Eine Woche ohne Smartphone – ein Selbstexperiment

Priscilla Galli, Studentin an der PH Zürich,  hat im Rahmen einer Lehrveranstaltung in Medienbildung eine Woche auf ihr Smartphone verzichtet. Ihre Erfahrungen hielt sie in einem Bericht fest, der hier in gekürzter Form veröffentlicht wird.


 

Mittwoch

Heute habe ich mich um Punkt 12 Uhr für eine Woche von meinem iPhone verabschiedet. Obwohl ich mich selbst nicht als «Smartphone-Addict» bezeichnen würde, da ich gut auskomme, ohne mein Telefon nonstop zu checken, es beim Essen nie auf den Tisch lege und oft den Flugmodus aktiviere, muss ich zugeben, dass es sich ungewohnt anfühlt, komplett ohne Telefon unterwegs zu sein.

Vorbereitend habe ich mir für diese Woche alle wichtigen Nummern notiert, meine Arbeitgeber informiert, dass ich diese Woche nur per E-Mail erreichbar bin und den Personen, mit denen ich am meisten Kontakt habe, Bescheid gegeben, dass sie mich über Facebook erreichen können.

Am Abend war meine Familie zu Besuch. Es war ein komisches Gefühl, mich darauf verlassen zu müssen, dass sie um die vereinbarte Zeit erscheinen. Eigentlich eine traurige Erscheinung, da Abmachungen, Verlässlichkeit sowie Pünktlichkeit definitiv an Wert verloren haben, seit wir die Möglichkeit haben, andere sofort telefonisch über die eigene Verspätung zu informieren.

Donnerstag

Zwischendurch habe ich heute vergessen, dass ich mein Smartphone abgegeben habe. Den Abend habe ich bewusst wahrgenommen, da ich endlich mal wieder in meinem Buch gelesen habe, das ich schon vor längerer Zeit begonnen habe. Ich lese sehr gerne, lasse mich aber oft durch Facebook-Videos ablenken und ehe ich mich versehe, habe ich bereits eine knappe Stunde online verbracht.

Samstag

Heute musste ich nicht arbeiten und hatte einen ruhigen Samstag geplant. Ich nahm mir vor, ein bisschen für die PH zu lesen, da ich das bis jetzt total vernachlässigt hatte. Dies konnte ich ganz konzentriert tun und mir dann ohne schlechtes Gewissen eine lange Pause gönnen. Als ich ein Telefon tätigen musste, lieh mir meine Mitbewohnerin eines. Später schrieb mich eine Freundin auf Facebook an, wie mein Leben ohne Telefon und abseits des Geschehens sei. «Ehrlich gesagt», antwortete ich ihr, «ist es ziemlich erholsam, solltest du auch mal ausprobieren». Danach loggte ich mich schnell wieder aus.

Dienstag

Heute im Zug habe ich mich das erste Mal geärgert, kein Smartphone zu haben. Bisher habe ich es gut ausgehalten, keine Musik zu hören. Aber heute früh sass ich mit mitteilungsbedürftigen Personen im Abteil und hielt es kaum aus, alles mithören zu müssen. Auch am Mittag gab es eine Situation, in der ich gerne jemanden angerufen hätte, da ich nicht wusste, wo die Person war.

Mittwoch

Mein letzter Tag ohne Smartphone! Die Woche ging extrem schnell vorüber. Soeben hatte ich die Lehrveranstaltung «Medienbildung» und ich konnte meine Erfahrungen und Eindrücke teilen. Spannend, wie die anderen Studierenden interessiert waren und so viele Fragen stellten. Fragen wie «Wie hast du mit anderen abgemacht?» haben mir einmal mehr gezeigt, wie stark verankert das Smartphone in unserem Alltag ist. Aktionen, die wir früher ohne Smartphone gemeistert haben, kommen uns nun unmöglich vor. Am Ende der Doppelstunde bekam ich mein Smartphone zurück. Ich habe soeben meine Nachrichten gecheckt: Eine Combox-Nachricht, 20 SMS und 74 WhatsApp-Nachrichten, davon vier wichtige Nachrichten, die ich beantworten muss. Der Rest? Memes, Nachrichten von Personen, die vergessen hatten, dass ich telefonlos war sowie unnötige Spamnachrichten in Gruppenchats. Aktuell liegt mein Telefon im Flugmodus in meiner Tasche. Wie schön das Leben doch ohne Smartphone sein kann.

Fazit

Diese Woche hat mir gezeigt, dass ich gut ohne mein iPhone auskommen kann, worauf ich – ehrlich gesagt – schon ein wenig stolz bin. Ich konnte mich organisieren und hatte nie das Gefühl, dass ich es ohne nicht aushalte. Ich könnte sogar gut eine weitere Smartphone-lose Woche anhängen. Was mir am meisten am Gerät gefehlt hat, war meine Musik.

Schultechnisch habe ich nur profitiert in dieser Woche. Ich war beim Lesen zu Hause viel konzentrierter, effizienter und genoss besseren und längeren Schlaf. In den Lehrveranstaltungen war ich viel präsenter, da ich kaum abgelenkt war. Diese hohe Konzentration erhoffe ich mir auch künftig im Lehrerberuf bei meinen Schülerinnen und Schülern. Einerseits vereinfacht es mir das Unterrichten, andererseits profitieren die Schülerinnen und Schüler von ihrer eigenen erhöhten Konzentration.

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