«Wänn sie i dine Arme ischlaft, weisch, dass sie dir vertraut.» – Sexualkundlicher Unterricht

«11 Jahre anpacken, umpacken, weiterpacken»

 

Gastblogger Lukas Geiser, Wissenschaftlicher Mitarbeiter PH Zürich:

zum Film (Webseite «Sexualkundlicher Unterricht»)

«Wenn sie i dine Arme ischlaft, weisch, dass sie dir vertraut.» Diese Aussage eines Jungen im Film – Die Sache mit der Liebe… – verdeutlicht, wie sich die Jugendlichen der Vertrauensbildung in einer Beziehung nähern. Sie formulieren Aspekte, die für sie in einer Beziehung wichtig sind. Die Kompetenz – Die Schülerinnen und Schüler können Beziehungen, Liebe und Sexualität reflektieren und ihre Verantwortung einschätzen. – dient als Ausgangslage, ein wichtiges Lebensthema aufzugreifen. Die Themen in dieser Kompetenz sind sehr vielfältig. Es geht um Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeit, um Wissen über andere Vorstellungen, Rechte und auch um das Nachdenken über sich selber. Das Erarbeiten dieses Wissens und dieser Fähigkeiten beginnt nicht erst in der dritten Sekundarschule, sondern vom Lebensstart jedes Menschen an.

Die Qualität der Schule besteht darin, dass sich die Schüler und Schülerinnen unter gleichalterigen austauschen können, von einander Erwartungen und Haltungen erfahren und diese mit ihren eigenen Vorstellungen abgleichen und reflektieren können.

Die Aussagen im Film, dass es scheinbar bei Jungen mehr um Sex geht, die Mädchen häufiger «klammern», führen oft (bei Abwesenheit einer Kamerafrau und eines Tontechnikers) zu heftigen Diskussionen und die Lehrperson kann sich mit der Klasse mit normativen Geschlechterrollen auseinandersetzen.

Dann steht da die Frage im Raum, was Verantwortung und Vertrauen in einer Beziehung überhaupt heisst. Im Film versuchen die Jugendlichen Antworten zu geben. Das ist nicht immer einfach, doch durch diese konkrete Beschreibung in der oben erwähnten Kompetenz kann genau dies geübt und reflektiert werden.  Wenn dieses Arbeiten an Kompetenzen dazu führt, dass Jugendliche ihre Beziehungen respektvoll, gewaltfrei und gleichberechtigt gestalten, dann ist schon Vieles erreicht.

11 Jahre anpacken, umpacken, weiterpacken: Reflexionsfähigkeit fördern durch freies Spiel

«11 Jahre anpacken, umpacken, weiterpacken»

Gastbloggerin Catherine Lieger, Dozentin PH Zürich:

Im Lehrplan 21 werden für den Zyklus 1 (Kindergarten und 1./2. Klasse) neben den Fachbereichen auch die einzelnen entwicklungsorientierten Zugänge mit Blick auf die kindliche Entwicklung beschrieben. Dabei spielt der Bereich Lernen und Reflexion eine zentrale Rolle. «Kinder erweitern im Verlaufe ihrer Entwicklung die eigenen Lernmöglichkeiten: Sie lassen sich auf unterschiedliche Themen ein, nehmen Anregungen und Aufträge an, erforschen, erkunden, üben, beobachten, vergleichen, ordnen, ahmen nach, wenden an, prüfen, vermuten interpretieren usw. Vieles davon erfolgt in einer spielerischen Auseinandersetzung.» (LP21). Dabei lernen Kinder ausgeprägt von- und miteinander.

Phasen des Freispiels und ihre Typisierung

Wenn man sich die Freispielsequenzen innerhalb eines Kindergartenhalbtages näher anschaut, können sie in vier zeitlich hintereinanderliegende Phasen strukturiert werden:

  1. Anlaufphase
    Hier orientieren sich die Kinder, wählen ihre Spielorte und die Spielgemeinschaften aus. Es ist eine aktive, eher unruhige Phase, in der vor allem auch Organisatorisches im Zentrum steht.
  2. Spielphase
    Die Kinder spielen an den verschiedenen Spielorten. Neben lang andauernden Aktivitäten finden auch spieldynamisch bedingte Wechsel von Spielformen, Materialien, Spielorten und Sozialformen statt.
  3. Aufräumphase
    Hier wird wieder ein Aktivitätsanstieg verzeichnet, sei es durch ein verstärktes Bemühen, Begonnenes zu einem Abschluss zu bringen oder durch das gemeinsame Aufräumen und das lebhafte Kommunizieren.
  4. Reflexionsphase
    In dieser Phase besprechen die Kinder ihre Erfahrungen und Gefühle zum Verlauf des Freispiels miteinander und mit den Elementarpädagoginnen. Es werden Verbesserungsvorschläge, aber auch neue Freispielvorhaben besprochen.

Die zeitliche Aufteilung der einzelnen Phasen soll zeigen, dass der größte Zeitanteil für die eigentliche Spielphase eingesetzt werden sollte. Die Anlauf- resp. Aufräumphase sollte kurz gehalten werden. Die Reflexionsphase sollte den Kindern auch zeitlich Möglichkeiten zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch geben. In der Reflexionsphase leitet die Lehrperson die Kinder an, über ihre Erfahrungen und Gefühle zum Verlauf des Freispiels zu sprechen oder diese Erfahrungen auf eine andere Art auszudrücken. Sie achtet darauf, dass gemeinsam Verbesserungsvorschläge, aber auch neue Freispielvorhaben besprochen werden.

Stufen der Reflexion

Innerhalb der Reflexionsphase sind folgende Stufen zu beachten:

  1. Erleben – eigene Erfahrungen im Spiel machen
  2. Darstellen – Spielerfahrungen besprechen und Gefühle beschreiben
  3. Analysieren – Spielerfahrungen einschätzen: was lief gut, was lief schlecht
  4. Entwickeln – neue Ideen besprechen und Handlungsmöglichkeiten entwickeln
  5. Anwenden – neue Ideen in Spielsituationen umsetzen und erproben

11 Jahre anpacken, umpacken, weiterpacken: Kompetenzförderung in Form des freien Spiels

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«11 Jahre anpacken, umpacken, weiterpacken»
Neue Rubrik in unserem Blog:
In regelmässigen Abständen werden Gastbloggerinnen und Gastblogger Beiträge zu Besonderheiten aus den verschiedenen Zyklen beisteuern. Viel Spass!

Gastbloggerin Catherine Lieger, Dozentin PH Zürich:

Das freie Spiel ist für vier- bis acht-jährige Kinder der zentrale Lernmodus. Kinder lernen im Spiel in vielfältiger Art und Weise und auf vielfältigen Ebenen. Der entwicklungsorientierte Zugang des Kindergartens stellt im Lehrplan 21 die Schnittstelle zu den Fachbereichen her. Die Herausforderung in der Umsetzung des LP21 ist, die Kompetenzförderung in altersgemässen Spiel- und Lernumgebungen zu gestalten.

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Cartoon by Renate Alf

Die aktuelle Forschung zeigt in verschiedenen Studien, dass das systematische Lernen mit instruktionalen Anteilen keinen entscheidenden Vorteil gegenüber Kindern, die in spielerischen Settings lernten, bewirkte.

Kinder sollten ihre Lernerfahrungen eigenaktiv und selbsttätig gestalten können, also viel Zeit für das Freispiel bzw. für selbstgesteuerte Aktivitäten haben, die sie entweder alleine oder mit anderen Kindern durchführen. Montie, Claxton & Lockhard (2007) erhärten in ihrer Zusammenfassung der Studie IEA Preprimary Project zum Thema der Zeitdauer des Freispiels u.a. die Forderung, ein Zeitfenster von 45 bis 60 Minuten nicht zu unterschreiten, denn in solch längeren Freispielphasen kommt es besonders oft zu kognitiv anregenden Interaktionen zwischen einzelnen Kindern.

Dies bedeutet, dass Kinder sich in ihrer Wahrnehmung, ihren kognitiven, sozialen und motorischen Kompetenzen optimal entwickeln, wenn sie zwischen vier und acht Jahren einen wesentlichen Teil in freien und spielerischen Aktivitäten verbringen.

Das Spielen steht auch bei den Kindern selbst hoch im Kurs. Befragt man sie nach ihren liebsten Aufgaben im Unterricht, dann steht das Spiel an erster Stelle.

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