Senf für Chefs: Chefin sein am Zukunftstag

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Vor einigen Tagen fand der Zukunftstag statt und ich habe dazu im Radio eine spannende Reportage gehört. Verknüpft mit dem  Zukunftstag gibt es das Projekt «Ein Tag Chefin sein». Schülerinnen besuchen in diesem Projekt nicht einen bestimmten Beruf, sondern begleiten eine Chefin. Mir gefällt das Projekt unter anderem, weil es das ursprüngliche Anliegen des Zukunftstages – als er noch Tochtertag hiess – aufnimmt und etwas gegen die Stigmatisierung von Berufen und Geschlecht unternimmt. Dies ganz im Sinne von «Mehr Chefinnen braucht das Land».

Das Projekt gefällt mir auch, weil es viel mit Schulleitungen und dem Lehrplan 21 zu tun hat bzw. zu tun haben könnte. Im Lehrplan 21 ist die berufliche Orientierung als Modul konzipiert. Wenn der Schwerpunkt dieses Moduls wohl weiterhin an den meisten Schulen im dritten Zyklus liegt, so haben die Schulen trotzdem die Pflicht, ab Kindergarten das Thema der beruflichen Orientierung zu thematisieren und zu behandeln. Eine interessante Sache, da dadurch die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler einbezogen und gleichzeitig erweitert wird. Zudem lieben Kinder die Auseinandersetzung mit Berufen: Ich weiss auf jeden Fall noch sehr genau, was ich in welchem Alter werden wollte.

Ich kann mich noch gut an eine Situation während meiner Unterstufenzeit erinnern, als Felix – ein Mitschüler – sagte, dass er Lehrer werden möchte. Lehrer ist ein Beruf? Ich war damals sehr erstaunt und die Aussage von Felix hat mich zum Nachdenken angeregt. 15 Jahre später wurde ich dann selber Lehrer – Felix übrigens auch.

Zu meiner Schulzeit waren die Volksschulen noch nicht geleitet und Schulleiterin oder Schulleiter gab es als Beruf noch nicht.  Mich hätte es – wenn wir eine Schulleiterin gehabt hätten – sicher sehr interessiert, was sie den ganzen Tag macht. Chef oder Chefin sein löst die Assoziation aus «viel zu verdienen» und «den ganzen Tag befehlen». Ein Chef oder eine Chefin arbeitet nicht; dazu hat er oder sie ja Angestellte. Die berufliche Orientierung im Lehrplan 21 könnte in diesem Sinne auch dazu dienen, den Schülerinnen und Schülern aufzuzeigen, was eine Schulleiterin, ein Lehrer oder die Hauswärtin den ganzen Tag machen, was zu ihrem Beruf gehört, was sie gerne und weniger gerne machen, wann sie sich ärgern, … Ich glaube, das hätte einen doppelten Effekt. Einerseits würden die Schülerinnen und Schüler andere Berufsfelder kennen lernen, andererseits würde wahrscheinlich auch die Anerkennung und Achtung für die Berufe und konkreten Personen in der Schule steigen. Letztlich passiert dadurch eine Steuerung im Sinne der pädagogischen Schulführung und ein Beitrag zu einer Kulturentwicklung hin zu einer gemeinsamen Schule. Wenn dadurch ein paar Mädchen mehr Chefinnen und ein paar Jungs mehr Lehrer werden, dann ist dies gesellschaftlich sicherlich auch nicht verkehrt.

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