Senf für Chefs: Qualitätskontrolle

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Etwas, das mich im Zusammenhang von Schulführung und der Umsetzung des Lehrplans 21 immer wieder beschäftigt, ist die Frage nach der Qualität der Umsetzung. In der Schulmanagementsprache könnte man auch von Qualitätskontrolle sprechen.

Ich erlebe in der Pädagogik leider immer wieder viel Rhetorik. Schulleitende und Lehrpersonen erzählen von ihrer «guten Schule» und sind überzeugt von dem, was sie machen. Die Selbstüberzeugung ist ein wichtiger Faktor einer «guten Schule». Interessant wird es jedoch dann, wenn ich nachfrage, woher sie wissen, dass sie eine «gute Schule» sind und dass sie einen «guten Job» machen. Manche beginnen zu erzählen von Erfahrungen, Rückmeldungen, Beobachtungen, Resultaten und ihre «gute Schule» wird lebendig und verständlich. Andere jedoch flüchten sich in Behauptungen oder sind entsetzt, dass ich mich traue, dies überhaupt zu fragen. Oft werde ich empört gefragt, ob ich denn nicht glaube, dass sie eine «gute Schule» seien. Das «Daran-Glauben» ist wichtig, als Wissenschaftler will ich aber mehr: Ich will es auch wissen.

Das mit dem Wissen ist jedoch so eine Sache. Wie kann man objektiv überprüfen, ob man eine «gute Schule» ist? Ich bin momentan in den USA und erlebe das College, welches mein Sohn ein Jahr besucht hat. Der Schulleiter dieses College, Brian Inbody, weiss auf Prozentangaben genau, ob sein College eine «gute Schule» ist. Und auch das Erreichen seiner Ziele weist er öffentlich aus. Die USA vertrauen in Bezug auf Schulqualität und Schulentwicklung sehr stark auf Kennzahlen und Tests. Zahlen sind jedoch nur eine Sichtweise. Eine andere Sichtweise ist, wenn ich beobachte wie mein Sohn mir sein College auf einem Rundgang durch die Schule zeigt oder wie er von seinen Erfahrungen erzählt. Das Wissen über eine «gute Schule» speist sich aus verschiedenen Sichtweisen.

Ich bin überzeugt, dass Schulleitende an ihre «gute Schule» glauben sollen, dass sie jedoch auch wissen müssen, warum sie eine gute Schule sind. Dieses Wissen setzt sich aus verschiedenen Sichtweisen zusammen. Wichtig ist dabei, dass auch Kritisches in dieses Bild aufgenommen wird. Denn gerade das Kritische hilft, weiterzudenken.

Für die Umsetzung des Lehrplans 21 bedeutet dies für mich, dass es Schulleitenden gelingt, immer wieder mit den Lehrpersonen, Eltern, Schülerinnen und Schülern zu schauen, wo die Schule in Bezug auf die Umsetzung des Lehrplans 21 steht. Dabei soll es zwar auch um formale, aber vor allem um pädagogische Fragen wie die Frage nach der «guten Schule» gehen.

PS: Wird dieses Wissen über die eigene «gute Schule» öffentlich gemacht, so ist die Chance hoch, dass die Schule, aber auch die Schulleitungen und die Lehrpersonen eine hohe Akzeptanz bei den Eltern, der Bevölkerung und der Politik erhalten.

PSS: Um zu wissen, ob man eine «gute Schule» ist, muss man zuerst definieren, was unter einer «guten Schule» überhaupt verstanden wird. Im Modul «Gute Schule» wird dieser Frage nachgegangen.

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