Senf für Chefs: Schwimmunterricht in Tallinn

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Ich hatte das Glück und Vergnügen im Rahmen des CAS Pädagogische Schulführung mit Schulleitenden nach Tallinn zu fahren und dort unter anderem auch Schulen zu besuchen. Ein Erlebnis bleibt mir dabei in besonderer Erinnerung…

Am ersten Tag besuchten wir einen Kindergarten, der von gut 300 Kindern besucht wird und eine Mischung von Kindergarten, Krippe und Schule ist. Das Alter der Kinder reicht von 1 ½ bis maximal 6 Jahren. Nach ihrer Zeit im Kindergarten können sie lesen, schreiben, rechnen, … und schwimmen.

Ab 4 Jahren besucht jedes Kind jede Woche während einer halben Stunde den Schwimmunterricht. Dazu hat der Kindergarten ein eigenes Schwimmbad, wobei dieses aus einem kleinen Pool – böse Zungen sprechen von einer grösseren Badewanne – besteht. Immer sechs Kinder besuchen den Unterricht und werden von einer Schwimmlehrerin betreut. Nach dem Schwimmunterricht geht es in die Sauna – selbstverständlich nackt und Knaben und Mädchen gemischt. Und dann wieder zurück in die Kindergartenklasse, während bereits die nächste Gruppe am Schwimmen ist.

Estland ist ein armes Land und als ich die Schulleiterin auf die Kosten des Schwimmunterrichts angesprochen habe, reagierte sie verwundert. «Sauna und Schwimmen ist wichtig – das ist unsere Kultur!», meinte sie und fügte hinzu, «wenn wir da sparen müssen, dann sind wir wirklich arm».

Ich hatte während meiner Schulzeit in einer grösseren Züricher Gemeinde nie Schwimmunterricht und habe mir das Schwimmen irgendwie selber beigebracht. Auf Schwimmkompetenzen legt diese Gemeinde auch heute noch keinen Wert – trotz Lehrplan 21. Manchmal habe ich den Eindruck, wir sind ein armes Land.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.