Nehmen uns Maschinen das Schreiben ab?

Alex Rickert – Seitenblick

Jetzt sind sie da, und sie sind ziemlich gut: Maschinen, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basieren und auf Knopfdruck fertige Texte ausgeben. Die KI-Software mit dem Namen GPT-3 (beta.openai.com) ist einer der mächtigsten Textgeneratoren, der auch für Deutsch funktioniert. Innert Sekunden produziert er ansehnliche Texte zu beliebigen Themen. Die Software ist in der Lage, eine Kindergeschichte zum Thema Freundschaft zu verfassen. Sie schreibt auf Wunsch eine Erörterung zur Schädlichkeit von Handystrahlung oder auch eine Einleitung einer Seminararbeit zum Thema Bildungsgerechtigkeit.

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Rührende Rückmeldung

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustration: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Ich habe diesen Sommer meine feste Stelle aufgegeben, um zu vikarisieren. Ich möchte so andere Schulhäuser kennenlernen, um mich auf dieser Basis im nächsten Jahr für eine Festanstellung zu entscheiden. Mein erstes Vikariat begann kurz nach den Sommerferien in einer Privatschule, wo ich für fünf Wochen zwei 3.-Sek-Klassen übernahm. Werden sie mich mögen? Werde ich es schaffen, in so kurzer Zeit eine Beziehung aufzubauen? Diese Fragen gingen mir kurz vor Antritt des Vikariats durch den Kopf.

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Augenringe im Klassenlager

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustration: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: «Oh gasch id Ferie?», fragte mich meine Nachbarin, als ich kürzlich mit gepackten Koffern das Haus verliess. «Nei, is Klasselager …», antwortete ich. Sie wünschte mir viel Spass. Ich zögerte einen Moment, bevor ich mit «Danke!» antwortete. Das Zögern kam nicht von ungefähr und wenn Sie die Kolumne von meinem Kollegen Georg Gindely bereits gelesen haben, dann wissen Sie warum. Was die Nachtruhe angeht, so ging es uns kein bisschen anders. Bei uns kam aber eine zusätzliche Herausforderung dazu: die Küche.

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Das Einfache, das schwer zu machen ist

Petra Moser – Seitenblicke

Es gibt philosophische Formeln, in denen Erfahrungen angesprochen werden, die wir am eigenen Leibe gemacht haben und am liebsten für uns behalten möchten. Hierzu gehört Ernst Blochs Diktum vom «Dunkel des gelebten Augenblicks». Entsprechend sind wir im blinden Fleck unserer Selbst- und Weltwahrnehmung ganz nah bei uns, zumindest für Momente, Minuten und, wenn wir Glück haben, für länger – mit geliebten Menschen, vor grossen Kunstwerken oder inmitten der unfassbaren Reize der Natur. Diese ebenso intensiven wie intimen Momente möchten wir noch in der Erinnerung nicht preisgeben; teilen wir sie mit, teilen wir sie also, teilen sie sich, verlieren sie ihren Glanz als etwas Einzigartiges. Dabei versagt uns bisweilen die Sprache und im «Dunkel des gelebten Augenblicks» wird es unerwartet ungemütlich.

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Über unerledigte To-do-Listen

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustration: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Klavier spielen. Singen. Regelmässig Yoga. Permakultur. Surfen. Akrobatikkurs. Das steht in meinen elektronischen Notizen unter dem Titel «Leben nach der PH». Ich liebe To-do-Listen. Ich habe immer so eine Liste erstellt für die Zeiten nach Ausbildungen. Denn man vergisst allzu schnell, was man eigentlich alles machen wollte, wenn man dann wieder genug Zeit hat.

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Same same, but different

Karin Zopfi Bernasconi – Seitenblick

Theoretisch scheint die Sache so klar wie die bescheinigte Geburtenfolge im Familienbüchlein: Biologische Geschwisterkinder haben eine zur Hälfte identische Anlage und wachsen in ihrer Familie grundsätzlich in derselben Umwelt auf. Welche Rolle die Anlage, sprich das Genom, in der menschlichen Entwicklung spielt und wie es um den Einfluss der äusseren Faktoren steht, beschäftigt die Entwicklungspsychologie seit ihren Anfängen. Der gefundene Konsens wirkt als Maulkorb für ideologische Grabenkämpfe, denn die Wichtigkeit der Anlage, der Umwelt und deren Interaktion gilt mittlerweile als unbestritten und in etwa hälftig verteilt.

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Nüchterner Abschied

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustration: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Ich weiss nicht, wie das damals bei Ihnen war. Wie Sie Ihren Abschluss gefeiert haben? Korkenknallen? Jubelgeschrei? Luftsprünge? Freudige Umarmungen? Feiern ohne Ende? Ich für meinen Teil muss sagen, mein Abschluss war nüchtern, sehr nüchtern.

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Das Schreib-Ego hofieren

Alex Rickert – Seitenblick

Textfeedback ist eine scharfe Klinge. Vor ein paar Jahren machte ich ein Interview mit einem Schweizer Autor für ein Literaturmagazin zum Erscheinen seines neuen Romans. Nach langem Gespräch und noch viel längerer Arbeit am Text schickte ich ihm das Interview zum Gegenlesen. Ich fand den Text ziemlich gelungen. Als ich das Interview zurückerhielt, war ich beleidigt. Der Autor änderte sehr viele Stellen ab und kommentierte ausufernd. Nach einiger
Überarbeitung schickte ich ihm den Text ein zweites Mal mit dem Ergebnis, dass nun er beleidigt war. Denn aus dramaturgischen Gründen hatte ich nicht all seine Wünsche übernommen.

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Die Krux mit der eigenen Klasse

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustration: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Ich bin grundsätzlich eine Person, die Entscheidungen nicht bereut. Auch wenn ich bis zur Entscheidung selbst mit mir hadere. Habe ich sie einmal gefällt, trage ich die Konsequenzen. Und das meine ich ganz positiv. Denn ich bin der Überzeugung, dass man so oder so nicht zurückkann und sich deshalb besser gleich mit der neuen Situation, für die man sich ja entschieden hat, anfreundet. Und so ging es mir auch mit der Entscheidung, Klassenlehrerin zu werden.

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