Eine gelungene LP21-Weiterbildung – Rezeptfrei?

Gastbloggerin Yvette Heimgartner, Dozentin PH Zürich:

Immer wieder wird bei uns in der Pädagogik nach Rezepten gefragt, in letzter Zeit natürlich besonders nach solchen für den richtigen Umgang mit dem Lehrplan 21. Leider taugen in der Pädagogik Rezepte selten, denn die Pädagogik ist zu sehr situationsabhängig. Den Lehrplan 21 gibt es folglich ganz rezeptfrei, Sie brauchen keinen Arzt zu konsultieren.

Um die Gemüter jedoch etwas zu beruhigen, liefere ich Ihnen ein paar Zutaten für eine erfolgreiche Weiterbildung zum Lehrplan 21:

Genug Schlaf

Kommen Sie ausgeschlafen zur Weiterbildung, denn so sieht die Welt gleich viel besser aus, trotz des neuen Lehrplans.

Never work before breakfast

Der Lehrplan 21 lässt sich auf schlecht auf nüchternen Magen verdauen. Beginnen Sie die Weiterbildung mit Gipfeli und Kaffee.

Funktionierende Technik

Ja, der neue Lehrplan wird hauptsächlich elektronisch verwendet. Nichts ist folglich unangenehmer, als wenn am Weiterbildungstag die Technik streikt. Brillieren Sie schon jetzt mit Ihrer Medienkompetenz.

 Schoggi-Pause

In den sauren Apfel beissen müssen Sie sowieso, aber Sie können sich den Lehrplan 21 auch versüssen…

Bequeme Sitzgelegenheiten

Ja, im Lehrplan 21 ist auch der Kindergarten integriert, aber müssen wir deswegen den ganzen Weiterbildungstag auf Zwergstühlen verbringen?

Offenheit

Offenheit ist die wohl wichtigste Zutat für eine erfolgreiche Weiterbildung und diese wird bereits im alten Lehrplan GROSSGESCHRIEBEN!

Welche Zutaten braucht es noch?

Start Pilot Onlineangebote Lehrplan 21 – Ich bin eingeloggt

HarryK:

Am 6. Juni 2017, um 8.30 Uhr, loggen sich in Wald ZH die ersten Lehrpersonen im Kanton Zürich in die Online-Lerneinheit «Grundlagen zum Lehrplan 21 und zur Kompetenzorientierung im Unterricht» ein. Sie beteiligen sich am Pilot zur Einführung des neuen Weiterbildungsformates «Online-unterstützte Weiterbildung für Lehrpersonen». In einem ersten Schritt gilt es, sich auf der Ilias-Plattform anzumelden. Das geht nicht ohne die eine oder andere Aufregung: «Wo finde ich den Ilias-Zugang? Ist mein Studentinnen-Passwort noch gültig? Hast du…». Wer es nicht schafft, wird von «online»-erfahrenen Kolleginnen und Kollegen unterstützt, indem sie mit ihnen Schritt für Schritt die Anmeldeprozedur durchgehen.

Insgesamt haben sich vier Schulen für die Pilotierung angemeldet, zwei Primar- und zwei Sekundarschulen. Ende Juni werten wir die Rückmeldungen der Lehrpersonen und Schulleitungen für die Weiterentwicklung der Angebote aus. Danach bleiben für eventuelle Anpassungen rund eineinhalb Monate bis zum offiziellen Start der online-unterstützen Weiterbildung.

Einige Lehrpersonen in der Sekundarschule Wald bleiben im Computerraum und setzen sich Kopfhörer auf, damit sie sich ungestört die Erklärungen zu den Online-Lerneinheiten anhören können. Andere haben sich alleine, zu zweit oder in kleinen Gruppen in Schulzimmer zurückgezogen. Die Lehrpersonen werden den ganzen Tag dazu nutzen, sich online in unterschiedliche Themen zu vertiefen und einzelne Sequenzen daraus mit Kolleginnen und Kollegen zu besprechen.

Die Primarschule Bubikon startet am Nachmittag. Die Lehrpersonen nehmen sich eine Stunde Zeit, um erste Erfahrungen mit dem Online-Lernen zu machen. Auch in Bubikon gehen die Lehrpersonen unterschiedlich mit dem neuen Weiterbildungsformat um. Zwei Gruppen schauen sich mit dem Beamer den Film an, der den Aufbau einer Kompetenz über die drei Zyklen zeigt. Andere sitzen in ihrem Schulzimmer und bearbeiten die Aufgaben individuell in ihrem eigenen Tempo. Nach diesem gemeinsamen Einstieg organisieren die Lehrerinnen und Lehrer ihre Lerneinheiten selber. Dafür haben sie rund drei Wochen Zeit.

Wir sind gespannt, welche Erfahrungen die Schulleitungen und die Lehrpersonen uns zurückmelden.

zum Portal: www.phzh.ch/LP21-online

Schulleitungsweiterbildung Lehrplan 21: Vorbereiten lohnt sich!

ChristineW:

Wir haben während der ersten Weiterbildungsveranstaltung Schulleiterinnen und Schulleiter gefragt, welche Tipps sie ihren Kolleginnen und Kollegen zur Planung der Weiterbildung geben würden. Hören Sie sich die Audiodateien an und lassen Sie sich inspirieren.

Interview 1:

Interview 2:

Interview 3:

Senf für Chefs: Die Kompetenz der zwei Perspektiven

Gastblogger Niels Anderegg, Dozent PH Zürich:

Wie viele Schulleitende habe auch ich mich in den letzten Wochen und Monaten mit dem neudefinierten Berufsauftrag und dessen Umsetzung auseinandergesetzt. Dabei interessierte mich, wie die einzelnen Schulleitenden diesen umsetzen und warum sie dies auf ihre Art und Weise tun. Dabei wurde mir wieder einmal bewusst, dass «gute Schulleitungen» eine doppelte Kompetenz brauchen: Sie müssen sowohl in einer langfristigen, wie auch in einer kurzfristigen Perspektive denken.

Bei der langfristigen Perspektive geht es um das «grosse Ganze», um die grundsätzliche Idee hinter dem Berufsauftrag. Es geht um das Einordnen und Verstehen des neudefinierten Berufsauftrages im Kontext der Entwicklung der Profession und der heutigen Schule. Es geht um die Frage nach dem Sinn. So kann es beim neudefinierten Berufsauftrag darum gehen, dass die Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr für den Unterricht in einer bestimmten Klasse, sondern für die Arbeit an einer Schule angestellt werden. Oder, dass nicht mehr der Kanton, sondern die Schulleitung vor Ort den Einsatz der einzelnen Personen steuert.

Bei der kurzfristigen Perspektive geht es darum, dieses «grosse Ganze» mit der Entwicklung an der eigenen Schule zu verknüpfen, gewissermassen einzuverleiben, um dann zu schauen, welches der nächste konkrete Schritt sein kann. Dazu braucht es Pragmatismus, manchmal Kreativität und Mut, sicher aber Wissen, Wollen und Können.

Oder anders ausgedrückt: eine «gute Schulleitung» muss wissen wohin sie will, warum sie dorthin will und welches der nächste Schritt ist, den sie mit ihrer Schule geht. Peter Senge hat dazu die Metapher des Gummibandes verwendet. Wenn die Distanz zwischen dem «wohin ich will» und dem «dort wo ich stehe» eine gute Spannung erzeugt, dann gibt es Energie, diesen Weg zu gehen. Wenn die Distanz zu gross ist, zerreisst es den Gummi. Und wenn sie zu klein ist, dann fällt er einem aus den Fingern.

Ich glaube, dass dies generell für Entwicklungen an Schulen, also auch für den Lehrplan 21, gilt. Am Donnerstag beginnen die ersten Weiterbildungen für die Schulleitenden zum Lehrplan 21. Ein Ziel für diese beiden Tage an der PH könnte sein, seinen Kompass zu richten, das «grosse Ganze» zu definieren, und zu schauen, dass der Gummi zwischen den Fingern eine energievolle Spannung bekommt.

PS: Am Freitag, 27. Oktober 2017 (Nachmittag) organisiert die PHZH zusammen mit dem VSLZH eine Tagung zum neudefinierten Berufsauftrag. Informationen dazu finden sie hier.

«Geld zu verkaufen» – Finanzkompetenz

KayH:

@ Atlantis Verlag 2017

Tausende verschiedene Kompetenzbegriffe geistern durch die Medien, hier nun ein weiterer: Finanzkompetenz. Unsere Illustratorin Claudia de Weck hat im Rahmen des Finanzkompetenz-Angebotes von Pro Juventute zusammen mit Lorenz Pauli ein Bilderbuch gestaltet. 4- bis 8-Jährige finden darin Informationen zu Geld und Geldfluss, Schulden, Teilen und Handeln, Kaufen und Verkaufen und vieles mehr, anschaulich verpackt in die Geschichte von Alma und Milan, die zusammen eine Strickleiter für ihr Baumhaus basteln wollen.

@ Atlantis Verlag 2017

Schulden und die Schuldenfalle ist heutzutage schon ein grosses Thema bei Kindern und Jugendlichen. Da das Thema Geld sehr abstrakt und komplex ist, empfinden vor allem jüngere Kinder es als schwer verständlich. Das Bilderbuch von Pauli/de Weck soll den Kindern helfen, das Thema Geld von verschiedenen Seiten zu betrachten, es neugierig und auch kritisch zu hinterfragen sowie sich mit Wertvorstellungen im Zusammenhang mit Geld zu beschäftigen.

@ Atlantis Verlag 2017

Zum Bilderbuch kann kostenfrei ein unterstützender Kommentar für Lehrpersonen heruntergeladen werden, der wertvolle Informationen enthält zu den Kompetenzstufen des Lehrplans 21, Lernzielen, Hintergrundinformationen, Fragen für den Unterricht, etc.

Hier kann das Bilderbuch bestellt und der Kommentar für Lehrpersonen heruntergeladen werden.

«Wänn sie i dine Arme ischlaft, weisch, dass sie dir vertraut.» – Sexualkundlicher Unterricht

«11 Jahre anpacken, umpacken, weiterpacken»

 

Gastblogger Lukas Geiser, Wissenschaftlicher Mitarbeiter PH Zürich:

zum Film (Webseite «Sexualkundlicher Unterricht»)

«Wenn sie i dine Arme ischlaft, weisch, dass sie dir vertraut.» Diese Aussage eines Jungen im Film – Die Sache mit der Liebe… – verdeutlicht, wie sich die Jugendlichen der Vertrauensbildung in einer Beziehung nähern. Sie formulieren Aspekte, die für sie in einer Beziehung wichtig sind. Die Kompetenz – Die Schülerinnen und Schüler können Beziehungen, Liebe und Sexualität reflektieren und ihre Verantwortung einschätzen. – dient als Ausgangslage, ein wichtiges Lebensthema aufzugreifen. Die Themen in dieser Kompetenz sind sehr vielfältig. Es geht um Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeit, um Wissen über andere Vorstellungen, Rechte und auch um das Nachdenken über sich selber. Das Erarbeiten dieses Wissens und dieser Fähigkeiten beginnt nicht erst in der dritten Sekundarschule, sondern vom Lebensstart jedes Menschen an.

Die Qualität der Schule besteht darin, dass sich die Schüler und Schülerinnen unter gleichalterigen austauschen können, von einander Erwartungen und Haltungen erfahren und diese mit ihren eigenen Vorstellungen abgleichen und reflektieren können.

Die Aussagen im Film, dass es scheinbar bei Jungen mehr um Sex geht, die Mädchen häufiger «klammern», führen oft (bei Abwesenheit einer Kamerafrau und eines Tontechnikers) zu heftigen Diskussionen und die Lehrperson kann sich mit der Klasse mit normativen Geschlechterrollen auseinandersetzen.

Dann steht da die Frage im Raum, was Verantwortung und Vertrauen in einer Beziehung überhaupt heisst. Im Film versuchen die Jugendlichen Antworten zu geben. Das ist nicht immer einfach, doch durch diese konkrete Beschreibung in der oben erwähnten Kompetenz kann genau dies geübt und reflektiert werden.  Wenn dieses Arbeiten an Kompetenzen dazu führt, dass Jugendliche ihre Beziehungen respektvoll, gewaltfrei und gleichberechtigt gestalten, dann ist schon Vieles erreicht.