11 Jahre anpacken, umpacken, weiterpacken: Reflexionsfähigkeit fördern durch freies Spiel

«11 Jahre anpacken, umpacken, weiterpacken»

Gastbloggerin Catherine Lieger, Dozentin PH Zürich:

Im Lehrplan 21 werden für den Zyklus 1 (Kindergarten und 1./2. Klasse) neben den Fachbereichen auch die einzelnen entwicklungsorientierten Zugänge mit Blick auf die kindliche Entwicklung beschrieben. Dabei spielt der Bereich Lernen und Reflexion eine zentrale Rolle. «Kinder erweitern im Verlaufe ihrer Entwicklung die eigenen Lernmöglichkeiten: Sie lassen sich auf unterschiedliche Themen ein, nehmen Anregungen und Aufträge an, erforschen, erkunden, üben, beobachten, vergleichen, ordnen, ahmen nach, wenden an, prüfen, vermuten interpretieren usw. Vieles davon erfolgt in einer spielerischen Auseinandersetzung.» (LP21). Dabei lernen Kinder ausgeprägt von- und miteinander.

Phasen des Freispiels und ihre Typisierung

Wenn man sich die Freispielsequenzen innerhalb eines Kindergartenhalbtages näher anschaut, können sie in vier zeitlich hintereinanderliegende Phasen strukturiert werden:

  1. Anlaufphase
    Hier orientieren sich die Kinder, wählen ihre Spielorte und die Spielgemeinschaften aus. Es ist eine aktive, eher unruhige Phase, in der vor allem auch Organisatorisches im Zentrum steht.
  2. Spielphase
    Die Kinder spielen an den verschiedenen Spielorten. Neben lang andauernden Aktivitäten finden auch spieldynamisch bedingte Wechsel von Spielformen, Materialien, Spielorten und Sozialformen statt.
  3. Aufräumphase
    Hier wird wieder ein Aktivitätsanstieg verzeichnet, sei es durch ein verstärktes Bemühen, Begonnenes zu einem Abschluss zu bringen oder durch das gemeinsame Aufräumen und das lebhafte Kommunizieren.
  4. Reflexionsphase
    In dieser Phase besprechen die Kinder ihre Erfahrungen und Gefühle zum Verlauf des Freispiels miteinander und mit den Elementarpädagoginnen. Es werden Verbesserungsvorschläge, aber auch neue Freispielvorhaben besprochen.

Die zeitliche Aufteilung der einzelnen Phasen soll zeigen, dass der größte Zeitanteil für die eigentliche Spielphase eingesetzt werden sollte. Die Anlauf- resp. Aufräumphase sollte kurz gehalten werden. Die Reflexionsphase sollte den Kindern auch zeitlich Möglichkeiten zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch geben. In der Reflexionsphase leitet die Lehrperson die Kinder an, über ihre Erfahrungen und Gefühle zum Verlauf des Freispiels zu sprechen oder diese Erfahrungen auf eine andere Art auszudrücken. Sie achtet darauf, dass gemeinsam Verbesserungsvorschläge, aber auch neue Freispielvorhaben besprochen werden.

Stufen der Reflexion

Innerhalb der Reflexionsphase sind folgende Stufen zu beachten:

  1. Erleben – eigene Erfahrungen im Spiel machen
  2. Darstellen – Spielerfahrungen besprechen und Gefühle beschreiben
  3. Analysieren – Spielerfahrungen einschätzen: was lief gut, was lief schlecht
  4. Entwickeln – neue Ideen besprechen und Handlungsmöglichkeiten entwickeln
  5. Anwenden – neue Ideen in Spielsituationen umsetzen und erproben

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