Spannungsfeld Hauswirtschaft

Gastbloggerin Monika Albrecht, Dozentin:
Was soll in einem Fach gelernt werden? Wie soll in einem Fach gelernt werden? Wie werden Antworten auf diese Fragen gefunden? Und wer legt diese wiederum fest?
Im Rahmen der Entwicklung des Lehrplans 21 galt es auf alle diese Fragen und viele weitere eine Antwort zu finden. Diesen Auftrag hatte die Projektgruppe, die den Lehrplan entwickelte. Nun geht es darum, den Lehrplan umzusetzen. Umsetzung beginnt mit Auseinandersetzung und diese wiederum erzeugt verschiedenste Spannungsfelder.
Ein solches Spannungsfeld stellt die Forderung nach mehr Praxis im Rahmen der Hauswirtschaft dar. Oft hört oder liest man, dass das Praktische in der Hauswirtschaft im Vordergrund stehen solle. Aber was versteht man denn unter dem Praktischen? Das Tätig sein an sich? Ist es das, was den Kern dieses Faches ausmacht? Wird dies der Forderung nach dem Aufbau von Kompetenz gerecht?
Für mich steht die Auseinandersetzung mit unserer Lebenswelt im Zentrum dieses Faches. Sie ist es, die meine Faszination für die Hauswirtschaft seit langem anfeuert. Die besondere Herausforderung des Unterrichts besteht daher darin, die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt zu rücken. Die Jugendlichen konsumieren, tätigen Einkäufe, nehmen Dienstleistungen in Anspruch, begegnen Menschen in ihren Arbeitswelten und erleben verschiedenste Formen des Zusammenlebens in Schule, Freizeit und Familie. Sind das nicht auch alles alltagspraktische Herausforderungen, denen wir gewachsen sein sollen? Die unsere Gesellschaft erhalten und bestimmen? Sollten die Jugendlichen nicht die Chance erhalten, sich mit dieser Vielfalt auseinander zu setzen? Die Entwicklung grundlegender Handlungskompetenzen, welche die Jugendlichen bei ihrer Alltagsgestaltung jetzt und in der Zukunft benötigen, sollte für die Unterrichtsentwicklung leitend sein. Gelingt es uns, handlungsorientierte Unterrichtseinheiten zu entwickeln, welche wiederum systematische Reflexionen beinhalten, kann das Gelernte erfolgreich auf weitere Lebenssituationen übertragen werden. Die Jugendlichen erwerben am Alltag orientierte Kompetenzen.
Daher sollten wir uns vielleicht nicht die Frage nach mehr oder weniger Praxis stellen. Vielleicht wäre es zielführender zu überlegen, ob wir eine andere Praxis bzw. ein anderes Verständnis des Praktischen brauchen. Der Lehrplan 21 regt uns zumindest zur Diskussion und Reflexion an.

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