Die Schweizerschule Mexiko in Querétaro – Pioniergeist und Engagement

Denise Da Rin war von 2008 bis 2010 Generaldirektorin der Schweizerschulen in Mexiko. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der jüngsten der drei Schulen blickt die Leiterin des Zentrums Unterricht und Lernen der PH Zürich zurück und zeigt auf, dass die Schweizerschulen in Mexiko sich hinsichtlich Unterrichtsqualität auch auf die Kompetenzorientierung ausrichten.


Als ich als Generaldirektorin der Schweizerschulen in Mexiko zum ersten Mal die Zweigstelle in Querétaro besuchte – die Schule befand sich damals noch in einem gemieteten Einkaufszentrum – traf ich auf ein engagiertes Team von Lehrpersonen und neugierige Schülerinnen und Schülern. In den Fluren konnte man ein reges Treiben beobachten, es herrschte Offenheit und Pioniergeist. Unserem «Baby», wie wir die Schule liebevoll nannten, galt unsere besondere Aufmerksamkeit, schliesslich wurde die Entwicklung der jüngsten Schule mit Spannung und Neugierde beobachtet.

Unvergesslich bleibt mir im Zusammenhang mit den Aufbauarbeiten der Schule in Querétaro die Suche nach einem geeigneten Grundstück, auf dem kurze Zeit später der Neubau der Schule entstehen sollte. Ich fuhr damals – ziemlich frisch aus der Schweiz «importiert» und mit den mexikanischen Sitten und Gebräuchen und vor allem der Immobilienentwicklung im prosperierenden gleichnamigen Gliedstaat Querétaro nicht vollends vertraut – in einem Golfwägelchen über unwegsames Ackerland auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für die neue Schule. Wir, das heisst die ebenfalls neu aus Spanien angekommene Zweigstellendirektorin und ich, standen nach dieser abenteuerlichen und holprigen Fahrt, bei der wir mächtig durgeschüttelt worden waren, plötzlich auf einer Anhöhe und blickten auf die Stadt hinunter. Ja, genau hier, abseits von Verkehr und geschäftigen Treiben der Innenstad, sollte der neue Campus mit internationalem Flair entstehen!

Kompetenzorientierung in mexikanischen Klassenzimmern

Die Schule ist unterdessen von Jahr zu Jahr gewachsen und verfügt mittlerweile über einen wunderschönen Campus. Doch wir alle wissen: Eine schöne Schule an einem guten Standort mit einer herausragenden Infrastruktur ist das Eine. Viel wichtiger und prägender für den Erfolg einer Schule bzw. für den Erfolg der Schülerinnen und Schüler sind eine zielgerichtete Schulführung und vor allem eine hohe Unterrichtsqualität. Doch was heisst das genau? Wann ist ein Unterricht gut?

Die Unterrichtsforschung hat dazu klare Antworten: Eine hohe Unterrichtsqualität zeichnet sich unter anderem aus durch vielfältige Lerngelegenheiten aus und die Gelegenheit, das Gelernte auch anzuwenden. Ferner durch aktivierende Gespräche, dem Erlernen von Lernstrategien, durch kooperative Lernformen sowie kriteriumsorientierte Beurteilungsformen. Aber auch durch hohe Leistungserwartungen an die Schülerinnen und Schüler sowie durch die Orientierung an einem Lehrplan.

Viele dieser Merkmale konnten bereits damals in den Schulzimmern der Schweizerschule in Querétaro beobachtet werden. Die Schweizerschulen haben im Aufbau und in der praxisorientierten Förderung von Kompetenzen eine langjährige Tradition und nutzen darüber hinaus die kulturelle Vielfalt ihrer Schülerschaft geschickt als Lerngelegenheiten.

Viel von dem, was im Lehrplan 21 beschrieben ist, wird auch an der Schweizerschule in Mexiko umgesetzt. Vor allem das kompetenzorientierte Lernen hatte schon damals in den meisten Klassenzimmern Einzug gehalten. Die vielzitierte «Kompetenzorientierung» meint vor allem, dass der Unterricht möglichst lebensnah gestaltet wird. Bereits der griechische Philosoph Aristoteles wusste: «Was man lernen muss, um es zu tun, das lernt man, indem man es tut.»