Das Einfache, das schwer zu machen ist

Petra Moser – Seitenblicke

Es gibt philosophische Formeln, in denen Erfahrungen angesprochen werden, die wir am eigenen Leibe gemacht haben und am liebsten für uns behalten möchten. Hierzu gehört Ernst Blochs Diktum vom «Dunkel des gelebten Augenblicks». Entsprechend sind wir im blinden Fleck unserer Selbst- und Weltwahrnehmung ganz nah bei uns, zumindest für Momente, Minuten und, wenn wir Glück haben, für länger – mit geliebten Menschen, vor grossen Kunstwerken oder inmitten der unfassbaren Reize der Natur. Diese ebenso intensiven wie intimen Momente möchten wir noch in der Erinnerung nicht preisgeben; teilen wir sie mit, teilen wir sie also, teilen sie sich, verlieren sie ihren Glanz als etwas Einzigartiges. Dabei versagt uns bisweilen die Sprache und im «Dunkel des gelebten Augenblicks» wird es unerwartet ungemütlich.

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Über unerledigte To-do-Listen

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustration: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Klavier spielen. Singen. Regelmässig Yoga. Permakultur. Surfen. Akrobatikkurs. Das steht in meinen elektronischen Notizen unter dem Titel «Leben nach der PH». Ich liebe To-do-Listen. Ich habe immer so eine Liste erstellt für die Zeiten nach Ausbildungen. Denn man vergisst allzu schnell, was man eigentlich alles machen wollte, wenn man dann wieder genug Zeit hat.

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Same same, but different

Karin Zopfi Bernasconi – Seitenblick

Theoretisch scheint die Sache so klar wie die bescheinigte Geburtenfolge im Familienbüchlein: Biologische Geschwisterkinder haben eine zur Hälfte identische Anlage und wachsen in ihrer Familie grundsätzlich in derselben Umwelt auf. Welche Rolle die Anlage, sprich das Genom, in der menschlichen Entwicklung spielt und wie es um den Einfluss der äusseren Faktoren steht, beschäftigt die Entwicklungspsychologie seit ihren Anfängen. Der gefundene Konsens wirkt als Maulkorb für ideologische Grabenkämpfe, denn die Wichtigkeit der Anlage, der Umwelt und deren Interaktion gilt mittlerweile als unbestritten und in etwa hälftig verteilt.

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Nüchterner Abschied

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustration: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Ich weiss nicht, wie das damals bei Ihnen war. Wie Sie Ihren Abschluss gefeiert haben? Korkenknallen? Jubelgeschrei? Luftsprünge? Freudige Umarmungen? Feiern ohne Ende? Ich für meinen Teil muss sagen, mein Abschluss war nüchtern, sehr nüchtern.

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Das Schreib-Ego hofieren

Alex Rickert – Seitenblick

Textfeedback ist eine scharfe Klinge. Vor ein paar Jahren machte ich ein Interview mit einem Schweizer Autor für ein Literaturmagazin zum Erscheinen seines neuen Romans. Nach langem Gespräch und noch viel längerer Arbeit am Text schickte ich ihm das Interview zum Gegenlesen. Ich fand den Text ziemlich gelungen. Als ich das Interview zurückerhielt, war ich beleidigt. Der Autor änderte sehr viele Stellen ab und kommentierte ausufernd. Nach einiger
Überarbeitung schickte ich ihm den Text ein zweites Mal mit dem Ergebnis, dass nun er beleidigt war. Denn aus dramaturgischen Gründen hatte ich nicht all seine Wünsche übernommen.

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Die Krux mit der eigenen Klasse

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustration: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Ich bin grundsätzlich eine Person, die Entscheidungen nicht bereut. Auch wenn ich bis zur Entscheidung selbst mit mir hadere. Habe ich sie einmal gefällt, trage ich die Konsequenzen. Und das meine ich ganz positiv. Denn ich bin der Überzeugung, dass man so oder so nicht zurückkann und sich deshalb besser gleich mit der neuen Situation, für die man sich ja entschieden hat, anfreundet. Und so ging es mir auch mit der Entscheidung, Klassenlehrerin zu werden.

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Bloss nicht zu viel Privates

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustrationen: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Ich habe Kopfschmerzen, mein Nacken fühlt sich steif an wie ein Kleiderbügel. Ich gehe in eine Massage in der Hoffnung auf Erleichterung. Die Massage ist eine Katastrophe. Ich verlasse das Massagezentrum mit hängendem Kopf, die Laune ist am Boden, die Tränen sind zuvorderst. Ausgerechnet da tönt es links von der Seite: «Grüezi Frau Hess!!!» Ich möchte im Boden versinken oder auf der Stelle unsichtbar werden, aber schon hüpft das Unausweichliche auf mich zu: Zwei Schülerinnen! In meiner Freizeit!

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Der Wert von klaren Aufträgen

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustrationen: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Eigentlich gebe ich mir immer sehr Mühe, wenn es darum geht, klare Aufträge zu erteilen. Ich mache Powerpoint-Präsentationen, erkläre den Schülerinnen und Schülern alles noch mündlich und verteile ein Blatt mit den wichtigsten Informationen über das Was, Warum, Wie, Wielange und Womit. Was passiert, wenn man dies nicht tut, habe ich kürzlich schmerzlich erfahren.

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