Ein Tagesschau-Moderator zu Gast an der PH Zürich

Die Erstsemester-Studierenden sind beeindruckt: «Das ist ja genial», sagt einer, «Von hier aus kann man sogar die Berge sehen», antwortet eine andere und ein weiterer fragt: «Denkt ihr, dass absichtlich dieser Raum ausgewählt wurde?» Wer schon einmal im Raum M021 war, der sich im neunten Stock des Hauptgebäudes der PH Zürich befindet und eine Aussicht auf das Grossmünster, den Zürichsee und die Glarner Alpen gewährt, kann die Begeisterung der Studierenden verstehen. Und wer weiss, dass demnächst ein Moderator des Schweizer Radio und Fernsehens den Raum betreten wird, der kann auch die Schlussfolgerung, man müsse das Zimmer aufgrund des Gastes gebucht haben, nachvollziehen. Tatsächlich handelt es sich bei Florian Inhauser um ein prominentes Gesicht, das regelmässig in der Hauptausgabe der Tagesschau zu sehen ist. Doch Dozent Peter Holzwarth hat den Raum aufgrund seiner Grösse und Flexibilität reserviert und nicht wegen der Prominenz des heutigen Gastes. Denn schnell sind hier die Tische beiseite geschoben und die Stühle zu einem grossen Kreis angeordnet, in dem der Moderator den Studierenden in den nächsten 60 Minuten Rede und Antwort stehen wird.

Die Veranstaltung an diesem Novembermittwoch findet im Rahmen des Grundlagen-Moduls «Medienbildung 1» statt, welches alle Studierenden der Primarstufe im ersten Jahr absolvieren. Ziel des Moduls ist einerseits, dass die Studentinnen und Studenten die Grundlagen der Medienbildung kennen und sich mit Grundbegriffen vertraut machen. Andererseits sollen sie ihr eigenes Medienverhalten und Werthaltungen reflektieren. In der Stunde mit Florian Inhauser erfahren die angehenden Primarlehrpersonen aus erster Hand, was es heisst, bei einem Medium zu arbeiten, welche Überlegungen hinter einem Beitrag stecken aber auch, was man von Medienschaffenden lernen und allenfalls in den Lehrberuf übertragen kann. Zur Vorbereitung haben die Studierenden eine Tagesschau-Sendung analysiert. Sie haben bildästhetische Elemente und narrative Strukturen angeschaut und die Körpersprache des Moderators unter die Lupe genommen. Schliesslich haben sie auf einem «Padlet», einer digitalen Pinnwand, ihre Fragen an Florian Inhauser gesammelt.

«Ihr dürft alles fragen, was euch interessiert – seien es Fragen zu Nachrichten und Journalismus oder seien es persönliche», erklärt Peter Holzwarth zu Beginn der Lektion und die Studierenden scheuen sich in der darauffolgenden Stunde nicht, diese Aufforderung in die Tat umzusetzen: «Sind Korrespondenten tatsächlich immer vor Ort, wenn sie in der Tagesschau interviewt werden?», «Schreiben Moderatoren ihre Texte selber?» und «Weshalb berichten die Medien immer so negativ?», wollen sie wissen. Florian Inhauser gibt offen und ehrlich Auskunft. Auf die letzte Frage antwortet er mit einer Gegenfrage: «Was lesen Sie eher: Einen Bericht über drei Tote bei einem Busunglück im Wallis oder die Meldung, dass Schweizer Bauern dieses Jahr besonders viele Zuckerrüben ernten konnten?» Die Studentinnen und Studenten sind sich einig: Den ersten Bericht. «Sehen Sie, so funktioniert die menschliche Psychologie», fasst der Moderator zusammen. «Evolutionär bedingt interessiert sich der Mensch grundsätzlich eher für schlechte Nachrichten, da sie ihm Informationen über mögliche Gefahren geben.»

Die Stunde mit dem Moderator ist schnell vorbei. Nur noch wenige Minuten bleiben, dann muss er sich auf den Weg ins Fernsehstudio machen, um die nächste Sendung vorzubereiten. Man einigt sich auf drei letzte Fragen. «Was sagen Sie eigentlich zum Thema Lügenpresse?», will einer der Studierenden wissen. «Zur Beantwortung dieser Frage bräuchte ich wohl nochmals eine Stunde», antwortet Florian Inhauser und lacht. «Deshalb nur so viel: Es ist sehr schwierig, Leute ins Boot zu holen, die sich weigern, Medien zu nutzen.» Peter Holzwarth ergänzt: «Als angehende Lehrpersonen können Sie dazu aber sicherlich einen Beitrag leisten, indem Sie das politische Interesse von Kindern wecken.» Der Moderator stimmt zu: «Als Lehrerin oder Lehrer haben Sie ganz andere Gestaltungsspielräume als ich sie habe. Nehmen Sie diese Möglichkeiten wahr.»

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