Archiv der Kategorie: Kolumne

Bloss nicht zu viel Privates

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustrationen: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Ich habe Kopfschmerzen, mein Nacken fühlt sich steif an wie ein Kleiderbügel. Ich gehe in eine Massage in der Hoffnung auf Erleichterung. Die Massage ist eine Katastrophe. Ich verlasse das Massagezentrum mit hängendem Kopf, die Laune ist am Boden, die Tränen sind zuvorderst. Ausgerechnet da tönt es links von der Seite: «Grüezi Frau Hess!!!» Ich möchte im Boden versinken oder auf der Stelle unsichtbar werden, aber schon hüpft das Unausweichliche auf mich zu: Zwei Schülerinnen! In meiner Freizeit!

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Der Wert von klaren Aufträgen

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustrationen: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Eigentlich gebe ich mir immer sehr Mühe, wenn es darum geht, klare Aufträge zu erteilen. Ich mache Powerpoint-Präsentationen, erkläre den Schülerinnen und Schülern alles noch mündlich und verteile ein Blatt mit den wichtigsten Informationen über das Was, Warum, Wie, Wielange und Womit. Was passiert, wenn man dies nicht tut, habe ich kürzlich schmerzlich erfahren.

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Laut und deutlich

Karin Zopfi Bernasconi – Seitenblick

Ein zweifelhaftes Verdienst der modernen Psychologie liegt in der Verklärung der extravertierten Persönlichkeit. Gemäss Lehrbuch zeichnet sich Extraversion durch Aktivität, Abenteuerlust, Fröhlichkeit, Herzlichkeit, Geselligkeit und Dominanz aus. Am anderen Ende des zweipoligen Konstrukts sitzt die kleine, unscheinbare Schwester namens Introversion.

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Die Krux mit den Noten

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustrationen: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Es war in einem Praktikum, als ich zum ersten Mal Noten verteilen musste. Die Klasse hatte im Französischunterricht den Auftrag, selbstständig eine Szene in einem Restaurant einzuüben und diese anschliessend vorzuspielen. Die Lernziele und das Bewertungsraster erhielten die Schülerinnen und Schüler von mir frühzeitig und in schriftlicher Form.

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Das Schreibgenie verbirgt sich nicht in den Genen

Alex Rickert – Seitenblick

Ich habe einen Freund, der ist quasi ein Schreibgenie. Er hat keine tertiäre Schulbildung, schreibt aber Mails, Grusskarten und Geschichten so witzig, klar und poetisch, dass ich ihn um seine Gabe beneide. Mich treibt die Frage um: Warum zum Henker schreiben wenige Leute so gut und die meisten nicht? Wurden manche als Wunderkinder mit einem Schreibgen geboren? Haben ihre Lehrpersonen oder Eltern sie speziell gefördert?

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Tückische Fremdsprachen

Anna-Tina Hess und Georg Gindely
Illustrationen: Elisabeth Moch

Anna-Tina Hess: Kürzlich hatte ich eine schöne Idee für den Einstieg in den Französischunterricht. Die Erstklässler sollten – passend zum Lernziel «Ich kann mit Hilfe von Geräuschen eine Geschichte verstehen» – an verschiedenen Orten im Schulhaus Geräusche aufnehmen. Ziel war, dass die Klasse anschliessend die Geräusche abspielt und die anderen erraten, worum es sich handelt.

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«Ok Boomer» – winter is coming!

Karin Zopfi Bernasconi – Seitenblick

Erst durch die beiläufige Bemerkung einer jungen neuseeländischen Politikerin im vergangenen Herbst hat sich der Ausspruch «Ok Boomer» in unserem kollektiven Gedächtnis festgesetzt. Seither gilt er unter jüngeren Menschen als geflügeltes Wort. «Ok Boomer» findet vor allem dann Verwendung, wenn Argumente der Millennials, beispielsweise bei der Klimadebatte, von älteren Personen, vornehmlich Angehörigen der Baby-Boomer-Generation, nicht ernst genommen werden. Die Phrase gilt als bewusstes Totschlagargument; sie stellt jeden weiteren Dialog kalt. Als Folge des «Ok-Boomer»-Phänomens stellt sich die Frage: Hat die globale Erderwärmung zur Eiszeit zwischen den Generationen geführt?

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