Stage professionnel in der Romandie II

Studierende der Sekundarstufe I mit Fremdsprachen im Fächerprofil absolvieren während ihres Studiums ein Unterrichtspraktikum im jeweiligen Sprachgebiet. Studentin Anina Widmer hat in einem früheren Beitrag ihre Erwartungen an das stage professionnel geschildert. Nach ihrer Rückkehr aus dem Kanton Neuenburg hat sie uns Spannendes zu berichten gehabt.

Frau Widmer, wie war es nach einer fast 6-monatigen Pause wieder Französisch zu sprechen – und das auch noch vor einer fremden Klasse?
Es war so, wie nach einem Jahr wieder aufs Snowboard zu steigen. Gewisse Regeln musste ich anfänglich in Erinnerung rufen, grammatikalische Regeln beispielsweise. Ich musste zunächst meine sprachliche Ausrüstung ein bisschen aufpolieren und das Vokabular in Erinnerung rufen. Daraufhin konnte ich Vollgas geben. Ça roule, maintenant, ça roule, murmelte ich nach zwei Tagen still vor mich hin.

Hat sich Ihr Französisch verbessert?
Meine Französischkenntnisse haben sich definitiv verbessert. Zum einen habe ich grosse Fortschritte in der Aussprache gemacht – als ursprüngliche St. Gallerin benötigt man ein bisschen Training, ehe man das ‚j’ weich aussprechen kann. Zum anderen konnte ich meinen Wortschatz auffrischen. Die Verständigung auf Französisch fiel mir leicht, war ich doch von der Sprache umgeben. Die aufgeschnappten Wörter konnte ich gleich aktiv anwenden.
Allerdings hätte ich meinen Wortschatz gerne etwas mehr erweitert. Da das Vokabular aus dem Wortfeld ‚Schule und Bildung’ während der Schulzeit, an der Universität wie auch an der PH Zürich ohnehin stets zur Anwendung kommt, war ich fürs Unterrichten bereits ziemlich gut gewappnet. Ein Praktikum in einem anderen Umfeld, z.B. in einem Unternehmen oder bei einer Tageszeitung, hätte sicher mehr zu einer Wortschatzerweiterung beigetragen.

Das stage professionnel dient neben dem Erwerb von Berufserfahrungen und der Vertiefung der Fremdsprachenkenntnisse auch dem Kulturaustausch. Wie war es bei «den Welschen»?
Die Bevölkerung ist ethnisch und kulturell sehr heterogen. Das erkennt man z.B. an den Namen der Kinder, die Melik, Senat oder Iara heissen. Der unterschiedliche kulturelle Background der Kinder scheint auf ihr Miteinander keinen Einfluss zu haben und erinnerte mich an Michael Jacksons berühmte Songzeile „no matter if you’re black or white“. Dieses Bild hat sich in Biel wie auch in der Schule in Le Landeron positiv bestätigt. Angenehm aufgefallen ist mir zudem, dass ‚die Welschen’ in der Öffentlichkeit weniger mit ihren Smartphones beschäftigt sind als in Zürich. Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen aufmerksamer sind, stärker aufeinander Acht geben und mehr miteinander kommunizieren. Von meinem Mitbewohner in Biel, einem Musiker und echtem (Über)Lebenskünstler, habe ich gelernt, bewusster zu konsumieren und mit weniger Geld zu wirtschaften. Auf den Kauf unnötiger Kleinigkeiten habe ich verzichtet. Den morgendlichen Kaffee, den ich in Zürich üblicherweise to go kaufe, habe ich zum Beispiel durch selbst gebrühten ersetzt. Wahnsinnig beeindruckt und erfreut hat mich zudem das kulturelle Leben in Biel. Das Angebot ist für eine Stadt dieser Grösse unglaublich vielfältig.

Welches sind Ihre wichtigsten Erfahrungen, die Sie beim Unterrichten gemacht haben?
Als Praxiserkenntnis nehme ich mit, dass es für französischsprachige Jugendliche sehr spannend und amüsant ist, einen Exkurs zum Thema Mundart zu machen, insbesondere weil die Aussprache eines ‚k’ oder ‚ch’ bei ihnen dazu führt, dass ihnen beinahe das Trommelfell platzt. Ausserdem ist mir aufgefallen, dass gerade grammatikalische Regeln von Jugendlichen, die Französisch als Muttersprache sprechen, anders gelernt werden, als ich sie mir als Schweizerdeutsch-Muttersprachlerin aneigne. So kam ich beispielsweise zur Erkenntnis, dass der Subjonctif nicht immer so angewendet wird, wie ich es gelernt habe. Mein didaktisches Instrumentarium habe ich während des stage professionnel nicht wirklich erweitern können. Das lag vermutlich daran, dass sich das didaktische Credo in Neuenburg sehr stark vom Zürcher unterscheidet – mir persönlich entspricht das Zürcher Vorbild viel mehr.Die Schule an der ich mein stage absolvierte, ist Teil des Harmos-Systems. Die Harmonisierung zog nach sich, dass neue, didaktisch und fachlich hervorragende Lehrmittel erschienen sind. Allerdings brachte sie auch einen Bürokratieapparat mit sich, der Vieles sehr strikt regelt. Eine Folge davon ist z.B., dass Elternarbeit dort fast ein Fremdwort zu sein scheint.

Welche Praxiserkenntnisse werden Sie in Zukunft in Ihrer Unterrichtsgestaltung berücksichtigen?
Aus Le Landeron nehme ich mit, dass meine Art des Unterrichtens sehr innovativ ist und den Jugendlichen Verantwortung abverlangt, aber auch Autonomie gewährleistet. Dies hat mich darin bestärkt, meinen Unterrichtsstil auch in Zukunft beizubehalten. Autonomie und Verantwortung sind wichtige Werte für mich. Ganz im Sinne des aufklärerischen Credos Liberté, Égalité, Fraternité (zu dt. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) möchte ich sie in meiner Lehrpraxis verankern. Die Arbeiten des Soziologen Zygmunt Bauman, der die Bedeutung von Toleranz und Akzeptanz in einer immer komplexer werdenden Welt untersucht, haben mich ebenfalls in meiner Unterrichtsgestaltung beeinflusst. Der Besuch des Freifachs ‚Chor’ in Le Landeron hat mich zusätzlich motiviert, mich im Bereich des Möglichen aktiv und praktisch für mehr Musik in der Schule einzusetzen. Aus der Zeit in Neuenburg nehme ich auch einzelne Chansons mit, die ich nach den Sportferien in meinen Musikunterricht integrieren werde.

Bielersee oder Lac de Bienne
Bielersee oder auch Lac de Bienne

Während des stage wurde Anina Widmer von Herrn Claude Beyeler, Lehrer an der «L’école aux Deux thielles» in Le Landeron, betreut. Auch ihn haben wir kontaktiert und ihn darum gebeten, uns zwei Fragen zu beantworten.

Welche Bedeutung hat das fremdsprachige Unterrichtspraktikum im Rahmen der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung für Sie? 
Ihre Frage ist schwer zu beantworten. Ich würde sagen, dass es vor allem dazu dient zu verstehen, dass eine Fremdsprache jenseits des Schriftlichen und Theoretischen existiert. Jede Sprache hat Elemente, die es nur im Gesprochenen, nicht aber im Geschriebenen gibt, eine Alltagssprache sozusagen. Das ist es, was die Lernenden dazu bringt, neue und regionale Ausdrücke und Ausdrucksweisen zu erlernen.

Welches Charakteristikum von Anina Widmers Unterrichtsgestaltung war in der Klasse besonders gern gesehen?
Offenbar haben die Schülerinnen und Schüler grossen Gefallen an einer Praktikantin gehabt, die sich trotz ihrer sympathischen kleinen Fehler und ihres Akzents aktiv ins Unterrichtsgeschehen eingebracht hat. Es sind die kleinen sprachlichen Unkorrektheiten, die die Schwierigkeit des Fremdsprachenerwerbs aufzeigen – sogar auf dem hohen Level einer Studentin gegenüber Schülern, die auf Deutsch überwiegend Stammeleien hervorbringen.

Technikwoche 2015 an der PHZH

Klappschaltung
Löten einer elektronischen Schaltung

47 Studierende des Fachbereichs Natur und Technik auf der Sekundarstufe I befassten sich Ende Januar eine Woche lang intensiv mit der Bedeutung der Technik für unsere Gesellschaft. Im Zentrum stand ein Firmenprojekt, für das sich die Studierenden einerseits mit einer Technik auseinandersetzten und andererseits ein neues, innovatives und nützliches Produkt erfanden.

Bildschirmfoto 2015-02-09 um 15.39.58
Formgebende Konstruktion

Süsse Schokoladenlämpchen, die nicht nur eine kulinarische Erleuchtung versprachen, clevere Serviertablette, welche die Drinks so richtig zur Geltung brachten oder doch lieber eine pflegende Crème in der schicken Bambusverpackung? Dies und noch viel mehr präsentierten die jungen StartUp-Unternehmerinnen und  -Unternehmer der PH Zürich am Ende der Technikwoche.

Technik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, sie ist allgegenwärtig. Dies fordert von der Gesellschaft, dass sie damit umgehen kann, Türen öffnet und Grenzen setzt, die nötigen Fachkräfte hervorbringt, welche diese Technik auch unterhalten und weiterentwickeln können.

Genau auf diese Gegebenheit wurden die Studierenden der Naturwissenschaften in dieser Woche sensiblisiert. Prof. Gassert von der ETH präsentierte sein Forschungsfeld, eine Kombination von Robotik und Neurowissenschaften um technische Hilfsmittel für die Reha zu erschaffen. Rudi Neuberth verwickelte die Studierende in spannende Dilemma-Situationen mit seinem Referat zu «Technik und Ethik».

Bildschirmfoto 2015-02-09 um 15.23.03
Positivabdruck der Holzform

Auf dem Programm standen zwei Besuche von Unternehmen. Ein ganz besonderer Einblick bot der 26-jährige Jungunternehmer Andreas Guggenbühl in seiner Firma «Selfnation». Eindrücklich zeigte er auf, wie er mit seinem Team den Onlinehandel von Jeans revolutionierte und mit einer speziellen Technik das Problem der massgeschneiderten Jeans gelöst wurde.

Im «Go-Tec!»-Wissenslabor in Neuhausen arbeiteten die Studierenden mit den Lehrlingen zusammen und liessen sich von der Begeisterung für Technik anstecken.

SchokoLEGO
Legoähnliche Schokosteine

Nebst den verschiedenen Inputs und dem Entwickeln der Firma und den entsprechenden Produkten war aber auch die schulische Umsetzung eine wichtige Aufgabe der Studierenden. Sie entwickelten mit einfachen Mitteln verschiedenste technische Apparate, mit denen sie den Schülerinnen und Schülern Technik lustvoll vermitteln können. So entstanden Beamer für Smartphones, Raketenfahrzeuge, einfache Destillationsapparate, elektrotechnische Problemlöseaufgaben und vieles mehr.

Die Technikwoche wird vom Fachbereich Natur und Technik in enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Design und Technik seit 2006 organisiert und durchgeführt.

Wir danken allen Studierenden und unseren Partnern für ihren Einsatz und hoffen, dass die Studierenden in Zukunft die Bildung genauso gut verkaufen, wie ihr eigenes Produkt.