Die Grosse Pest von 1347–1353 und Corona

Die Macht der Seuche: Wie die Grosse Pest die Welt veränderte. (C. H. Beck, 2021)

Wie fühlt es sich an, fünf der eigenen Kinder an einer grauenhaften und noch dazu gottgewollten Krankheit sterben zu sehen? Für einen trauernden Vater im Pestjahr 1348 war es das Ende: «Die Glocken läuteten nicht mehr, und auch das Weinen hörte auf. So schrecklich war die Lage, dass alle nur noch mit ihrem eigenen Tod rechneten.» Und doch standen die Überlebenden der Seuche wieder auf, verlangten höhere Löhne, brachten starke Männer an die Macht – und wieder zu Fall.

Weiterlesen

Das Rumpeln der Welt

Esther und Salomon. (Tyrolia, 2021)

Esther und Salomon der österreichischen Autorin Elisabeth Steinkellner ist ein Buch über die Liebe. Es erzählt zum einen die zärtliche, fürsorgliche Geschwisterliebe zwischen der 14-jährigen Esther und der fünfjährigen Flippa, die einander umsorgen, als wären sie jeweils die Mutter der anderen; auf der anderen Seite die genauso aufmerksame, behutsame Geschwisterliebe des 14-jährigen Salomon zur fünfjährigen Aischa, die mit ihm und seiner Mutter als Familie zusammenwohnt.

Weiterlesen

Eine Frage des Stils

Die Schlange im Wolfspelz: Das Geheimnis grosser Literatur. (Rowohlt Verlag, 2020)

Was ist guter Stil? Und was hat das mit grosser Literatur zu tun? Schon Plato und Aristoteles waren uneins, ob es sich bei rhetorischen Mitteln nur um Routinen und Kunstgriffe oder bereits um wahre Kunst handelt. In seiner definitorischen Annäherung vermag auch Michael Maar Inhalt und Form nicht einfach zu trennen.

Weiterlesen

In Prototypen denken

Prototyping Society – Zur vorauseilenden Technologisierung der Zukunft. (transcript Verlag, 2019)

Der Buchtitel Prototyping Society repräsentiert durch dessen doppelte Bedeutung im Englischen den Inhalt des Buchs: Es wird eine Gesellschaft beschrieben, die fortlaufend Prototypen erzeugt und damit selbst verschiedene Prototypen der Gesellschaft hervorbringt.

Weiterlesen

Lernen ist Glück

Einfach gut lernen. (hep Verlag, 2021)

«Lernen bedeutet für mich Verlangsamung, Wiederholung, Schürfwunde, Begreifen, Glück.» Das Statement von Stephan Eicher ist eines von mehreren Persönlichkeiten, die in Einfach gut lernen zu Wort kommen. Nach Einfach gut unterrichten von 2018 legen Wiltrud Weidinger, Rudolf Isler und Hans Berner nun ihren neuen Band zum Thema Lernen vor.

Weiterlesen

Femizid

Gestapelte Frauen. (Unionsverlag, 2021)

Nach einer Ohrfeige ihres Freundes lässt sich die junge Rechtsanwältin in Patrícia Melos Roman möglichst weit weg von São Paulo nach Acre versetzen, um dort Gerichtsprozesse zu Femiziden zu beobachten. Im Amazonas wird sie Zeugin von ethnisch und rassistischen Femiziden und ihre eigene Geschichte holt sie ein.

Weiterlesen

Windungen und Wendungen

Mit fünfunddreissig beschliesst Nora Seed zu sterben. Die Hauptfigur in Matthew Haigs zauberhaftem Roman «Die Mitternachtsbibliothek» (Droemer 2021) gelangt jedoch nicht ins Jenseits, sondern findet sich in einer Welt zwischen Leben und Tod wieder. Punkt Mitternacht bleibt die Zeit stehen und Nora betritt eine Bibliothek mit endlosen Regalen. Jedes Buch bietet ihr die Chance, Entscheidungen zu revidieren und verpasste Versionen ihres Lebens auszuprobieren – als Olympiaschwimmerin, Musikerin, Philosophin, Mutter oder Gletscherforscherin. Aber welches davon ist das beste Leben?

Weiterlesen