Senf für Chefs: Woher nehmen die Schulleitungen ihre Kompetenzen?

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Letzte Woche hatte ich das Vergnügen, an den Präsentationen der Masterarbeiten der Absolvierenden unseres Studienganges MAS «Bildungsmanagement» und MAS «Bildungsinnovation» teilnehmen zu dürfen. Ich war von den Arbeiten und der Diskussion sehr beeindruckt. Die Arbeiten haben mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, dass sich schulische Führungspersonen mit wissenschaftlichen Inhalten auseinandersetzen und diese mit ihrem Berufsalltag verknüpfen. Ich möchte dies am Beispiel der Arbeit von Lucia Schlüssel Pfluger aufzeigen.

Lucia Schlüssel Pfluger hat aus verschiedenen Studien Kriterien für einen «guten Unterricht» hergeleitet. Mittels Interviews und einer Inhaltsanalyse hat sie bei fünf Schulleitenden untersucht, inwiefern sich die hergeleiteten Kriterien eines «guten Unterrichts» in der Beurteilungspraxis widerspiegeln. Die Resultate zeigten, dass die Praxen sehr unterschiedlich sind.

Für mich stellte sich nach der Präsentation die Frage, woher die einzelnen Schulleitungen ihr Wissen nehmen. Ist es die eigene Erfahrung als Lehrperson? Ist es zufälliges Wissen? Oder findet eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema statt?

Ich vertrete die Meinung, dass es zu den wichtigsten Aufgaben von schulischen Führungspersonen gehört, mit Lehrpersonen über pädagogische Themen zu sprechen und in einem Diskurs zu sein. Ich meine damit explizit nicht, den Lehrpersonen zu sagen, was guter Unterricht ist (wie es oft in den Konzepten von «Instructional Leadership» gemeint ist), sondern Diskussionen zu ermöglichen und zu führen um eine gemeinsame Wertehaltung und Handlung zu ermöglichen. Dazu braucht es aber fundiertes und nicht zufälliges Wissen. Doch woher nehmen die Schulleitenden ihre Kompetenz?

Ich bin überzeugt, dass es berufsspezifisches Praxiswissen und gleichzeitig auch einen hohen Anteil an wissenschaftlichem Wissen braucht. Die Masterarbeit von Priska von Arx, welche ebenfalls präsentiert wurde und das Mentoringprojekt aus Sicht der Mentees untersuchte, zeigt dies eindrücklich. Die Umsetzungen am neu definierten Berufsauftrag zeigen dies für mich eindrücklich. Wenn man als schulische Führungsperson nur in der Praxis bleibt und nicht über den Tellerrand hinausschaut, dann bleibt man bei den Tools und verpasst die Chancen der Möglichkeiten und der Gestaltung.

Aus diesem Grund glaube ich, dass schulische Führungspersonen eine fundierte Aus- und eine fortlaufende Weiterbildung, welche die verschiedensten Facetten und Richtungen aufweisen, brauchen. Dazu gehören sowohl berufsspezifische Themen und Formen wie Tools und Tipps unter Kolleginnen und Kollegen, als auch fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung.

Und hier sind wir als Bereich «Management und Leadership» gefordert. Seit einiger Zeit sind wir unter der Metapher «Landkarte» daran, unser Curriculum und Angebot zu flexibilisieren und inhaltlich stärker zu koordinieren. Unsere Vision ist ein Angebot, welches kompetenzorientiert ist, in welchem schulische Führungspersonen ihren Bedürfnissen und Kompetenzen entsprechend sich aus- und weiterbilden können.

PS: Ich halte es nicht nur inhaltlich, sondern auch aus standespolitischer Sicht wichtig, dass Schulleitende einen MAS Abschluss haben. Die aus Sicht der Schulleitenden drohende Kommunalisierung kann als Abwertung ihres Berufes verstanden werden.

PSS: Und wer nach dem Lesen des Blogs Lust auf Weiterbildung hat: Für das 11. Symposium Personalmanagement an der PH Zürich hat es noch wenige Plätze. Eine Anmeldung ist bis Ende April hier noch möglich.

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