Auf eine «gute» Zusammenarbeit kommt es an!

Wie bei gleicher Umgebung doch jedes Team seine eigene Welt der Zusammenarbeit kreiert (frei nach Schopenhauer)

Gastbloggerin Silvia Pool Maag, ZFH Professur für Inklusion und Diversität, PH Zürich:

Es gibt verschiedene Befunde und Argumente, die für die Zusammenarbeit an Schulen sprechen: Edwin Achermann stellt fest, dass Teams eine humane Schule fördern, weil sich die Mitglieder durch die gemeinsam getragene Arbeit sozial eingebunden erleben und mehr Sinn und Zufriedenheit in ihrer Arbeit finden. Weiter ist bekannt, dass die Effektivität und Qualität schulischer Leistungen steigt, weil Teams produktiver sind als eine Summe von Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfern. Gerne wird das Teamteaching, vor allem im integrativen Unterricht, als Königsdisziplin der Unterrichtsorganisation bezeichnet. Nicht zuletzt kennen wir die Gelingensbedingungen «guter» Zusammenarbeit: Es gilt, dem Gegenüber zu vertrauen, für die Zusammenarbeit bereit zu sein, sich wertzuschätzen und fachkompetent einzubringen, sich flexibel zu zeigen und zur Selbstreflexion fähig zu sein. Und die Zusammenarbeit muss sich lohnen. Sonst ist es toll, wenn es die andere Person macht. Insgesamt – so kann resümiert werden – liegt ein solides, evidenzbasiertes Wissen zum Gegenstand «gute» Zusammenarbeit vor. Zögern Sie nicht, Situationen, die sich Ihnen als Chance zum gemeinsamen Glück anbieten, zu ergreifen.

Ich lade Sie zum Weiterlesen ein, denn jetzt kommt das Kleingedruckte zur Programmatik: Der Weg zum Glück kann steinig sein, denn eine «gute» Zusammenarbeit fällt nicht vom Himmel. Teamfähigkeit ist zwar eine Alltagskompetenz, sie zeigt sich aber durchaus als eine dynamische Fähigkeit, die in der Schule und im Unterricht entwickelt oder gelernt werden muss. Nun ist es ja mit dem Lernen nicht so einfach, da dies etwas vom Persönlichsten auf der Welt ist (Heinz von Foerster). Gemeinsam lernen oder arbeiten schliesst also ein, zu Gunsten des Gemeinsamen etwas von diesem Persönlichen preiszugeben. In etwa so: Ich bekomme etwas, wenn ich bereit bin, meine Autonomie zugunsten des unbekannten Glücks zu teilen. Das braucht etwas Mut, kann aber gelingen und als Mehrwert erlebt werden. Meine vielen Gespräche mit Lehrpersonen zu diesem Thema verdeutlichen: Es fällt auf, dass die positiven Aspekte von Zusammenarbeit in den Gesprächen stets überwiegen. Es sind andere Blickwinkel, alternative Lernmöglichkeiten und ergänzende fachliche Expertisen (z.B. Zusatzinformationen, Methodenkompetenz aus der Schulischen Heilpädagogik) oder die Unterstützung bei der Elternarbeit, die bereichernd erlebt werden. Zusammenarbeit ist dann schwierig, wenn die Rollen nicht geklärt sind, wenn Ansichten divergieren und die Zusammenarbeit an Schulen und im Kollegium nicht institutionalisiert ist.

Auf der Mesoebene der Interaktion und Kommunikation zeigt sich, dass die Entwicklung der Teamfähigkeit weit unterschiedlicher ist, als die oben beschriebene Programmatik erwarten lässt: Die einen Teams treffen von Beginn weg klare Abmachungen was gilt, woran man sich orientiert und wer wofür zuständig ist. Im Gegensatz dazu brauchen andere Teams dafür eine gemeinsame Anlaufzeit, eine Zeit des sich Kennenlernens. Interessanterweise bestimmt die Dynamik der Teams die Form der Zusammenarbeit, d.h. Sie können in zwei Teams arbeiten, die sehr unterschiedliche Zusammenarbeitsformen entwickeln. Erfreulicherweise finden alle Teams zu ihrer (guten) Form, die im Grad an Autonomie und Abhängigkeit, Nähe und Distanz sowie entlang der Regeln der Interaktion bestimmt ist. «Gut» ist also relativ und kann als Ergebnis eines Erfahrungs-, Abstimmungs- und Aushandlungsprozesses qualitativ je unterschiedlich gefärbt sein.

Die Entwicklung einer «guten» Zusammenarbeit ist also ein kleines, aber hoffnungsvolles Abenteuer, ein gemeinsamer Entdeckungsprozess, bei dem es darum geht, mit jemandem oder anderen zusammen die Komplexität der Welt ein Stück weit zu entzaubern, sich Fragen zu stellen und diesen gemeinsam auf den Grund zu gehen. Möglicherweise erkennen Sie dann, dass immer neue Rätsel aufgehen. Das ist Teil der Dynamik und ein Lernprozess auf den Sie sich in dem Masse einlassen können, wie es für Sie stimmt. Dann machen Sie es nämlich, gemäss der Analyse, genauso wie alle anderen auch.

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