Mit veganer Küche zu mehr Nachhaltigkeit

Bereits zum dritten Mal findet dieses Jahr an Zürcher Hochschulen eine Nachhaltigkeitswoche statt. Organisiert werden die Anlässe von ca. 60 Studierenden der PH Zürich, ZHAW, ZHdK, Uni und ETH Zürich. Das Programm ist in fünf Tagesthemen gegliedert. Am zweiten Tag drehte sich alles um das Thema Faulheit. Im Angebot stand dabei unter anderem auch ein veganer Kochkurs. Dieser fand in den Hauswirtschaftslehrräumen der PH Zürich statt. Das Interesse daran war gross: Über 80 Personen hatten sich ursprünglich angemeldet. Aus Kapazitätsgründen konnten jedoch nur 24 Studierende teilnehmen.

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PH-Studentinnen Cristin Eiholzer (l.) und Lea Schenker. Foto: Sarah Paciarelli

Vegan kochen ist aufwendig, kompliziert und ob es am Ende schmeckt, ist fraglich. Das seien die gängigsten Vorurteile gegenüber veganer Küche, erklären die PH-Studentinnen und Organisatorinnen des veganen Kochkurses, Cristin und Lea, von denen keine vegan oder vegetarisch lebt. Der Kurs soll das Gegenteil beweisen: «Eigentlich ist vegan kochen voll easy», sagt Cristin. Die Message der beiden ist klar: Das Umgehen nachhaltiger Ernährung ist nicht selten die Folge von Bequemlichkeit und Faulheit, denn auf tierische Produkte zu verzichten bedarf nicht mehr als einer Prise Umdenken und einer Messerspitze Kreativität. Mit Sacha Schlegel, veganem Koch und Mitglied des KochKollektivs, sowie seiner Frau Ursula, einer Hauswirtschaftslehrerin, haben sich Cristin und Lea für den Kurs erfahrene Unterstützung ins Boot geholt.

«Ich bin weder vegetarisch noch vegan. Ich bin hier, um meine Freundin zu unterstützen.» Mit diesen Worten stellt sich der ETH-Student Sandro vor. Die Gründe für die Kursteilnahme sind so unterschiedlich wie das auf den Arbeitsplatten der Kochinseln bereitliegende Obst und Gemüse: immer teurer werdende Fleisch- und Milcherzeugnisse, philosophische Überlegungen, wie zum Beispiel ethische Bedenken gegenüber dem Töten von Tieren, Laktoseintoleranz, Abneigung gegenüber Massentierhaltung, Inspiration für neue Rezepte etc. Was alle Teilnehmenden verbindet, ist die Neugierde und der Wunsch danach, durch Verzicht auf tierische Produkte, ob dauerhaft oder ab und zu, der Umwelt etwas Gutes zu tun.

«Veganer können sehr penetrant sein», bedauert Schlegel, der eigentlich studierter Informatiker ist, während seines Einführungsvortrags. Er versteht seine Tätigkeit als «politisches Kochen», da fleischfreie Ernährung hilft die CO2-Emissionen zu senken und somit aktiv einen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Vegane Ernährung ist ein Politikum, da es für globale Abhängigkeiten sensibilisiert, für Themen wie fair trade, food waste, Welthunger sowie Ausbeutung ein Bewusstsein schafft und sich zum Beispiel mit Kontroversen um Konzerne wie Monsanto befasst, der durch genmanipuliertes Saatgut ganze Ökosysteme durcheinander bringt.

Schlegel, der im fünften Jahr vegan lebt fühlt sich als Veganer besser. Physisch wie moralisch. Trotzdem betont er, dass veganes Leben eine sehr persönliche Entscheidung sei, die ebenso respektiert werden müsse wie die Entscheidung gegen ein konsequent veganes oder vegetarisches Leben. Eines ihrer gemeinsamen Kinder sei selbst Fleischesser, das andere ernähre sich vegetarisch, wirft seine Frau Ursula ein. Statt veganer Ideologie tischt er Fakten auf, zum Beispiel, dass 60 Prozent der Getreideernte darauf verwendet werde, für die Fleischproduktion vorgesehene Tiere zu nähren. Auch klärt er auf und betont, dass bio nicht unbedingt nachhaltig ist, da viele bio-Produkte z.B. erst aus fernen Ländern importiert werden müssten. Der Bauer von nebenan sei deshalb oft die bessere, weil regionale und saisonale Alternative.

«Wie beuge ich bei veganer Ernährung – besonders als Frau – Eisenmangel vor?» fragt eine der Studentinnen.  «Sind genmanipulierte Pflanzen für den Menschen gesundheitsschädlich?», möchte ein Teilnehmer wissen. «Ist vegan eigentlich automatisch gesund?» fragt ein anderer. Nachdem Fragen und Tipps, wie zum Beispiel mit Vitamin B12 angereicherte Zahnpasta, im Plenum diskutiert worden sind, präsentiert Ursula das «Faulheitsmenü».

Im Angebot stehen zwei Menüs mit jeweils drei Gängen: Zürcher Geschnetzeltes aus Seitan und Tofu-Sellerie-Rübli-Hamburger sind die Hauptgänge. Dazu werden Rösti, Pommes Frites, Randen-Apfel-Salat, ein grüner Salat und gedämpfte Rübli serviert. Zum Dessert gibt es Schoggimousse, Pancakes und Apfelstrudel.

Die Stimmung unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist heiter und erwartungsfroh und kaum ist die Einführung von Sacha und Ursula Schlegel abgeschlossen, beginnen sie mit den Zubereitungen. Es wird geschält, geschnibbelt, gerieben, gehackt, gerührt und gebraten, während die zwei Profis von Kochinsel zu Kochinsel gehen, Tipps geben und selbst mithelfen. Die aufsteigenden Aromen lassen schon bald erahnen, wie lecker die veganen Gerichte am Ende der Veranstaltung schmecken werden.