«Müssen die Kinder in Zukunft das Matterhorn nicht mehr kennen?»

Gastbloggerin diese Woche: AdinaB, Primarlehrerin und Dozentin

Diese Frage stellte eine Teilnehmerin des Wahlmodules «Kompetenzorientiert unterrichten», das diesen Herbst an der PH Zürich das dritte Mal durchgeführt wurde. Sie konkretisiert einmal mehr das Verhältnis zwischen Wissen und kompetentem Handeln, das bereits im Blogeintrag von Gery Meyer thematisiert wurde.
Doch so eindeutig die Frage ist, so vielschichtig gestaltet sich ihre Beantwortung. Was heisst «kennen» genau? Ist damit gemeint, dass Schülerinnen und Schüler wissen, dass das Matterhorn 4478m hoch ist? Oder eher, dass Schülerinnen und Schüler lernen, dass das Matterhorn zu den höchsten Bergen der Alpen gehört und aufgrund seiner markanten Gestalt und seiner Besteigungsgeschichte weltweit bekannt ist? Oder heisst «kennen», dass Lernende diesen Berg auf einer Schweizer Landkarte lokalisieren und dessen exakte Höhe nachschlagen können? Oder eine Kombination dieser Fähigkeiten?
Im Wahlmodul wurde die Meinung zum Ausdruck gebracht, dass das Matterhorn zweifellos ein Inhalt darstelle, der mit Schülerinnen und Schülern im Fachbereich Natur Mensch Gesellschaft (NMG) thematisiert werden sollte. Die Dimension des Könnens sei mit dem Wiedergeben der exakten Höhe des Matterhorns oder dem Nachzeichnen seiner charakteristischen Form aber nicht erreicht. Für kompetentes Handeln seien vielmehr Fähigkeiten gefordert, die nicht das exakte Abrufen von Zahlen und Fakten, sondern einen handlungsorientierten Umgang mit der Schweizer Landkarte und das Lokalisieren und Vergleichen von Schweizer Gebirgen fokussierten.
Dieses Unterrichtsverständnis zeigt meiner Meinung nach exemplarisch auf, was kompetenzorientierten Unterricht ausmacht. Wie sehen das andere Blogleserinnen und -leser?

Ein Gedanke zu „«Müssen die Kinder in Zukunft das Matterhorn nicht mehr kennen?»“

  1. Harry K:
    Ich gestehe, ich habe während meiner 18 Jahre als Primarlehrer nie das Matterhorn «durchgenommen». Das ist jetzt aber nicht das Thema, das mich beschäftigt und auch keine Antwort auf deine Frage. Ich habe, angeregt durch deinen Blogbeitrag, darüber nachgedacht, was bei der Planung meiner M/U Stunden am Anfang stand, das Thema oder die Frage darüber, was die Kinder wissen bzw. können sollen. Meistens stand ein Thema im Zentrum, z.B. das Berner Oberland. Berner Oberland oder Zürcher Oberland waren meine Favoriten und nicht das Wallis, deshalb habe ich das Matterhorn trotz seiner Grösse und Gestalt vermutlich übersehen. Ausgehend von einem Landesteil haben die Schülerinnen und Schüler Lebensformen kennen gelernt und mit ihren eigenen oder anderen Lebensformen verglichen, die Beschaffenheit der Landschaft und sich daraus ergebende Anbaumöglichkeiten betrachtet. Damit habe ich versucht, den Schülerinnen und Schülern den Aufbau von Kompetenzen zu ermöglichen. Kompetenzen, die ihnen, so hoffte ich, vielleicht den Blick für ähnliche Betrachtungen öffnen, wenn sie einmal mit der Landschaft und den Menschen z.B. rund ums Matterhorn in Berührung kommen würden.
    Ich glaube, mit einem kompetenzorientierten Lehrplan würde ich heute vermehrt die Kompetenzen an den Anfang meiner Planung stellen, das Thema bliebe trotz allem der Dreh- und Angelpunkt für die Handlungsorientierung und den Aufbau von Wissen.

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