Senf für Chefs: Auf die Kompetenz kommt es an!

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Gastblogger Niels Anderegg, Wissenschaftlicher Mitarbeiter PH Zürich:

Letzte Woche beschäftigten wir uns im CAS Pädagogische Schulführung mit dem Thema «Gute Schule». Aus verschiedensten Winkeln und Perspektiven haben wir unterschiedliche Schulen analysiert und diskutiert. Dabei sind uns immer wieder ungewöhnliche Lehrpersonen begegnet und wir fragten uns, wie man diese teilweise eigenbrötlerischen Personen als Schulleitung führen kann. Eine für mich diesbezüglich wichtige Erfahrung machte ich als Forscher an einer Siegerschule des Deutschen Schulpreises. In der ersten Lektion die ich besuchte, stand ein «Englischer Gentleman» vor der Klasse und referierte bühnenreif über die «passion of football» und «Steven Gerrard’s loyalty to Manchester United». Ich war beeindruckt und verwirrt gleichzeitig. Was für eine schillernde Person! Was für ein ungewöhnlicher Unterricht! Als ich die Schulleiterin später fragte, wie sie diesen Lehrer führt, antwortete sie mit einem lauten Lachen. Im Verlauf des Gespräches zeigten sich zwei Erfolgsindikatoren: Einerseits schätzt die Schulleiterin sowohl den Menschen als auch den Lehrer, so schillernd, besonders, ungewöhnlich er auch immer ist. «Diese Wertschätzung muss echt sein, auch in den Momenten in denen er mich nervt». Andererseits gibt ihm die Schulleiterin immer wieder Gestaltungsräume, setzt aber auch Grenzen. Es ist ein Aushandlungsprozess, den die Schulleiterin zuerst mit sich selber und dann mit dem Lehrer gehen muss. «Wir sind auf dem Weg und bereichern uns gegenseitig», meinte sie am Ende des Gespräches. Ich bin überzeugt, dass Schulleitungen von «Guten Schulen» einen Weg finden, sowohl die Kompetenz als auch die Unterschiedlichkeit aller Lehrerinnen und Lehrer für die gemeinsame Schule zu nutzen. Kompetenzorientierung und Diversität sind nicht nur Themen des Unterrichts, sie sind auch Themen einer pädagogischen Schulführung.

PS: In den ersten Jahren meiner Schulleitungstätigkeit war ich der Meinung, dass es die Leitungspersonen von «Reformschulen» mit ihrem Personal doch sehr viel einfacher haben. Hartmut von Hentig lehrte mich in seiner Autobiographie etwas anderes. Über seine Erfahrungen an der Laborschule schrieb er: «Aber was für Federfuchser, was für Hallodris hatten wir!» (Band 2, S. 348). Gerade die Auseinandersetzung mit diesen Federfuchser und Hallodris macht die «Gute Schule» und die «Gute Schulleitung» aus.

PPS: Wer sich im Thema Personalführung weiterentwickeln will: Im CAS Personalentwicklung hat es noch freie Plätze und man kann sich auch noch kurzfristig anmelden.

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