Verschwundene Teenager

Kinder verschwinden spurlos und tauchen manchmal erst nach Jahren wieder auf. Der spanisch‑schweizerische Spielfilm Die nächste Haut (La propera pell, Isaki Lacuesta u. Isabel Campo 2016; Netflix) erzählt eine solche Geschichte. Seit dem Unfalltod seines Vaters wird der kleine Gabriel vermisst. Man geht davon aus, dass er nicht mehr lebt. Aber dann entdeckt man ihn acht Jahre später in einem Jugendheim. Der 17-Jährige kehrt nach Hause zurück, scheint sich aber kaum zu erinnern. Das wiederum weckt Zweifel an seiner wahren Identität.

Um einen offensichtlichen Identitätswechsel geht es hingegen im fesselnden Jugendroman Das zweite Leben des Cassiel Roadnight (dtv 2011) der britischen Autorin Jenny Valentine. Als der Obdachlose Chap ein paar Tage in einer Notunterkunft verbringt, entdeckt eine Mitarbeiterin seine Ähnlichkeit mit einem vermissten Jungen. Chap muss nicht lange überlegen. Er packt die Chance und lässt sich auf die waghalsige Geschichte ein.

Der indische Junge Saroo im Film Lion (Garth Davis 2016) geht durch unglückliche Umstände verloren. Die halbe Nacht wartet er am Bahnhof auf seinen Bruder und steigt schliesslich in einen abgestellten Zug. Die Waggons setzen sich plötzlich in Bewegung und bringen den kleinen Jungen in eine weit entfernte Region des Landes. Saroo kommt in ein Waisenhaus und wird später an ein Ehepaar in Australien vermittelt. Der Spielfilm basiert auf Saroo Brierleys Lebensgeschichte und zeigt in bewegenden Bildern, wie dieser sich als junger Erwachsener auf die Suche nach seiner Herkunft begibt.

Behüten?

Mario Bernet (l.) und Ruedi Isler - Unter vier Augen

Mario Bernet (l.) und Ruedi Isler – Unter vier Augen. Illustration: Elisabeth Moch

Mario Bernet: Vor der Fussball-WM gelangten ab und zu einige Panini-Bilder in meine Hände. Diese leitete ich an einen elfjährigen Nachbarsbuben weiter, der die Übergabe jeweils mit einem Freudentanz quittierte. Nicht so an einem Nachmittag im Mai: Diesmal nahm er die Ration nicht persönlich entgegen, seine Mutter führte mich ins Wohnzimmer. Er sass vor dem Fernseher, in der Hand die Spielkonsole. Auf dem Bildschirm sah ich, wie sich eine Figur den Weg durch eine Ruinenlandschaft freischoss. Die Mutter zuckte mit den Schultern. «Nichts zu machen», meinte sie, «wenigstens kämpft er als Frau.» Was fällt dir dazu ein?

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