Schachfiguren aus dem 3D-Drucker

Während der Ausbildung zur Lehrperson an der PH Zürich absolvieren die Studierenden diverse Praktika an Schulen. Kris Rüttimann ist für sein siebenwöchiges Quartalspraktikum an die Schule zurückgekehrt, an der er einst selbst Schüler war. Für seinen Unterricht im Fach nicht-textiles Werken hat er ein aussergewöhnliches Projekt auf die Beine gestellt.

Nach seiner Lehre zum Polymechaniker entschloss er sich dazu, mit einer Non-Profit-Organisation, die Freiwilligen die Möglichkeit bietet im Ausland als Lehrer zu arbeiten, einige Monate ins chinesische Zhong Shang zu reisen und dort Englisch zu unterrichten. Dort fand er seine Berufung und entschloss sich nach seiner Rückkehr für ein Studium an der PH Zürich.

Gemeinsam mit der von ihm im Quartalspraktikum unterrichteten Klasse hat er nun Schachfigurensets entworfen. Bewundernswert ist nicht nur, dass die Klasse die Schachbretter in mühsamer Handarbeit aus Holz fertigt. Die Figuren kreieren die Schülerinnen und Schüler mittels innovativer 3D-Technologie am 3D-Scanner und 3D-Drucker. Beide Maschinen stellte Matthias Schraner, Dozent und Fachkoordinator am Bereich Design und Technik an der PH Zürich für die Dauer des Projekts der Schule Elsau-Schlatt zur Verfügung.

Lehrpersonenausbildung am Puls der Zeit

Was für viele noch immer einen Hauch von Science Fiction hat, ist in der Industrie eigentlich längst Standard und findet in den verschiedensten Bereichen Anwendung. So werden schon heute viele Objekte, beispielsweise Prothesen, mittels 3D-Technologie produziert und industrielle Produktionsprozesse von computergestützten Maschinen bewältigt. In Japan können sich werdende Eltern sogar ein auf dem Ultraschallbild basierendes 3D-Porträt ihres ungeborenen Kindes «ausdrucken» lassen.

Im Rahmen einer internen Weiterbildung zum Thema Medienbildung am Bereich Design und Technik machte Kris Rüttimann  neulich die teilnehmenden Dozierenden mit der 3D-Technologie sowie ihren Einsatzmöglichkeiten im Unterricht vertraut. Zur Veranschaulichung gewährte er ihnen Einblicke in sein Schachfigurenprojekt.

«Studentischen Projekte, die innovative Technologien anwenden, finde ich immer sehr interessant; sie machen mir grosse Freude», sagt Matthias Schraner. Sie würden Schülerinnen und Schülern dabei helfen, Hemmungen gegenüber der Welt der Technik abzubauen. Die Voraussetzung dafür ist, dass es Lehrpersonen gibt wie Kris Rüttimann, die sich dafür und für den Werkunterricht begeistern. Dies komme besonders den Schülerinnen und Schülern zugute, die eine handwerkliche Lehre anstrebten. Die grosse Mehrheit der Menschen mit handwerklichen Berufen komme früher oder später mit technologischen Verfahren in Berührung. Brächten Lehrpersonen ihre Schülerinnen und Schüler frühzeitig damit in Kontakt, könnten sie die spätere Berufswahl der Jugendlichen positiv beeinflussen und einen Beitrag zu ihrer technischen Allgemeinbildung leisten.

Schachfiguren aus Maisstärke

Die Klasse fertigte die Vorlagen für die zwei Figurensets zunächst aus Gips oder Knetmasse und vermass sie dann mithilfe des 3D-Scanners. Das eine Set besteht aus schwarzen und weissen Figuren, die Kirschen, Bananen, Erdbeeren, Äpfel und andere Früchte abbilden. Für das zweite Set liessen sich die Schülerinnen und Schüler von Pokémon inspirieren, die durch das gleichnamige japanische Computerspiel bekannt gewordenen Fantasiewesen. Fertige Figurenvorlagen tastet der Laser des Scanners ab; der PC verarbeitet die damit erhobenen Daten. Nach der Vermessung der Figuren wird der Druckauftrag erteilt; Schicht für Schicht entstehen die von den Jugendlichen entworfenen Schachfiguren. Der eingesetzte Kunststoff ist biologisch abbaubar und wird aus Maisstärke gewonnen

Kris Rüttimann belässt es nicht bei der blossen Produktion der Schachfigurensets. Er erarbeitet zusammen mit der Klasse auch die Einsatzgebiete von 3D-Technologie, erörtert die Geschichte des Schachs und bringt den Jugendlichen die Regeln des Spiels bei. Das vermittelte Wissen fragt der angehende Lehrer am Ende des Praktikums in einem schriftlichen Test ab. «Sie werden daheim sicherlich Schach spielen», vermutet er. «Zumindest im Unterricht wollten sie es ununterbrochen tun», sagt er und lacht.

Generationsübergreifende Medienbildung mit den CompiSternli

Nach einer längeren Pause ist das preisgekrönte Projekt CompiSternli wieder zum Leben erwacht. CompiSternli ist eine Non-Profit-Organisation im Bereich Medienbildung, die sich für intergenerationelles Lernen von Medienkompetenzen einsetzt. Die so genannten CompiSternli sind engagierte Schülerinnen und Schüler, die im Umgang mit Tabletcomputern versiert sind und älteren Personen die Computerwelt näher bringen wollen.

CompiSternli als Brückenbauer zwischen Generationen

Gegründet wurde der gleichnamige Verein 2006 von Rahel Tschopp, Dozentin für Medienbildung an der PH Zürich. Als Dozentin von Weiterbildungsseminaren für Lehrpersonen sah sie so manche von ihnen am Umgang mit dem Computer verzweifeln. Nicht selten fiel dabei der Satz «Wenn ich das nicht begreife, wie sollen es dann erst die Schülerinnen und Schüler verstehen?». Diese Ausgangslage wurde zur zündenden Idee für das Projekt. Rahel Tschopp fand Gefallen am Gedanken des Generationendialogs und erarbeitete mit 12 Mittelstufenkindern ein Konzept, das älteren Personen den Einstieg in die digitale Welt erleichtern sollte. Die am Projekt teilnehmenden Schülerinnen und Schüler wurden so zu kompetenten und kritischen Medienanwenderinnen und Medienanwendern ausgebildet. In die Arbeit mit den älteren Personen konnten die CompiSternli zudem Geduld und Empathie einbringen, ihre Sozialkompetenzen erweitern und lernen wozu sie fähig sind, wenn man ihnen Verantwortung und Raum für Ideen gibt.

Rahel Tschopp organisiert die iPad-Kurse für Seniorinnen und Senioren zusammen mit der Privatschule «Lern mit» in Wohlen AG. Interessierte konnten sich kürzlich an der PH Zürich in einem Schnupperkurs informieren und sich ein Bild von dem Angebot machen. Vier der äusserst zahlreich erschienenen Seniorinnen waren Barbara, Emeli, Silvia und Iside. Die Schülerinnen und Schüler erklärten ihnen in sieben aufeinander aufbauenden Abschnitten die Grundfunktionen des Tabletcomputers.

Swipen, Saven, Surfen

Es wurden Fotos geschossen und bearbeitet, Videos gedreht und Begriffe wie «App» oder «Home Button» erläutert. Neben dem Umgang mit dem iPad konnten die Teilnehmerinnen digitales Vokabular kennenlernen. Mit den vielen Anglizismen, die für die Kinder zur Alltagssprache gehören, wussten die Seniorinnen wenig anzufangen. Also wurde das iPad fortan statt durch «swipen» durch «wischen» bedient, Fotos wurden «gespeichert», nicht «gesaved» und als es darum, ging mit dem Browser im Internet zu «surfen», erklärten die Kinder das Wort damit, Informationen aus dem Internet zu recherchieren.

Teilnehmerin Barbara Villiger entschied sich zusammen mit den CompiSternli Luca und Laurin im Internet nach dem Strohmuseum in Wohlen zu suchen, wo es so schöne Strohgeflechte gäbe. Umso erstaunter war sie, als ihr die Suchmaschine google wegen eines Tippfehlers das Strommuseum im deutschen Recklinghausen als Suchergebnis vorschlug. Emeli Voit geriet über die Kommunikationsfunktionen des iPads in Verzückung. Besonders die Videotelefonie-App Facetime, die ihr die CompiSternli Cindy und Linus mit vielen Beispielen erklärten, faszinierte sie. «Das ist ja toll! Kann man euch nicht mieten?», fragte sie die Kinder lachend. Silvia Hess staunte über die SBB-App, die ihr mühelos und binnen Sekunden Reisepläne zur Verfügung stellte, Iside Erismann erfreute sich an der App des SRF, die Medieninhalte auch nach dem Ausstrahlungstermin noch sieben Tage lang in einer digitalen Mediathek zur Verfügung stellt.

Die Neugierde seitens der Seniorinnen war ebenso gross wie ihre Bewunderung für die Kinder, die «mit grossem Eifer», wie Iside Erismann bemerkte, Brücken zwischen den Generationen schlugen. Ihren eindrücklichen Beispielen für den Einsatz digitaler Medien im Alltag ist es zu verdanken, dass zwei der Teilnehmerinnen sich nach dem Kurs sogar erkundigten, wo man denn so ein iPad kaufen könne.

Die PH Zürich bedankt sich bei CompiSternli und Teilnehmenden des Schnupperkurses und wünscht weiterhin viel Spass bei der Erkundung neuer digitaler Wege.

 

Mit veganer Küche zu mehr Nachhaltigkeit

Bereits zum dritten Mal findet dieses Jahr an Zürcher Hochschulen eine Nachhaltigkeitswoche statt. Organisiert werden die Anlässe von ca. 60 Studierenden der PH Zürich, ZHAW, ZHdK, Uni und ETH Zürich. Das Programm ist in fünf Tagesthemen gegliedert. Am zweiten Tag drehte sich alles um das Thema Faulheit. Im Angebot stand dabei unter anderem auch ein veganer Kochkurs. Dieser fand in den Hauswirtschaftslehrräumen der PH Zürich statt. Das Interesse daran war gross: Über 80 Personen hatten sich ursprünglich angemeldet. Aus Kapazitätsgründen konnten jedoch nur 24 Studierende teilnehmen.

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PH-Studentinnen Cristin Eiholzer (l.) und Lea Schenker. Foto: Sarah Paciarelli

Vegan kochen ist aufwendig, kompliziert und ob es am Ende schmeckt, ist fraglich. Das seien die gängigsten Vorurteile gegenüber veganer Küche, erklären die PH-Studentinnen und Organisatorinnen des veganen Kochkurses, Cristin und Lea, von denen keine vegan oder vegetarisch lebt. Der Kurs soll das Gegenteil beweisen: «Eigentlich ist vegan kochen voll easy», sagt Cristin. Die Message der beiden ist klar: Das Umgehen nachhaltiger Ernährung ist nicht selten die Folge von Bequemlichkeit und Faulheit, denn auf tierische Produkte zu verzichten bedarf nicht mehr als einer Prise Umdenken und einer Messerspitze Kreativität. Mit Sacha Schlegel, veganem Koch und Mitglied des KochKollektivs, sowie seiner Frau Ursula, einer Hauswirtschaftslehrerin, haben sich Cristin und Lea für den Kurs erfahrene Unterstützung ins Boot geholt.

«Ich bin weder vegetarisch noch vegan. Ich bin hier, um meine Freundin zu unterstützen.» Mit diesen Worten stellt sich der ETH-Student Sandro vor. Die Gründe für die Kursteilnahme sind so unterschiedlich wie das auf den Arbeitsplatten der Kochinseln bereitliegende Obst und Gemüse: immer teurer werdende Fleisch- und Milcherzeugnisse, philosophische Überlegungen, wie zum Beispiel ethische Bedenken gegenüber dem Töten von Tieren, Laktoseintoleranz, Abneigung gegenüber Massentierhaltung, Inspiration für neue Rezepte etc. Was alle Teilnehmenden verbindet, ist die Neugierde und der Wunsch danach, durch Verzicht auf tierische Produkte, ob dauerhaft oder ab und zu, der Umwelt etwas Gutes zu tun.

«Veganer können sehr penetrant sein», bedauert Schlegel, der eigentlich studierter Informatiker ist, während seines Einführungsvortrags. Er versteht seine Tätigkeit als «politisches Kochen», da fleischfreie Ernährung hilft die CO2-Emissionen zu senken und somit aktiv einen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Vegane Ernährung ist ein Politikum, da es für globale Abhängigkeiten sensibilisiert, für Themen wie fair trade, food waste, Welthunger sowie Ausbeutung ein Bewusstsein schafft und sich zum Beispiel mit Kontroversen um Konzerne wie Monsanto befasst, der durch genmanipuliertes Saatgut ganze Ökosysteme durcheinander bringt.

Schlegel, der im fünften Jahr vegan lebt fühlt sich als Veganer besser. Physisch wie moralisch. Trotzdem betont er, dass veganes Leben eine sehr persönliche Entscheidung sei, die ebenso respektiert werden müsse wie die Entscheidung gegen ein konsequent veganes oder vegetarisches Leben. Eines ihrer gemeinsamen Kinder sei selbst Fleischesser, das andere ernähre sich vegetarisch, wirft seine Frau Ursula ein. Statt veganer Ideologie tischt er Fakten auf, zum Beispiel, dass 60 Prozent der Getreideernte darauf verwendet werde, für die Fleischproduktion vorgesehene Tiere zu nähren. Auch klärt er auf und betont, dass bio nicht unbedingt nachhaltig ist, da viele bio-Produkte z.B. erst aus fernen Ländern importiert werden müssten. Der Bauer von nebenan sei deshalb oft die bessere, weil regionale und saisonale Alternative.

«Wie beuge ich bei veganer Ernährung – besonders als Frau – Eisenmangel vor?» fragt eine der Studentinnen.  «Sind genmanipulierte Pflanzen für den Menschen gesundheitsschädlich?», möchte ein Teilnehmer wissen. «Ist vegan eigentlich automatisch gesund?» fragt ein anderer. Nachdem Fragen und Tipps, wie zum Beispiel mit Vitamin B12 angereicherte Zahnpasta, im Plenum diskutiert worden sind, präsentiert Ursula das «Faulheitsmenü».

Im Angebot stehen zwei Menüs mit jeweils drei Gängen: Zürcher Geschnetzeltes aus Seitan und Tofu-Sellerie-Rübli-Hamburger sind die Hauptgänge. Dazu werden Rösti, Pommes Frites, Randen-Apfel-Salat, ein grüner Salat und gedämpfte Rübli serviert. Zum Dessert gibt es Schoggimousse, Pancakes und Apfelstrudel.

Die Stimmung unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist heiter und erwartungsfroh und kaum ist die Einführung von Sacha und Ursula Schlegel abgeschlossen, beginnen sie mit den Zubereitungen. Es wird geschält, geschnibbelt, gerieben, gehackt, gerührt und gebraten, während die zwei Profis von Kochinsel zu Kochinsel gehen, Tipps geben und selbst mithelfen. Die aufsteigenden Aromen lassen schon bald erahnen, wie lecker die veganen Gerichte am Ende der Veranstaltung schmecken werden.

Stage professionnel in der Romandie II

Studierende der Sekundarstufe I mit Fremdsprachen im Fächerprofil absolvieren während ihres Studiums ein Unterrichtspraktikum im jeweiligen Sprachgebiet. Studentin Anina Widmer hat in einem früheren Beitrag ihre Erwartungen an das stage professionnel geschildert. Nach ihrer Rückkehr aus dem Kanton Neuenburg hat sie uns Spannendes zu berichten gehabt.

Frau Widmer, wie war es nach einer fast 6-monatigen Pause wieder Französisch zu sprechen – und das auch noch vor einer fremden Klasse?
Es war so, wie nach einem Jahr wieder aufs Snowboard zu steigen. Gewisse Regeln musste ich anfänglich in Erinnerung rufen, grammatikalische Regeln beispielsweise. Ich musste zunächst meine sprachliche Ausrüstung ein bisschen aufpolieren und das Vokabular in Erinnerung rufen. Daraufhin konnte ich Vollgas geben. Ça roule, maintenant, ça roule, murmelte ich nach zwei Tagen still vor mich hin.

Hat sich Ihr Französisch verbessert?
Meine Französischkenntnisse haben sich definitiv verbessert. Zum einen habe ich grosse Fortschritte in der Aussprache gemacht – als ursprüngliche St. Gallerin benötigt man ein bisschen Training, ehe man das ‚j’ weich aussprechen kann. Zum anderen konnte ich meinen Wortschatz auffrischen. Die Verständigung auf Französisch fiel mir leicht, war ich doch von der Sprache umgeben. Die aufgeschnappten Wörter konnte ich gleich aktiv anwenden.
Allerdings hätte ich meinen Wortschatz gerne etwas mehr erweitert. Da das Vokabular aus dem Wortfeld ‚Schule und Bildung’ während der Schulzeit, an der Universität wie auch an der PH Zürich ohnehin stets zur Anwendung kommt, war ich fürs Unterrichten bereits ziemlich gut gewappnet. Ein Praktikum in einem anderen Umfeld, z.B. in einem Unternehmen oder bei einer Tageszeitung, hätte sicher mehr zu einer Wortschatzerweiterung beigetragen.

Das stage professionnel dient neben dem Erwerb von Berufserfahrungen und der Vertiefung der Fremdsprachenkenntnisse auch dem Kulturaustausch. Wie war es bei «den Welschen»?
Die Bevölkerung ist ethnisch und kulturell sehr heterogen. Das erkennt man z.B. an den Namen der Kinder, die Melik, Senat oder Iara heissen. Der unterschiedliche kulturelle Background der Kinder scheint auf ihr Miteinander keinen Einfluss zu haben und erinnerte mich an Michael Jacksons berühmte Songzeile „no matter if you’re black or white“. Dieses Bild hat sich in Biel wie auch in der Schule in Le Landeron positiv bestätigt. Angenehm aufgefallen ist mir zudem, dass ‚die Welschen’ in der Öffentlichkeit weniger mit ihren Smartphones beschäftigt sind als in Zürich. Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen aufmerksamer sind, stärker aufeinander Acht geben und mehr miteinander kommunizieren. Von meinem Mitbewohner in Biel, einem Musiker und echtem (Über)Lebenskünstler, habe ich gelernt, bewusster zu konsumieren und mit weniger Geld zu wirtschaften. Auf den Kauf unnötiger Kleinigkeiten habe ich verzichtet. Den morgendlichen Kaffee, den ich in Zürich üblicherweise to go kaufe, habe ich zum Beispiel durch selbst gebrühten ersetzt. Wahnsinnig beeindruckt und erfreut hat mich zudem das kulturelle Leben in Biel. Das Angebot ist für eine Stadt dieser Grösse unglaublich vielfältig.

Welches sind Ihre wichtigsten Erfahrungen, die Sie beim Unterrichten gemacht haben?
Als Praxiserkenntnis nehme ich mit, dass es für französischsprachige Jugendliche sehr spannend und amüsant ist, einen Exkurs zum Thema Mundart zu machen, insbesondere weil die Aussprache eines ‚k’ oder ‚ch’ bei ihnen dazu führt, dass ihnen beinahe das Trommelfell platzt. Ausserdem ist mir aufgefallen, dass gerade grammatikalische Regeln von Jugendlichen, die Französisch als Muttersprache sprechen, anders gelernt werden, als ich sie mir als Schweizerdeutsch-Muttersprachlerin aneigne. So kam ich beispielsweise zur Erkenntnis, dass der Subjonctif nicht immer so angewendet wird, wie ich es gelernt habe. Mein didaktisches Instrumentarium habe ich während des stage professionnel nicht wirklich erweitern können. Das lag vermutlich daran, dass sich das didaktische Credo in Neuenburg sehr stark vom Zürcher unterscheidet – mir persönlich entspricht das Zürcher Vorbild viel mehr.Die Schule an der ich mein stage absolvierte, ist Teil des Harmos-Systems. Die Harmonisierung zog nach sich, dass neue, didaktisch und fachlich hervorragende Lehrmittel erschienen sind. Allerdings brachte sie auch einen Bürokratieapparat mit sich, der Vieles sehr strikt regelt. Eine Folge davon ist z.B., dass Elternarbeit dort fast ein Fremdwort zu sein scheint.

Welche Praxiserkenntnisse werden Sie in Zukunft in Ihrer Unterrichtsgestaltung berücksichtigen?
Aus Le Landeron nehme ich mit, dass meine Art des Unterrichtens sehr innovativ ist und den Jugendlichen Verantwortung abverlangt, aber auch Autonomie gewährleistet. Dies hat mich darin bestärkt, meinen Unterrichtsstil auch in Zukunft beizubehalten. Autonomie und Verantwortung sind wichtige Werte für mich. Ganz im Sinne des aufklärerischen Credos Liberté, Égalité, Fraternité (zu dt. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) möchte ich sie in meiner Lehrpraxis verankern. Die Arbeiten des Soziologen Zygmunt Bauman, der die Bedeutung von Toleranz und Akzeptanz in einer immer komplexer werdenden Welt untersucht, haben mich ebenfalls in meiner Unterrichtsgestaltung beeinflusst. Der Besuch des Freifachs ‚Chor’ in Le Landeron hat mich zusätzlich motiviert, mich im Bereich des Möglichen aktiv und praktisch für mehr Musik in der Schule einzusetzen. Aus der Zeit in Neuenburg nehme ich auch einzelne Chansons mit, die ich nach den Sportferien in meinen Musikunterricht integrieren werde.

Bielersee oder Lac de Bienne
Bielersee oder auch Lac de Bienne

Während des stage wurde Anina Widmer von Herrn Claude Beyeler, Lehrer an der «L’école aux Deux thielles» in Le Landeron, betreut. Auch ihn haben wir kontaktiert und ihn darum gebeten, uns zwei Fragen zu beantworten.

Welche Bedeutung hat das fremdsprachige Unterrichtspraktikum im Rahmen der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung für Sie? 
Ihre Frage ist schwer zu beantworten. Ich würde sagen, dass es vor allem dazu dient zu verstehen, dass eine Fremdsprache jenseits des Schriftlichen und Theoretischen existiert. Jede Sprache hat Elemente, die es nur im Gesprochenen, nicht aber im Geschriebenen gibt, eine Alltagssprache sozusagen. Das ist es, was die Lernenden dazu bringt, neue und regionale Ausdrücke und Ausdrucksweisen zu erlernen.

Welches Charakteristikum von Anina Widmers Unterrichtsgestaltung war in der Klasse besonders gern gesehen?
Offenbar haben die Schülerinnen und Schüler grossen Gefallen an einer Praktikantin gehabt, die sich trotz ihrer sympathischen kleinen Fehler und ihres Akzents aktiv ins Unterrichtsgeschehen eingebracht hat. Es sind die kleinen sprachlichen Unkorrektheiten, die die Schwierigkeit des Fremdsprachenerwerbs aufzeigen – sogar auf dem hohen Level einer Studentin gegenüber Schülern, die auf Deutsch überwiegend Stammeleien hervorbringen.

Technikwoche 2015 an der PHZH

Klappschaltung
Löten einer elektronischen Schaltung

47 Studierende des Fachbereichs Natur und Technik auf der Sekundarstufe I befassten sich Ende Januar eine Woche lang intensiv mit der Bedeutung der Technik für unsere Gesellschaft. Im Zentrum stand ein Firmenprojekt, für das sich die Studierenden einerseits mit einer Technik auseinandersetzten und andererseits ein neues, innovatives und nützliches Produkt erfanden.

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Formgebende Konstruktion

Süsse Schokoladenlämpchen, die nicht nur eine kulinarische Erleuchtung versprachen, clevere Serviertablette, welche die Drinks so richtig zur Geltung brachten oder doch lieber eine pflegende Crème in der schicken Bambusverpackung? Dies und noch viel mehr präsentierten die jungen StartUp-Unternehmerinnen und  -Unternehmer der PH Zürich am Ende der Technikwoche.

Technik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, sie ist allgegenwärtig. Dies fordert von der Gesellschaft, dass sie damit umgehen kann, Türen öffnet und Grenzen setzt, die nötigen Fachkräfte hervorbringt, welche diese Technik auch unterhalten und weiterentwickeln können.

Genau auf diese Gegebenheit wurden die Studierenden der Naturwissenschaften in dieser Woche sensiblisiert. Prof. Gassert von der ETH präsentierte sein Forschungsfeld, eine Kombination von Robotik und Neurowissenschaften um technische Hilfsmittel für die Reha zu erschaffen. Rudi Neuberth verwickelte die Studierende in spannende Dilemma-Situationen mit seinem Referat zu «Technik und Ethik».

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Positivabdruck der Holzform

Auf dem Programm standen zwei Besuche von Unternehmen. Ein ganz besonderer Einblick bot der 26-jährige Jungunternehmer Andreas Guggenbühl in seiner Firma «Selfnation». Eindrücklich zeigte er auf, wie er mit seinem Team den Onlinehandel von Jeans revolutionierte und mit einer speziellen Technik das Problem der massgeschneiderten Jeans gelöst wurde.

Im «Go-Tec!»-Wissenslabor in Neuhausen arbeiteten die Studierenden mit den Lehrlingen zusammen und liessen sich von der Begeisterung für Technik anstecken.

SchokoLEGO
Legoähnliche Schokosteine

Nebst den verschiedenen Inputs und dem Entwickeln der Firma und den entsprechenden Produkten war aber auch die schulische Umsetzung eine wichtige Aufgabe der Studierenden. Sie entwickelten mit einfachen Mitteln verschiedenste technische Apparate, mit denen sie den Schülerinnen und Schülern Technik lustvoll vermitteln können. So entstanden Beamer für Smartphones, Raketenfahrzeuge, einfache Destillationsapparate, elektrotechnische Problemlöseaufgaben und vieles mehr.

Die Technikwoche wird vom Fachbereich Natur und Technik in enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Design und Technik seit 2006 organisiert und durchgeführt.

Wir danken allen Studierenden und unseren Partnern für ihren Einsatz und hoffen, dass die Studierenden in Zukunft die Bildung genauso gut verkaufen, wie ihr eigenes Produkt.

Stage professionnel in der Romandie

Für eine aktive Auseinandersetzung mit Sprache und Kultur absolvieren Studierende Sekundarstufe I mit Fremdsprachen im Fächerprofil mindestens zwei Aufenthalte im Sprachgebiet. U.a. ist es für die Studierenden möglich, ein von der PH Zürich organisiertes Unterrichtspraktikum im Zielsprachgebiet zu absolvieren. Die Kosten dafür werden von den Studierenden getragen.
Aktuell weilen wieder etliche Sek-I-Studierende in der Westschweiz. Unter ihnen ist auch Anina Widmer. Sie hat sich bereit erklärt, uns zu Beginn ihres «stage professionnel» wie auch zum Schluss Einblick in ihren Aufenthalt zu geben. Kurz vor Ihrer Abfahrt befragten wir Sie zu Ihren Erwartungen:

Mit welchen Erwartungen treten Sie Ihr «stage professionnel» in der Romandie an?
Nach meiner Internetrecherche gehe ich davon aus, dass mich eine moderne Schule erwarten wird. Ich denke, dass ich kulturell wie auch sprachlich auf eine sehr durchmischte Schule treffen werde. Das historische Dörfchen namens Le Landeron wirkt auf mich anhand von Fotos verspielt, die Schule aufgrund ihrer Aufmachung im Netz innovativ. «L’école aux Deux thielles» basiert, wie weitere Schulen des Kantons Neuenburg, derzeit auf dem Harmos-System.

Fühlen Sie sich sprachlich gut gerüstet, um den Unterricht in Le Landeron in französischer Sprache zu gestalten?
Obwohl ich nun ein halbes Jahr kein Französisch mehr gesprochen habe, fühle ich mich gut vorbereitet. Ich habe im Juni das C2 bestanden und denke, dass mein Sprachniveau genügen müsste. Leider ist meine Aussprache etwas holprig, in diesem Bereich möchte ich mich während meines Aufenthaltes stark verbessern. Für den Unterricht an sich sehe ich keine Probleme, die Klasse ist ja informiert, dass Französisch meine Zweitsprache ist.

Auf welche Erfahrungen und Situationen während Ihres Aufenthalts freuen Sie sich besonders? Gibt es welche, die Ihnen ein mulmiges Gefühl bereiten?
Ich freue mich auf die «Welschen». Insbesondere freue ich mich aber auf die herausfordernden Schülerinnen und Schüler und den humorvollen Praxislehrer. Ich bin auch auf meine Mitbewohner in Biel und überhaupt auf die ganze Region gespannt. Auf den Spaziergang entlang des Bielersees warte ich schon seit Wochen. Es freut mich auch, meine derzeitigen Klassen mal für einen Monat abzugeben, auch wenn sie mir am Herzen liegen.
Ein mulmiges Gefühl bereitet mir höchstens die Tatsache, dass ich bislang noch nicht weiss, was ich alles unterrichten werde. Zudem bescherte mir der Umstand, dass ich einen Monat lang kein Einkommen haben werde, die eine oder andere unruhige Phase im Dezember.

Welche Erwartungen haben Sie an Ihre betreuende Lehrperson?
Ich nehme an, dass die betreuende Lehrperson einen vorbildlichen Unterricht macht. Hoffentlich hat sie Sinn für Humor, einen gewissen Drang nach Effizienz in Bezug auf Vor- / Nachbesprechungen sowie einen liebevollen und persönlichen Umgang mit den Schülerinnen und Schülern.

Wir bedanken uns bei Anina Widmer fürs Beantworten der Fragen und sind gespannt, was Sie uns in einem Monat nach Ihrer Rückkehr zu berichten hat. Dann werden wir auch Ihre Praxislehrperson zu ihren Erfahrungen befragen.

Die Altstadt von Le Landeron
Die Altstadt von Le Landeron

3D-Drucker an der PH Zürich

Die PH Zürich hat seit einigen Tagen einen funktionstüchtigen 3D-Drucker im LAC.

3D-Drucker

Die Crew um den Design&Technik-Dozenten Mathias Schraner ist momentan dabei, sich eine Expertise in diesem Bereich aufzubauen. Denn längerfristig sollen Sek-Studierende ihre Ideen ohne Kinderkrankheiten des 3D-Druckers ausführen können.

Derzeit setzt beispielsweise ein Student in seiner fachdidaktischen Abschlussarbeit den 3D-Drucker ein: Der Student möchte mit Sek-Schülerinnen und -Schülern Schachfiguren zeichnen, Vorlagen daraus erstellen und sie schlussendlich als einzigartiges Set für die ganze Klasse ausdrucken.

Einen interessanten Augenschein zum Thema 3D-Drucker bietet die grösste Community-Plattform im Bereich 3D-Printing: http://www.thingiverse.com/ Hier können eigene Projekte hochgeladen oder andere Projektpläne direkt runtergeladen und ausgedruckt werden.

«Religion und Kultur – zwischen Tradition und Moderne»

​Im Modul «Religion und Kultur – zwischen Tradition und Moderne» wird der Frage nachgegangen, wie sich das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne auf Religionen und Kulturen auswirkt und was dies für Kinder, Familien und religiöse Gemeinschaften bedeutet.

Eine Besonderheit des Moduls ist der ständige Kontakt mit der Bevölkerung, welchen die Studierenden auf ihren Exkursionen und Recherchen erleben. Die Veranstaltung ist so aufgebaut, dass zu Beginn des Semesters morgens Exkursionen auf dem Programm stehen und nachmittags Gespräche mit Gästen aus den verschiedenen Religionen stattfinden. Regie und Moderation dieser Nachmittagsgespräche obliegt den Studierenden. Zum Semesterende präsentieren die Studierenden ihre eingangs erhaltenen Rechercheaufgaben zu Themen wie Musik, Tanz oder Geschichten und deren Einbettung im Spannungsfeld «Tradition – Moderne». Die Präsentationsform und die Herangehensweise an das Thema sind dabei den Studierenden überlassen.
Die Studentinnen Nicole Diem und Tanja Studer beispielsweise präsentierten ihre Arbeit zum Thema «Tanz» in Form eines mit PHZH-Equipment erstellten Films: Die Studentinnen portraitierten darin die Tanzgruppe Lashaya. Diese besteht aus Zürcher Secondas aus Sri Lanka, welche sich dem klassischen südindischen Tanz Baratha Natyam verschrieben haben. Dabei werden Mythen und Legenden aus der hinduistischen Religionsphilosophie nacherzählt. Die jungen Zürcherinnen mischen den eng mit dem Hinduismus verbundenen Tanzstil mit modernen Dance- und Musik-Einflüssen.

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Die Studentinnen Nicole Diem und Tanja Studer
Der Film der angehenden Primarlehrerinnen bot viel Gesprächsstoff. Dieser wurde erst in Gruppen und anschliessend im Plenum diskutiert. Dabei kam auch die Frage auf, ob man diese Tänzerinnen in die Schule einladen könne und inwiefern ihr Tanz bildungsrelevant ist.
Nicole Diem und Tanja Studer fühlen sich nach dem Vertiefungsmodul für den Unterricht gut gerüstet: «Wir empfehlen dieses Modul nachfolgenden Mitstudierenden auf jeden Fall weiter.» Nicht selten seien die Diskussionen untereinander auch nach der Veranstaltung rege weitergeführt worden.​