Senf für Chefs: Auf die Führung kommt es an!

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Mein letzter Senf, den ich für Chefs schreibe, soll ein Loblied auf das Thema Führen sein. Für die Umsetzung des Lehrplan 21 ist die Schulleitung ein wesentlicher Akteur – so meine These als ich mit dem Senf-Schreiben begonnen habe. Heute, einige Jahre später, würde ich dies etwas differenzierter formulieren. Selbstverständlich ist die Schulleitung wesentlich. Ich glaube jedoch, dass es nicht nur mit ihrer formalen Funktion als Führungsperson, sondern sehr viel stärker mit ihrer Tätigkeit, dem Führen, zu tun hat.  

Doch was heisst «Führen»? In den letzten 100 Jahren hat sich die Wissenschaft sehr ausgiebig mit der Frage, was Führung ist, auseinandergesetzt. Dabei gab es Ansätze, welche Eigenschaften bei der Führungsperson als Erklärungen suchten (Eine Führungsperson ist …), andere Ansätze nahmen das Handeln der Führungsperson (Eine Führungsperson tut …) in den Fokus. Und wieder andere Theorien und Modelle argumentieren, dass die Situation der Kontext nicht ausser Acht gelassen werden darf. Alle Modelle haben ihre Berechtigung, gleichzeitig aber zeigen sie immer nur einen Ausschnitt von dem, was Führung ist. 

Heutige Modelle gehen davon aus, dass Führung ein sozialer Prozess ist, bei dem verschiedene Akteure – und dies müssen nicht nur Menschen sein – miteinander agieren und aufeinander Einfluss nehmen. Damit ist Führen nicht einfach an eine Funktion gebunden, wie beispielsweise die Schulleitung. Auch Lehrpersonen – um ein Beispiel zu nennen – führen. Selbst dann, wenn sie keine Führungsposition innehaben. Auch sie nehmen in der Umsetzung des Lehrplan 21 Einfluss. 

Führung unter diesem Aspekt bedeutet für den Lehrplan 21, dass je stärker sich eine Schule mit der Frage, was für sie der Lehrplan 21 bedeutet, auseinandergesetzt hat, desto klarer können die verschiedenen Akteure in diese Richtung führen. Mit der Metapher der Bergführerin gesagt: Wenn alle Personen wissen, welchen Gipfel sie gemeinsam erreichen wollen, dann können auch alle Führung übernehmen. In der Gruppe gibt es ja vielleicht einen Spezialisten für Dickichte und eine Spezialistin für das Sichern im Fels. Eine dritte Person kennt sich mit den Wetterprognosen aus. Eine solche Bergtour wie die Umsetzung des Lehrplan 21 braucht also nicht die allwissende Bergführerin, sondern verschiedene Personen, die ihre Expertise einbringen, Führung übernehmen, so dass der Gipfel gefahrenlos und vergnüglich erreicht werden kann. In der Theorie spricht man von «Distributed Leadership». 

Wenn ich im Titel schreibe, dass es auf die Führung ankommt, dann meine ich, dass nicht nur die Schulleitung, sondern alle Personen, welche in irgendeiner Form durch ihre Kompetenz bei der Umsetzung des Lehrplan 21 Führung und damit auch Verantwortung übernehmen, entscheidend sind. Dazu braucht es an einer Schule eine entsprechende Kultur und ein systemisches Verständnis von Führung. 

2 Gedanken zu „Senf für Chefs: Auf die Führung kommt es an!“

  1. Führen ist schon lange nicht mehr ‚Einer sagt, die Anderen machen.‘ Mittlerweile ist das Wort Führung ja fast schon negativ besetzt, denn es stellt seit Jahrzehnten eine Hierarchie her, die nicht mehr zeitgemäss ist. ‚Führung‘ hat viel mit der positiven Gestaltung einer Zusammenarbeit zu tun, zu erlauben, dass auch Andere führen – und das tun Lehrpersonen. Sie sind die Spezialisten für ihren Fachbereich. Ich merke zunehmend meine Abhängigkeit und wie viel Vertrauen es braucht auf beiden Seiten. So kann man den LP 21 gemeinsam ausfüllen und ist gemeinsam verantwortlich und nicht nur einer. Das heisst für jeden eben auch Verantwortung übernehmen, verantwortlich sein und nicht nur zuständig.

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