Senf für Chefs: ‹Learning Partners›

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Ich war letzte Woche zusammen mit Enikö Zala und Jörg Berger an der ICSEI (International Congress for School Effectiveness and Improvement) in Ottawa. Einmal im Jahr treffen sich an diesem kleinen, feinen Kongress die weltweit interessantesten Personen der Bereiche Schulentwicklung und Schulführung. Neben der Erfahrung, dass Kanada im Winter wirklich kalt ist, habe ich für mich viele spannende Eindrücke und Gedanken mitgenommen. Einen davon möchte ich hier mit meinen Leserinnen und Lesern teilen.

Ein Begriff, dem ich an der ICSEI immer wieder begegnet bin, ist ‹Learning Partners›. So werden zum Beispiel in Hong Kong bei Schulen mit tiefer Qualität die Lehrpersonen mit Lehrpersonen einer Schule mit hoher Qualität gemischt. So müssen 20 Personen aus der ‹guten Schule› in die ‹schlechte Schule› wechseln. Im Gegenzug wechseln 20 Lehrpersonen aus der ‹schlechten Schule› in die ‹gute›. Die Hoffnung ist, dass die ‹schlechten Schulen› so zu ‹guten Schulen› werden. Ein interessanter Gedanke für die Fachstelle für Schulbeurteilung: Wir könnten in Zürich ja neu ein Ranking einführen und entsprechend des Rankings müssten die Schulen Lehrpersonen wie in einem bekannten Kartenspiel mit unanständigem Namen die Karten bzw. Lehrpersonen tauschen. 🙂

Der Begriff ‹Learning Partners› taucht auch beim Projekt ‹Deeper Learning› des Bezirkes Ontario in Kanada auf. ‹Learning Partners› ist ein Element des pädagogischen Verständnisses und meint, dass die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Schulen, sich bei unterschiedlichen Aktivitäten und Anlässen Partner zum gegenseitigen Lernen suchen. So arbeiten einzelne Schulen zum Beispiel mit Museen oder Wissenschaftlern zusammen. Andere initiieren bewusst altersgemischte Projekte oder die Eltern bringen ihr Wissen und Können mit in die Schule ein. Das sind Ideen, welche vielen Zürcher Schulen wohl nicht fremd sind. Trotzdem hat es mich beeindruckt, mit welcher Konsequenz einzelne präsentierende Schulen für Fragen, welche sie nicht selber lösen konnten, ‹Learning Partners› gesucht und auch gefunden haben. Das Resultat ist eine grössere Vernetzung der Schulen mit der Gesellschaft und gleichzeitig, da beide Partner von der Gemeinschaft profitieren, geringere Kosten.

Der Gedanke der ‹Learning Partners› ist mit Blick auf die Umsetzung des Lehrplans 21 interessant. Wir sprechen ja immer davon, dass die Schulen so unterschiedlich sind. Warum nicht davon profitieren? Dazu könnten sich die Schulen fragen: «Was brauchen wir? Was können wir anbieten?» Eine gute Gelegenheit mit andern Schulen/ Schulleitungen in Kontakt zu kommen sind die Weiterbildungen der Schulleitenden, welche diesen Sommer an der PH Zürich stattfinden. Miteinander ins Gespräch zu kommen, ‹Learning Partners› zu installieren wäre ein interessantes Ziel für diese Weiterbildung. Wir bleiben dran. Und Sie hoffentlich auch!

PS: Wenn wir eine Drehscheibe für ‹Learning Partners› sein können, machen wir dies gerne. Kommentieren Sie diesen Blog und machen Sie ein Angebot oder eine Anfrage. Vielleicht entsteht eine Austauschplattform. Oder melden Sie sich bei niels.anderegg@phzh.ch.

PPS: Die nächste ICSEI findet Anfangs Januar 2018 in Singapur statt. Enikö, Jörg und ich haben das Ziel, dort eine grössere Zürcher Delegation zu haben und ein Symposium über ‹Principalship in Zurich› durchzuführen. Gerade mit unserer jungen Geschichte der Schulführung haben wir Interessantes zu bieten. Wer Lust hat, soll sich unbedingt melden. Denn zwei Dinge sind sicher: Es wird wieder eine äusserst spannende Konferenz und Singapur ist definitiv wärmer als Kanada!

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