Mehr als nur eine Telefonauskunft

Seit 2015 gibt es an der PH Zürich eine Beratungsstelle für alle, die sich für ein Studium interessieren. Ein Besuch bei der Infoline zeigt: Bei der Beratung brauchen die Mitarbeitenden neben einem breiten Wissen auch Geduld und Feingefühl.


Regula Kehl sitzt im Infoline-Raum im fünften Stock des Gebäudes LAB. Sie trägt ein Headset, auf ihrem Tisch stehen Computer und Telefon, daneben liegen Notizpapier, Stifte und ein Blatt mit internen Telefonnummern. An der Wand vor ihr hängt eine weisse Magnettafel, vollgekritzelt mit verschiedenen Daten – von der Anmeldefrist für die Aufnahmeprüfungen bis zu den Terminen der nächsten Infoveranstaltungen zu den Studiengängen.

Die 46-Jährige arbeitet an der PH Zürich hauptsächlich für die Infoline, das Beratungs- und Informationstelefon für Studieninteressierte. Zusammen mit ihrem Team beantwortet sie von Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr verschiedene Anfragen, die per Telefon oder per E-Mail eintreffen. Nachmittags ist die Infoline per E-Mail erreichbar und telefonische Anfragen werden per Telefonwahlmenu an die zuständigen Sekretariate weitergeleitet. Wenden sich Personen mit komplexeren Fragen bei der Infoline, können sie zu einem Beratungsgespräch an die PH Zürich eingeladen werden. Denn ein erklärtes Ziel des Angebots ist es, dazu beizutragen, dass es zu weniger Abmeldungen, Studienwechseln oder Abbrüchen kommt. «Es ist uns ein Anliegen, Studieninteressierte bereits vor dem Eintritt kompetent zu beraten, damit sie sich ein umfassendes Bild vom Studium machen und eine fundierte Entscheidung hinsichtlich der Studiengangwahl treffen können», sagt Fabian Camenzind, Leiter der Infoline.

Zentrale Stelle bündelt Fragen

Bevor die Infoline im Juni 2015 ins Leben gerufen wurde, waren die Sekretariate der verschiedenen Studiengänge für die Anfragen von Studieninteressierten verantwortlich. Dies habe immer wieder dazu geführt, dass Fragen an verschiedenen Stellen der PH Zürich parallel abgeklärt wurden, sagt Fabian Camenzind. Für ihn war deshalb klar: Die Anfragen von Studieninteressierten müssen gebündelt und von einer zentralen Stelle aus kompetent beantwortet werden.

Als das Angebot entwickelt wurde, waren die Initianten überzeugt, dass in der Infoline je eine Person aus jeder Abteilung vertreten sein müsse. Doch eine Pilotphase zeigte: Entscheidend für die Qualität der Dienstleistung ist in erster Linie der regelmässige Einsatz der Mitarbeitenden. «Es braucht Zeit und Konstanz, um sich ein breites Wissen über die gesamte Ausbildung an der PH aufbauen zu können», sagt Camenzind.

Heute besteht die Infoline aus acht Personen: Fabian Camenzind, Sandra Bustabad, Alessandra Hübscher und Regula Kehl vom Bereich Zulassung und Studieninformation, Therese Graf und Janine Helbling von der Kanzlei sowie Martin Grab und Esther Graf, die als Dozierende in der Primarstufe tätig sind und bei der Infoline weiterführende Beratungen anbieten.

Wissen kontinuierlich vertiefen

Im Jahr 2017 gingen bei der Beratungsstelle rund 3000 Anfragen per E-Mail oder Telefon ein. Die meisten davon – rund ein Drittel – drehten sich um Zulassungsbedingungen, gefolgt von Fragen zum Anmeldeverfahren und zur Studienstruktur. «An strengen Morgen erhalten wir bis zu 20 Telefonanrufe und E-Mails», sagt Regula Kehl, die seit 2016 dreimal in der Woche für die Infoline im Einsatz ist. «Mein Wissen wächst mit jeder neuen Anfrage mit. Dadurch kann ich die Personen, die sich bei uns melden, immer gezielter beraten.»

Die Qualität der Beratungen steigt jedoch nicht nur mit der steigenden Praxiserfahrung der Mitarbeitenden. Die Infoline hat verschiedene Massnahmen getroffen, mit denen sie ihre Dienstleistung kontinuierlich verbessert. Antworten zu neuen Fragen – etwa zu den Zulassungsbedingungen für deutsche Erzieherinnen – werden in einem Dokument festgehalten, das für alle Mitarbeitenden der Beratungsstelle einsehbar ist und laufend ergänzt wird. Zudem finden immer wieder Sitzungen statt, an denen Informationen ausgetauscht, Neuerungen mitgeteilt und komplexe Fälle besprochen werden. Hin und wieder legt Fabian Camenzind dabei eine Anfrage vor, zu welcher die Mitarbeitenden der Infoline dann eine Musterantwort formulieren.

Einfühlungsvermögen und Geduld gefragt

80 bis 90 Prozent der Anfragen können die Mitarbeitenden der Infoline direkt am Telefon beantworten, einige wenige Fälle müssen sie bei der jeweiligen Abteilung abklären. Dauer und Inhalt der Gespräche variieren stark. Bei Personen etwa, die sich noch kaum mit dem Lehrberuf oder dem Studium an der PH Zürich auseinandergesetzt haben, sind meist nur sehr allgemeine Auskünfte gefragt. «Einige Studieninteressierte haben lediglich eine vage Idee, Lehrerin oder Lehrer zu werden. An diesem Punkt ist die Entscheidung für die Primar- oder Sekundarstufe beispielsweise noch weniger relevant», sagt Regula Kehl. «Hier geht es mehr darum, zu erfahren, welches die Zulassungsbedingungen sind oder wie lange das Studium dauern wird.» Oft komme auch die Frage, ob an der PH Zürich Präsenzpflicht herrsche. «Häufig sind die Personen erstaunt, dass ein Vollzeitstudium tatsächlich ‹Vollzeit› ist, also von Montag bis Freitag von circa 8 bis 17 Uhr stattfindet.»

Regula Kehl arbeitet gerne bei der Infoline und empfindet es als bereichernd, Personen am Telefon bei ihrer Entscheidung zu unterstützen – gerade dann, wenn in einem Gespräch auch persönliche Fragen thematisiert werden und neben inhaltlichem Wissen auch Sozialkompetenz gefragt ist: «Wenn zum Beispiel eine Mutter anruft, die ein Teilzeitstudium beginnen möchte, finde ich es wahnsinnig spannend, mit ihr Möglichkeiten zu besprechen, aber auch Ängste vor einer Überbelastung zu diskutieren.»

Neben Einfühlungsvermögen ist auch Geduld eine wichtige Eigenschaft der Infoline-Mitarbeitenden. Sandra Bustabad erzählt: «Das längste Telefon dauerte bei mir eine Stunde.» Es sei eine Mutter gewesen, die für ihre 14-jährige Tochter angerufen habe. Sie wollte wissen, wie ihre Tochter Primarlehrerin werden könne. Auch wenn Sandra Bustabad nicht sicher war, ob die Mutter tatsächlich auf Bitte ihrer Tochter anrief oder ob nicht vielmehr ihr eigenes Interesse im Vordergrund stand, gab sie detailliert Auskunft. Auch bei ausländischen Personen, die über ein Lehrdiplom verfügen und sich nach Möglichkeiten einer Ausbildung erkundigen, dauert die Beratung in der Regel etwas länger. Sandra Bustabad nimmt sich diese Zeit jedoch gerne, denn für sie wie auch für ihre Kolleginnen und Kollegen ist die Infoline mehr als nur ein reines Informationstelefon: «Hinter jedem Telefon steckt eine Geschichte.»

Autorin: Denise Fricker
Fotografie: Nelly Rodriguez

Dieser Text ist erstmalig im «inside», dem Mitarbeitendenmagazin der PH Zürich, erschienen.

Die Schweizerschule Mexiko in Querétaro – Pioniergeist und Engagement

Denise Da Rin war von 2008 bis 2010 Generaldirektorin der Schweizerschulen in Mexiko. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der jüngsten der drei Schulen blickt die Leiterin des Zentrums Unterricht und Lernen der PH Zürich zurück und zeigt auf, dass die Schweizerschulen in Mexiko sich hinsichtlich Unterrichtsqualität auch auf die Kompetenzorientierung ausrichten.


Als ich als Generaldirektorin der Schweizerschulen in Mexiko zum ersten Mal die Zweigstelle in Querétaro besuchte – die Schule befand sich damals noch in einem gemieteten Einkaufszentrum – traf ich auf ein engagiertes Team von Lehrpersonen und neugierige Schülerinnen und Schülern. In den Fluren konnte man ein reges Treiben beobachten, es herrschte Offenheit und Pioniergeist. Unserem «Baby», wie wir die Schule liebevoll nannten, galt unsere besondere Aufmerksamkeit, schliesslich wurde die Entwicklung der jüngsten Schule mit Spannung und Neugierde beobachtet.

Unvergesslich bleibt mir im Zusammenhang mit den Aufbauarbeiten der Schule in Querétaro die Suche nach einem geeigneten Grundstück, auf dem kurze Zeit später der Neubau der Schule entstehen sollte. Ich fuhr damals – ziemlich frisch aus der Schweiz «importiert» und mit den mexikanischen Sitten und Gebräuchen und vor allem der Immobilienentwicklung im prosperierenden gleichnamigen Gliedstaat Querétaro nicht vollends vertraut – in einem Golfwägelchen über unwegsames Ackerland auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für die neue Schule. Wir, das heisst die ebenfalls neu aus Spanien angekommene Zweigstellendirektorin und ich, standen nach dieser abenteuerlichen und holprigen Fahrt, bei der wir mächtig durgeschüttelt worden waren, plötzlich auf einer Anhöhe und blickten auf die Stadt hinunter. Ja, genau hier, abseits von Verkehr und geschäftigen Treiben der Innenstad, sollte der neue Campus mit internationalem Flair entstehen!

Kompetenzorientierung in mexikanischen Klassenzimmern

Die Schule ist unterdessen von Jahr zu Jahr gewachsen und verfügt mittlerweile über einen wunderschönen Campus. Doch wir alle wissen: Eine schöne Schule an einem guten Standort mit einer herausragenden Infrastruktur ist das Eine. Viel wichtiger und prägender für den Erfolg einer Schule bzw. für den Erfolg der Schülerinnen und Schüler sind eine zielgerichtete Schulführung und vor allem eine hohe Unterrichtsqualität. Doch was heisst das genau? Wann ist ein Unterricht gut?

Die Unterrichtsforschung hat dazu klare Antworten: Eine hohe Unterrichtsqualität zeichnet sich unter anderem aus durch vielfältige Lerngelegenheiten aus und die Gelegenheit, das Gelernte auch anzuwenden. Ferner durch aktivierende Gespräche, dem Erlernen von Lernstrategien, durch kooperative Lernformen sowie kriteriumsorientierte Beurteilungsformen. Aber auch durch hohe Leistungserwartungen an die Schülerinnen und Schüler sowie durch die Orientierung an einem Lehrplan.

Viele dieser Merkmale konnten bereits damals in den Schulzimmern der Schweizerschule in Querétaro beobachtet werden. Die Schweizerschulen haben im Aufbau und in der praxisorientierten Förderung von Kompetenzen eine langjährige Tradition und nutzen darüber hinaus die kulturelle Vielfalt ihrer Schülerschaft geschickt als Lerngelegenheiten.

Viel von dem, was im Lehrplan 21 beschrieben ist, wird auch an der Schweizerschule in Mexiko umgesetzt. Vor allem das kompetenzorientierte Lernen hatte schon damals in den meisten Klassenzimmern Einzug gehalten. Die vielzitierte «Kompetenzorientierung» meint vor allem, dass der Unterricht möglichst lebensnah gestaltet wird. Bereits der griechische Philosoph Aristoteles wusste: «Was man lernen muss, um es zu tun, das lernt man, indem man es tut.»

Der letzte Schritt zur Brückenbauerin

An der PH Zürich finden regelmässig Einführungskurse für angehende Lehrerinnen und Lehrer für Heimatliche Sprache und Kultur (HSK) statt. Für viele ist der Kurs der letzte Schritt zur Lehrberechtigung.


Internationalität wird grossgeschrieben an der PH Zürich. Selten war die Zusammensetzung in einer Weiterbildungsgruppe jedoch so international wie am 8. Februar. 33 angehende Lehrerinnen und Lehrer für Heimatliche Sprache und Kultur (HSK) füllten an diesem Donnerstag einen kleinen Seminarraum bis zum letzten Platz und absolvierten den ersten von sechs Weiterbildungstagen des Einführungsmoduls ins Zürcher Schulsystem. Begrüsst wurden sie von den Kursleiterinnen Zeliha Aktas und Carolina Luisio Meyer – in ihren insgesamt 15 Muttersprachen.

Zeliha Aktas und Carolina Luisio Meyer (v.l.)

Von Re-Integration zu Integration

Unterricht in heimatlicher Sprache und Kultur gibt es schon seit den frühen 1980er-Jahren. Damals verfolgte der HSK-Unterricht, der üblicherweise von privaten Trägervereinen und den Botschaften der Herkunftsländer mitfinanziert und mitorganisiert wird, vor allem das Ziel, Kinder von Migrantinnen und Migranten auf die Re-Integration bei einer allfälligen Rückkehr ins Herkunftsland vorzubereiten. Wie sich jedoch herausstellte, kehrten nur wenige Familien in ihre Herkunftsländer zurück. Die Zürcher Bildungsverwaltung engagierte sich deshalb ab den 1990er Jahren, den HSK-Unterricht neu auf die Integration der Kinder sowie auf die Potenziale ihrer Mehrsprachigkeit auszurichten und ihn stärker in die Volksschule einzubinden. Diese Ziele sind im seit 2011 gültigen Rahmenlehrplan verankert, der als verbindliche Leitlinie für die gesamte HSK-Bildung gilt. Heute unterrichten im Kanton Zürich rund 300 HSK-Lehrerinnen und -Lehrer über 10’000 Schülerinnen und Schüler in 26 Sprachen.

Vernetzung als wichtiges Weiterbildungsziel

Neben der Vermittlung von strukturellen, rechtlichen, pädagogischen, kulturellen und organisatorischen Sachinformationen verfolgt der Einführungskurs an der PH Zürich auf mehreren Ebenen integrative Ziele. Den Dozentinnen Carolina Luisio Meyer und Zeliha Aktas geht es folglich um mehr als die Erklärung des Zürcher Schulsystems. Dies zeigte sich bereits am ersten Programmpunkt der Auftaktveranstaltung: Die Absicht der Begrüssungsrunde, in der die Teilnehmenden fünf Fragen an mindestens fünf andere richten sollten, war die Vernetzung der HSK-Lehrpersonen untereinander. Diese wird im weiteren Verlauf der Einführung im Rahmen von gemeinsamen Workshops sowie bei wechselseitigen Unterrichtsbesuchen noch weiter vertieft. Das Netzwerk soll den HSK-Lehrerinnen und -Lehrern später zur Verfügung stehen, wenn sie sich in ihrem Berufsalltag mit Kolleginnen und Kollegen austauschen möchten – beispielsweise bei Fragen zur Elternarbeit oder zum Umgang mit Volksschullehrpersonen und Schulbehörden.

Vernetzungsziele verfolgt der Kurs aber auch in Bezug auf die Lehr- und Führungspersonen in den Schulgemeinden. Bis zum nächsten Veranstaltungsblock im April müssen sich die Weiterbildungsteilnehmenden bei einer Lehr- oder Führungsperson in ihrer Schulgemeinde vorstellen und sich über ihre Aufgaben austauschen. Demselben Ziel dienen auch die Unterrichtsbesuche bei Volksschulehrpersonen der Kinder und Jugendlichen aus ihren HSK-Klassen. «Durch die persönlichen Kontakte und die gegenseitige Bekanntmachung der jeweiligen Aufgaben- und Zuständigkeitsbereiche erkennen beide Seiten die Synergien, die sie zukünftig gemeinsam nutzen können», sagt Zeliha Aktas.

Brückenbauerinnen und -bauer zwischen zwei Welten

Der Rahmenlehrplan definiert die Förderung von interkulturellen Kompetenzen und die Auseinandersetzung mit der multikulturellen Identität der Kinder und Jugendlichen als zentrale Ziele des HSK-Unterrichts. Lehrpersonen fungieren dabei als Brückenbauerinnen und -bauer zwischen heimatlicher und schweizerischer Sprache und Kultur. Um diese Funktion einnehmen zu können, ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle, den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie den Erwartungen, welche Schulen und Eltern an sie haben, ist deshalb wesentlicher Bestandteil der Einführungsveranstaltung zentral. Auch das Wissen, welche Möglichkeiten der schulischen Zusammenarbeit existieren und wie man Schulen die Kompetenzen als Kulturvermittler/in oder Dolmetscher/in zur Verfügung stellen kann, gehört dazu.

Im praktischen Teil des Weiterbildungskurses erhalten die Teilnehmenden zahlreiche Anregungen und Aufgaben, wie sie mit ihrem Unterricht Brücken zwischen den Sprachen und Kulturen der beiden Heimaten schlagen und so interkulturelles Lernen sowie Integration fördern können. Hierzu stellen die beiden Kursverantwortlichen geeignete Lehrmittel vor und eine erfahrene HSK-Lehrperson berichtet als Gastreferentin aus ihrer Unterrichtspraxis. Als Schlussaufgabe entwerfen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selber Unterrichtseinheiten, führen sie an ihrem Arbeitsort durch und reflektieren sie in der Schlussveranstaltung gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen.

Wissbegierig und hoch motiviert

Bis zur Schlussveranstaltung stehen den Teilnehmenden des aktuellen Einführungskurses von Zeliha Aktas und Carolina Luisio Meyer noch fünf weitere Tage bevor. Dass bereits der Auftakt gelungen ist, zeigen die zufriedenen Gesichter am Ende des ersten, langen Weiterbildungstags. Auch die Kursleiterinnen freuen sich auf die weiteren Tage: «Die Arbeit mit HSK-Lehrpersonen ist sehr dankbar», resümiert Zeliha Aktas und fügt an: «Sie sind ausgesprochen wissbegierig, hoch motiviert und wollen ihren Job unbedingt gut machen.» Für die hohe Motivation sieht sie nicht zuletzt die Migrationsgeschichte der Lehrpersonen verantwortlich: «HSK-Lehrerinnen und -Lehrer möchten ihre Chance in der Schweiz packen und sind dadurch ein wichtiges Vorbild für die Kinder und Jugendlichen, die sie unterrichten.»

 

Musikalisch-theatrale Neujahrsgrüsse

Eine Musiktheater-Produktion, die am selben Tag Première und Dernière feiert, ist schon etwas sehr Spezielles. So geschehen am 12. Dezember an der PH Zürich: In zwei voll besetzten Vorstellungen – eine über Mittag und eine am Abend – gaben 21 Studierende der Sekundarstufe I in ihrem Stück «Fish n’Wish» eine Kostprobe ihres szenischen und musikalischen Könnens. Die hervorragende Leistung der Absolventinnen und Absolventen des Musiktheater-Moduls würdigte das begeisterte Publikum jeweils mit tosendem Applaus.

Radiosender feiert Neujahrsparty

Die Handlung des Stückes ist schnell erzählt: Radio RamsAir feiert in einer exklusiven Live-Sendung eine rauschende Neujahrsparty. Geladen sind nebst dem realen Publikum auch diverse VIP-Gäste aus der fiktiven Welt des Glitzers und Glamours. Und weil man sich zum Jahreswechsel ja schliesslich Gutes wünscht, geht die Moderatorin Ronja in dieser Sendung den Wünschen der Gäste und Mitarbeitenden nach: Den kleinen und grossen; den erfüllbaren und unerreichbaren. Wie bei einem Silvesterfeuerwerk blitzten die Wünsche von der einfachen Putzfrau bis hin zum Geschäftsleiter am Nachthimmel kurz auf, bevor sie im allgemeinen Rauch wieder erlöschen. Musikalisch begleitet wurde dieses Feuerwerk mit viel Musik: Von der romantischen Vertonung des Eichendorff-Gedichtes «Nachtblume» bis hin zum Pink Floyd-Klassiker «Wish You Were Here».

Viel Engagement und Herzblut

Speziell ist auch die Entstehung dieses Musiktheater-Stücks. Zu Beginn des Semesters stand lediglich das Thema fest. Unter Anleitung der drei Dozenten Tom Tafel, Andi Thürig und Chris Wirth arbeiteten die Studierenden im vergangenen Semester jeden Dienstagmorgen an ihrer Produktion. Auf der Suche nach Geschichten rund um das Thema Wünsche haben die Studierenden eigene Geschichten erfunden, Songs geschrieben, Figuren entwickelt und szenisch improvisiert. Im Laufe der Arbeit wurden die einzelnen Puzzleteile schliesslich zu einem dramaturgischen Ganzen zusammengefügt.

Die Studierenden, die das Musiktheater inszeniert haben, befinden sich im dritten Semester ihres Studiums und im ersten Teil ihrer Ausbildung im Fach Musik. Im Zentrum des Musiktheater-Moduls standen die Erprobung von Formen des projektartigen Unterrichts, der kreativ-assoziativ gestaltende Umgang mit Musik und die Verbindung von Musik und Theater. Die Studierenden haben viel Zeit und Herzblut in ihr Musiktheater investiert und den Prozess eines Ensembleprojekts hautnah miterlebt und mitgestaltet. Auf die Aufführungen, die sie in einigen Jahren als Sek-I-Lehrerpersonen mit ihren Schülerinnen und Schülern umsetzen, darf man gespannt sein.

Inspirierende Studienreise ins Land der Morgenröte

17 Dozierende der PH Zürich, HFH, ZHAW und der Berner FH begaben sich Anfang September auf eine gemeinsame Studienreise ins Reich der Mitte. Auf der Reise, die vom Zentrum für Hochschulbildung und Erwachsenenbildung (ZHE) der PH Zürich organisiert wurde, besuchte die Gruppe die drei Wirtschaftsmetropolen Hong Kong, Guangzhou und Shanghai, wo sie zahlreiche Gespräche mit Vertretenden von (Hoch)Schulen, Firmen und swissnex führte. Hier berichtet eine Teilnehmerin von den aussergewöhnlichen Einblicken in Chinas akademisches und kulturelles Leben, welche die Gruppe während der Reise gewann.


An der Education University of Hongkong, einer langjährigen Partneruniversität der PHZH, wurden wir wie alte Bekannte empfangen. Im Zentrum des Gesprächs mit dem Vize-Direktor der Hochschule stand ihr langer Weg der Akkreditierung vom Institut hin zur Universität, der trotz aller kultureller Unterschiede in vielem an die Transformation der Seminare in die Pädagogischen Hochschulen erinnerte.

Beim gemeinsamen Mittagessen mit Austauschstudierenden erfuhren wir viel über das Leben auf dem Campus. So zum Beispiel, wie sich das Studieren im feuchten, heissen Klima anfühlt oder welche Herausforderungen mit dem Wohnen in den engen 6er-Zimmern auf dem Campus verbunden sind. Spannend war auch der Einblick in die Bibliothek, die sich in den letzten Jahren zu einer inspirierenden Lernlandschaft entwickelt hat und den Studierenden rund um die Uhr als Arbeits- und Lernort zur Verfügung steht.

Nach diesem Besuch sammelten wir Eindrücke ausserhalb des Bildungsbereichs. Auf der geführten Stadttour besuchten wir einige der wichtigsten Stätten der pulsierenden Millionenmetropole. Der Besuch des Man Mo Tempels, wo uns ein eindrücklicher Einblick in dessen kulturelle und religiöse Bedeutung gewährt wurde, bleibt unvergessen. Bei einer traditionellen chinesischen Teezeremonie liessen wir den Tag schliesslich ausklingen und tauschten unsere Eindrücke aus.

Reise à la Chinoise nach Guanzhou

Auf unserer Weiterreise nach Guangzhou mit U-Bahnen und Zügen erlebten wir die Strapazen hautnah, die Chinesinnen und Chinesen auf sich nehmen, wenn sie sich mit Massenverkehrsmitteln fortbewegen. Immer wieder staunten wir über die Gelassenheit, mit der sie die Herausforderungen des öffentlichen Verkehrs hinnehmen. Etwas gezeichnet von der anstrengenden Reise kamen wir schliesslich im Campus-Hotel der South China Normal University an, wo wir von der Universitätsleitung herzlich empfangen wurden. Die South China Normal – ebenfalls eine Partnerhochschule der PH Zürich – zählt 20’000 Studierende.

Unsere Gastgeber nahmen sich viel Zeit, uns ihre Ausbildungsmodelle und -ziele näherzubringen. Im Gegenzug hielten Annelies Kreis (PHZH), Franziska Detken (PHZH) und Torsten Mähne (BFH) eine Vorlesung, in der sie die praktische und theoretische Ausbildung von Schweizer Lehrkräften und Technikstudierenden erläuterten.

Letzte Station Shanghai

In Shanghai, unserer letzten Destination, besuchten wir unter anderem swissnex, eine Regierungsorganisation des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Sie hat zum Ziel, die Zusammenarbeit der Schweiz und der Partnerländer in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation zu fördern. Mit grossem Interesse verfolgten wir die Ausführungen der swissnex-Verantwortlichen zur Bildungsexpansion und zu den Herausforderungen für Lernende und Schulen in China. Was wohl allen Teilnehmenden unserer Studienreise in nachhaltiger Erinnerung bleiben wird, waren die Erläuterungen zur zentral durchgeführten Prüfung «Gaokao» (chin. für «Hohe Prüfung»). Dieses Examen zur Hochschulimmatrikulation entscheidet weitgehend über den weiteren Karriereweg und damit auch über die Einkommenschancen im späteren Leben. Unter dem enormen Druck, der von diesem lebensentscheidenden Examen ausgeht, büffeln die Prüflinge monatelang Tag und Nacht, um einen Studienplatz an einer renommierten Hochschule zu ergattern.

Die Studienreise nach China – die dritte und letzte in dieser Form – war für alle Teilnehmenden ein inspirierendes und bleibendes Erlebnis. Neben den vielfältigen Inputs aus dem chinesischen Bildungsumfeld prägen auch persönliche Erlebnisse sowie kulinarische und kulturelle Eindrücke unsere Erinnerungen. Immer wieder waren wir gefordert, uns mit unseren Bildern des Landes auseinanderzusetzen und diese zu erweitern oder zu revidieren. Die gemeinsame Arbeit an diesen Bildern und der angeregte Austausch innerhalb der Gruppe machten die Studienreise für uns alle zu etwas Besonderem.

Engagiert – ohne zu missionieren

Das Thema Nachhaltigkeit geht an den Studierenden der PH Zürich nicht spurlos vorbei. Dies haben die gut besuchten Veranstaltungen an der Nachhaltigkeitswoche im März gezeigt. Und immer wieder beweisen es auch die Teilnehmendenzahlen an den Events der Versammlung der Studierenden der PH Zürich (VSPHZH): Ob auf dem Campusplatz ein indischer Linseneintopf angeboten wird, alte Handys eingesammelt oder Kräuter- und Tomatensetzlinge verkauft werden – die Aktionen stossen stets auf reges Interesse.

Verantwortlich für alles, was bei der VSPHZH mit Nachhaltigkeit zu tun hat, ist das Ressort Nachhaltigkeit. Es wurde im letzten Herbst gebildet und entstand aus dem Verein für Nachhaltigkeit (VN), der 2014 von vier Studierenden gegründet wurde. «Seit wir zum VSPHZH gehören, sind wir besser organisiert und unsere Aktivitäten erhalten mehr Aufmerksamkeit», sagt Thomas Guggisberg. Der angehende Primarlehrer ist der Kopf des Ressorts und Vorstandsmitglied in der VSPHZH. Unterstützt wird er von einem vierköpfigen Kernteam, dem Michelle Starck, Tobias Wiederkehr, Ida Schilter und Lea Schiltknecht angehören.

«Aktionen können ein Startschuss sein»

Ein wichtiger Partner des Ressorts ist die Umweltkommission der PH Zürich. «Die Kommission ist sehr kooperativ, was wir äusserst schätzen», sagt Thomas Guggisberg und fügt an: «Wenn wir ein Anliegen haben, werden wir ernst genommen. Beispielsweise haben wir einen Nachhaltigkeitsbericht angeregt. Diese Idee wird nun weiterverfolgt». Etwas mehr Unterstützung wünschen sich die fünf Studierenden hingegen, wenn es um die Vereinbarkeit ihres Engagement mit der Präsenzzeit im Studium geht: «Wir haben die Organisation der Nachhaltigkeitswoche ausschliesslich in unserer Freizeit geleistet», sagt  Lea Schiltknecht. «Es war deshalb nicht immer ganz einfach, ein Zeitfenster dafür zu finden.»

Der Motivation tat dieser Umstand jedoch keinen Abbruch. Denn das Ressort und sein Kernteam sind von dem, was sie tun, überzeugt: «Uns ist bewusst, dass wir nichts Grosses bewegen können. Aber die Aktionen des Ressorts können ein Startschuss sein», sagt Ida Schilter. Wolle man etwas bewirken, dürfe man jedoch nicht missionieren und niemanden bevormunden, betont Michelle Stark. «Nachhaltigkeit ist ein heikles Thema. Es gibt Leute, die sich angegriffen fühlen, wenn man sie damit konfrontiert.»

Nachfolgelösung gesucht                                                      

Das Ressort hat viele Ideen, wie die PH Zürich noch nachhaltiger werden könnte – von der Einführung zweier Vegi-Menüs pro Tag in der Mensa bis zu mehr BNE-Modulen während des Studiums. Nicht alle Ideen werden die fünf Studierenden jedoch selber angehen können: Ida Schilter und Lea Schiltknecht werden im Sommer ihr Studium abschliessen und Michelle Stark und Thomas Guggisberg verbringen das nächste Semester im Ausland. Für mindestens zwei Personen mussten also Nachfolgerinnen und Nachfolger gefunden werden. Dies sei nicht ganz einfach gewesen, sagt Thomas Guggisberg: «Es gibt wenige, die sich wirklich engagieren wollen.»

Mit viel Einsatz ist es den fünf Studierenden mittlerweile gelungen, Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden. Sieben Kommilitonen und Kommilitoninnen sind im Mai der Einladung des Ressorts gefolgt und haben an einer Sitzung teilgenommen. Einige davon haben schliesslich entschieden, sich dem Kernteam anzuschliessen. Thomas Guggisberg, der auch während seiner Zeit im Ausland im Vorstand bleiben wird, ist erleichtert: «Wenn nicht wir Lehrerinnen und Lehrer Vorbilder sind in Sachen Nachhaltigkeit; wer ist es dann?»

Studienreise Warschau: Geschichte auf Schritt und Tritt erlebt

13 Dozierende des Fachbereichs Geschichte/Politische Bildung der PH Zürich verbrachten im Mai vier Tage in Warschau anlässlich einer Studienreise. Hier berichten sie von ihren Erlebnissen und Erkenntnissen.


Mittwoch

Unsere Studienreise startete mit der Bahn oder mit dem Flugzeug. Jene, die sich für den Zug entschieden hatten, konnten den brandneuen, unterirdischen Hauptbahnhof von Warschau bestaunen. Diejenigen, die mit dem Flugzeug angereist waren, trafen bereits bei ihrer Ankunft auf den Namen Fryderyk Chopin. Der pulsierende Flughafen der Hauptstadt wurde nach dem berühmten polnischen Komponisten benannt.

Zusammen mit Stefan Schreiner, der die Stadt seit 1967 bereits über 120 Mal besucht hat, unternahmen wir als erstes eine Busfahrt durch die Stadt. Der kundige Reiseleiter verknüpfte die Ausblicke während der Fahrt mit Informationen zur bewegten polnischen Geschichte. So erfuhren wir unter anderem, dass die Stadt im zweiten Weltkrieg zu 92% zerstört wurde und in den 50er-Jahren mittels einer Aufbausteuer, die alle Polinnen und Polen entrichten mussten, wieder aufgebaut wurde. Die Fahrt bot uns eine gute und zügige Übersicht und war damit ideale Voraussetzung, um die Alt- und Neustadt in den darauffolgenden Tagen zu Fuss zu durchwandern.

Donnerstag

Am Donnerstag besuchten wir das jüdische Museum «Polin» in Warschau. In der vielseitigen, dichten und interaktiv gestalteten Ausstellung befassten wir uns mit der tausendjährigen Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Polen. Ausserdem hatten wir die Gelegenheit, ein Gespräch mit zwei Museumspädagoginnen zu führen. Sie erzählten uns mit grossem Engagement von ihrer Arbeit. Wir erfuhren, dass hinter dem Konzept des Museums ein hochmodernes didaktisches Ausbildungsprogramm für Lehrpersonen steht, was uns faszinierte und überraschte. Laut Aussagen der Museumspädagoginnen geht es dem Museum nicht nur darum, die jüdische Geschichte in Polen, sondern auch den Umgang von Menschen mit Menschen, die anders sind, zu thematisieren. Ziel ist also nicht nur die Erinnerung an Vergangenes und nicht mehr Sichtbares, sondern auch die Anregung eines bewussten und konstruktiven Umgangs mit Mitmenschen in der Gegenwart und in der Zukunft. Tief beeindruckt machten wir uns im Anschluss an den Museumsbesuch auf den Weg zu den Spuren des ehemaligen jüdischen Ghettos. Unterwegs wurden wir von Stefan Schreiner über historische Gegebenheiten informiert, die man nicht einfach so in Büchern nachlesen kann.

 

Freitag

Nachdem wir uns am Donnerstag mit der tausendjährigen Geschichte der Juden in Polen beschäftigt hatten, besuchten wir am Freitag als erstes die einzige noch erhaltene Synagoge aus der Vorkriegszeit, in der die heutige jüdische Gemeinde in Warschau untergebracht ist. Die Nozyk-Synagoge wurde um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert von einer wohlhabenden Familie gestiftet und erinnert an eine Vergangenheit, als mit 380‘000 Einwohnern ein Drittel der Bevölkerung Warschaus Jüdinnen und Juden waren. Zahlreiche Synagogen, Theater und Verlagshäuser waren damals Zeugnisse eines reichen kulturellen Lebens. Heute steht die Synagoge etwas verloren zwischen modernen Glaspalästen.

Im Jüdischen Historischen Institut, unserer nächsten Station, wurden wir herzlich von der Direktorin  in Empfang genommen. Nach einer kurzen Einführung wurde uns ein Dokumentarfilm über die 912 Tage im Warschauer Ghetto gezeigt. Der Film zeigt den grausamen Alltag und das Leben der eingeschlossenen Juden im Ghetto und hat uns alle zutiefst aufgewühlt. Eine zentrale Figur für das Institut ist Emmanuel Ringelblum, der im Warschauer Ghetto sämtliche Briefe, Gedichte und andere Dokumente für die Nachwelt sammelte und versteckte. Sein Engagement, das heute den Einblick in die damaligen Geschehnisse ermöglicht, beeindruckte uns.

Samstag

Zu den Zielen unseres letzten Tages in Warschau gehörten die Überreste der Ghettomauer, das Museum des Warschauer Aufstandes, das Waisenhaus, in dem der Pädagoge Janusz Korczak gewirkt hat, sowie das Polizeigefängnis «Pawiak».   Mit dem Besuch des Museums, das dem Warschauer Aufstand (August bis Oktober 1944) gewidmet ist, wandten wir uns am Samstag zuerst der polnischen Geschichte zu. Oftmals wird der Aufstand mit jenem im Warschauer Ghetto (April bis Mai 1943) verwechselt. Beim Warschauer Aufstand handelt sich um die Widerstandsaktion der polnischen Heimatarmee gegen die deutschen Besatzer. Noch heute ist das Kürzel «PW» (polska Walczca – kämpfendes Polen) der Widerstandsbewegung in Warschau allgegenwärtig. Für die polnische Bevölkerung war der Aufstand einer der blutigsten und aussichtslosesten Kämpfe. Erst nach der Wende durfte daran erinnert werden und erhielt durch die Eröffnung des Museums öffentliche Beachtung. Das Museum befindet sich in einem ehemaligen Strassenbahnkraftwerk, wurde 2004 eröffnet und gilt als eines der modernsten Museen Polens. Verschiedene museumsdidaktische Konzepte wurden berücksichtigt. Uns fiel vor allem die interaktive Vermittlung auf. Der Darstellung des Kampfes wird durch verschiedene Objekte (z.B. Panzerwagen, Bombenflugzeug, Waffen) viel Raum eingeräumt. Obwohl Kriegsgeschichte immer auch Alltagsgeschichte ist und alle Bevölkerungsschichten miteinschliessen sollte, stehen im Museum in der Tendenz eher die (männlichen) Helden im Zentrum, wohingegen das Schicksal von Frauen und Kindern weniger thematisiert wird.

Mit Stefan Schreiner besprachen wir abschliessend, was Schweizer Besucherinnen und Besucher von einer Reise nach Warschau mitnehmen können. Interessant ist sicherlich die dramatische, wechselvolle Geschichte. Im Gegensatz zur Schweiz war Polen immer wieder Kriegsschauplatz. Nachhaltig beeindrucken dürfte aber vor allem auch, wie das Land mit seiner Geschichte umgeht. Den Besuchenden zeigt sich die Bevölkerung eines Landes, das sich immer wieder mit neuen Bedingungen (z.B. Gebietsteilungen, Grenzverschiebungen) konfrontiert sah und sich deshalb immer wieder neu erfinden musste.

Lernen, lehren und leben im Ausland

Die ehemalige PHZH-Studentin Marlen Kappler lebt heute in Norrköping und unterrichtet als Oberstufenlehrerin.

132 Studierende der PH Zürich verbringen im kommenden Studienjahr ein Semester im Ausland. Die meisten von ihnen werden zurückkehren mit vielen Erfahrungen, neuen Freundschaften und schönen Erinnerungen im Gepäck. Andere werden so begeistert sein vom Leben im Ausland, dass sie früher oder später zurückkehren. So wie Marlen Kappler. Im vierten Semester ihrer Ausbildung entschied sich die damals 22-Jährige für ein Auslandsemester und reiste ins schwedische Linköping. Während ihrem Aufenthalt verliebte sie sich und kehrte drei Jahre später, nachdem sie ihr Studium an der PH Zürich abgeschlossen hatte, nach Schweden zurück. Sie blieb – selbst dann, als ihre damalige Beziehung in die Brüche ging.

An der PH Zürich haben alle Studierenden die Möglichkeit, ein Mobilitätssemester zu absolvieren. Das Angebot wird rege genutzt: 2017 haben sich beispielsweise 30 Prozent des Studienjahrgangs H15 der Primarstufe für ein Mobilitätssemester beworben. Für die Mitarbeitenden des International Office der PH Zürich, das den Studierenden als erste Anlaufstelle in Sachen Studienaufenthalt dient, ist es eine Herausforderung, alle Studierenden zu platzieren. Aufgrund der Vielzahl von Partnerhochschulen in der Schweiz, Europa und Übersee konnte bis anhin jedoch immer für alle Studierenden ein Platz gefunden werden.

«Keine Pauschalreise»

Nicht alle Destinationen seien gleich beliebt, sagt Barbara Nafzger, Austauschkoordinatorin an der PH Zürich: «Skandinavien gilt als gut organisiert und ist daher sehr beliebt. Wer etwas mehr wagt, geht nach Tallinn in Estland oder nach Cluj-Napoca in Rumänien. Es reisen aber auch jedes Jahr einige Studierende nach Hong Kong oder Guangzhou.» Letztere seien meistens Studierende, die bereits Auslandserfahrung mitbringen. Doch eines stellt Barbara Nafzger klar: «Ein Mobilitätssemester ist keine Pauschalreise. Die Organisation des Aufenthalts bedeutet für die Studierenden einen beträchtlichen Mehraufwand.» Barbara Nafzger ist überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt: «Neben dem Fachlichem lernen die meisten Studierenden auch bezüglich Reife, Eigenorganisation und Selbstständigkeit enorm viel dazu. Zudem lernen sie, was es heisst, mit jedem Satz eine Übersetzungsleistung zu erbringen. Und sie erfahren, warum Integration manchmal echte Knochenarbeit sein kann.»

Vor zehn Jahren absolvierte Marlen Kappler in Schweden ein Mobilitätssemester.

Auch Marlen Kappler brauchte Zeit, um sich an die veränderten Bedingungen in Schweden zu gewöhnen. Mittlerweile aber fühlt sich die 32-Jährige in Norrköping heimischer denn je. Sie ist verheiratet und unterrichtet als Oberstufenlehrerin 50 Prozent Deutsch und 50 Prozent Mathematik für Flüchtlingskinder. Das vielgelobte Schwedische Schulsystem habe nicht nur positive Seiten, sagt sie: «Als Lehrperson muss man 35 Stunden pro Woche am Arbeitsplatz sein. Die restlichen zehn Stunden darf man von zu Hause aus arbeiten. In diesem Punkt ist man in der Schweiz freier.» Mehr Entscheidungsfreiheit geniessen hingegen die Schülerinnen und Schüler. «Der Umgang mit den Schülerinnen und Schülern ist allgemein anders, die Beziehung ist herzlicher und näher. Vielleicht auch deshalb, weil sich hier alle gegenseitig mit dem Vornamen ansprechen.» Es habe Zeit gebraucht, um sich an diese Dinge zu gewöhnen, sagt Marlen Kappler. «Doch mittlerweile fühle ich mich wohl hier und bin sehr glücklich mit meinem Leben.»

Corina Rainer

Deutschunterricht für Flüchtlinge: Ticketkauf und Traditionen in der Schweiz und anderswo

Seit einem halben Jahr erteilen Studierende der PH Zürich Flüchtlingen täglich während zwei Stunden Deutschunterricht – so auch an diesem Donnerstagabend im April. Auf dem Platz vor dem Eingang zur Hochschule geniessen die Studierenden die letzten lauen Stunden an diesem Tag. Man sitzt beisammen oder spielt Tischtennis. Nur wenige Meter neben ihnen versammeln sich 16 Personen in einem Klassenzimmer. Für sie fängt der Unterricht erst an. Bei der Gruppe handelt es sich nicht um eine herkömmliche Klasse. Die 16 Personen sind Flüchtlinge. 14 Männer, zwei Frauen. Die meisten stammen aus Afghanistan. Aber auch Eritreer und Iraner finden den Weg an die PH Zürich. Sie sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Alle sind vor rund eineinhalb Jahren in der Schweiz angekommen. Sie erzählen, wo sie jetzt leben. Über die Art und Weise, wie sie in die Schweiz gekommen sind, sprechen sie nicht ‒ unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Schicksale. Eines haben sie aber gemeinsam: Sie alle sind hier, um sich der deutschen Sprache anzunähern.

Halbtax und retour

Vor der Klasse steht Valentin Obrecht. Der Student der PH Zürich ist spontan für einen Freund eingesprungen. Es ist das erste Mal, dass er die Klasse unterrichtet. Das Projekt «Deutsch für alle: Deutschkurse für Asylsuchende an der PHZH» wurde im November 2016 von Studierenden lanciert. Mittlerweile sind ca. 20 Studierende aktiv daran beteiligt. Von Montag bis Freitag unterrichten sie während zwei Stunden drei Klassen parallel. «So erreicht unser Projekt momentan knapp 60 Leute», erzählt Projektleiterin Tamira Ernst. Es seien Intensivkurse, die sie anbieten, sagt sie. Daher ist es von Vorteil, wenn die Schülerinnen und Schüler den Kurs jeden Tag besuchen.

Der Lernwille bei den Flüchtlingen ist da. Das erkennt man vom ersten Moment an. Valentin Obrecht startet mit einem kurzen Dialog. Die Szene spielt sich am Bahnhof ab. Wie löst man ein Ticket richtig? Was ist ein Halbtax, was bedeutet «retour»? Der angehende Sekundarlehrer ist von den Sprachkompetenzen der Anwesenden begeistert. Mit der Übung sollen sie spielerisch anhand von Alltagssituationen die deutsche Grammatik kennenlernen und sich gleichzeitig wertvolles Wissen aneignen, wie man sich am Bahnschalter verhält.

Die Schülerinnen und Schüler sind engagiert. Es ist ruhig im Zimmer. Konzentriert arbeiten sie in Zweiergruppen und kreieren ihren eigenen Bahnschalter-Dialog.

Nach einer Stunde ist es Zeit für eine Pause. Die meisten zieht es sofort zum Tischtennistisch. Gemeinsam mit den Studierenden jagen sie um den Tisch und treffen den kleinen Ball mit zielsicheren Schlägen. «Einige sind nach dem Unterricht oft wieder hier und spielen, bis es dunkel wird», sagt Valentin Obrecht. Der Besuch des Deutschunterrichts bringt also nebst dem Erlernen der Sprache weitere Vorteile; er leistet einen wertvollen Schritt zur Integration im neuen Land.

Drei weitere Schüler möchten aber sogar auch in der Pause ihren Wissensdurst stillen. Sie lassen sich von ihrem Lehrer den eben behandelten Stoff noch einmal erklären.

Von Traditionen und Festen

Im zweiten Teil der Lektion dreht sich alles um Traditionen. Valentin Obrecht teilt der Klasse jeweils einen Text über ein spezifisches Land zu. So versucht jeder für sich den kurzen Artikel über die traditionellen Besonderheiten eines Landes zu entschlüsseln. «Die Texte sind eigentlich für Personen bestimmt, die seit mindestens zwei Jahren in der Schweiz sind», sagt Obrecht. «Ich möchte herausfinden, wie gut sie damit klar kommen.» Kein leichtes Unterfangen. Einen Text zu verstehen, ist eine Sache. Wenn es aber anschliessend aber darum geht, den anderen den Text in eigenen Worten zu beschreiben, verkompliziert sich die Aufgabe. Geduldig erklärt Valentin Obrecht einzelne Wörter. Er spricht langsam und deutlich, verwendet seine Gestik zur Veranschaulichung des Erzählten.

Im Anschluss erhalten die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, etwas über eine Tradition oder ein Fest in ihrem Herkunftsland zu erzählen. Der älteste Mann der Klasse stammt aus dem Iran und berichtet davon, wie sie an Neujahr mit der Familie feiern. Er schwärmt vom Essen und wie sie nach den Feierlichkeiten durchs Dorf spazieren. Die anderen lächeln und nicken zustimmend. Jeder erinnert sich in diesem Moment daran, wie sie früher gefeiert haben.

Kurz bevor die zwei Stunden vorbei sind, packt Valentin Obrecht zwei blaugefärbte Ostereier aus und erklärt seiner Klasse den Schweizer «Eiertütsch»-Brauch. Nach Abschluss des Unterrichts löst sich die Klasse schnell auf und die meisten Männer und Frauen verschwinden Richtung Hauptbahnhof.

Fabia Bernet

«Wir geben nicht auf, bevor wir es nicht 20 Mal versucht haben»

Dario Schwörer erzählt an der PH Zürich von seiner Expedition.

Dario und Sabine Schwörer sind in den letzten 16 Jahren um die ganze Welt gereist – zu Fuss, per Velo oder mit dem Segelboot. Weder grosse Wellen und stürmische Winde noch knappe Finanzen und die Geburt ihrer sechs Kinder konnte das Paar abhalten, ihre Tour fortzusetzen. Unbeirrt und ungeachtet der Zweifel von Freunden und Familien machten sie weiter. Denn Dario und Sabine Schwörer sind auf einer Expedition, die mehr ist als ein Job, ein Projekt oder eine Auszeit. Sie sind unterwegs, um mit umweltfreundlichen Mitteln den höchsten Gipfel jedes Kontinents zu erklimmen und gleichzeitig Menschen auf der ganzen Welt für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

Im Februar machte Dario Schwörer in der Schweiz halt. Stefan Baumann, Leiter des Fachbereichs Bildung für Nachhaltige Entwicklung an der PH Zürich, nutzte die Gelegenheit und lud den Bündner für ein Referat an die PH Zürich ein. Sportlich gekleidet und ausgerüstet mit einem kleinen Rucksack kam Dario Schwörer deshalb an einem Dienstagabend an die PH Zürich und erzählte vom Engagement seiner Familie in den letzten 16 Jahren.

Einfach anfangen

Die Reise von Dario und Sabine Schwörer startete in der Schweiz, als der passionierte Bergsteiger und Skilehrer und die gelernte Krankenschwester aufbrachen, um die höchsten Schweizer Gipfel zu besteigen. Schon damals verknüpften sie Sport und Umweltschutz: Ihr Ziel war es, Menschen kennenzulernen, die sich für die Nachhaltigkeit einsetzen. Dabei stiessen sie beispielsweise auf einen Lehrer, der seine Bücher im Kühlschrank lagerte. Seine Nahrungsmittel bewahrte er draussen vor dem Haus auf, da es dort genug kalt war. Dadurch konnte er Geld und Energie sparen. «Ich finde kleine Projekte wie dieses immer spannender als grosse», sagte Dario Schwörer. «Denn in der Summe können sie viel bewirken.»

Als das Ehepaar alle hohen Gipfel bestiegen hatte, beschlossen sie, ihre Reise auszuweiten und mit dem Fahrrad ans Meer zu fahren. Dort angekommen, entschieden sie, ihre Expedition auf dem Wasserweg fortzusetzen. Ein grosszügiger Segelbootbesitzer stellte ihnen sein Boot zur Verfügung – unter der Bedingung, dass sie es ihm am Ende ihrer Reise wieder zurückgeben würden. «Man muss einfach anfangen», erklärte Dario den interessierten Zuschauerinnen und Zuschauern. «Das meiste lernt man ohnehin nicht durch Bücher, sondern unterwegs. Wenn man ein gutes Konzept und ein Ziel hat, dann kommt man immer an.»

Dario Schwörer weiss, wovon er spricht. In den folgenden Jahren kam er nämlich immer und immer wieder an verschiedensten Orten an: In Nepal beispielsweise, wo er und seine Familie den Mount Everest vom Müll der Bergsteigenden befreiten. In Australien, wo sie zahlreiche Schulen besuchten und mit Schülerinnen und Schülern verschiedenste Umweltprojekte durchführten. Oder in der Arktis, wo sie Eisbären beobachteten und im Auftrag einer Universität Eisproben sammelten. Nicht immer lief dabei alles nach Plan und oft musste das Paar Hürden überwinden. Doch Zweifel hatten sie nie – selbst dann nicht, als sie im Südpazifik mit einem langen Riss im Rumpf ihres Segelboots zwei Wochen lang auf hoher See navigieren mussten. «Wir haben uns von Anfang an gesagt: Wir versuchen es 20 Mal. Vorher geben wir nicht auf.»

Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg

Bis heute haben Dario Schwörer und seine Familie über 100’000 Schulen in über 100 Ländern besucht. Denn Kinder, ist der sechsfache Familienvater überzeugt, hätten die besten Ideen, wenn man nach Lösungen suche. «Sie sind meine grosse Hoffnung. Wer etwas für die Zukunft tun will, sollte in die Jugend investieren.» Der Bildung räumt er einen entsprechend hohen Stellenwert ein, was er auch in seinem Referat an der PH Zürich betonte: «Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg», sagte er und fügte an: «Ich gratuliere ihnen zu ihrer Berufswahl. Der Lehrberuf ist der beste Beruf, den es gibt.»

Der 75-minütige Vortrag war schnell vorbei. Die Zeit hatte aber offenbar ausgereicht, um das Interesse des Publikums zu wecken. Dies bewiesen die vielen Fragen, die Dario Schwörer abschliessend gestellt wurden. So wollte etwa ein Student wissen, wie der Unterricht seiner Kinder gewährleistet wird, wo sie doch so viel herumreisten. «Wir sind immer relativ lange an einem Ort, sodass sie eine lokale Schule besuchen können. Und wenn wir mit dem Segelboot unterwegs sind, haben wir eine Lehrerin oder einen Lehrer an Board», antwortete der Bündner und fügte an: «Wenn Sie also Interesse haben, uns auf einer Etappe zu begleiten, dann melden Sie sich.»

Mehr Informationen zur Expedition finden Sie auf www.toptotop.org.