Classroom of the Future

Um die Lehrerinnen und Lehrer für die “21st century-competencies” auszubilden hat das NIE all seine Seminarräume grundsätzlich umgebaut. Es gibt seit 2012 nur noch Möbilierungen, die kollaboratives Arbeiten, problemlösendes Lernen, Case-Studies usw. unterstützen. Vgl. Youtube.

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Bilder aus der Website
Unterdessen ist man am NIE mit Microsoft am Weiterentwickeln eines “classrooms of the future” (Website)
Man möchte zeigen, wie in Zukunft gelernt wird:

  • kooperativ
  • adaptiv
  • personalisiert
  • global, es können also Lernende aus ganz anderen Umgebungen teilnehmen
  • authentisch, d.h. von tatsächlichen Problemen ausgehend, man könnte wohl auch von situiertem Lernen sprechen

Technologie macht es möglich, dass man folgendermassen lernt:

  • Immer und überall
  • in Lernumgebungen, die auch Simulationen ermöglichen
  • spielbasiert (game-based) und kollaborativ
  • nahtlos (“seamless”), mit multimedialen Inputs
  • mit Learning Analytics, d.h. der Lernstand der einzelnen Lernenden wird analysiert und das Lernprogramm wird demnach individuell entsprechend angepasst

Die Trends sind sicher richtig getroffen, momentan werden sie in der Literatur immer wieder erwähnt.
Das Lernprogramm “Globale Erwärmung”, das uns vorgeführt wird, ist sicher auch ein Beispiel für ein brennendes komplexes Problem, für dessen Verständnis sehr viel Wissen nötig ist. Mit “Personal Learning Devices”, d.h. einem Tablet lernen wir an verschiedenen Stationen:

    • zu Hause (Learning Analytics und Game-based Learning)
    • in einem Kaffee (Seamless Learning in Netzwerken, Semantic Search)
    • in einem Klimasimulator (es soll sich hier um Erfahrungslernen “4-Dimensions experiental learning” handeln)
    • in einem Klassenzimmer (auch hier wieder seamless education, mit zugeschalteten Experten und Lernenden aus anderen Ländern und einer Lehrperson, die sich ebenfalls zuschaltet).

Wir finden, dass Lernertrag und Aufwand in keinem Verhältnis stehen. Lernen heisst immer auch, selbst entdecken, eigene Erfahrungen machen, Hypothesen bilden, diese verwerfen und neu bilden und so Verständnis langsam aufbauen. Und das kommt in diesem Classroom of the Future 3.0 unseres Erachtens zu kurz. Ich denke, man hat sich bei der Umsetzung (nicht bei der ursprünglichen Planung) zu stark auf die IT-Möglichkeiten und auf die Vorstellungen von Innenarchitekten über Zukunft und zu wenig auf das Lernen und Verstehen selbst, das immer auch Zeit braucht und auf Widerstände trifft, konzentriert.

Anschliessend besuchen wir noch die sehr einladende Bibliothek, auch ein “classroom of the future”. Sie verfügt über schöne Arbeitsplätze, Miet-PC, Wireless, einen 3-D-Drucker, Gruppenräume und ein Kaffee.

2 thoughts on “Classroom of the Future

  1. Vielen Dank für den spannenden Beitrag. Und vor allem auch die persönlichen Gedanken dazu.
    Im Bereich Medienbildung machen wir uns viele Gedanken zum Stellenwert und zu den Möglichkeiten von ICT im Klassenzimmer. Allerdings gehen wir nicht vom Klassenzimmer der Zukunft aus, sondern vom Klassenzimmer der Gegenwart.

    Wenn unter Klassenzimmer der Zukunft fast ausschliesslich gemeint ist, dass Inhalte stark didaktisiert und medial aufbereitet werden, damit sie danach orts- und zeitunabhängig rezipiert werden können, dann finde ich das problematisch. Medienvermittelte Inhalte können tatsächlich viele Vorteile mit sich bringen. Gut gemachte Lehrvideos können komplexe Inhalte besser darstellen, als ein Lehrtext oder Erklärungen der Lehrperson das je könnten. Das ist zu fördern. Das darf aber nicht zum alleinigen Unterrichtskonzept werden.

    (Medien-)Technologie verändert die Gesellschaft. Und umgekehrt. Davon betroffen sind auch die Schulen, Lehrpersonen, Schüler/innen und andere Akteure. Eine der Kernfragen lautet: «Wie kann (Medien-)Technologie für das Lehren und Lernen im Klassenzimmer der Gegenwart gewinnbringend eingesetzt werden?» Im Fokus stehen nicht die «Retortenschulen der Zukunft», sondern die aktuellen Schulen. Die Fragen der Gegenwart. Wo kann angeknüpft werden? Wie kann der angesprochene Lernertrag gefördert/verbessert werden, ohne den Aufwand zu erhöhen?

    Die Zukunft kommt bestimmt 😉 Wir müssen sie nicht vorwegnehmen, sondern uns in kleinen realistischen und sinnvollen Schritten vorwärts bewegen. Dazu wollen (und müssen) wir als PH einen Beitrag leisten.

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