir hatten somit die Möglichkeit für die 5. und 6. Schulstufe «dis donc!» zwischen 2014 und 2016 mit ca. 25 Lehrpersonen in 27 Schulklassen und ca. 250 Schülerinnen und Schülern in den Kantonen Zürich, St. Gallen und Obwalden zu erproben und zu evaluieren. Die Erprobung und Evaluation in der Sekundarstufe sind derzeit noch im Gange.

Als ein zentrales Element der formativen Evaluation bitten wir dabei Lehrpersonen, zu jedem Kapitel (Unité) systematische Rückmeldungen zur allgemeinen Durchführbarkeit zu geben. Dabei erfassen die Lehrpersonen, welche Aufgaben sie mit den Schülerinnen und Schüler bearbeitet haben und die Dauer der Bearbeitung. Weiter geben sie uns Rückmeldungen zur Eignung und Verständlichkeit der einzelnen Aufgaben. Aufgrund dieser Information bekommen wir ein sehr genaues Bild darüber, wie «dis donc!»in der praktischen Umsetzung im Schulfeld gelingt.

«Dank der Bilder konnten auch die schwächeren Lernenden die Adjektive herausfinden.» (Rückmeldung einer Lehrperson, 6. Klasse)

Ein weiteres wichtiges Element ist die Befragung der Schülerinnen und Schüler. Wir bitten Schülerinnen und Schüler ein- bis zweimal pro Schuljahr, uns zu beschreiben, wie sie das Arbeiten und Lernen mit «dis donc!» erleben. Was ihnen an «dis donc!» gefällt oder auch nicht, welche Lehrwerksteile sie nutzen und wie sie ihr Interesse und ihre Motivation bezüglich Französisch einschätzen.

«Man sollte die Kinder eigentlich immer fragen was sie wollen, ich finde das super 🙂» (Rückmeldung aus der Befragung der Schülerinnen und Schüler, 6. Klasse)

Neben den systematischen Rückmeldungen der Lehrpersonen und den Befragungen der Schülerinnen und Schüler erfassen und analysieren wir ebenfalls Dokumente von ihnen als Teil der formativen Evaluation. Im Fokus steht dabei, wie sie die Aufgaben tatsächlich umsetzen und welche Differenzierung in den Aktivitäten sichtbar wird.

Wir führen die formative Evaluation in enger Abstimmung mit dem Zeitplan der Lehrmittelentwicklung durch, sodass die Ergebnisse der formativen Evaluation direkt in die Entwicklung von «dis donc!» einfliessen können.

Die formative Lehrmittelevaluation als Teil der Lehrmittelentwicklung hat für uns zwei zentrale Ziele. Zum einen dient sie der Sicherung der Qualität des Lehrmittels: Entscheidungen zur Überarbeitung und Fertigstellung von «dis donc!» basieren primär auf den Ergebnissen der formativen Evaluation.

Weiter sichert die formative Lehrmittelevaluation die Akzeptanz im Schulfeld: Wir binden Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler durch die aktive Teilnahme an der formativen Lehrmittelevaluation frühzeitig und systematisch in die Entwicklung des Lehrmittels ein, mit dem Ziel, das Lehrmittel so zu gestalten, dass es den Bedürfnissen im Schulfeld gerecht wird.

Und wir vom Evaluationsteam freuen uns sehr, dass «dis donc! 5» mit dem internationalen Bildungspreis Worlddidac Award 2018 ausgezeichnet und mit dem Comenius EduMedia Siegel 2018 prämiert wurde.

Aus dem Campus: Was können Schulleiterinnen und Schulleiter tun, um den kompetenzorientierten Unterricht an der eigenen Schule zu stärken?

ChristineW:

Kompetenzorientierte Beurteilung setzt kompetenzorientierten Unterricht voraus. An der PH Zürich fand deshalb am 5. Oktober 2018 die Tagung «Beurteilung von Unterricht» statt, welche sich mit der Stärkung des kompetenzorientierten Unterrichts auseinandersetzte. Dieser Frage aus der Sicht der Führungsrolle nachzugehen, hat mich als Gastzuhörerin sehr interessiert.

Schulen und deren Schulleitungen stehen vor der komplexen Aufgabe, die Schul- und Unterrichtsentwicklung zu steuern. Neben der Unterstützung (fach)didaktischer Entwicklungen geht es auch darum, einen Dialog um Werte und Haltungen anzustossen und gute Unterrichtsqualität zu einem gemeinsamen Thema zu machen. Damit dies gelingt, braucht es passende Zusammenarbeitsgefässe und eine zielgerichtete funktionierende Schulprogrammarbeit.

Doch wie sieht dies konkret aus? Die Schulleiterinnen und Schulleiter beginnen nicht bei «Null», weshalb ich mir erlaubt habe, am Ende der Tagung einer Schulleiterin und einem Schulleiter (zufällig ausgewählt) folgende Fragen zu stellen:

Wer übernimmt in Ihrer Schule die Verantwortung/Steuerung der pädagogischen Entwicklung?

Sandra Aebersold, Schulleiterin Volketswil:

Reto Valsecchi, Schulleiter Dietlikon:

Was tun Sie, um die Unterrichtsqualität an ihrer Schule weiter zu entwickeln?

Reto Valsecchi, Schulleiter Dietlikon:

Sandra Aebersold, Schulleiterin Volketswil:

Um den Tagungstitel «Beurteilung von Unterricht» aufzunehmen, konnte ich es nicht lassen, noch weitere Fragen zu stellen:

Worauf achten Sie als Schulleitung, um Hinweise zu bekommen wo Sie mit Entwicklungen ansetzen können? Welche Rolle spielen Schulbesuche? Welche anderen Gefässe/Informationsquellen ziehen Sie bei?

Sandra Aebersold, Schulleiterin Volketswil:

Reto Valsecchi, Schulleiter Dietlikon:

Die facettenreichen Antworten bestätigen, dass Unterrichts- und Schulentwicklung vielschichtig ist und es sich lohnt, Informationen und Beobachtungen aus verschiedenen Perspektiven einzuholen.

Standortbestimmung Lehrplan 21: Wo sind wir bereits kompetenzorientiert unterwegs? Wo stellen wir Entwicklungsbedarf fest?

HarryK:

Die vier Schulen der Gemeinde Dürnten haben in der letzten Sommerferienwoche eine Standortbestimmung zur Einführung des Lehrplan 21 vorgenommen. In intensiven Gesprächen haben die Lehrpersonen die Ergebnisse der Fragebogenauswertung diskutiert und erste Schlüsse daraus gezogen. Da der Lehrplan 21 nachvollzieht, was in in vielen Schulen und Schulzimmern bereits praktiziert wird, konnten die Schulleitungen und Lehrpersonen feststellen, dass sie bereits in einigen Bereichen kompetenzorientiert unterwegs sind und ein guter Boden für Weiterentwicklungen vorhanden ist.

Bei Thomas Hauri, Sekundarlehrer und Natalie Maag, Sekundarlehrerin im Schulhaus Nauen habe ich nachgefragt, wo sie persönlich in der Einführung des Lehrplans 21 stehen. Ich bat sie, mir einen Entwicklungsschwerpunkt und einen Bereich, in dem sie kompetenzorientiert unterwegs sind, zu nennen. Hört man ihnen zu, erfährt man einiges über den kompetenzorientierten Unterricht und erhält eine Antwort darauf, welche Rolle die Lernziele weiterhin besitzen.

Wo bin ich bereits kompetenzorientiert unterwegs?

Wo sehe ich persönlich einen Entwicklungsschwerpunkt?

Prezi-Präsentation: Entwicklungsorientierte Zugänge

Gastbloggerin Catherine Lieger, Dozentin PH Zürich:

Das freie Spiel ist für vier- bis acht-jährige Kinder der zentrale Lernmodus. Kinder lernen im Spiel in vielfältiger Art und Weise und auf vielfältigen Ebenen. Der entwicklungsorientierte Zugang des Kindergartens stellt im Lehrplan 21 die Schnittstelle zu den Fachbereichen her. Die Herausforderung in der Umsetzung des Lehrplan 21 ist, die Kompetenzförderung in altersgemässen Spiel- und Lernumgebungen zu gestalten.

Zu Beginn des 1. Zyklus wird der Unterricht überwiegend fächerübergreifend organisiert und gestaltet. Der Lehrplan 21 bietet deshalb neun entwicklungsorientierte Zugänge an, die als Lesehilfe dienen und den Lehrpersonen den Zugang zu den Fachbereichslehrplänen erleichtern. Diese entwicklungsorientierten Zugänge bauen eine Brücke von der Entwicklungsperspektive zur Fachbereichsstruktur des Lehrplans und erleichtern den Lehrerinnen und Lehrern die Planung des fächerübergreifenden Unterrichts.

Mithilfe der Prezi-Präsentation «Verknüpfung der entwicklungsorientierten Zugänge mit den Fachbereichslehrplänen» wird diese Vorgehensweise visualisiert.

Artikelreihe im ZLV Magazin – ein Rückblick

KayH:

Der Letzte der Serie! In der diesjährigen Juni-Ausgabe des ZLV Magazins ist der letzte Artikel der Serie zum Thema «Kompetenzorientiertes Lernen» erschienen. Lukas Geiser und Monique Honegger setzen sich darin mit dem Thema «Sexualkundlicher Unterricht» auseinander.

Im Zeitraum zwischen Dezember 2014 und Juni 2018 veröffentlichte das Projekt KoLeP21 (Kompetenzorientiertes Lernen – Lehrplan 21) fünf Beiträge. Entstanden ist eine bunte Reihe rund um kompetenzorientiertes Lernen und den Lehrplan 21.

Alle Artikel auf einen Blick

«Hier lernt man das Können und das Wissen» von Kay Janina Hefti, Kommunikationsverantwortliche des Projekts KoLeP21 der PH Zürich, ZLV Magazin 6-14, Dezember 2014

«Tunnelbau, Mathematik und kompetenzorientierter Unterricht» von Christine Weilenmann, PH Zürich, ZLV Magazin 4-15, Oktober 2015

«Marisa schätzt oder Frau Weber beurteilt mathematische Kompetenz» von Brigitte Bollmann-Zuberbühler und Daniela Nussbaumer, Dozentinnen PH Zürich, ZLV Magazin 2-16, April 2016

«Spielend lernen im Kindergarten» von Catherine Lieger, Dozentin PH Zürich, ZLV Magazin 1-17, Februar 2017

«Willkommen in der Pubertät» von Lukas Geiser und Monique Honegger, PH Zürich, ZLV Magazin 3-18, Juni 2018

Einführung des Fachs Medien und Informatik

MartineO:

Mit dem Lehrplan 21 werden die Schülerinnen und Schüler neu auch das Fach Medien und Informatik (GMI) besuchen. Das GMI-Team an der PH Zürich hat bis jetzt rund 400 Lehrpersonen ausgebildet, bis Ende dieses Schuljahrs werden es sogar rund 550 Personen sein.

Pünktlich vor der Einführung des Lehrplan 21 im Herbst wird im Sommer noch der erste Band des neuen Lehrmittels «connected» des Lehrmittelverlags Zürich veröffentlicht. Der zweite Band folgt im Sommer 2019, Band 3 und 4 werden später veröffentlicht.

Im Gespräch mit Nicole Wespi, Projektleiterin des Grundlagenkurs Medien und Informatik an der PHZH, haben wir das neue Fach etwas genauer unter die Lupe genommen:

Welche Fragen und Themen beschäftigen die Kursteilnehmenden?

Konntet ihr da weiterhelfen? Gibt es Fragen, die noch geklärt werden müssen?

Gibt es etwas das du in diesem Rahmen unseren Lesern gerne mitteilen möchtest?

Weiterführende und nützliche Infos:

Bei allen weiteren Fragen steht Ihnen das Team des Zentrum Medienbildung und Informatik natürlich gerne zur Verfügung.