Senf für Chefs: Die Kompetenz der zwei Perspektiven

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Wie viele Schulleitende habe auch ich mich in den letzten Wochen und Monaten mit dem neudefinierten Berufsauftrag und dessen Umsetzung auseinandergesetzt. Dabei interessierte mich, wie die einzelnen Schulleitenden diesen umsetzen und warum sie dies auf ihre Art und Weise tun. Dabei wurde mir wieder einmal bewusst, dass «gute Schulleitungen» eine doppelte Kompetenz brauchen: Sie müssen sowohl in einer langfristigen, wie auch in einer kurzfristigen Perspektive denken.

Bei der langfristigen Perspektive geht es um das «grosse Ganze», um die grundsätzliche Idee hinter dem Berufsauftrag. Es geht um das Einordnen und Verstehen des neudefinierten Berufsauftrages im Kontext der Entwicklung der Profession und der heutigen Schule. Es geht um die Frage nach dem Sinn. So kann es beim neudefinierten Berufsauftrag darum gehen, dass die Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr für den Unterricht in einer bestimmten Klasse, sondern für die Arbeit an einer Schule angestellt werden. Oder, dass nicht mehr der Kanton, sondern die Schulleitung vor Ort den Einsatz der einzelnen Personen steuert.

Bei der kurzfristigen Perspektive geht es darum, dieses «grosse Ganze» mit der Entwicklung an der eigenen Schule zu verknüpfen, gewissermassen einzuverleiben, um dann zu schauen, welches der nächste konkrete Schritt sein kann. Dazu braucht es Pragmatismus, manchmal Kreativität und Mut, sicher aber Wissen, Wollen und Können.

Oder anders ausgedrückt: eine «gute Schulleitung» muss wissen wohin sie will, warum sie dorthin will und welches der nächste Schritt ist, den sie mit ihrer Schule geht. Peter Senge hat dazu die Metapher des Gummibandes verwendet. Wenn die Distanz zwischen dem «wohin ich will» und dem «dort wo ich stehe» eine gute Spannung erzeugt, dann gibt es Energie, diesen Weg zu gehen. Wenn die Distanz zu gross ist, zerreisst es den Gummi. Und wenn sie zu klein ist, dann fällt er einem aus den Fingern.

Ich glaube, dass dies generell für Entwicklungen an Schulen, also auch für den Lehrplan 21, gilt. Am Donnerstag beginnen die ersten Weiterbildungen für die Schulleitenden zum Lehrplan 21. Ein Ziel für diese beiden Tage an der PH könnte sein, seinen Kompass zu richten, das «grosse Ganze» zu definieren, und zu schauen, dass der Gummi zwischen den Fingern eine energievolle Spannung bekommt.

PS: Am Freitag, 27. Oktober 2017 (Nachmittag) organisiert die PHZH zusammen mit dem VSLZH eine Tagung zum neudefinierten Berufsauftrag. Informationen dazu finden sie hier.

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