Lernen, lehren und leben im Ausland

Die ehemalige PHZH-Studentin Marlen Kappler lebt heute in Norrköping und unterrichtet als Oberstufenlehrerin.

132 Studierende der PH Zürich verbringen im kommenden Studienjahr ein Semester im Ausland. Die meisten von ihnen werden zurückkehren mit vielen Erfahrungen, neuen Freundschaften und schönen Erinnerungen im Gepäck. Andere werden so begeistert sein vom Leben im Ausland, dass sie früher oder später zurückkehren. So wie Marlen Kappler. Im vierten Semester ihrer Ausbildung entschied sich die damals 22-Jährige für ein Auslandsemester und reiste ins schwedische Linköping. Während ihrem Aufenthalt verliebte sie sich und kehrte drei Jahre später, nachdem sie ihr Studium an der PH Zürich abgeschlossen hatte, nach Schweden zurück. Sie blieb – selbst dann, als ihre damalige Beziehung in die Brüche ging.

An der PH Zürich haben alle Studierenden die Möglichkeit, ein Mobilitätssemester zu absolvieren. Das Angebot wird rege genutzt: 2017 haben sich beispielsweise 30 Prozent des Studienjahrgangs H15 der Primarstufe für ein Mobilitätssemester beworben. Für die Mitarbeitenden des International Office der PH Zürich, das den Studierenden als erste Anlaufstelle in Sachen Studienaufenthalt dient, ist es eine Herausforderung, alle Studierenden zu platzieren. Aufgrund der Vielzahl von Partnerhochschulen in der Schweiz, Europa und Übersee konnte bis anhin jedoch immer für alle Studierenden ein Platz gefunden werden.

«Keine Pauschalreise»

Nicht alle Destinationen seien gleich beliebt, sagt Barbara Nafzger, Austauschkoordinatorin an der PH Zürich: «Skandinavien gilt als gut organisiert und ist daher sehr beliebt. Wer etwas mehr wagt, geht nach Tallinn in Estland oder nach Cluj-Napoca in Rumänien. Es reisen aber auch jedes Jahr einige Studierende nach Hong Kong oder Guangzhou.» Letztere seien meistens Studierende, die bereits Auslandserfahrung mitbringen. Doch eines stellt Barbara Nafzger klar: «Ein Mobilitätssemester ist keine Pauschalreise. Die Organisation des Aufenthalts bedeutet für die Studierenden einen beträchtlichen Mehraufwand.» Barbara Nafzger ist überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt: «Neben dem Fachlichem lernen die meisten Studierenden auch bezüglich Reife, Eigenorganisation und Selbstständigkeit enorm viel dazu. Zudem lernen sie, was es heisst, mit jedem Satz eine Übersetzungsleistung zu erbringen. Und sie erfahren, warum Integration manchmal echte Knochenarbeit sein kann.»

Vor zehn Jahren absolvierte Marlen Kappler in Schweden ein Mobilitätssemester.

Auch Marlen Kappler brauchte Zeit, um sich an die veränderten Bedingungen in Schweden zu gewöhnen. Mittlerweile aber fühlt sich die 32-Jährige in Norrköping heimischer denn je. Sie ist verheiratet und unterrichtet als Oberstufenlehrerin 50 Prozent Deutsch und 50 Prozent Mathematik für Flüchtlingskinder. Das vielgelobte Schwedische Schulsystem habe nicht nur positive Seiten, sagt sie: «Als Lehrperson muss man 35 Stunden pro Woche am Arbeitsplatz sein. Die restlichen zehn Stunden darf man von zu Hause aus arbeiten. In diesem Punkt ist man in der Schweiz freier.» Mehr Entscheidungsfreiheit geniessen hingegen die Schülerinnen und Schüler. «Der Umgang mit den Schülerinnen und Schülern ist allgemein anders, die Beziehung ist herzlicher und näher. Vielleicht auch deshalb, weil sich hier alle gegenseitig mit dem Vornamen ansprechen.» Es habe Zeit gebraucht, um sich an diese Dinge zu gewöhnen, sagt Marlen Kappler. «Doch mittlerweile fühle ich mich wohl hier und bin sehr glücklich mit meinem Leben.»

Corina Rainer

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