Senf für Chefs: Kompetent führen und leiten – eine Herzensangelegenheit

Gastbloggerin Elsbeth Thürig, Dozentin PHZH und Dirigentin Hochschulchor PHZH:

In meiner Kindheit und Jugendzeit begeisterte mich das Singen im Chor und das Musizieren im Orchester. Ich suchte keinen speziellen Nutzen darin – es war für mich eine gelungene Freizeitbeschäftigung und vermutlich schien ich immer wieder zu spüren, dass die aktive Begegnung mit Musik mir guttat. Dafür nahm ich auch einige Strapazen auf mich: Während andere im selben Alter am Samstagnachmittag «chillten», reiste ich vom ländlichen Entlebuch in die Stadt und spielte in einem altersdurchmischten Ensemble. In diesem Fall muss altersdurchmischt präzisiert werden: Ich war knappe vierzehn und die anderen weit über vierzig! Dieser Umstand schien mich damals aber nicht weiter gestört zu haben.

Leidenschaft und kompetente Leitung

Offenbar waren für mich in diesem Moment nicht die Peers entscheidend, sondern das aktive musikalische Handeln. Dieses wurde – im positiven Sinne – massgeblich von der Leitungsperson gesteuert und geführt. Durch Dirigentenpersönlichkeiten und Musikpädagogen konnte ich die Musik direkt erleben und hautnah erfahren. Ihr Zugang eröffnete auch mir eine neue Welt.

Ehrlicherweise muss ich eingestehen, dass es schon auch Zeiten gab, in denen ich das Üben nur müssig und meine jugendlichen Anliegen definitiv nicht im Geigenkasten fand. Dennoch bin ich immer wieder zu den Proben gegangen und wenn der Dirigent mit seinem Taktstock die Aufmerksamkeit herstellte, war ich wieder ganz in den musikalischen Bann gezogen. Doch weshalb begeisterten und prägten mich letztendlich diese Momente mehr als vielleicht eine «coole» Jugendserie mit ihren Stars im Fernsehen? Ganz einfach: Ich konnte mit meinem Mitwirken am musikalischen Geschehen partizipieren, die formulierten Visionen und Konzertvorhaben spornten mich an und ich fühlte mich durch die klaren Abläufe und Vereinbarungen gut geführt. Kurzum: Dirigentenpersönlichkeiten coachten und motivierten mich in einer natürlichen Weise und gaben mir letztendlich auch Lob und Anerkennung.

Abschliessend versuche ich, in meiner heutigen Berufsrolle als Dirigentin und Dozentin diese Erlebnisse mit der Schule zu verlinken. Führen und Leiten dürfen aus meiner Sicht nicht nur Handlungen umschreiben. Vielmehr besteht der Kern der Sache darin, Schülerinnen und Schüler oder Mitarbeitende zu begeistern, sie an den gemeinsamen Vorhaben mitwirken zu lassen und am Ende eine Wertschätzung für ihren Einsatz auszusprechen. Das bedingt unserem Gegenüber die nötige Aufmerksamkeit und ein bewusstes «Zuhören-Wollen».

Führen und Leiten können schliesslich auch harmonisch und schön sein. Dabei gibt es in Bezug auf die Führungsrolle durchaus noch weitere Parallelen zwischen der Musikwelt und dem schulischen Alltag: «Dissonanzen» sollten sich auflösen, Wiederholungen sind ein gutes Übungsfeld und nebst den Noten braucht es in der Musik wie auch in der Schule immer wieder Pausen!

Ein Gedanke zu „Senf für Chefs: Kompetent führen und leiten – eine Herzensangelegenheit“

  1. Danke für das Teilen deiner Erfahrung. Ich kann dir nur zustimmen: Führen und Leiten ist viel mehr als Handeln und hat viel mit Musik zu tun. Und mit den eigenen Erfahrungen.

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