Stadt, Land, Weinkultur – ein Ausflug in die Exkursionsdidaktik Geografie

 

Im Rahmen einer Kompaktwoche mit dem Schwerpunkt Exkursionsdidaktik durften Sek I-Studierende der PH Zürich gleich zwei lehrreiche Ausflüge vorbereiten und durchführen. Einen im ländlichen Weingebiet Lavaux bei Lausanne. Den anderen im ehemaligen Industriegebiet von Zürich. Zusätzliche Unterstützung erhielten sie dabei von Dozierenden aus der Westschweiz und einer App.


Es ist morgens um acht, als sich die Studierenden in einem Seminarraum der PH Zürich treffen. Heute werden sie ihre Kompaktwoche im Lavaux nachbereiten mit dem Ziel, das Gelernte auf ihren eigenen Nahraum anzuwenden. Dozent Stefan Baumann und seine Kollegin Nadia Lausselet von der Pädagogischen Hochschule Waadt, der HEP Vaud, sind in Erwartung spannender Resümees guter Dinge. Vier lehrreiche Tage haben sie alle gemeinsam in der Nähe von Lausanne verbracht und mit zwei Klassen der Sekundarstufe I eine Exkursion durch das bekannte UNESCO-Weltkulturerbe durchgeführt. Mit den noch frischen Eindrücken im Rucksack fällt die erste Aufgabenstellung leicht: Welche geografischen Kompetenzen – also beispielsweise geografisches Fachwissen, räumliche Orientierung und die Fähigkeit, geografische Sachverhalte zu verstehen und zu artikulieren – wurden gewonnen und wie kann das erworbene Wissen mit einer Klasse gesichert und vertieft werden, wollen die Dozentin und der Dozent wissen. Im Nu bilden sich vier Arbeitsgruppen, in denen die Studierenden ihre Ansätze teilen.

Die Arbeit der Weinbauern wäre zum Beispiel ein Thema, mit dem sich Schülerinnen und Schüler vielfältige geografische Kompetenzen aneignen könnten. Angefangen beim Klima, über die Mensch-Umwelt-Beziehung bis hin zur Wirtschaft, Verkehrs- und Raumplanung. Wie das Thema im Rahmen einer Exkursion bearbeitet werden kann, hat Ismaël Zosso den Studierenden der PH Zürich im Lavaux gezeigt. Der Sekundarlehrer und Praxisdozent an der HEP Vaud begleitete die Studierenden vor Ort und beeindruckte durch seine einfallsreichen Lehrmethoden. Eine seiner Ideen: Schülerinnen und Schüler zeichnen ihre Silhouetten auf Folie. Halten sie die Folie mit ihren Umrissen von sich weg, erkennen sie sich selbst in den Weinbergen. So wird erfahrbar, dass es zwischen den Menschen und der Kulturlandschaft immer eine wechselseitige Beziehung gibt. Einerseits prägen die Gegebenheiten vor Ort das Leben der Einwohner, andererseits gestalten diese die Kulturlandschaft um sich herum mit. Diese und die zahlreichen weiteren konkreten exkursionsdidaktischen Methoden, so die einhellige Rückmeldung, haben den Schülerinnen und Schülern und den angehenden Lehrpersonen besonders gut gefallen.

 

Action in Züri West

Mit den Learnings der vergangenen Tage im Hintergrund geht es im nächsten Schritt darum, eine Exkursion in Zürich vorzubereiten. Ziel ist der Kreis 5, ein Gebiet südlich der Limmat, das einen enormen strukturellen Wandel erlebt hat. Vom Arbeiter- und Industriegebiet hin zum angesagten Wohn- und Arbeitsort für Dienstleister und Kreative. Dieser Lehrausflug soll, so die Vorgabe von Stefan Baumann und Nadia Lausselet, mittels Actionbound umgesetzt werden – einer App, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf virtuellem Wege durch eine Schnitzeljagd führt. Auf diese Weise können die Studierenden neben den bewährten Formen von Arbeitsexkursionen auch die vielfältigen Möglichkeiten der Neuen Medien ausgeloten. Wer mit der App noch nicht vertraut ist, schaut schnell noch ein Youtube-Tutorial und lernt so die interaktiven Tools kennen, die die Integration verschiedenster Aufgaben ermöglichen. Auch Videos und Selfies können in Zusammenhang mit urbanen Landschaftsmerkmalen genutzt werden. Am Nachmittag sind alle Actionbounds bereit zum Einsatz. Sie haben vier verschiedene Schwerpunkte: Verkehr, Arbeit, Erholung und Entwicklung.

Fördert eine App die Autonomie?

Im Gegensatz zum Lavaux sind es in Zürich keine Schulklassen, die durch den Nahraum geführt werden, sondern die Studierenden selbst. Rund anderthalb Stunden probieren sie ihre Actionbounds gegenseitig aus. Während sie Zürichs Trendquartier entdecken, erfahren sie gleich in der Praxis, wie man die App im Rahmen einer Exkursion didaktisch geschickt anwenden kann. Mit Erfolg – alle Actionbounds navigieren die Gruppen zuverlässig durchs Quartier und wieder zurück zum Treffpunkt. Das letzte Treffen findet vor einer alten Giesserei auf dem Toni Areal statt. Hier gibt es aus mehreren Baumstämmen gefertigte, übergrosse Bänke. Der ideale Ort also, um sich nochmals zu den Erfahrungen der letzten Stunden und Tage auszutauschen. Das Fazit der Studierenden: Der Actionbound eignet sich hervorragend, wenn man die Autonomie der Schülerinnen und Schüler fördern möchte, da sie die Möglichkeit haben, ihre Umgebung selbstständig zu erkunden oder sogar einen eigenen Actionbound zu entwickeln. Die Studentinnen und Studenten konstatieren aber auch, dass bei der Nutzung der App Vorsicht geboten ist, denn die Konzentration auf das Smartphone inmitten des Grossstadtverkehrs birgt Risiken. Beim Abschluss zeigen sich die Studierenden zufrieden mit den vergangenen Tagen. Die Kompaktwoche hat ihnen gezeigt, wie sie sich anhand Perspektivwechsel zwischen ländlichen und städtischen Räumen unterschiedlicher pädagogischer Methoden –  seien sie analog oder digital – bedienen können, um nachhaltige Lernerfolge zu erzielen. Insbesondere das zusätzliche Feedback durch die Dozentin und den Dozenten der HEP Vaud sei eine Bereicherung gewesen, sagen die Studentinnen und Studenten. Auch Stefan Baumann hat die Zusammenarbeit mit Nadia Lausselet und Ismaël Zosso geschätzt. Wird es also einen weiteren Austausch dieser Art geben? «Bien sûr.»

Text: Stefanie Kleinlein
Bilder: Stefanie Kleinlein und Stefan Baumann