Senf für Chefs: Drei Wörter, die mich ärgern

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Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21 gibt es drei Wörter, welche mich immer wieder ärgern: Reform – Einführung – top down. Zeit, diese aus meinem Vokabular zu streichen.

Immer wieder ist die Rede davon, der Lehrplan 21 sei eine Reform. Er ist es nicht. Er ist auch kein Reförmchen und kein Jahrhundertwerk. Ein Lehrplan ist ein Zeitdokument. Die Gesellschaft definiert von Zeit zu Zeit, was sie unter einer «Guten Schule» versteht und was gelernt werden soll. Für die Schulen ist er rechtliche Grundlage und Orientierungspunkt zugleich. Schulen entwickeln sich kontinuierlich, gehen ihren Themen nach und bestimmen selbst, welche Reformen sie machen. Der Lehrplan dient ihnen dabei als verbindlicher Orientierungspunkt. Also weg mit der Idee, der Lehrplan 21 sei eine Reform!

Das führt mich zum zweiten Begriff. Der Lehrplan muss nicht eingeführt werden. Vielmehr müssen sich die Schulleitenden und Lehrpersonen mit dem Inhalt auseinander und in Beziehung zur eigenen Tätigkeit und der Schule setzen. Dazu müssen sie den Inhalt und die Philosophie des Lehrplans kennen, den Entwicklungsstand der eigenen Schule erfassen und wissen, wohin sie sich entwickeln wollen. Es braucht keine Einführung, sondern eine kontinuierliche Auseinandersetzung.

Mein Lieblingswort ist top down. Die Vorstellung, dass von «oben» etwas nach «unten» kommt und an den Schulen ungefragt umgesetzt wird, ist naiv. Ein solches Handeln wäre zudem unprofessionell. Bildung kann nicht einfach hergestellt werden. Schulen folgen aus diesem Grund nicht einer Herstellungs-, sondern einer Ermöglichungslogik. Es gehört zur Professionalität von Schulleitungen und Lehrpersonen, dass sie die Inhalte des Lehrplans für sich übersetzen, sich dazu in Beziehung setzen und ihn in die eigene Praxis umsetzen.

Also: den Lehrplan bitte nicht als Reform einführen, sondern sich mit ihm professionell auseinandersetzen und in die Entwicklung der eigenen Schule integrieren.

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