South China Normal University SCNU

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Bilder SCNU zVg
Wir werden von President Liu Ming, Vice-President Guo Jie, dem Associate Dean der School of Education Fuming Zheng, dem Deputy Director of Academic Affairs Lin Tianlun, dem Director des Office of International Exchange and Cooperation Dai Shu und seiner Stellvertreterin Tan Weihong begrüsst.

Liu Ming ist Psychologe, er hat in Japan studiert und entschuldigt sich, deshalb kaum Englisch zu sprechen. Er stellt die SCNU kurz vor
Die Hochschule war letztes Jahr 80 Jahre alt und hat eine wechselvolle Geschichte.

Die Normal Universities in Ostasien sind ursprünglich nach den französischen Ecoles Normales so benannt, “normierende” auch Haltungen und Moralvorstellungen vermittelnde Institutionen. Weil die Fachlichkeit als für Lehrpersonen auf allen Stufen so wichtig angesehen wird, haben sie über die Jahre auch Fakultäten und Lehrstühle für alle Fachwissenschaften integriert oder geschaffen. Heute werden nur noch 40% der 33’000 Undergraduate und 10’000 Master- und Doktoratsstudierenden Lehrpersonen. Aber auch diejenigen, die nicht Lehrpersonen werden, studieren “to serve the society better”. Nach wie vor seien Lehrpersonenbildung und Bildungswissenschaften Herzstücke der SCNU. Man bemühe sich, den Studierenden ein diversifiziertes, individuell gestaltbares Studium anzubieten. Die SCNU gehört zu den Qualitätshochschulen des Projekts 211 (100 exzellente Hochschulen für das 21. Jahrhundert).

Die SCNU bietet die hier aufgeführten Studienprogramme a.

Internationale Kooperationen sind sehr wichtig, seien dies Faculty Exchange, Student Exchange oder Joint Ventures. Ziel ist, jedes Jahr 2000 internationale Studierende zu haben und 2000 Studierende ins Ausland zu schicken.
Gute Zusammenarbeitsbeispiele im Bereich Lehrpersonenbildung sind z.B. die schon acht Jahre laufenden Weiterbildungen für Schulleitende (Zusammenarbeit mit Vanderbilt und Aberdeen). Jeweils etwa 20 Schulleitende machen ein Programm mit Weiterbildung und Jobshadowing in China, chinesische Schulleitende in Aberdeen und Tennessee. Solche Trainings im Ausland sind natürlich beliebt, man muss sich darum bewerben, sie sind aber andererseits auch auf allen Stufen erwünscht und werden wenn immer möglich gefördert. (2014 studieren eine halbe Million junge Chinesinnen und Chinesen im Ausland, vgl. China Radio International und auch Leitungspersonen von Hochschulen bilden sich im Ausland weiter, vgl. University World News).

Das Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns ist echt und wird nicht einfach freundlichkeitshalber erwähnt. Sogar der Associate Dean der School of Education erzählt von “Lukas”, dem ersten Austauschstudenten der PH Zürich, der ein Gastsemester in Guangzhou verbracht hat, zwei ehemalige Gaststudentinnen, die bei uns in Zürich waren und jetzt kurz vor den Abschlussprüfungen sind, kommen am Nachmittag mit auf eine Tour und an unsere Vorlesungen.

Die SCNU ist auch stark in Curriculumentwicklung, momentan unterstützt sie 115 Schulen im Distrikt Guangdong bei der Entwicklung von Lehrplänen.

In der anschliessenden Frage- und Antwortrunde fragen wir nach den grössten Herausforderungen. Liu Ming nennt die Gaokao-Reform. Das Abschneiden in dieser einmal jährlich durchgeführten Universitätseintrittsprüfung entscheidet bisher praktisch über die Zukunft (sogar der Familie, weil das Einzelkind ja die “Investition” ihrer Eltern und somit auch ihre eigene Altersversicherung ist). Geplant ist jetzt, die Prüfung in mehrere z.T. wiederholbare Teile aufzuteilen, und nicht nur die einmalige “Performance”, sondern auch das Potenzial der Schulabgängerinnen und -abgänger einzubeziehen. (Vgl. dazu Beiträge der regierungsnahen China Daily:
– Nicht nur Wissen, auch seine Anwendung soll geprüft werden:
– Weniger Englisch
– Förderung der Berufsmittelschulen
– (die allgemein angepriesen werden)

Auf die Frage nach der Reputation der Lehrkräfte meint Liu Ming, sie sei grundsätzlich hoch weil die chinesische Kultur Bildung und Erziehung hoch achte. Viele Teenager wollten gerne Lehrer/in werden. Allerdings treffe dies stärker auf die jungen Frauen zu, die jungen Männer ziehe es zu den Ingenieurberufen.
Wer einmal Lehrerin oder Lehrer ist, bleibt es in der Regel. Das hat einerseits damit zu tun, dass Chinesinnen und Chinesen Stabilität lieben, es gibt aber auch kaum Möglichkeiten, sich in ein anderes Berufsfeld zu entwickeln und finanziell ist es auch kaum möglich, einmal eine Familienpause zu machen.

Auf dem Weg zum Mittagessen erzählt mir Guo Jie, den ich von seinem Besuch in Zürich her kenne, dass Liu Ming und er den allerersten Gaokao nach der Kulturrevolution 1977 absolviert hätten. Davor seien ja die Universitäten 10 Jahre geschlossen gewesen. Eine halbe Generation habe so mindestens gefehlt, und es sei schwierig gewesen, die Bildung neu aufzubauen. Den damaligen Gaokao hätten z.T. auch 31-jährige absolviert, die noch ein Studium hätten machen wollen. 4% seien an eine Uni aufgenommen worden, mehr Plätze habe es nicht gehabt. Aber sie hätten nachher alle sehr gute Karrierechancen gehabt.
(Vgl. einen Zeitzeugenbericht über die Kulturrevolution in Guangzhou)

Zum Wiederaufbau nach Kulturrevolution und der “Rehabilitierung” von Konfuzius vgl. das österreichische Institut für China- und Südostasienforschung.

Mit unseren Academic Lectures am Nachmittag können wir Kolleginnen und Kollegen und Studierenden die Schweiz, unsere Schulen und die Lehrpersonenbildung näher bringen. Die anschliessenden Diskussionen sind engagiert und wie uns scheint auch offen, d.h. ein Student widerspricht z.B. auch der Ansicht eines Professors.
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Bilder Monica Bazzigher. Ein Bild von Stefan Baumann, dessen Veranstaltung über die Schweiz eines der Highlights war, fehlt hier noch

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