Weihnachtskompetenzen

Gastbloggerin Yvette Heimgartner, Dozentin PH Zürich:

Kompetenzen zeigen sich oft erst in Problemsituationen. Weihnachten kann zweifelsohne als Problemsituation bezeichnet werden. Über welche Kompetenzen muss jemand verfügen, um die Problemsituation Weihnachten erfolgreich bewältigen zu können?

Zur Beantwortung dieser Frage bedarf es einer Problemanalyse. Das Problem Weihnachten zeichnet sich mitunter durch folgende zwei Aspekte aus:

  1. Maximale Essenszufuhr bei minimaler Bewegung
  2. Zwang zum materiellen, kognitiven und emotionalen Austausch innerhalb einer höchst heterogenen Gruppe

Beim ersten Aspekt ist Üben gefragt. Die tägliche Essensration muss langsam über die Adventszeit erhöht werden unter gleichzeitiger sukzessiver Bewegungseinschränkung. Häufige Besuche von Weihnachtsmärkten sowie eine stärkere Dosierung Ihrer Sedativa können bei der Vorbereitung unterstützend wirken.

Auch beim zweiten Aspekt ist eine optimale Vorbereitung gefragt. Den materiellen Austausch sollten Sie bereits bei der Frühjahrsentrümpelung Ihrer Wohnung im Hinterkopf haben. Bei mir kam hierbei eine bemerkenswerte Menge lustiger Souvenirtassen, Ratgeberlektüre und praktischer Küchenhilfen zusammen.

Für den kognitiven Austausch empfiehlt sich, vorgängig eine Liste unverfänglicher Gesprächsthemen zu erstellen. Wählen Sie hierfür Ihre Gesprächsthemen so aus, dass alle Gruppenmitglieder, trotz Heterogenität, über ein gewisses Halbwissen sowie eine minimale Emotionalität verfügen. Dies ermöglicht eine einigermassen erträgliche Gesprächsführung, auch wenn die Wirkung Ihrer Sedativa langsam nachlässt. Ich werde es dieses Jahr mit dem Thema Bitcoins versuchen.

Der emotionale Austausch stellt die wohl grösste Herausforderung dar. Zielkompetenz ist hier die im Lehrplan 21 beschriebene: Sie können eigene Gefühle wahrnehmen und situationsangemessen ausdrücken. Leider finden sich zum Aufbau dieser Kompetenz im Lehrplan keinerlei Angaben, so dass ich Ihnen nur das Prinzip try and error empfehlen kann, ganz im Wissen: Das nächste Problem – die nächsten Weihnachten kommen bestimmt!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Weihnachten!

Lehrplan 21: Was bewegt die Eltern?

HarryK:

Ab Schuljahr 2018/2019 ist der Lehrplan 21 für alle Schülerinnen und Schüler vom Kindergarten bis zur 5. Klasse verbindlich. Schulen beginnen die Eltern darüber zu informieren, was sich mit dem Lehrplan 21 im Schulalltag und insbesondere im Unterricht ändert. Nach einem Informationsanlass haben wir Eltern drei Fragen gestellt. Hören Sie selber, was die Eltern darauf geantwortet haben:

Was hat Sie bewegt an diesem Elternabend zum Lehrplan 21 teilzunehmen?

Was hat sich für Sie nach dem heutigen Abend geklärt?

Was beschäftigt Sie auch weiterhin? Welche Ihrer Fragen sind noch offen, welche Themen werden Sie verfolgen?

Eine gelungene LP21-Weiterbildung – Rezeptfrei?

Gastbloggerin Yvette Heimgartner, Dozentin PH Zürich:

Immer wieder wird bei uns in der Pädagogik nach Rezepten gefragt, in letzter Zeit natürlich besonders nach solchen für den richtigen Umgang mit dem Lehrplan 21. Leider taugen in der Pädagogik Rezepte selten, denn die Pädagogik ist zu sehr situationsabhängig. Den Lehrplan 21 gibt es folglich ganz rezeptfrei, Sie brauchen keinen Arzt zu konsultieren.

Um die Gemüter jedoch etwas zu beruhigen, liefere ich Ihnen ein paar Zutaten für eine erfolgreiche Weiterbildung zum Lehrplan 21:

Genug Schlaf

Kommen Sie ausgeschlafen zur Weiterbildung, denn so sieht die Welt gleich viel besser aus, trotz des neuen Lehrplans.

Never work before breakfast

Der Lehrplan 21 lässt sich auf schlecht auf nüchternen Magen verdauen. Beginnen Sie die Weiterbildung mit Gipfeli und Kaffee.

Funktionierende Technik

Ja, der neue Lehrplan wird hauptsächlich elektronisch verwendet. Nichts ist folglich unangenehmer, als wenn am Weiterbildungstag die Technik streikt. Brillieren Sie schon jetzt mit Ihrer Medienkompetenz.

 Schoggi-Pause

In den sauren Apfel beissen müssen Sie sowieso, aber Sie können sich den Lehrplan 21 auch versüssen…

Bequeme Sitzgelegenheiten

Ja, im Lehrplan 21 ist auch der Kindergarten integriert, aber müssen wir deswegen den ganzen Weiterbildungstag auf Zwergstühlen verbringen?

Offenheit

Offenheit ist die wohl wichtigste Zutat für eine erfolgreiche Weiterbildung und diese wird bereits im alten Lehrplan GROSSGESCHRIEBEN!

Welche Zutaten braucht es noch?

«Wänn sie i dine Arme ischlaft, weisch, dass sie dir vertraut.» – Sexualkundlicher Unterricht

«11 Jahre anpacken, umpacken, weiterpacken»

 

Gastblogger Lukas Geiser, Wissenschaftlicher Mitarbeiter PH Zürich:

zum Film (Webseite «Sexualkundlicher Unterricht»)

«Wenn sie i dine Arme ischlaft, weisch, dass sie dir vertraut.» Diese Aussage eines Jungen im Film – Die Sache mit der Liebe… – verdeutlicht, wie sich die Jugendlichen der Vertrauensbildung in einer Beziehung nähern. Sie formulieren Aspekte, die für sie in einer Beziehung wichtig sind. Die Kompetenz – Die Schülerinnen und Schüler können Beziehungen, Liebe und Sexualität reflektieren und ihre Verantwortung einschätzen. – dient als Ausgangslage, ein wichtiges Lebensthema aufzugreifen. Die Themen in dieser Kompetenz sind sehr vielfältig. Es geht um Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeit, um Wissen über andere Vorstellungen, Rechte und auch um das Nachdenken über sich selber. Das Erarbeiten dieses Wissens und dieser Fähigkeiten beginnt nicht erst in der dritten Sekundarschule, sondern vom Lebensstart jedes Menschen an.

Die Qualität der Schule besteht darin, dass sich die Schüler und Schülerinnen unter gleichalterigen austauschen können, von einander Erwartungen und Haltungen erfahren und diese mit ihren eigenen Vorstellungen abgleichen und reflektieren können.

Die Aussagen im Film, dass es scheinbar bei Jungen mehr um Sex geht, die Mädchen häufiger «klammern», führen oft (bei Abwesenheit einer Kamerafrau und eines Tontechnikers) zu heftigen Diskussionen und die Lehrperson kann sich mit der Klasse mit normativen Geschlechterrollen auseinandersetzen.

Dann steht da die Frage im Raum, was Verantwortung und Vertrauen in einer Beziehung überhaupt heisst. Im Film versuchen die Jugendlichen Antworten zu geben. Das ist nicht immer einfach, doch durch diese konkrete Beschreibung in der oben erwähnten Kompetenz kann genau dies geübt und reflektiert werden.  Wenn dieses Arbeiten an Kompetenzen dazu führt, dass Jugendliche ihre Beziehungen respektvoll, gewaltfrei und gleichberechtigt gestalten, dann ist schon Vieles erreicht.

Was sich liebt, neckt sich – Lernen und Reflexion

ChristineW:

«Ich stürze mich von der Metaebene, wenn ich noch einmal reflektieren muss!» So lautet offenbar eine geliebte Aussage von Studentinnen und Studenten der PHSG. Aus der PH Zürich kenne ich das Rätsel: «Warum ist es an er PH Zürich so hell? Weil die Studis am Reflektieren sind». Reflexion und Reflektieren gilt als ein unbestrittener Bestandteil des Lernens. Trotzdem oder vielleicht auch genau deshalb witzeln wir gerne darüber. Was hat es damit auf sich? Beim Stöbern bin ich gleich auf zwei PHZH Seiten gestossen, die das Thema aufnehmen. Die erste ist eine Bildaussage zum Wort des Tages im Blog des Schreibzentrums der PHZH (Das SchreibBLOGzentrum):

Quelle: Wort des Tages im Blog Das SchreibBLOGzentrum der PHZH, 23. Februar 2017

Die zweite Seite behandelt das Thema umfassender, im Blog des Zentrums für Hochschuldidaktik der PHZH. Ein Text von Monique Honegger mit dem Titel «Reflektieren: Denkchance oder Lernbremse».

Lesen Sie selbst und reflektieren Sie über Ihr eigenes Reflexionsverhalten!

Themenreihe Kompeten(zorientier)t beurteilen – 1. Abend

Am 15. März 2017 hat die Themenreihe Kompeten(zorientier)t beurteilen gestartet.

Noten. Noten? Noten! So der Titel des ausgeschriebenen Abends. Thomas Birri hat den Spannungsbogen entsprechend aufgebaut. Im ersten Teil seines Referates ging er darauf ein, was allgemein über Noten bekannt und erforscht ist. Das führte unweigerlich zur Frage, welches die Herausforderungen in der Notengebung sind. Im letzten Teil des Referates schloss Thomas Birri den Bogen und ging auf Formen professioneller Beurteilung ein.

Vor allem der erste Teil zeigte die Brisanz der vermeintlich so genauen Noten auf. Sind Sie sich beispielsweise bewusst, dass

  • die Klassenleistung
  • die Leistungserwartungen der Lehrpersonen an die Schülerin / den Schüler
  • das familiäre Umfeld der Schülerin / des Schülers
  • der Sozialstatus der Schülerin / des Schülers in der Schulklasse

die Notengebung systematisch beeinflussen?

Falls Sie am Themenabend nicht dabei sein konnten, aber dennoch mehr über das komplexe Thema erfahren möchten, kann ich folgende Lektüre empfehlen:

Senf für Chefs: Welche Kompetenzen benötigen schulische Führungspersonen?

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Die Auseinandersetzung mit dem Kompetenzbegriff beschäftigt uns im Bereich ‹Management und Leadership› nicht nur bei der Umsetzung des Lehrplans 21, sondern auch in unserer täglichen Arbeit. Die Frage, welche Kompetenzen eine schulische Führungsperson benötigt, ist für unsere Arbeit essenziell. Man kann diese jedoch auch konservativer stellen und nach der ‹guten› schulischen Führungsperson fragen.

Selbstverständlich kennen wir für uns die Antwort, oder vielleicht eher die Antworten. Gleichzeitig gehört es zur Professionalität, das Eigene immer wieder in Frage zu stellen, den Blick nach aussen zu wagen und sein eigenes Denken und Handeln regelmässig zu überprüfen. Genau dies haben wir uns für 2017 vorgenommen. In einem Fachbereichsprojekt der PH Zürich suchen wir im deutsch- und englischsprachigen Raum nach Kompetenzbeschreibungen und -profilen von schulischen Führungspersonen. Dabei interessiert uns sowohl die Frage welche ‹Inhalte› in diesen beschrieben werden, als auch die ‹Form›, in der sie dargestellt sind.

Die Anführungszeichen bei den Begriffen ‹Inhalt› und ‹Form› weisen darauf hin, dass wir uns gar nicht sicher sind, was wir antreffen werden. Welche Inhalte haben solche Beschreibungen? Sind es Kompetenzen? Oder eher Anforderungsprofile? Aufgabenbeschriebe? Geht es um Ansprüche oder um Idealvorstellungen? Wozu dienen diese überhaupt und wie gelingt es, sie in einer geeigneten Form darzustellen? Kann man sie überhaupt darstellen oder ist der Kontext von schulischen Führungspersonen dermassen komplex, dass dies gar nicht möglich ist? Unser Projekt ist bewusst ergebnisoffen, da wir uns gar nicht sicher sind, ob es überhaupt eine geeignete Form geben kann.

Dies bringt uns wieder zum Lehrplan 21. Die Auseinandersetzung innerhalb des Projektes lässt uns mit der Metaebene und der grundsätzlichen Konstruktion des ‹Kompetenzbegriffes› und dessen Darstellung und Anwendung auseinandersetzen. So sind wir Lehrende und Lernende gleichzeitig. Und das ist wahrscheinlich eine wichtige Kompetenz, welche irgendwo irgendwie dargestellt werden sollte.

PS: Weiterführende Informationen zum Projekt findet man hier. Wir freuen uns auf Reaktionen und Hinweise.

PPS: Am Fachbereichsprojekt beteiligen sich Vera Anders, Eliane Bernet, Johannes Breitschaft, Reta Spiess, Nina-Cathrin Strauss, Enikö Zala, Franziska Zellweger und ich.

Artikel im ZLV-Magazin: Spielend lernen im Kindergarten

Ein weiterer Artikel unserer Reihe zu «Kompetenzorientierung» ist im ZLV Magazin erschienen (Heft 1/17). Die Autorin Catherine Lieger stellt darin die Wichtigkeit des Spielens im Kindergarten ins Zentrum. Können eigentlich alle Kinder spielen? Wollen alle Kinder spielen?
Lesen Sie den Artikel hier.