Generationsübergreifende Medienbildung mit den CompiSternli

Nach einer längeren Pause ist das preisgekrönte Projekt CompiSternli wieder zum Leben erwacht. CompiSternli ist eine Non-Profit-Organisation im Bereich Medienbildung, die sich für intergenerationelles Lernen von Medienkompetenzen einsetzt. Die so genannten CompiSternli sind engagierte Schülerinnen und Schüler, die im Umgang mit Tabletcomputern versiert sind und älteren Personen die Computerwelt näher bringen wollen.

CompiSternli als Brückenbauer zwischen Generationen

Gegründet wurde der gleichnamige Verein 2006 von Rahel Tschopp, Dozentin für Medienbildung an der PH Zürich. Als Dozentin von Weiterbildungsseminaren für Lehrpersonen sah sie so manche von ihnen am Umgang mit dem Computer verzweifeln. Nicht selten fiel dabei der Satz «Wenn ich das nicht begreife, wie sollen es dann erst die Schülerinnen und Schüler verstehen?». Diese Ausgangslage wurde zur zündenden Idee für das Projekt. Rahel Tschopp fand Gefallen am Gedanken des Generationendialogs und erarbeitete mit 12 Mittelstufenkindern ein Konzept, das älteren Personen den Einstieg in die digitale Welt erleichtern sollte. Die am Projekt teilnehmenden Schülerinnen und Schüler wurden so zu kompetenten und kritischen Medienanwenderinnen und Medienanwendern ausgebildet. In die Arbeit mit den älteren Personen konnten die CompiSternli zudem Geduld und Empathie einbringen, ihre Sozialkompetenzen erweitern und lernen wozu sie fähig sind, wenn man ihnen Verantwortung und Raum für Ideen gibt.

Rahel Tschopp organisiert die iPad-Kurse für Seniorinnen und Senioren zusammen mit der Privatschule «Lern mit» in Wohlen AG. Interessierte konnten sich kürzlich an der PH Zürich in einem Schnupperkurs informieren und sich ein Bild von dem Angebot machen. Vier der äusserst zahlreich erschienenen Seniorinnen waren Barbara, Emeli, Silvia und Iside. Die Schülerinnen und Schüler erklärten ihnen in sieben aufeinander aufbauenden Abschnitten die Grundfunktionen des Tabletcomputers.

Swipen, Saven, Surfen

Es wurden Fotos geschossen und bearbeitet, Videos gedreht und Begriffe wie «App» oder «Home Button» erläutert. Neben dem Umgang mit dem iPad konnten die Teilnehmerinnen digitales Vokabular kennenlernen. Mit den vielen Anglizismen, die für die Kinder zur Alltagssprache gehören, wussten die Seniorinnen wenig anzufangen. Also wurde das iPad fortan statt durch «swipen» durch «wischen» bedient, Fotos wurden «gespeichert», nicht «gesaved» und als es darum, ging mit dem Browser im Internet zu «surfen», erklärten die Kinder das Wort damit, Informationen aus dem Internet zu recherchieren.

Teilnehmerin Barbara Villiger entschied sich zusammen mit den CompiSternli Luca und Laurin im Internet nach dem Strohmuseum in Wohlen zu suchen, wo es so schöne Strohgeflechte gäbe. Umso erstaunter war sie, als ihr die Suchmaschine google wegen eines Tippfehlers das Strommuseum im deutschen Recklinghausen als Suchergebnis vorschlug. Emeli Voit geriet über die Kommunikationsfunktionen des iPads in Verzückung. Besonders die Videotelefonie-App Facetime, die ihr die CompiSternli Cindy und Linus mit vielen Beispielen erklärten, faszinierte sie. «Das ist ja toll! Kann man euch nicht mieten?», fragte sie die Kinder lachend. Silvia Hess staunte über die SBB-App, die ihr mühelos und binnen Sekunden Reisepläne zur Verfügung stellte, Iside Erismann erfreute sich an der App des SRF, die Medieninhalte auch nach dem Ausstrahlungstermin noch sieben Tage lang in einer digitalen Mediathek zur Verfügung stellt.

Die Neugierde seitens der Seniorinnen war ebenso gross wie ihre Bewunderung für die Kinder, die «mit grossem Eifer», wie Iside Erismann bemerkte, Brücken zwischen den Generationen schlugen. Ihren eindrücklichen Beispielen für den Einsatz digitaler Medien im Alltag ist es zu verdanken, dass zwei der Teilnehmerinnen sich nach dem Kurs sogar erkundigten, wo man denn so ein iPad kaufen könne.

Die PH Zürich bedankt sich bei CompiSternli und Teilnehmenden des Schnupperkurses und wünscht weiterhin viel Spass bei der Erkundung neuer digitaler Wege.