Endlich fertig mit der Schule!?

ChristineW:

Fertig mit der Schule! Ein verlockender Meilenstein für viele Jugendliche am Ende der obligatorischen Volksschulzeit. Doch wie geht es weiter? Wie gestaltet sich der Übergang an der Nahtstelle Sek I und Sek II? Wie und wer soll beurteilen und selektionieren? Wer stellt welche Ansprüche? Verlaufen die Übertrittsprozesse fair und chancengerecht?

Solche und viele weitere Fragen standen im Zentrum an einer von der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK), der Konferenz schweizerischer Gymnasialrektorinnen und Gymnasialrektoren (KSGR), des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV) und der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) organisierten Tagung zum Thema «Beurteilung und Selektion am Übergang Sek I – Sek II».

Bei diesem Übergang haben Fragen der Beurteilung eine grosse Bedeutung, denn die Beurteilung ist wichtig für die Selektion und bestimmt die berufliche Laufbahn von Jugendlichen. Um Schulabgängerinnen und Schulabgängern eine individuell passende Anschlusslösung zu ermöglichen, sind gute Abstimmungen zwischen Volksschule und Berufsbildung bzw. Gymnasium zentral.

Ziel der Tagung war es, Fragen zu diskutieren, die sich aus Sicht der unterschiedlichen Anspruchsgruppen zum Beurteilungs- und Selektionsprozess am Übergang Sek I – Sek II stellen und zu überlegen, wie der Dialog über die Tagung hinaus weitergeführt werden könnte.

Zum Einstieg konnten die Tagungsteilnehmenden über Mentimeter eine Einschätzung über die aktuellen Verfahren abgeben (vgl. Bild unten). Diese Einschätzung zeigt deutliches Entwicklungspotenzial auf.

Quelle: www.d-edk.ch/node/115
Ergebnis der elektronischen Teilnehmendenbefragung
zur Frage «wie schätzen Sie das Beurteilungs- und Selektionsverfahren am Übergang  Sek I – Sek II ein?»

In sieben Kurzvorträgen legten Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Anspruchsgruppen ihre Sicht auf die Nahtstelle Sek I – Sek II dar. Dabei wurden die unterschiedlichen Ansprüche und Bedürfnisse der an dieser Nahtstelle beteiligten Akteure sichtbar. Mehrfach wurde auf die Notwendigkeit eines gemeinsamen Verständnisses von Wissen und Kompetenzen verwiesen. Gleichzeitig wurden die unterschiedlichen Bildungsaufträge einer allgemeinbildenden Volksschule und einer spezialisierten Berufsbildung, die auf berufsbezogene Kompetenzen und wirtschaftliche Interessen fokussiert, thematisiert. In einem kurzen Filmbeitrag äusserten sich Jugendliche darüber, wer und was ihnen beim Übergang Sek I – Sek II hilfreich war. Unter anderem nannten sie ihre Lehrpersonen, die Schnupperlehren und das Zeugnis mit den Hinweisen auf das Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten (neu: überfachliche Kompetenzen).

Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmenden der Tagung folgende Fragen:

− Gibt es allgemeine Kriterien für eine faire Selektion?

− Wo ergeben sich Handlungsfelder der in diese Schnittstelle involvierten Akteure?

− Wie lässt sich der Dialog zwischen den Anspruchsgruppen weiterführen? Welche Themen müssten dabei aufgegriffen werden?

In diesen Diskussionen zeigte sich deutlich, dass die abnehmenden Organisationen bestimmen, welche Kompetenzen ihre Bewerberinnen und Bewerber mitbringen sollen und daher die Selektionsprozesse wohl nie ganz fair sein werden. Zu achten sei darauf, dass die Anforderungen und Verfahren transparent gegenüber allen Anspruchsgruppen sind und alle möglichen Wege aufgezeigt werden, um eine möglichst gute Passung für die Jugendlichen und die Betriebe / Schulen zu finden. Insbesondere Eltern und Jugendliche mit Migrationshintergrund bräuchten vertieftere Informationen über das schweizerische Bildungssystem und dessen Durchlässigkeit. Allgemein wurde der Austausch sehr geschätzt und man war sich einig, dass eine breitere Vernetzung aller Anspruchsgruppen anzustreben sei.

Quelle: www.d-edk/node/115
Fotoprotokoll der Aussagen aus den Workshops 5–8 zu den drei Leitfragen (vgl. oben)

Ein Gedanke zu „Endlich fertig mit der Schule!?“

  1. Danke für den Tagungsbericht. Das ohne Zweifel gute Bildungssystem hat im Bereich ‚Beurteilung und Selektion‘ ‚deutliches Entwicklungspotential‘: Fast gleich viel ’schlecht‘ wie ‚gut‘ für das Beurteilungsverfahren.
    Spannend auch das sehr deutliche Ergebnis der Befragung der Teilnehmer nach den Erwartungen an die Tagung: Austausch! (findet man über den Link: https://www.d-edk.ch/node/115)

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